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Die Stimme · 1934-01-30 · Heft 324 (30.1.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 324 (30.1.1934)
Date
1934-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«elfe 4 DIB STTMMB Nr. 324 — 30. Jtnner 1934 W«lHr Frankl, Tei-Awiwt Allfalt und Sport D«r Aufbau fn titadt und Land schreitet zusehends fo starkem Maße fort« Auch Jerusalem, das man im Vergleich zu den anderen Städten noch vor einem halben Jahre «die Stadt der Vergangenheit» nannte, nimmt immer mehr am Aufschwung des Landes teil. Die Zahl der Einwohner von Tel-Awiw wird fetzt offiziell mit 85.000 angegeben, man rechnet aber mit 100.000 für die bald herankommende Zeit der Eröffnung der neuen großen Messe, die schon mit großem Eifer vorbereitet wird. Indessen schließen sich im jüdischen Haifa, in Hadar-Hakarmel, immer mehr die noch in den Stoßen vorhandenen Baulücken, überalt werden Häuser aufgestockt und die Straßen ehaussiert. Auch auf dem Karmel wird immer mehr gebaut und auf den Blöden der Haifabai sind bereits die ersten Häuser im Bau, die den Beginn eines neuen großen jüdischen Viertels bedeuten, wenn nicht gar den Beginn einer neuen Großstadt, ln wenigen Wochen wird sich hier ein besonders reges Leben entfalten, nachdem nach manchem Hin und Her endlich die Zonen für die Wohnsiedlung, für Industriegelände und für landwirtschaftliche Betriebe festgelegt sind. Gegenüber dieser Welt der Tatsachen wird bald gar mancher Spuk noch weichen und die weitere Entwicklung wird wohl auch manchen Nebel verscheuchen, der heute noch um Menschen und Dinge vielfach schwebt, hier im Lande und anderwärts, wo Abseitsstehende und Neunmalweise naive Fragen stellen, für die schon die Verfasser der PessaCh-Hagadah nur spöttelnde Abwehr übrig hatten. Aufgehalten und gestört werden könnte die Entwicklung nur durch das Verhalten gewisser jüdischer Kreise in Erez Israel, übe/ das noch einmal wird in anderem Zusammenhänge geredet werden müssen. Dr. Hille! Hugo Schachtel. Verarteflung jüdischer Demonstranten in Tel-Awiw Fünfzehn junge Leute, die in Tel-Awiw am 9. Dezember v. J. demonstriert hatten, wurden zu Gefängnisstrafen von ein bis vier Monaten verurteilt. Ein Demonstrant namens Tabacznik erhielt ein Jah r Gefäß g n i s. Die Verurteilten sangen die H a t i k w a h, als sie ins Gefängnis abgeführt wurden. Der Oberkommissär an die Polizei Jerusalem. Bei einer Polizeiparade verlas der High Comtnissioner General Sir Arthur Wauchope eine Botschaft; in der dem gesamten Polizeikörper Palästinas für sein Verhalten während der arabischen Unruhen »m Oktober 1933 die -Anerkennung der Regierung ausgesprochen und ai&erdero einigen mit Namen genannten englischen, jüdischen und arabischen Polizisten ein besonderes Lob für ihre Tapferkeit gezollt wird. Die Botschaft enthält die Feststellungen der Regierungskommission, die besagen, daß die Polizei gegen die Araber, die gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf demonstrierten, äußerste Zurückhaltung und Nachsicht übte und, um die Menge zum Auseinandergehen zu bewegen, zu Mitteln der Ueberredung griff und erst, als sie angegriffen wurde, zur Anwendung von Gewalt überging. Diese Methode wurde vom höchsten Offizier bis zum einfachen Polizeimann ausnahmslos geübt Einen solchen einheitlichen, Loyalität, Mut und Takt beweisenden PoKzelkörper ausgebildet zu haben, ist das Verdienst des Inspektors Spiee r. Der Oberkommissär fügte diesen Feststellungen der Kommission hinzu, er sei überzeugt, daß die Polizei auch in der Zukunft Ihrer schwierigen Aufgabe gewachsen sein wird. An diese Botschaft knüpfte er den Ausdruck des Beileids für die Hinterbliebenen der getöteten und die Angehörigen der verwundeten Polizisten. Bronislav Huberman fei Palästina Tel-Awtw. Der berühmte Geiger Bronislav Huberman, der in Tel-Awiw ein Konzert gab, wurde auf dem Podium von Bürgermeister Mayer Dizengoff begrüßt, der dem Künstler für sein mutiges Eintreten für die verfolgten jüdischen Künstler in Deutschland, das in seinem Absagebrief an den deutschen Staatskommissär Furtw ä n g 1 e r zum Ausdruck gekommen ist, dankte. Auf einem Bankett zu Ehren des Künstlers, bei dem Dr. M. Glückssohn und Dr. Alexander Goldstein den Künstler begrüßten, antwortete Huberman mit einem Bekenntnis zu dem jüdischen Palästina. Kein AgudahkongreB in Palästina Jerusalem. Die Weltzentrale der Agudas JSsroel-Organisatiön hat ihre palästinensische Zweigorg&nisatioo verständigt, daß der für diesen Sommer geplante AgudahkongreB in Jerusalem nicht abgehalten werden wird. Es sei beschlossen worden, den AgudahkongreB zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb Palästinas abzuhalten. Aufbaukredite in Palästina Jerusalem. «Doar Hayom» erfährt, daß die Jewish Agenty mit fder Baak Zerubabel, dem zentrales Finanzinstrument der jüdischen Kreditkooperativen Palästinas, und mit der Bank des Industriellenverbandes in Tel- Awiw eine Vereinbarung getroffen hat, dahingehend, daß besondere Mittel zur Opwährung von Aufbaukrediten an deutsch-jüdische Einwanderer zur Verfügung gestellt werden. Kredite werden nur zum Zwecke der Errichtung neuer Fabriken and Werkstätten gegeben. Für ihre Rückzahlung wurden günstige Bedingungen festgesetzt. Jeden Montag stehen wir irülunorgens an den (Jittern der Zöüstatiön von Jaffa und erwarten die kleinen arabischen Fischerbarken, die die neuen Olim und Touristen vom Lloyddampfer zur Quarantäne elrtholcn. Die Hafnpotizei läßt nur die tatsächlich Beschäftigten sowie die Funktionäre der Olei Germania, Olei Polania usw. passieren. Seit einiger Zeit hat auch der Makkabi Erez Israel einen Hafendienst in Haifa und Jaffa eingerichtet — freiwillige, sprachenkundige Chawerim versehen ln uneigennütziger Weise dieses Amt Mit der Makkabf-Armbinde kenntlich gemacht, helfen sie den neuankommenden Makkabira bei der Zollkontrolle, Gepäcksauslösung und bringen diese in das neueröffnete Makkabi-Laridesbureau nach Tel- Awiw, dessen wohlbekannter Leiter Josef J e k u t f e 1 i die Ueberfühnzng der Leute auf Schlaf- und später Arbeitsplätze sowie deren Reeristripnmc und allmähliche Legalisierung bewerkstelligt. Die allgemeine wirtschaftliche Stagnation Europas und das Regime Adolf Hitlers und auf der anderen Seite die Aufnahmefähigkeit Palästinas haben die große AliJa geschaffen, Es sind meistens jüngere Generationen, die hier allwöchentlich an Land gehen und unter fluten ein großer Prozentsatz von mehr oder weniger prominenten Sportlern. Alle diese Menschen, soweit sie nur bereit sind, ihre freie Zeit und ihr Können in den Dienst der Allgemeinheit zu Stellen, können uns hier unschätzbaren Nutzen bringen. Jeder kommt Aue einem anderen Milieu — jeder hat den Sport in anderer Form erlebt und erlernt — jeder hat ein anderes Spezialgebiet und jeder bringt irgend etwas Neues mit sich. Wenn nun äße jene Aktiven auch nur ein einziges Jahr weiter aktiv bleiben wollten — wenn nun jeder zum Aktionsradius en mini&tur wird — zum ZeHenkern seines Systems — seines LieblirtgsSpörutes — dann müßte sich binnen eines Jahres das sportliche Leben unseres Landes verzehnfachen, dann müßten alle jene Zellen zu einem mächtigen Körper zusammenwachsen, und wir würden die Sportbewegung in unserem eigenen Lande hahen. wie wir sie in Jenen Ländern hatten, wo wir unser Können holten. Nicht afle wollen. Nicht alle, die im Ausland mit uns das beglückende Gefühl — Sportler zu sein — teilten, finden hier die Lust, auch anderen etwas zu geben. Viele unserer Kollegen — die Praxis lehrt es leider — kennen unsere Belegung mir so lange,’bis man ihnen mit Höfe des «Makkabi.» ein Zertifikat verschafft hat. Das ist gewiß nicht schön, obwohl mari die Hilfe bei etwaiger ^Legallsierüng nicht'an zu. leistende Arbeit bindet.' Vläe ftaßeti durch1, die Unkenntnis der iiebräteChen Sprache nicht den nötigen Kontakt mit der hiesigen Jugend gefunden und blieben von der aufsteigenden Sportbewegung isoliert. Aber heute fällt dieser Grund söhon nicht mehr ins Gewicht. Die palästinensische Sportjugend — es gibt bereits eine solche und sie wird zahlenmäßig immer stärker — weiß, daß 6ie von allen neuen Chawerim sehr viel Nutzen haben kann, und sie bemüht sich mit aßen Kräften, diesen neuen Leuten näher zu kommen — ihnen über die erste schwere Zeit der beruflichen und gesellschaftlichen Akklimatisierung hinwegzuhelfen und ifn Hafen von Jaffa und Haifa beginnt diese wichtige Arbeit. So kommen sie — die bekannten Führer der Makkabiweltbewegung und die prominenten Sportler der jüdischen Vereine nach und nach ins Land und mit ihnen kommt die Masse der Jüngeren .— der weniger prominenten — aber ebenso wichtigen Turner und Sportler. Seit einiger Zeit arbeitet Sigi Rosenberg, der in Memel und Berlin Turn- und Sportlehrer war, mit großem Erfolg in Rechoboth, Martin Rosenthai, der deutsche Makkabiraeister im 400-Meter-Laiuf, sowie die bekannten Wiener Meisterläufer der Hatkoah Klein und Weiner haben sich in Petaoh Tikwah niedergelassen, wo man den Bau an einer richtigen Laufbahn auf ihr Konto schreibt Natan Kaminsky, der Führer des deutschen Miakkabikreises, befindet sich in Tel-Awiw, wo wir eben Oschi Kurz, dem bekannten Weitspringer, ünd Ello Katz, dem bertlhmten finnischen Olympioniken im Langstreckenlauf auch die ausgezeichneten Wiener Schwimmer und Wasserballspieler Guth, Haftel und Rosenblatt finden können. Felix Simenauer, bekannt durch seine wunderbaren Makkabäer-Filme und durch die grandiosen Veranstaltungen der «Herzi-Nacht» in Berlin, hat seinen ständigen Wohnsitz in Jerusalem aufgeschlagen, wo wir auch seinen früheren Klubkollegen, den ehemals schnellsten jüdischen Läufer Georg Kurz, und die polnische Auswahlathletin Fredja Bersönovna wiederfinden. Efla Bobek, die beste Turnerin der Makicabiah, vertauschte ihren Wohnsitz Teplitz-Schönau mit der schönen Scharon-Kolonie Herzlich, wo sich Ja auch I. Pick, die frühere Sekretärin des Prager Makkabi und das Mitglied der Prager MakkabLVereins- 6ro6ffaischiiaueral SIEGM. KORNMEHL Zentral» »X, Berggasse IV, Tel. A 1 u. A 16-9-34 Lieferant tUr Heilanstalten Abteilungen för nj»Flel»ch uutei Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbmat» der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ÄUl09MX«t«!)lunf! Kp«l«nlpt IX, Bertrgasse 1*1 KVMi Währingerstratte leitung Hans Liou niedergelassen und ein geordnet toben. Ernst Weigler, der bekannte Hakoah-Schwimmtrafner, ‘ arbeitet am Madar Hakarmel, wo auch der als Skiläufer besonders in der Tschechoslowakei bekannte MakJcÄbimeistct log. P. Wurzel seine zweite Heimat fand. In Haifa arbeitet nun auch der Hakoah-Ringer Steinbard und der bekannt» Tormann der Wiener Hakoah Oppenheim. In Tel-Awiw trifft man den österreichischen Exmeister im Schwergewichtsboxer Gustav Laub und ln Ness Zlona den Hamburger Höch- Schulmeister im 100-Meter-Lauf Theo Levy. In der Hockey* mannschaft des Makkabi Tel-Awiw befinden sich Doktor Riess, ein Auswahlspieler der österreichischen Nationalmannschaft, Max Sonnenreich vom Hamburger Bar-Koohba, Welleslay Aron, der Begründer des Londoner Bar-Koohba, Goldberg, früher Bar Kochba Berlin, und Sammy Schönberg aus Hamburg. (Fortsetzung folgt) Wedgwood io Palästina Jerusalem. Der bekannte Freund der Zionistischen Bewegung Colonel Josiab Wedgwood, einer der Führer der englischen Arbeiterbewegung und einflußreiches Mitglied des Unterhauses, ist in Palästina eingetroffen, b einem Gespräch äußerte sich Colonel Wedgwöod folgendermaßen’- Ich bin voll Bewunderung für den phänomenalen Fortschritt, der seit meinem letzten Besuch im Jahre 1027 durch jüdische Initiative und Entschlossenheit erzielt worden ist. Was ich gesehen habe, hat meine tiefste Anerkennung erweckt und meine Absicht, die praktischen jüdischen Bemühungen zu fördern, wo immer ich es kann, gestärkt. Mlsrachl gegen die politische Karr sslon des Waac Leumi Jerusalem. Auf der letzten Sitzung der Exekutive dei Misrachi-Weltverbandes wurde nach Entgegennahme v<x Berichten Rabbi Meir Berlins und H. Farbsteins über die ersten Beratungen des vom Waad Leumi geschaffenen außerordentlichen politischen Komitees des Jischuw beschlossen, zu den weiteren Sitzungen dieses Komitees solange keipe Vertreter mehr zu entsenden, als nicht die Beteiligung aller Parteien der palästinensischen Judenheit an der Kommission zugestanden und dieser das Recht, endgültige Entscheidungen zu treffen, eingeräumt werden .würde. . Die zionistische Exekutive gegen die revisionistische retiiionsneuiegung London. Die Zionistische Exekutive veröffentlicht 0$ ahgekundlgte Erklärung zur revisionistischen Petition»' bewegung. In dieser Erklärung heißt es: Im Hinblick darauf, daß die «Weihmion der Zionisten« Revisionisten» vor kurzem angekündigt hat, sie beabsichtige« eine gegen die Politik der britischen Regierung als Mandatar* macht für Palästina gerichtete Petitionsbewego/ig zu eröffnen, wünschen die Zionistische Organisation und die Jewish Agency för Palestine klarzusteflen, daß sie diesen Schritt mißbilligen und Hin als schädlich für dfe zionische Bewegung und den Aufbau des Jüdischen National* heims erachten. Die Jewish Agency Ist die einzige auf Grund des Mandates als Vertreterin der jüdischen Interessen, betreffend die Errichtung des Jüdischen Nationalheims In Palästina, anerkannte Körperschaft Sie allein ist für Kontrolle und Leitung der jüdischen Politik ln Ihren Beziehungen zur Mandatarmacht verantwortlich; es gibt keine andere Körperschaft die Anspruch darauf erheben kann, ln dieser Weh* tung für das jüdische Volk politisch tätig zu sein. Die Revisionistische Union kann sieb dieses Recht ln keiner Weise anmaßen; die Exekutive erklärt nachdrücklich, daß die Petitionsbewegung durchaus ohne Unterstützung durch die verantwortlichen zionistischn Behörden und ohne deren Billigung eingeleitet wurde. Eine derartige Sönderaktion steht Im Widerspruch zur Verfassung der Zionistischen Organ!« sation. Die Petition der Revisionisten ziele darauf ab, die Politik der Jewish Agency Zu untergraben und bilde, wett entfernt davon. Irgendeinen politischen Wert zu haben» eine Gefahr für die Interessen des Jüdischen Nationalhetms. Nach Darlegung aller Schritte, die die Exekutive im Zusammenhang mit der gegenwärtigen politischen Situation unternommen bat, wird versichert, daß die Exekutive tüS' Energien vor allem darauf konzentriert, die Jüdische Ein* Wanderung nach Palästina ln größtmöglichem Maße an» wachsen zu fassen; aber nur der Jewish Agency komme es sowohl unter dem Gesichtspunkt der Legalität als auch to Anbetracht ihrer genauen Kenntnis aller Einzelheiten zu, die Entscheidung darüber zu treffen, welche Maßnahmen ln Jeder einzelnen politischen Phase zur Erreichung der zionistischen Ziele getroffen werden soffen« In der Erklärung wird ferner betont, daß die Jewish Agency« wenn sie auch ihre recht- und pflichtgemäße Aufgabe erfülle, Maßnahmen der Regierung zu kritisieren, wenn die Umstände dies erfordern, doch ihre Politik auf der Aufrecht* erhaltang gegenseitiger Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen Mandatarmacht und Juden aufgebaut habe«

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