Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 323 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 fremden Rasse angehören, des Landes verwiesen werden. Wenn die Arbeitslosigkeit hi Deutschland nicht abnimmt» wird die Regierung genötigt sein, dieseif Punkt des Parteiprogramms durchzuführen, und zwar in der Weise» daß sie die Juden über die Grenze schickt» damit ihre Arbeitsstellen von Deutschen besetzt werden können.» Der Terror wird fortgesetzt London. Die Londoner Zeitschrift «New Statestnan» erklärt, es sei den Bemühungen des Reichspropagandaministeriums in Berlin gelungen, in der Welt den Eindruck zu erwecken, daß der nationalsozialistische Terror aufgehört habe; allein die Tatsachen, die man aus zuverlässigen Quellen erfährt, sprechen eine ganz andere Sprache. In Wirklichkeit dauert der Terror gegen die Juden unvermindert fort, nur wird das Geheimnis jetzt besser gewahrt «New Statesman» berichtet über mehrere Terrorakte, u. a. über den folgenden Fall: ln das Konzentrationslager Sonnenburg wurde ein jüdischer Fabrikant aus Altkarbe mit seinen beiden S'ö h n e n eingeliefert, weil sie angeblich zu niedrige Löhne gezahlt hätten. Die beiden Söhne wurden Tag und Nacht geschlagen, ihre Schmerzensschreie raubten den übrigen Gefangenen den Schlaf. Während sie sich ihre Wunden wuschen, wurden sie ununterbrochen auf den Rucken geschlagen. Die drei Juden wurden gezwungen, mit Kot gefüllte Eimer zu tragen und dabei im Tanztakt zu marschieren. Dabei fiel Kot aus den Eimern und die Juden Wurden gezwungen, ihn mit den Händen in die Eimer zujückzuscbütten. Beide Sohne machten Selbstmordversuche, sie wurden an der endgültigen Ausführung Ihrer Absicht gehindert und durch erneute Schläge bestraft. Die nationalsozialistischen Lagerwächter mißbrauchten die Söhne auch. Mitgefangene informierten anonym den Lagerdirektor über diese Vorgänge. Das Ergebnis war, daß die Mißhandlungen für eine kurze Zeit eingestellt wurden, daß aber sämtlichen Gefangenen als Strafe für die anonym gebliebene Anzeige verboten wurde, zu rauchen und Pakete von auswärts zu empfangen. Einer der Lagerwächter, der Mitgliedern seiner Familie die Vorgänge im Lager geschildert hatte, wurde, während er sich auf Urlaub befand, von Mitgliedern des nationalsozialistischen Geheimterrordienstes ermordet. Die Ermordung Dr. Ecksteins -Paris. Wie das «Pariser Tageblatt» aus Breslau erfährt, sind dort die Gräber des im Mai vorigen Jahres im Konzentrationslager vom Polizeipräsidenten Heines zur Strecke »gebrachten Rechtsanwaltes Dr. Eckstein und seiner Schon vor einigen Jahren verstorbenen Frau, der sozialdemokratischen Stadtverordneten Clara Ziels-Eckstein, von den Nationalsozialisten verwüstet worden. Die Ermordung Dr. Ecksteins wird jetzt bestätigt. Mitgefangene erzählten, daß Dr. Eckstein die Rippen einzeln gebrochen, wurden und daß er unter unsagbaren Qualen sein Leben aushauchte. Auch Landsberger ermordet Auch der seinerzeit gemeldete plötzliche Tod des Schriftstellers Artur Landsberger war kein freiwilliger. Landsberger sei nicht anfangs Oktober gestorben, sondern am 21,. .September in seiner Zelle erhängt worden. Landsberger war unter dem Verdacht der Greuelpropaganda verhaftet worden und wurde in Zelle 210 des Gefängnisses in def^Q&thäer Straße untergebracht. Am 19. September wurde er .zum Verhör abgeholt. Zwei Tage lang blieb die Zelle leer,* bis dann am Morgen des 21. September der Körper des Schriftstellers am Rohr des Heizkörpers erhängt auf gefunden wurde. Landsberger müsse von den beiden Nationalsozialisten Gerhardt und Günther ermordet worden sein, die in jener Nacht Dienst als Aufseher hatten. Bei der Nachricht vom Selbstmorde Landsbergers in den Blättern war nicht einmal erwähnt worden, daß er verhaftet war. Leers über die Ermordung Ducas Berlin. Herr von Leers schreibt in der «Außenpolitischen Umschau» der «Metallarbeiter-Zeitung» wörtlich: «In Rumänien wurde auf dem Bahnhof in Sinaia der rumänische Ministerpräsident Duca von dem Mitglied der von ihm zu Unrecht verbotenen judenfeindlichen Eisernen Garde Constantinescu durch Revolverschüsse ermordet. Eine wüste Verfolgung aller Judengegner ist jetzt in Rumänien eingetreten; über 1200 Angehörige der Eisernen Garde sind verhaftet, darunter ihr Führer, der Frontkämpfer Codreanu; sein greiser Vater wurde bei Ploesti durch Judenbestien ermordet. In Rumänien herrscht nicht ohne Einwirkung der «Esther von Rumänien», der jüdischen Geliebten des Königs Carol, Madame Lupescu, eine nur mit den Greueltaten der Juden im biblischen Buch Esther zu vergleichende Verfolgung der volksbewußten Rumänen.» Der Vater Codreanus lebt und ist in Haft. Frau L u p e 8 c u, übrigens eine Deutsche aus Bessarab i e n, hat schon lange Rumänien verlassen. Jedes Wort dieses Leers ist eine Lüge. DIE STIMME «Judenmir^on» aufgelöst Der Oberste Kirclicnrat in Sachsen hat die Auflösung der christlichen Missionsgesellschaften zur Bekehrung der Juden verfügt und die Weisung gegeben, die Fonds und Sammlungen für die Judenmission in Sammlungen zur Bekehrung von Moslems — sogenannte «Karmelmission» — umzuwandeln. In der Begründung wird gesagt, daß die Tätigkeit der «Judenmission» sinnlos geworden sei. Die Regierung hat das Vermögen des über ganz Deutschland verbreitet gewesenen «Vereines zur Abwehr des Antisemitismus», der sich vor kurzem selbst auflöste, beschlagnahmt. Erste «Jüdisch-christliche Gemeinde» in Berlin Berlin. Die erste jüdisch-christliche Gemeinde, in der alle Protestanten jüdischer Abstammung zusammengeschlossen sind, ist in Berlin ins Leben gerufen worden. Briefe aus Deutschland Aus Leserkreisen erhalten wir die Nachricht, daß Oesterreich wieder einmal aus Deutschland mit nationalsozialistischem Propagandamaterial überschwemmt wird. In den letzten Tagen erhielten auch viele Juden — natürlich nur solche mit nicht ausgesprochen jüdischen Namen — Briefe zugesendet, denen Ausschnitte aus nationalsozialistischen Zeitungen beilagen. Einer dieser Briefe lautet z. B.: Friedrichshafen, 13. I. 34 Lieber österr. Volksgenosse! Da ich als Oesterreicher schon mehrere Jahre im Reiche lebe und mit Bedauern weiß, daß bei Euch alle Zeitungen verboten sind, die über die wahren Verhältnisse berichten, so will ich es mir nicht nehmen lassen, Dir einige Zeitungsausschnitte zu senden. Als Oesterreicher im Reich habe ich die Entwicklung seit dem 30. Jänner 33 miterlebt. Ich kann Dir versichern, daß sie der vollsten Wahrheit entsprechen, denn es geht mit unserem Führer Adolf Hitler Schlag auf Schlag der wirtschaftlichen und seelischen Besserung entgegen. Denn er hat während dieser kurzen Zeit Unglaubliches wahr gemacht. Ich habe nur den einen Wunsch, daß in Bälde auch bei Euch die Lehre Hitlers als Sieger hervorgeht. Darum möchte ich Dir zurufen: haltet durch. — Heil Hitler! Ernst D ü r, Kaufmann, Klosterstraße 12. Wie das mangelhafte Deutsch dieses Briefes zeigt, scheint man auf Wissen in Deutschland wenig Wert zu legen. Wichtiger ist die Lügenpropaganda gegen Oesterreich und der Schmuggel von Bomben. Wir glauben nicht, daß die katholischen Oesterreicher Sehnsucht nach. Konzentrationslagern und WotankuJt haben, .Deutschland täte besser daran, die Millionen, die für Propaganda in der ganzen Welt mit vollen Händen ausgegeben werden, zur Stillung des Hungers seiner getarnten Arbeitslosenarmee zu verwenden... Die Propaganda der Nationalsozialisten beschränkt sich aber nicht nur darauf, angebliche, in Deutschland lebende Oesterreicher zur Hetze gegen Oesterreich zu kommandieren. Kürzlich.ging durch die Presse die Nachricht, daß Hitler die Registrierung der in Deutschland lebenden Oesterreicher angeordnet hat. Daß Hitler sich damit die Möglichkeit sichern wollte, gelegentlich Geiselaushebungen unter den in Deutschland lebenden Oesterreichern vornehmen zu können. Das ist aber, wie man gleich, sehen wird, nicht die einzige politische Erpressung, an die in Deutschland gedacht wird. Aus Deutschland kommt uns das Original eines Anmeldebogens zu, der dort deutschen Staatsbürgern ins Haus geschickt wird. Dieser Anmeldebogen hat folgenden Text: Kampfring; der Deutsch-Oesterreicher im Reich Hauptgeschäftsstelle: München, Brlenner Straße 16 (Postscheckkonto: München 5305) Beitrittserklärung Mit diesem Schreiben erkläre ich meinen Beitritt zum «Kampfring der Deutsch-Oesterreicher im Reich» Ich bekenne mich durch diesen Beitritt zu den Zielen des Kampfringes und verspreche, mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften an der Herbeiführung des geistigen und an der Vorbereitung des formalen staatlichen Zusammenschlusses Deutsch- Oesterreichs mit dem Reich Adolf Hitlers tätig mitzuhelfen. .den.193 .. . Versteht man, welche schamlose Erpressung hier begangen wird? Kein Oesterreicher in Deutschland wird es doch wagen dürfen, die Unterfertigung des Anmeldebogens zu verweigern, ohne Gefahr zu laufen, ins Konzentrationslager gesteckt zu werden. Er läuft Gefahr, seine Existenz zu verlieren und seine Familie wird dem Hungertode preisgegeben. Oesterreicher werden also gezwungen, gegen ihr eigenes Land als Mitglieder^ des «Kampfrings der Deutsch-Oesterreicher im Reich» zu kämpfen. Dieser von uns gebrachte Fall muß der europäischen Oeffentlichkeit die Augen darüber öffnen, daß die ganze Welt Nr. 323 — 26. Jänner 1934 j wie ein Mann aufstellt, um die Schande auszumerzen, die sich im Herzen Europas festgesetzt hat und die Kultur des Abendlandes vernichten könnte. Ein Rabbiner als Hitler-Agent In der Wiener Judenschaft zirkuliert ein Flugblatt, da* ein Rabbiner J. M. M o r t e n f e I d an die «Brüder, Juden in Oesterreich!» versendet, in welchem es unter anderem heißt: «Abgesehen davon, daß unzählige, weit übertriebene, auf Unwahrheit beruhende Geschichten über das Schicksal unserer Brüder in Deutschland in der ganzen Weltpresse verbreitet wurden und werden, müssen wir mit größter Entschiedenheit und i/rn Verantwortungsgefühl als religiöse Führer deutscher Juden feststcllen, daß nichts der deutschen Judenschaft mehr geschadet hat als eben der Boykottsturm, den unsere Brüder im Auslände geigen das Deutsche Reich entfacht haben.» Dieser «Rabbiner Juda Meier Mortenfeld aus Bresla u», der sich als religiöser Führer deutscher Juden bezeichnet, ist in Kucow (Polen) geboren, dorthin zuständig und war nicht ganz elf Jahre in Deutschland, wo er niemals Gemeinderabbiner gewesen, sondern nur in Breslau eine eigene «Klaus» namens «Jereim» führte. Er kam am 20. Juli des Vorjahres nach Wien und gab im Widerspruch zu seiner obigen Erklärung protokollarisch an, daß er wegen Lebensgefahr flüchten mußte. Ist also schon sein Titel «Rabbiner aus Breslau» eine Weine Irreführung, so hat der zweite Titel «Präsident der talmudischen Hochschule zu Mirom» (Palästina), den er sich auf dem Flugblatt beilegt, keinerlei Unterlage. Mortenfeld ist seit nahezu einem Jahre bemüht, nach Palästina reisen zu dürfen und erwartet von dorteineAnforderung als Rabbiner. Bisher ist es ihm nicht gelungen, ein« Einreisebewilligung zu erlangen. Keiner der jüdischen Emigranten aus Deutschland, in deren Mitte Herr Mortenfeld sich in Wien bewegte, hat diesem Manne die Berechtigung gegeben, in seinem Namen zu sprechen. Der Auftrag dürfte wohl von anderer, nichtjüdischer Seite erfolgt sein. Arlosoroff von einem Nationalsozialisten ermordet? Der Wiener „T e 1 e g r a f» bespricht in einem Artikel «Hakenkreuz und Fememord im Orient» die Zusammenhänge der Berliner nationalsozialistischen Aufklärungszentrale mit nationalen Aufständen verschiedener Länder. So erfährt man, daß einige reichsdeutsche Offiziere nach Marokko beordert wurden, wo sie arabische Notabein und Kaufleute sowohl gegen die französische Regierung als auch gegen die jüdische Bevölkerung äufhetzfem -Die Unruhen von" C äSäblanca und Sfax waren' das Resultat der Hitler-Propaganda. ‘ ■' Die a r a b i s c h e h D e z e m b e r u n r u h en ■ i n 'Jerusalem,' Haifa und Jaffa wurden in der Hitler-Presse freudig begrüßt, ja einzelne Blätter erklärten stolz, daß die nationalsozialistischen Agitatoren in Palästina nun die Früchte ihrer Werbetätigkeit zu sehet» bekämen. Als der palästinensische Arbeiterführer Dr. Ariosotof f im April 1933 in Berlin weilte, hatte er Gelegenheit, seine Jugendfreundin Magda Friedlärider wiederzusehen. Magda ist das uneheliche Kind eines deutschen Gutsherrn, das durch die Verehelichung ihrer Mutter mit einem jüdischen Kaufmann eine jüdische Erziehung genoß und erst im reiferen Alfa» erfuhr; daß sie keine Jüdin sei: Diese Magda Friedländer heißt heute Magda Goebbels. Sie ist die Gattin des deutschen Reichspropagandaminis'ters Dr. Goebbels, der die berüchtigten antijüdischen Hetzparolen auch nach Palästina verpflanzte, wo der jugendfreund seiner Gattin Dr. Arlosoroff am 16. Juni den Kugeln eines blonden, blauäugigen Fememörders zum Opfer fiel. Litauische Rabbinerkonferenz Kaunas. Die überwiegende Mehrheit der Delegierten und Redner auf der gegenwärtig in Kaunas tagenden Konferenz der Rabbiner ganz Litauens hat sich für die Schaffung einer Einheitsfront der religiösen Judenheit aller Parteien ausgesprochen. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die in Verhandlungen m i t d e m M i s r a c h i - V e rband, dem gesetzestreuen Flügel der Zionistischen Organisation, zu dem Zweck eintreten soll. Die Rabbinerkonferenz nahm eine Resolution an, die besagt, daß Palästina der einzige Weg zur Rettung des größten Teiles der verfolgten jüdischen Gemeinschaft sei; die Konferenz ruft deshalb zu einer Vereinigung von Agüdath Israel und Misrachi zum Zwecke des Palästina-Aufbaues .auf/ Eine weitere Resolution protestiert gegen die.neue Welle des A n t i s e‘m 11 i 8 m u s i n Litauen, die die. wirtschaftliche Existenz der litauischen Judenheit bedroht. Sie speisen gut uqd billig im neueröffneten Retfauvanl Andreashof VII., Andreasgasse 2, Ecke Mariahilferstraße. Menü v. S 1.— bis S 2.—. Klubzimmer mit und ohne Klavier zu vergeben. Jude, hilf erbauen Klar Ussisdihln f