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Die Stimme · 1934-02-02 · Heft 325 (2.2.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 325 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 325 — 2. Pebroaf 1034 OIE STIMME Sdfr % Palästinensische Kuriosa odtr Auswüchse deutsch-jüdischer Assimilation mnwc 9omc>4eri<alirtfntch POIEMV Abfahrt; 15. F*»«r 1SS4, Rückfahrt: 4. HSri ISIS Wsi—Krlka« Wim-lsmbsrg ssd rctfiir s 9ME and retour * 80'- In Palästina erscheint seit einiger Zeit, von Ittamar ö e n - A w i herausgegeben, eine hebräische, in lateinischen Lettern gedruckte Zeitschrift unter dem Titel «Deror* («Die Freiheit»). Diese durch nichts gerechtfertigte, dem historischen Prozeß und Sinn der hebräischen Sprache ins Gesicht schlagende, merkwürdige Erscheinung Im heutigen palästinensischen Leben, hat bereits in der zionistischen Presse, insbesondere in der deutsch geschriebenen, eine bisweilen recht scharfe Polemik hervorgerufen. Am merkwürdigsten berührt wohl die Stellungnahme der «Jüdischen Rundschau», Berlin, die mit Argumenten aus dem Reservoir rationalistischer Ideologie den Eindruck erweckt, diese unlvstorische Erscheinung verteidigen, ja, ihre Notwendigkeit begreiflich machen zu müssen. Bedingungslose Ablehnung ist hier jedoch am Platz. Es liegen weder geistig-kulturelle noch praktische Notwendigkeiten vor, die hebräischen Schriftzeichen durch lateinische zu ersetzen. Das Argument, den Neueinwanderem, insbesondere jenen aus Deutschland, die ins Land kommen und des Hebräischen unkundig sind, Verständigungsmöglichkeit für die erste Zeit zu bieten, bricht sofort in sich zusammen, wenn man bedenkt, daß einerseits bekanntlich heute in Palästina kaum ein Mensch lebt, der nicht deutsch versteht, und daß anderseits von allen möglichen Seiten Sprachkurse für Neuankömmlinge jeden Alters und Geschlechts errichtet werden, die den Neueinwanderern die sprachliche Eingliederung leicht ermöglichen. Die lateinischen Schriftzeichen können nur Verwirrung anstiften. Vor mir liegt die erste Ausgabe des «Deror», und ich muß gestehen, daß es mir als Hebräischsprechenden ungemein schwer fällt, diese Zeitung zu lesen. Um wieviel schwieriger muß es für einen sein, dem das hebräische Wort fremd ist. Daß dem so ist, Überzeugt wohl jeden die Leseprobe am Schluß des Artikels. Was also ist damit beabsichtigt? Etwa einen Kampfprozeß künstlich einzuleiten? Wiewohl dessen Ende für niemanden zweifelhaft sein kann, ist er schon jetzt im Keime als etwas ganz Absurdes zurückzuweisen. Hier liegt nichts anderes vor, als ein allerdings läppischer Versuch, die ärgsten Auswüchse deutsch-jüdischer Assimilationssucht, deren, Pendant wir in den grotesken Erscheinungen des Reformjudentums zur Genüge kennen, nach Palästina zu verpflanzen. Gefährlich ist der Versuch, weil er sich gerade, auf ein Gebiet begibt, das auch von der nichtjüdischen Weityals .1Wundcr. bestaunt wird, ein Gebiet, dem die besten und edelsten Kräfte unserer Nation hingebungsvoll sich gewidmet haben und widmen, das Gebiet der Lebendigmachung der totgewähnten hebräischen Sprache. Ein Versuch, der, obwohl vom Palästinenser Ittamar ben-Awi unternommen, doch den Stempel der liberalen Synagoge von Berlin-Willmersdorf trägt, und vom Geiste gröbster Assimilation, vom Ungeist des Gottesdienstes bei Schallplatten und ohne Kopfbedeckung erfüllt ist. Nein, wir haben weder hier noch in Palästina das Bedürfnis, die hebräische Sprache mit ihren, das Leid jahrtausendalter Vergangenheit und zugleich die schöpferische Freude des Werdens freinationaler Zukunft in sich tragenden heiligen Schriftzeichen mit anderen zu vertauschen. Ruhm in der Weltliteratur? Hebräisch als Weltsprache? Man zeige uns eine zweite nationale Literatur, die der Welt ein gleiches Werk in nationaler Sprache geschenkt hat wie die hebräische f Man zeige uns ein Werk im Konzert der nationalen Literaturen der Welt, das eine ähnliche Popularität erlangt hat — wie die Bibel. Also: C u i b o n o? Ist es wirklich um eine Popularisierung nach außen zu tun, so ist es wohl des Opportunismus ein wenig zu viel. Nein, Herr Ittamar ben-Awi, um ein Linsengericht verkauft Israel seine Erstgeburt nicht. Aber um was jedoch geht es da in Wirklichkeit? Ist es wirklich rnn die Sprache, um dieses alte, neu errungene, heilige Gut? Geht es da nicht vielmehr um ein paar sie Sprechende, jedoch gründlich Mißverstehende, um ein paar Literaten, die unbedingt und um jeden Preis popularisiert werden möchten und sich von einem größeren Leserkreis größeren Ruhm (?) erhoffen oder, weil sie sonst nichts Unvergängliches schaffen können, als Neuerer sich gefallen? Ist es der Ruhm seines Vaters, des berühmten hebräischen Sprachschöpfers Elieser Ben jehuda, der seinen Sohn Ittamar scheinbar nicht ruhen und ebenfalls auf spractuschöpferischem» Gebiete wirken läßt? Aber sie irren sich gründlich, diese Neutöner und Nachbeter jeder fremden Kultur. Die Geschichte und die Zeit werden über sie und ihre «reformatorischen» Bestrebungen hinweggehen, als über einen lächerlichen, überflüssigen Versuch, unter dem Deckmantel der Moderne eine Entwicklung rückschraubeti zu wollen, indem sie sie zu zerstören versuchen. Denn die Entwicklung der hebräischen Sprache bedeutet Weiterleben, Vorwärtsschreiten in ihrem eigenen kostbaren Gewand, den alten, durch die Vergangenheit, aber auch durch den Kampf um ihre Wiedererweckung und Erneuerung geheiligten Schriftzeichen. Einen Anschein von Berechtigung hätte dieser Versuch noch, wenn man von der Notwendigkeit einer einheitlichen Schrift unter den Nationen, etwa in der Art einer Weltsprache (Esperanto), überzeugt wäre. Aber wie weit sind wir heute von solchen Einheit»« und Vereinigungsbestrebungen entfernt» ganz abgesehen davon, daß im Interesse des Ganzen die wahre Völkerverbrüderung ja n cht die geschichtlich-bedingte Eigen- #Kl und Eigenkultur der einzelnen Nationen Aufheben würde. Der Zionismus als liberale und moderne Bewegung, die den Fortschritt bejaht und den Weg zum Licht sucht, ist natürlich weit davon entfernt, auf welchem Gebiete immer, Dogmen, die durch das Leben und die Entwicklung ihre Kraft eingebüßt haben, verteidigen zu wollen. Die Idee des Zionismus ist in religiösen Belangen trotz individueller Freiheiten, durch ihr Bekenntnis zur religiösen und nationalen Einheit des jüdischen Volkes verankert. Allein der Zionismus als nationale Bewegung hat wie jede echte nationale Bwegung den Sinn fürs Historische, für die lebendigen Zusammenhänge von Gestern und Heute als schöpferische, aufbauende Kraft des Morgen in sich immanent. Aus den gleichen historisch bedingten Gründen lehnen wir daher jenes unhistorischc Produkt von Ittamar ben-Awi ab, der dem historischen Werk seines berühmten Vaters damit ein unwürdiges Denkmal setzt. Diese Strömung der Latinisierung der hebräischen Schriftzeichen versucht auch programmatisch ihre Notwendigkeit darzustclien, indem sie erklärt, daß, während die hebräische Sprachschöpfung Ben Jehudas bloß zehn- und hunderttausende Hebräischsprechende erzog, dessen Schüler ein Vielfaches erstreben, weil nach ihrer Auffassung nur die lateinischen Schriftzcichen die Neubelebung der Sprache und ihre Literatur die Tore der Welt eröffnen werden. Natürlich ist diese Argumentation ganz sinnlos. Denn Das große französische Filmmelsterwerk in deutscher Sprache Der Schrei nach Liehe ln den Hauptrollen: der berühmte . Charakterdarsteller HARRT BAUR und das Fllmwunderklnd ROBERT LYNEN, Regrle: JULIEN DUVIVIER Hauptdarsteller und Regisseur bekannt aus ihrem unvergeßlichen. Film, „David Golder“ Uraufführung ab heute: rotentorh-kiho Heimat-Kino I., Fleischmarkt 1 IX,, Porzellangasse 19 mm—m—mmmmm- Monopol: Kinofa, Wien, VII. was man, den besten Fall vorausgesetzt, nach außen hin an Breite und Verbreiterung gewinnen würde, müßte man an Tiefe und nach innen einbüßen. Es müßte ja, praktisch und konsequent angewendet, der absurde Fall sich ergeben, daß auch im eigenen Lande die eigene Schrift als die fremdgewordene und rückschrittlich empfundene systematisch verdrängt wird, .was doch den Verlust von ungezählten 1m- PaS* und Visftpcbllhren gralisl — Numerier « Sitzplätze in beides Richtungen, geholzte Puliminnwngen hm na H■ Mi ■ Cd Po'nlsches Verk'uhri-bUro „FRANCOPOL w- «r. ss» ponderabilien, aber auch von abschätzbaren Werten nach sich ziehen müßte. Denn, wer nur einigermaßen die hebräische Sprache kennt, weiß, wieviel Beziehungen gerade zwischen ihren Schriftformen und ihr bestehen. Darüber hinaus ist zu erklären: I Das Bekenntnis zur eigenen Sprache ist immer ein Bekenntnis zur Herkunft, aber auch zur Zukunft. Wenn ftta- I mar ben-Awi die Lateinisierung resp. Modernisierung der türkischen Schriftzeichen al3 Ideal vorschwebt, so ist dem entgegenzuhalten, daß wir gerade heute Zeugen sind, wie gegenwärtig im Freistaate Irland, mit freilich weit wenige« Erfolg als dies beim Hebräischen der Fall ist, ernste Versuche unternommen werden, die alte irische Sprache und mit ihr die gälischen Schriftzeichen einer Renaissance zuzuführen. Es soll dies der deutlichste und sichtbarste Ausdruck der nationalen Unabhängigkeit und Befreiungsbestrebungen des irischen Volkes werden. Auch das jüdische Volk befindet sich in einem solchen Regenerationsprozeß, dessen erhabener und sichtbarster Ausdruck in der Wiedererweckung der hebräischen Sprache als nationales Instrument besteht. Jeder Versuch, den Prozeß auf diesem Gebiete künstlich zu hemmen, oder ihn von der klaren Linie weg durch scheinbar rationalistische Erwägungen in Gewirr und Verwirrung zu führen, bedeutet Verrat am Ganzen. Darum weg mit diesem, die Freiheit der nationalen Idee nicht achtenden Werk eines deutschjüdisch-palästinensischen Klüngels., «Deror» bedeutet wohl Freiheit. Aber Freiheit, wie wir sie meinen! Dr. Jakob Rosenthal. ★ Im folgenden sei hier eine kurze Leseprobe angeführt: 43 »henoi ha «Bima» Ka yadüa hhogägnet ha «B'.ma» ett 15 (hhamesh-esr6) shenotäha. Kol gedolö ha safrut we ha äsqanim ha zioniyim hishtameshu be hizdamenut zot le haäJot äl ness ett peülotcha shell hhalutzat ha Teatron a Ivri ba äretz u ba go!a. Birkatänu netuna ba-ze la «Bima» me ömeq lib£nu, we rotzim anu raq le air, kij hhalutz ha teatron ha ivri haya Eliezer Ben-Yehuda — asher katav gam hitzig öd li'frte 44 (arbaim we arbä) shanim hhizayon be shem «Ha Makkabim» bi Yerushalaym, be Zikron-Yaaqov beRishon-le-Zion u be Miqwe-Yisrael. Wer ist sclrald, wenn Jaden illeaal nach Palästina einwandern? Interview im Wiener Palästina-Amt 9 Nach der Balfour-Deklaration und nach Uebemahme des Pafästinamandates durch England schwor ich auf dessen guten Willen wie irgendwer. Als Mitschöpfer und damals Leiter des 1918 begründeten Palästina-Amtes Wien, des ersten dieser Art in der Galuth, war mir die loyale Amtsführung im vollen Einvernehmen mit den Organen der Mandatsmacht stets am Herzen gelegen. Um so mehr verdroß es mich deshalb, als neulich in Jerusalem der Hochkommissär, wie im Londoner Parlament der Kolonialsekretär, öffentlich den Vorwurf erhob, wir Juden hätten durch vielfache Umgehung <fer Einreisevorschriften die Regierung provoziert, gegen die «Illegalen» jene strengen Maßnahmen (Jagd auf Touristen, 60-Pfund-Kaution) zu ergreifen. wirk« rasch und sicher bei Rheumatischen Gichtischen Beschwerden, Kopfschmerten, Erkll-, tungskrankheiten. 6000 Ärxtegutacliten! Togal scheidet die HarnsSure aus, geht .direkt *ur Wurzel des.Übels. tt—'nra~ fiSiM—w Also machte ich mich nach dem Palästina-Amt, 1., Kärntnerstraße 28, auf. Dort kann man zur Mittagsstunde gewiß sein, dessen Leiter, Rechtsanwalt Dr. Simon Horowitz, anzutreffen, welcher den Betrieb überwacht und zugleich selbst mit Rat und Tat einzugreifen pflegt. Mühsam zwängte ich mich durch die von Petenten überfüllten Gänge zu ihm. «Wer trägt,» begann ich kurzerhand, «an dieser Illegalität schuld: Die Juden oder England?» «Verzeihen Sie mir,» lächelte Dr. Horowitz, «wenn ich die Antwort darauf als Partner englischer Behörden und mit Rücksicht auf meine vielen jüdischen Schutzbefohlenen ablehnen muß. Doch schulde ich natürlich auch Ihnen in jedem Detail Auskunft Dann mögen Sie sich Ihr eigenes Urteil bilden!» «Einverstanden. Wie ist diese Unmenge Bittsteller, die man hier «ie in anderen Paläaiina-Aemterii jahraus, jahrein herumstehen sieht, darunter oft altbekannte Gesichter, zk erklären?» «Hier haben Sie schon den Kern des Problems: So wie Erez nach neuen Menschen schreit, um das Aufbauwerk bewältigen zu können, verlangen die Juden aus der Galuth Einlaß nach Erez, um ihm ihre Arbeit zu widmen. Aber die von England durch seine Paiästinaregierung verlautbarten Einreisegesetze und gar deren Handhabung halten Land und Volk, die sich sehnen, einander zu ergänzen, schmerzlich auseinander. So kam letzthin aus dem für das laufende Halbjahr Oktober bis März 1934 bewilligten Schedule von 5500 Zertifikaten der Rest, ihrer 3000, zur Verteilung und hievon entfielen auf ganz Oesterreich 35, sage und schreibe fünfunddreißig! Diese Aufteilung nach Ländern erfolgt durch die Sochnuth, unsere Jewish Agency in Jerusalem, doch muß sie natürlich in dem von der Regierung gezogenen Rahmen bleiben und kann, um allen Paiästina-Aemtern halbwegs gerecht zu werden, für uns kein Wunder tun. Was aber sind diese 35 Zulassungen gegenüber den rund 1700 Fällen von Zertifikatsbewerbern, welche wir als vorzüglich berücksichtigungswert in unserer Kartothek verzeichnet halten?» «Und was machen Sie mit diesen 1700 Privilegierten?» «Manche von Ihnen warten schon drei Jahre auf Erlösung. Die meisten sind freilich erst 1933 zugekommen, weil sie durch die Wirtschaftskrise und die antisemitische Welle ihr Brot verloren oder doch morgen zu verlieren fürchten. Bezeichnend ist da der große Ansturm gerade aus der Provinz, wo das Nazitum grassiert. Auch Flüchtlinge aus Deutschland drängen uns, ihnen nach Erez weiterzuhelfen. Von den 1700 sind,» setzt Dr. Horowitz fort, «300 durch Hachscharah geschulte, dem «Hechaluz» angesclilossene jugendliche Arbeiter, während der Rest zum Großteil auf Handwerker, und zwar vielfach solche von tadelloser Qualität, entfällt. Aus jenen 35 Zertifikaten aber konnten wir diesmal bloß 20 Chaluzim, 5 Handwerker und 10 «Hamlazoth», d. h. angeforderte Verwandte, befriedigen. Wahrlich, eine schwere Auswahl für junsere Paliästinakommission! Der Betrieb dieses und der anderen Palästina-Aemter leidet so an Leerlauf, da wir uns aufreiben müssen, die hunderte und aber hunderte enttäuschter Zertifikatswerber zu vertrösten; schließlich ernten wir doch nur ihren Groll » Hier konnte ich mich nicht enthalten, einzufalkn: «Nun ist es ja schon klar, warum unsere Leute als «falsche Tdu-

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