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Die Stimme · 1934-01-30 · Heft 324 (30.1.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 324 (30.1.1934)
Date
1934-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 Nr. 324 — 30. Jänner 1934 DIE STIMME sorgungshauses und verspricht für den Fall der Erweiterung, die 56 neuen Insassen Unterkunftsmöglichkeit bieten würde, bis Juli dieses Jahres für die budgetäre Deckung zu sorgen. Zu den Ausführungen Dr. Löwys weist Doktor Löwenherz auf die Tatsache hin, daß der Personalstatus der Wiener Kultusgemeinde seit dem Jahre 1931 um 49 verringert und um bloß 16 neue vergrößert wurde. Zum Schluß kommt Dr. Löwenherz auf die Quertreibereien der Trennungsorthodoxie, der Agudah, zu sprechen, die, obwohl in diesem Kultusvorstande nicht mehr vertreten, durch beträchtliche Subventionen für ihre Institutionen von der Kultusgemeinde. gefördert werde. Unter Hinweis auf einen in der «Jüdischen Presse» erschienenen Artikel, den Doktor Löwenherz zitiert, in dem ausgeführt werde, daß die Agudah nur bis auf Widerruf und gezwungen der Kultusgemeinde angehöre, erklärt er mit Nachdruck, daß die Agudah in Wien nicht die einzige Vertreterin der Orthodoxie ist. In dieser Stadt lebt eine zahlreiche polnische Orthodoxie, die treu und unerschüttert zur — 1 . •?***: BRIEF AUS PALÄSTINA Arabische Demonstrationen and Jüdische Fortschritte Anfangs Oktober 1933 hatten die palästinensisch-arabischen Extremisten beschlossen, alle 14 Tage irgendwo Im Lande Demonstrationen zu veranstalten, ohne die dazu erforderliche gesetzliche Genehmigung einzuholen. Sie sollten gegen die englische Regierung als Mandatarmacht gerichtet sein, als der Schützerin der zionistischen Bestrebungen, sollten ruhig verlaufen, vor allem mit keinem Angriff gegen Juden verbunden sein, sich vielmehr von den von Juden bewohnten Straßen möglichst fernhalten. Dieser Beschluß wurde dann nach den Oktoberdemonstrationen dahin abgeändert, daß nicht alle 14 Tage, sondern erst wieder am 16. Jänner an allen größeren Orten demonstriert werden solle. Dieser Tag war dafür in Aussicht genommen, weil am I5. Jänner Abschluß der Frstenzeit, am 16. und 17., mit Beginn des neuen Monats hohe Feiertage sein sollten, wo dann im Anschluß an den traditionellen Morgengottesdienst des ersten Tages sich das Weitere abspielen sollte. Bestehen blieb vor allem der Beschluß, hiefilr keine Genehmigung bei den Behörden nachzusuchen. Die Regierung, die doch dann gezwungen gewesen wäre einzugreifen und die Demonstration nicht zuzulassen, was notwendigerweise zu üblen Folgen führen mußte, wollte dies durchaus vermeiden und sandte darum inoffiziell einen ihrer höchsten Beamten zu einem der hervorragendsten Führer der arabischen Extremisten, um diesen zu bewegen, die erforderliche Genehmigung einzuholen, die ihm im voraus zugesichert wurde. Ueber diese Unterredung bracht? eine palästinensisch-arabische Zeitung einen. eingehenden Bericht, aus dem klar hervorging, daß Zu Chamischa assar b'schwat MARTHA WERTHEIMER; VOM LEBEN DER BÄUME jüdischen Einheitsgemeinde steht. Man müsse schärfstens gegen diese Trennungsorthodoxie der Agudah auftreten. Sie müsse sich entweder bedingungslos in diese Gemeinde einfügen, oder sich damit abfinden, vor der jüdischen Oeffentlichkeit gebrandmarkt zu werden. (Stürmische Zustimmung.) Dr. Löwenherz schließt mit dem Appell nach vereinter Arbeit, denn über ein Budget von 6 f2 Millionen Schilling zu beschließen, sei wohl eine große Verantwortung Mit dem Beschlüsse und mit der Verabschiedu .g des Budgets sind aber diese 6y2 Millionen Schilling noch lange nicht in unserem Besitz. Sie hereinzubringen, erfordert nicht nur eine ve:- antwortungsvolle Arbeit, sondern eine recht, recht schwere. Diese 4 könne nur durch Anspannung aller Kräfte erreicht werden, und deswegen erbitte er die Mitarbeit des gesamten Vorstandes. (Stürmischer Beifall.) Damit fand im wesentlichen die Budgetdebatte 1934 ihren Abschluß, die einen gewaltigen Erfolg des ersten Arbeitsjahres unter zionistischer Führung bedeutet. diese führende arabische Persönlichkeit durchaus nicht geneigt war, dem Wunsche der Regierung zu entsprechen. Es sei, so erklärte er, den Arabern absolut gleichgültig, ob die Regierung die Demonstration erlaube oder verbiete. Als Privatmann würde err so meinte er weiter, sogar wünschen, daß die Regierung ein Verbot ausspräche. Würde es dann zu Blutvergießen kommen, so treffe die Schuld nicht die Araber und es würden eben neue Opfer gebracht werden, wie jede Freiheitsbewegung sie erfordere, und er persönlich würde nicht davor zurückschrecken, ein solches Opfer zu sein. Der Vertreter der Regierung ließ aber in seinen «inoffiziellen» Bemühungen nicht nach und brachte auch schließlich die Araber doch dazu, die Genehmigung einzuholen, die auch sofort gewährt wurde. Man war in manchen Kreisen über dieses ungewöhnliche Vorgehen überaus verwundert und Zeitungen charakterisieren es als unwürdig — «bis zur Kriecherei heranredchend hieß es im »Haarez». Die Regierung hat indes erreicht, was sie anstrebte: die amtlich genehmigte Demonstration verlief an allen Orten so harmlos wie nur möglich, keinem wurde ein Haar gekrümmt. Dfe Zahl der Teilnehmer war überall verhältnismäßig gering, besonders die Landbevölkerung hielt sich fern. Dabei sah man nicht einmal Polizei; die Schutzleute waren nur in den den vorgeschriebenen Wegen benachbarten Straßen :untergebracht. Nach einer bis längstens anderthalb Stunden war alles vorbei und erledigt, kurz, den extremistischen Drahtziehern war der Wind aus den Segeln genommen worden. Der gemäßigte «Falastin» beglückwünscht den High Commissioner zu diesem Erfolg, rühmt seinen Sieg und dankt ihm, daß er zum erstenmal über die bisher von den Regierungen den Arabern gegenüber gezeigte Passivität hitiaus- Lautlos rinnen die kurzen Tage, tauchen aus langem Morgendämmern auf, gleiten in frühes Abendgrau zurück, viele und immer einander gleich, bis es uns scheint, das winterliche Leben sei rascher als das geworden, das uns der Sommer geschenkt hat. Da bleibt mitten zwischen dem Kerzenglanz der Chanukkahabende und dem dankbaren Jubel der Megillah ein Tag stehen, rührt unsere Augen an, heißt uns sehen: das ist C h amis c h a h assar b’s chw a t — die Bäume spüren den Segen des Safts. Sie spüren ihn früh. Lange ehe wir noch die ersten Knospen gewahren, kommt ihren harten, winterstarren Zweigen die Stunde des Wachseins. Der Tag kommt, der ihnen sein «Bereitet euch!» zuruft; ihre schlanken Gerten dehnen sich, ein rötlicher Hauch läuft über sie hin, im Winterdunst atmen sie schon ein Kommen und ein seliges Sollen. Lange vor uns. Ist es darum, weil sie lange vor uns auf die junge Erde gerufen wurden, weil schon der dritte Schöpfangstag ihnen die Gnade des Lebens brachte? Drei unendlich große Tage früher,als uns erkannte sie Gott als sein Werk an und sah, daß es gut war: «... Fruchtbaum, der nach seiner Ari Frucht trägt.» So kam der Baum zu seinem eigenen Gesetz; so würde auch er verpflichtet, seinen Dienst zu tun und aus seinem eigenen, ihm zugeordheten Leben auf dieser Erde zu sein. Die Weltfrühe der Schöpfung rührt uns im Wintertag aus seinem Sich-Bereiten an, .«. . . nach seiner Art,» Und wenn wir das ganze Jahr hindurch blind an den Zeugen lebendig Da-Seins auf Gottes Erde vorüber gingen, und wenn wir vor Blütenzweigen und schweren Fruchtästen nichts spürten als nur, daß sie schön zu sehen und gut zu essen sind — einmal im Jahre, an diesem Tag des Säftesegens halten uns die Bäume die große Predigt vom Leben, wie es gelebt werden soll. Da steht so ein Baum, tief ruhend auf seinen Wurzeln und-weiß, daß er sich selbst vernichten müßte, wenn er von diesen Wurzeln wcgwoUte; auf seinen Wurzeln stelil er, sie h üten ihn in der Schicksalsstunde des Sturms, wenn es an seinen Aesten reißt, wann Blätter und Zweige, wenn Blüten vielleicht oder auch schon Früchte ins Nutzlose weggerissen werden. Die Wurzeln halten ihn — die Wurzeln trösten ihn, sie verheißen ihm immer wieder Saft und Nahrung, daß er wieder neue Zweige, Blätter, Blüten, Früchte treiben darf, nach seiner Art und also unsterblich im weiten Gang des Lebens. Die Wurzeln, dunkel, unsichtbar, aber voll geheimnisvoll sich erneuernden Lebens, senden immer neu die Kraft hinauf, daß der Baum sein eigenes Leben haben darf, sein Glück in dem nährenden Licht, seine sinnvolle Last, wenn die Tage der Frucht gekommen sind, und den Schmerz des Hergebens — denn wissen wir, wie weh am Ende dem Baum die Hand tut, die seine Früchte vom lebenden Zweige bricht? Und wenn Glück und Not vorüber gerauscht sind, wenn das langsame Sterben kommt, wenn sich die Winterstarre, der scheinbare Tod über das Leben der Bäume streckt — was dann? Die Wurzeln liegen immer gleich tief im mütterlichen Erdreich, so lief, daß kein Frost sie erreicht. Die Wurzeln trösten den Baum: «Geh’ schlafen — allem Lebenden tut im Wechsel seiner Zeit die Ruhe not, die Stille, das Schweigen — geh' schlafen und glaube an das Kommende.» Da schläft der Baum ein, getrost. Und schläft, bis der stille graue Festtag kommt, der ihn mit neuem Saft segnet, der ihm zuruft: «Bereite dich —/» Vom 15. Schwat ab lebt der Baum wieder und tut seinen Dienst, dessen Ziel ist: Frucht haben. Um seines Dienstes willen geht über den Baum der Wechsel seiner guten und schlimmen Tage: um seines Dienstes willen trägt er die Winterhärte, um seines Dienstes willen hält er sich bereit. Chamischah assar b'schwat legt uns mitten in den grauen Wintertagen die Hand auf die Augen und heißt uns sehen, uns, die wir auch aus uralt starken Wurzeln wachsen und uns bereiten, ihre Säfte in gute Frucht zu verwandeln, wenn wir dazu gesegten werden. Wir lauschen in den Wintertag des Frühlingswunders hinein, still, fromm, und bitten um '--i-he Geduld, um solches W.artenkönnen . . . F. H.J Sie speisen gut und billig im neueröffneten Reifawanf Andnashol VII., Andreasgasse 2, Ecke Maiiahilfcrstraße. Menü v. S l.r- bis S - Klubzimmer mit und ohne Klavier zu ver .eben. ging. J'"nen kleinen Zwischenfall gab es nur in Haifa: ein aus Rußland stammender Kommunist entrollte eine r^le Fahne mit hetzerischen arabischen Inschriften gegen die Mandatarmacht und gegen den Zionismus. Er wurde verhaftet und noch am selben Vormittag zu 6 Monaten Gefängnis und Landesverweisung verurteilt. . Zu der Tatsache der geringen Beteiligung der Araber an den Umzügen hat vielleicht eines beigetragen, was nicht des Humors entbehrt: die Demonstration mußte in letzter Minute um einen Tag verschoben werden. Denn — man hatte sich im Kalender geirrt Erst am Tage vor der schon seit Monaten «»gekündigten Demonstration versandte die moslemisch-theologische Fakultät der Universität Kairo in alle Welt Telegramme, daß der Neumond nicht schon, wie früher berechnet und in . allen Kalendern gedruckt zu lesen war, am 16. Jänner »ein würde« sondern erst am 17. und damit auch der Feiertag. Für, de« 16. Jänner hieß es plötzlich noch einen Tag fasten und die Demonstration konnte erst am 17. Jänner stattfinden, für weichen .Tag übrigens der jüdische Kalender den Monatsbeginn richtig berechnet und festgesetzt hatte. Man wird wohl gut tun, das Vorgehen der englische« Behörden, das oben geschildert wurde, nicht etwa als eine Freundlichkeit gegenüber den Juden und dem Zionismus zu werten, sondern vielmehr als eine solche gegenüber de« Arabern. Gegenüber den Juden ist noch keinerlei Aenderung oder auch nur Milderung der Verwaltungspraxis zu konstatieren, wie sie ungefähr seit der Zeit der Ermordung Arlosoroffs und in eher noch verstärktem Maße seit der Araberdemonstration im Oktober geübt wird, die damals zwar nicht ganz unblutig unterdrückt wurde, wo aber nachträglich doch die Gemüter irgendwie beschwichtigt werden mußten. Zu tausenden, wenn auch nicht zu zehntausenden, wie die arabische Hetzpresse behauptet, liegen die Gesucihe um nachträgliche Erteilung von Zertifikaten beim Einwänderungsdepartement, wahrscheinlich in der großen Mehrzahl von Kapitalisten, die schon lange im Produktionsprozeß de* Landes ihre Arbeitskraft und ihr, häufig die erforderlichen 1000 Pfund übersteigendes Kapital wirken lassen. ' Seit vielen Monaten, eht halbes Jahr und vielfach noch länger, Hegen dtti Gesuche In Jerusalem ... und harren vergebens der Erledigung, Eine Anzahl.'js*nd abschlägig beschieden worden, ohne .daß jemand.den,§jnn dieser Ablehnungen begreifen kann. So insbesondere Aafprderungen von Eltern oder Kindern über 18 Jahre.. .Weitaus die meisten aber warten und warten auf einen Bescheid. Alle Versuche, eine Beschleunigung in einzelnen Fälleno zu erreichen, sind vergebens. So warten in Deutschland, insbesondere Frauen und Kinder auf die Möglichkeit, zu .ihren Familienhäuptern zu gelangen, die bereits in Palästina für sie sorgen und arbeiten, nachdem sich bei einer Informationsreise eine Möglichkeit für eine Existenz zeigte, die man;.unmöglich ungenutzt lassen konnte. Eine in vieler Beziehung sehr unangenehme und unhaltbare Situation auf beiden Seiten. Aber noch besteht das nicht gerade freundliche Wort des High Commissioners, daß er sich durch die Notlage der deutschen Juden nicht in seinen, Palästina betreffenden, Entschließungen beeinflussen lassen könne, Und keine englische Regierungsinstanz hat bisher dieses Wort auch «nur gemildert. Und dabei ist ein offensichtlicher Mangel an Qualitätsarbeitem aller Art in Palästina, durch den viele Entwicklungsarbeit im Lande aufgehalten und behindert wird, ein Mangel, der leicht durch Einwanderer aus Deutschland behoben werden könnte, niemals aber durch arabische Kräfte, die diese Arbeiten nicht verstehen, noch auch überhaupt über Arbeitslosigkeit klagen. Sonst würde ja auch nicht der Zuzug aus Transjordanien und Syrien und von noch weiter her anhalten. Es ist ja auch schon unzähligemal unwiderleglich bewiesen worden, wie viele und große Vorteile die einheimische {arabische Bevölkerung durch die jüdische Einwanderung von ihren ersten Anfängen an hatte und noch täglich wachsend hat. Recht interessant und charakteristisch ist, daß in diesen Tagen eine in Beirut erscheinende Zeitung des Libanongebietes in einem eingehenden Artikel auseinandersetzt, was die jüdische Einwanderung in Palästina geleistet und zuwege gebracht hat und in wie starkem Ausmaße die eingeborene arabische Bevölkerung davon Nutzen gehabt hat. Die Zeitung überschreibt den Artikel ironisierend: «Die Juden zerstören Palästina!» Daß die englische Verwaltung alle diese Tatsachen kennt, daran ist nicht zu zweifeln. Dennoch glaubt sie aber wohl aus irgendwelchen politischen Erwägungen, wieder einmal dem arabischen Extremismus entgegenkommen zu müssen. Das hält aber die jüdische Aufbauarbeit im Land.' nicht auf und wird sie auch weiterhin nicht stören. ENGLISH SCHOOL IX, Kollngasse 1, TeL A 18-4*92, für Anfänger, Fortgeschrittene, Schnellkurse für Konversation (in engl Muttersprache), für Studenten, Chahakn be». Ermäcü- «uog.

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