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Die Stimme · 1934-02-02 · Heft 325 (2.2.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 325 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME f;»• 5 «etzt. Ein Betrag von mehreren tausend Pfund wurde für den Ausbau des palästinensischen Kinderdorfes Ben-Schemen zur Verfügung gestellt. Es sind aber auch Ansätze vorhanden, und es werden in dieser Beziehung alle Anstrengungen gemacht, um jüdische Kinder auch in englischen oder in englisch-jüdischen Schulen unterzubringen. Alles in allem, schließt Frau Laski, sind die jüdischen Frauenorganisationen, die ln allen Städten Englands Vertreterinnen haben, bestrebt, die Pflicht der jüdischen Frau gegenüber, der Not des jüdischen Volkes trotz der schweren wirtschaftlichen Lage mit allen Kräften zu erfüllen. Frau Laski benützte den Aufenthalt in Wien zur Besichtigung der zahlreichen Institutionen der jüdischen Gemeinde. Mit besonderem Lob und großer Begeisterung gedenkt sie der von den Führern dieser Gemeinde geschaffenen sozialen Einrichtungen, insbesondere des von Dr. I. K I a b e r so mustergültig geleiteten Fürsorgewesens. Frau Laski nimmt trotz der deprimierten Stimmung, die sie aus begreiflichen Gründen in der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt vorfand, doch beste Eindrücke vom jüdischen Wien mit, in dessen Gemeinde sie soviel ersprießliche Aufbauarbeit bewundern konnte. Notiz Die Leitung der „W i i o” - W i e n hat beschlossen, bei genügender Beteiligung aus den Kreisen der Mitglieder und ihrer Anhänger im Frühjahr 1934 (Ende April bis Mitte Mal) eine Palästina-Reise zu veranstalten. Nähere Informationen sind im Wizo-IIeim, L, Jordangasse 7, zwischen 6 und 7 Uhr abends von Montag bis Donnerstag einzuholen. Die Ermordung Arlosoroffs Jaffa. Ein Vorstoß der Verteidigung im Jaffaer Untersuchungsverfahren gegen Stavsky und Genossen laßt die Möglichkeit einer Wendung in der Untersuchung zur Aufklärung des Mordes an Dr. Arlosoroff offen. In der letzten Verhandlung bracht Rechtsanwalt Horace Samuel zum erstenmal auf Grund von Mitteilungen des Jerusalemer Staatsanwaltes den seiner Meinung nach sehr begründeten Verdacht zum Ausdruck, daß die Mörder Dr. Arlosoroffs Araber gewesen seien. Zwei Araber, Abdul Majis Dalhendi Bukhari und Jssa Darwisch AI Kurdi, seien im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs verhaflet worden. Der erste habe ein zweimal mit seiner Unterschrift bekräftigtes Geständnis abgelegt, er sei derjenige gewesen, der Dr. Arlosoroff ins Gesicht geleuchtet habe, als der zweite Attentäter auf ihn schoß. Rechtsanwalt Samuel verlangte, daß ihm die Polizei Einblick in die Akten gewähre und daß die beiden Araber zunächst in der laufenden Untersuchung als gewichtige Zeugen vernommen werden. Ferner verlangte der Verteidiger, daß die von der Polizei gefundenen Revolverkugeln, von denen man annehme, daß sie dem au3 dem Körper Dr. Arlosoroffs entfernten Projektil gleich sind, dem Gericht vorgelegt werden. Der Leiter der Kriminalabteilung der Palästinapolizei, Hauptmann Rice, erklärte, er sei nicht in der Lage, dem Verlangen der Verteidigung zu entsprechen, da die Untersuchung gegen die zwei Araber noch geheim sei. Der Vorsitzende Richter Bodilly bemerkte, es stehe ihm kein Mittel zur Verfügung, die Polizei zur Erfüllung der Bitte der Verteidigung zu zwingen. Er legte dem Verteidiger nahe, die Registraturbeamten der Jerusalemer Polizei vorladen zu lassen. Am folgenden Tag äußerte sich Polizeihauptmann Rice zu den Ausführungen des Rechtsanwaltes Horace Samuel. Er erklärte, die Aussage Abdul Majis sei voll von Widersprüchen und ansclteinend falsch; doch werde die Untersuchung über seine Angaben am Montag beginnen. Der zweite Araber, Issa Darwisch aus Jaffa, d£r angeblich auf Dr. Arlosoroff geschossen haben soll, sei im Juli; verhaftet, später freigelasscn, aber auf Grund von Angaben Abdul Majis in diesem Monat wieder in Haft genommen worden. Ursprünglich sei der Araber im Zusammenhang mit einem Blutrachemord an einem anderen Araber verhaftet worden. Mitgefangenen habe Abdul Majis gesagt, er hätte Arlosoroff getötet. Vor dem vernehmenden Polizeibeamten erklärte er später, daß er und Issa Darwiscli auf dem Strande ein jüdisches Mädchen überfallen wollten, doch sei ein Jude dazwischengetreten, deshalb hätten sie auf ihn geschossen. Rechtsanwalt Samuel erklärte, er glaube sich zu erinnern, daß Hauptmann Rice selbst ihm gesagt habe, die kugeln aus dem Revolver Abdul Majis seien vom gleichen Kaliber wie die Kugel, durch die Dr. Arlosoroff fiel. Am darauffolgenden Verhandlungstage erklärte Richter Bodilly, er werde Abdul Majis als einen von der Staats- ^ssssssssmBsmBsmBBSBmBBBasBsssafBfmmsmaasm Anwaltschaft geführten Zeugen hier vor Gericht verhören, sobald die Vernehmung der jetzt von der Verteidigung geführten Zeugen abgeschlossen sein wird. Die Verteidigung erhob Einwand dagegen, daß nach Beendigung der Vernehmung der Verteidigungszeugen wieder auf Ankfagezetigen zurückgegriffen wird, und machte den Vorschlag, daß eine schriftliche Erklärung von Abdul Majis vor Gericht verlesen wird. Richter Bodilly verfügte entgegen diesem Wunsche der Verteidigung d i e Vorführung Abdul Majis’ vor Gericht. Polizeihauptmann Rice erklärte, die Polizei sei völlig davon überzeugt, daß die von Abdul Maj!s vorgebrachte Geschichte erdacht sei und keinerlei realen Wert habe; die Polizei legt Wert darauf, daß die Angelegenheit durch Vernehmung von Majis vor Gericht geklärt werde, damit sie nicht nachteilirr auf die Aufklärung de? Mordfalles einwirkt. AUSDENORjTTENREJCH Jüdischer Tatsachenbericht über Deutschland Paris. Genau ein Jahr nach der Uebcrnahme der Macht durch Hitler in Deutschland erscheint, vom Comit6 des Ddlcgations Juives in Paris herausgegeben, eine Denkschrift, welche das gesamte Material zur jüdischen Lage in Deutschland zusammenfnßt. Die in deutscher Sprache erscheinende Schrift, der eine französische und eine englische Uebersetzung folgen werden, führt den Namen «Das Schwarzbuch. Tatsachen und Dokumente. Die Lage der Juden in Deutschland 1933». Die Denkschrift, ein stattlicher Band von 540 Seiten Großoktav, ist mit peinlichster Gewissenhaftigkeit durchgearbeitet. Sie gliedert sich in zehn Kapitel. In der Einleitung wird gesagt: Es lag die unabweisbare Pflicht vor, die Weltöffentlichkeit so gut wie möglich darüber zu unterrichten, was den Juden in Deutschland geschehen ist. Wir wissen nicht, ob man uns vorwerfen wird, wir hätten Greuelhetze getrieben. Es ist wahr, wänches in der Denkschrift Enthaltene klingt wie Greuel oder, besser gesagt, es ist Greuel. Aber das sind die Greuel aus dem Leben der Juden in Deutschland, die unter dem wachsamen und scharfen Auge des Zensors in Deutschland in deutschen, häufig in nationalsozialistischen Zeitungen berichtet und von deutschen Nachrichtenagenturen verbreitet werden. Is.t es Greuelhetze, was wir getrieben haben? Ist es das, nun, so ist es offizielle Greuelhetze des neuen Deutschland selbst. Wir haben die. Frage nicht zu beantworten, warum die Reichsregierung die Nachrichten von .Greueln in Zeitungen drucken läßt. Kinder im Oranienburger Konzentrationslager Der gewesene sozialdemokratische Reichstägsabgeordnete Gerhart Seger teilt in seinen Berichten über die Zustände im Konzentrationslager Oranienburg mit: Kurz nach den Märzerefgnissen w;urde in der südlichen Umgebung Berlins, in W o 1 z i g, ein j ü d is c h c s Landerziehungsheim von den Nationalsozialisten ausgehoben. 40 Schüler im Alter von 13 bis 22 Jahren wurden unter dem Vorwand, mit dem kommunistischen Jugendverband in Verbindung gestanden zu haben, für zwei Monate ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Ist es an sich schon eine Barbarei ohnegleichen, derartige Kinder in ein Konzentrationslager zu bringen, so wurde diese Barbarei noch verschärft durch die rohe Behandlung. Zu einer miserablen Unterbringung, die die jungen Menschen verwahrlosen ließ, kam die Mißhandlung: ein S. A.-Mann namens Anders, ein verrohter Trunkenbold, war zum ständigen Kommandeur dieser Gruppe bestimmt worden und übte diesen Auftrag in verwegenstem Umfange aus, mit Schlägen,. Strafexerzieren, Zwangsarbeit, mit Schikanen aller Art. War Oranienburg im ganzen eine Hölle, so war es dies für die jüdischen Gefangenen im besonderen. Im ersten Drittel des September wurde die .«Judenkompagnie» aufgelöst, ein Teil der Gefangenen kam nach Sonnenburg, ein anderer nach Papenburg. Ein jüdischer Religionslehrer aus Rathenow wurde vom ersten Tage seiner E’nlicferting an unerhört behandelt. Seine aufrechte Art, den Schmähungen zu begegnen, löste bei den S. Ai-L'euten e'ne grenzenlose Wut aus.' Fast jede Woche brachte dieser Mann im Dunkelarrest zu; wochentags wie Sonntags wurde er von Stahlkopf unzähligemal über die H'ndernisbahn gejagt. Selbstverständlich waren auch diesem Manne die Haare kurzgeschoren worden. Einige Wochen tat im Oranienburger Lager ein Sturmbannführer namens Paege Dienst. Er verfügte, daß kein Jude mit einem anderen Gefangenen sprechen dürfe; er wies den jüdischen Gefangenen auf dem h’nteren Hof des ftftiion VIII-1X, &tstsaal des Jfande^- museums, 9. ‘Bezitlk, älergtfasse Jlv. 19 Donnerstag, mm 8. mar, a Wir aöends: 3)r. Csfiax &rünöaitm: Ordnung in der Judenfrage Stau 0r JRartfia Moffmmm: MftstiiiFfai) will der Zionismus >Tr. 325 — 2. Februar 19$4 ..- Hi ii ■■■' .... i ■ + ZIONISTISCHE BEZIRK88EKTION XII/XIV/XV Wion, XV., Harklot*ga<»e Nr, 21 JEEDISCHER ABEND (Akademie mit anachlieOendem Tanz) am Samstag, den 3. Februar 1934, 8 Uhr abends, Im F/st- Baal des Jüdischen Vereinshauses, XV., Horklotzgasse Nr. 31, Rade: DR. E. M. ZWEIG (Jerusalem) Mitwirkend: DR. MAX HÖNIG (Volkslieder), ERICH MANN (Rezitation), STEFFY MANN-MANNHEIM (Gesang) und N. MAGNUS (Conference) JAZZKAPELLE RIESENFELD Künstlerisches Arrangement: Jüdische Kunststelle Karten-Verkauf: Lederwaren Schreiber, XIV., Kummborgergasse fi; Buchhandlung Pollak, XV., Marlahllferstraße 140; Schneldersiugehör Lande, XII., Schünbrunnerstraßo 188. Lagers eine abgegrenzte Ecke zum Auf- und Abgehen an und verbot ihnen auch das Betreten des allgemeinen Tagraumes der Gefangenen. Kein Zutritt zum Handwerk München. Die Anstrengungen der jüdischen Organisation «Land- und Handwerk», jüdische Jugendliche im Handwerk unterzubringen, begegnen dem scharfen Widerstand der nationalsozialistischen Führer in den Provinzen, die gemäß Weisung des Münchner Braunen Hauses, entgegen den Verordnungen des Reichswirtschaftsministerium, es nicht z u I a s s e n, daß Handwerker (auch Juden) jüdische Lehrlinge beschäftigen. Handwerkern, die dieser Weisung nicht gehorchen, wird mit der Entziehung ihrer Lizenzen und mit Boykott gedroht, auch sollen sie als «Staatsfeinde» erklärt werden. Die Handwerkerkammern machen scharf Propaganda gegen das Reichswirtschaftsministerium wegen dessen These, daß ln der Wirtschaft Arier und Nichtarier gleich zu behandeln sind. Drei Millionen Juden und Judenstümmlinge in Deutschland? Berlin. Der Leiter des Rasseamtes der Regierung Achim Gerke teilt mit: Im Rasseamt des Innenministeriums gibt es ein Archiv mit Namen und Stammbäumen von etwa drei Millionen in Deutschland lebender Juden und Judenstämmlingc; mittels des auf dem Indexkartensystem aufgebauten Archivs wird jeder Jude und Judenstämmling kontrolliert. Ein anderes Archiv enthält 13.000 von Juden benutzte deutsch klingende Namen. Ein Stab von 870 Beamten untersucht die Matriken der verschiedenen Gemeinden, um zum Christentum übergetretene Juden auf zu spüren und die Abkunft der jüdische oder biblische Namen tragenden angeblichen Arier zu erkunden. Jeder, der nicht ln der Lage ist, seine rein arische Abstammung bis zum 1. Jänner 1800 nachzuweisen, wird von Amts wegen als nichtarisch angesehen. Dieses Datum wurde darum gewählt, \yetl es vor 1800 keine Mischehen gab; die Juden hielten sich damals noch an das Gebot der Reinheit der Gemeinde und lebten, von den Nichtjuden abgesondert, in Ghettos. «Juden dürfen sich ln Franken nicht mehr öffentlich zeigen» Nürnberg. Eine Schilderung des von Hitlers Freund und Arrangeur des Judenboykotts im Frühjahr 1933 Julius Streicher herausgegebenen «Stürmer» beleuchtet die tragische Situation der Juden in Mitteldeutschland. «Stürmer» stellt frohlockend fest, daß ein Jude in Franken sich nicht mehr öffentlich zeigen darf, da jeder fränkische Bürger bereits so weit erzogen worden ist, daß er ein jüdisches Gesicht auf den ersten Blick erkennt. Von auswärts eintreffende Juden werden sogar von Kindern'erkannt und verhöhnt. «Stürmer» nimmt scharf Stellung dagegen, daß man zugunsten der Leipzger Messe die wirtschaftlichen Schranken gegen die Juden lockern will und besteht darauf, daß der wirtschaftliche Feldzug gegen die Juden solange fortgesetzt wird, bis der letzte Jude aus dem Leipziger Ha ndtl hinausgestoßen ist. Die jüdische Oeffentlichkeit wird hoffentlich dem Streicher helfen, dieses Ziel zu erreichen. Auch Professor ICroner rnafj 6uhen Kiel. Vor einigen Tagen wurde das Kolleg des bekannten Philosophen Professor Richard Krön er in Kiel durch Nationalsozialisten, die den Gelehrten durch wilden Tumult an Lesen verhinderten, gesprengt, was einer Beendigung der Lehrtätigkeit Kroners gleichzuachten ist. Gegen Kroner, der als Kriegsteilnehmer — er war Oberleutnant im Felde — trotz nichtarischer-Abstammung zugelassen war, hatten die Studenten bereits vor einigen Wochen Sturm gelaufen, um ihn aus der Kantgesellschaft, deren Präsident er war, hinauszuwerfen, was Ihnen auch gelungen war. Kroner Ist einer der hervorragendsten Kenner der Philosophie des deutschen Idealismus, die er in seinem zweibändigen Werk «Von Kant bis Hegel» dargestellt hat. Als Präsident des Hegel-Weltbundes wurde er noch im Frühjahr vorigen Jahres, u. a. von 9r. (Fqul lüetger; Dieder wneo Jugend 2

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