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Die Stimme · 1934-01-23 · Heft 322 (23.1.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 322 (23.1.1934)
Date
1934-01-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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jgttie 4 DIB STIM ME Wf. 322 — 23. TSittef 1934, ... 1. Pardeß kauft und dadurch jüdischen Arbeitern eine Existenzmöglichkeit bietet, ist ein wertvolles Element des Aufbaues, Gegen unerwünschte Elemente muß eingeschritten werden. Der Kampf gegen den schlechten Willen Englands darf aber dadurch nicht auf ein Nebengelelse verschoben werden. tßhlefe, an die, fUdahtian Razzien Geehrte Redaktion! Soeben als susgewiesener Palästina-Tourist nach Europa zurtickgekehrt, finde ich hier die Meinung verbreitet, das Jmmigrationsdepartement habe dem Protest der Weltjudenschaft Rechnung getragen und die gehässige Jagd auf «Illegale» eingestellt. Nichts ist irriger. Die Razzien nehmen überall ihren Fortgang und die Verfolgten sind ihnen außer in Tel-Awiw, wo die geschlossene jüdische Bevölkerung Widerstand versucht, überall wehrlos ausgeliefert Es hat sich ein förmlicher Ritus dieser Verfolgungen ausgebildet. Die Endstationen des Autoverkehrs sind von der Polizei besetzt, die die Aussteigenden verhält, sich zu legitimieren. Man dringt aber auch in Kaffeehäuser, Restaurants und Privatwohnungen ein. Spione, darunter leider auch jüdische, die für einen Shilling per Kopf gedungen werden, helfen dabei mit; nicht immer kann man sie entlarven und nach Gebühr verprügeln. Wenn etwas nicht genau klappt, werden die Angehaltenen in Evidenz genommen und in das Ausweisungsregister verbucht. Alsbald machen zwei Geheimpolizisten, von denen je einer Araber oder Engländer ist, den «Illegalen» stellig und überreichen ihm einen Ukas mit der Einladung, das Land zu verlassen. Nach 10 bis 12 Tagen erfolgt ein zweiter Bescheid, man habe das Versäumte binnen 24 Stunden nacbzuholen, und schließlich nach 6 bis 8 weiteren Tagen, man möge sofort abfahren, widrigenfalls Kerker in Akko bis zu sechs Monaten winke. Daß diese Bescheide englisch und nur englisch abgefaßt sind, obgleich doch Hebräisch eine durch Grundgesetz anerkannte Landessprache ist, sei nur nebstbei erwähnt.!M DRITTEN REICH Martyrium jüdischer Kinder auch im Saarland Genf. Das Schreiben der Saarländischen internationalen Regierungskonimission an den Völkerbund als Antwort auf die Petition der «Deutschen Front» enthält den folgenden, auf die Juden im Saarland Bezug habenden Passus: «Der heimtückische Boykott und die •Verfolgung der Juden und politischer Gegner der nationalsozialistischen Partei hat sich in solcher Weise breit gemacht, daß die Kommission fast täglich mit Klagen verschiedener Teile der Bevölkerung überhäuft wird. Die Kommission war sogar genötigt, einer Bitte der jüdischen Gemeinde Platz zu geben und eine besondere Schule für jüdische Kinder za gründen. Die Tatsache allein, daß die jüdische Gemeinschaft des Saargebietes sich entschlossen hat, nach Jahrhunderte währender Emanzipation für ihre Kinder wieder die Ghettoabsonderung zu suchen, genügt schon, um das Ausmaß dieser Verfolgungen zu unterstreichen.» In der Zwischenzeit wird der Ausgewiesene immer wieder von den Polizisten, die schwarze Listen bei sich tragen, besucht und betrieben. Wer die letzte Aufforderung unbeachtet läßt, wird wirklich nach Akko geschleppt und dort — in der Regel sechs Wochen (welche Milde!) — eingesperrt; dann eskortiert man ihn auf das Schiff nach Europa, wobei dem Kapitän als Pfand der Paß ausgefolgt wird. Die Verfolgung richtet sich keineswegs nur gegen Chaluzim. Ein Fall für viele: Vor neun Monaten kam eine Wiener Familie mit ihrem Oberhaupt, einer Witwe, als Touristen ins Land. Die Frau, die schon in Wien einen großen Schneidersalon geführt hatte, sah die Chance, diesen Beruf in Erez fortzusetzen, und richtete ein paar Wochen nach ihrer Ankunft, also noch innerhalb der zulässigen Dreimonatsfrist, ein Gesuch an die Regierung, ihnen als Kapitalisten mit 1700 Pfund Sterling Vermögen den dauernden Aufenthalt zu gestatten. Nun waren nicht volle 1000 Pfund Sterling, dies das Minimum für Kapitalisten, in bar vorhanden, sondern der Ueberschuß in Hypotheken, wie vom Wiener englischen Konsulat ordnungsgemäß bestätigt. Dennoch, brauchte es große Int -ventionen, um die Ausweisung dieser achtbaren Familie zu vermeiden und ihr schließlich zeitweiligen Aufenthalt «bis ‘zur völligen Klärung der Sache» zu erwirken. Auch von einer Amnestie, die «Doar Hajom» als sichere Tatsache berichtet hat, ist nichts zu sehen- Es bleibt Ihnen überlassen, diese Zuschrift zur Warnung des jüdischen Publikums abzudrucken. Hochachtend: N. N. (Der Name des Einsenders ist der Redaktion bekannt.) BSSSSSSBSSBBSBSBB^aBBSSSSSaSBeBBSBaSSBBSBOSSBSmm die geschäftlichen Direktiven beschränken müssen, während der ihm zugeteilte «Führer» alle Anordnungen im inneren Betrieb zu treffen haben wird. Neue Bestimmungen gegen die jüdischen Anwälte Berlin. Das Präsidium der Relchsrechlsanwaltskammer hat bestimmt, daß jede berufliche Verbindung mit einem Rechtskundigen, dessen Zulassung zur Rechtsanwaltschaft versagt oder zurückgenormmen ist, oder dessen Zulassung nichtarische Abstammung oder kommunistische Betätigung entgegenstedrt, unzulässig ist Auch die Anstellung oder Beschäftigung eines jüdischen Anwalts als Hilfsarbeiter oder Angestellter wird nicht gestattet. Der Giftbrunnen Die Düsseldorfer Zeitschrift «Der Brunnen» für Naturheilkunde klagt die jüdischen Aerzte an, daß sie das deutsche Volk zu vergiften versuchen, indem sie Ihren arischen Patienten Narkotika, wie Aspirin, Veramon und P yramidon verschreiben, während sie ihre’ jüdischen Pattienten mit natürlichen Mitteln kurieren. Die jüdischen Aerzte handeln im Aufträge der Weisen von Zion, wenn sie die heimliche Vergiftung des dewtedhert .Volkes teuflisch betreiben; sie handeln auch im Interest* der jüdischen DfogenfabrUcen, die diese Gifte Herstellen. Zu bemerken ist, daß die I. G.-Farben, die die genante tan Präparate herstehen, völlig in arischem Beste sind trat daß ihre Leuna-Werke in der deutschen Giftgasrüstung führend« Rolle spielen, «Juda, verrecket» Berti tu in der Berliner «Deutschen Wochenschau» apostrophiert Hans Greve, Verbands! eiter des Deutschen Steinarbeite r-V erb an des, den GerrtraJ-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit folgenden Wörtern «Verehrte G V.-Kadetten! Allso, Auge um Auge, Zahl um Zahn nach alttestamentarischer Weisheit! ... Ihr werdet wieder zu munter, ihr Erwählten aus dem gelobten Land, Ihr habt wohl vergessen, was uns begeistert hat in unserem Kampf. Ihr glaubt, das sei umsonst geschrieben; «Die Juden sind unser Unglück.» In den Hinnen der bewährten Kämpfer steht’s noch leuchtend. Jeder echt« Parteigenosse weiß genau, aus welchem Grunde der Sozialismus unteu’ dem früheren Gesindel nur leeres Gerede blieb. Die Voraussetzung fehlte, daher später das «Juda verrecke!» . . . Wir sind im allgemeinen friedliche Menschen, sonst würdet Ihr nidh/t mehr Im Lande sein. Wir sind unduldsam, so wahr Horst Wessel uinter dem Protektorat eines Juden Weiß fiel und so wahr seine alten Streitgenossein leiben. Und wenn Ihr Euch nicht seht artig (so weit sich Bune «Art» mit unserem Denken überhaupt vereinbaren läßt) benehmt, werden die Nazis Euren ohnehin schon reichlich dimensionierten Nasen eine noch breitere Form geben, damit audh der leidige Spießbürger Euch besser erkennt und endlich begreift, was los ist Ihr vergeßt wohl, daß Ihr nur geduldet seid. Unsere Geduld kauft aber sehr plötzlich zu End« »ein.» Cbaluzim aus Deutschland in Frankreich ausgebildet P a r i s. Am 18. Jänner sind die ersten 70 in Frankreich aungebildete® jüdischem Ghaluzkn aus Deutschland nach Palästina abgereist, wo sie sich in die Arbeitsfront einreihen werden, um dann später zum größeren Teil auch als Kolonisten seßhaft m werden. In den nächsten Wochen werden weitere Koflouistengruppen folgen, bis das von der Mandatsregierumg bewilligte Kontingentvon 400 erschöpft sein wird. Bei deft Kolonisten handelt es sich hauptsächlich tun jüdische Intellektuelle aus Deutschland, welche Landwirtschaft betreiben wollen. Diese Emigranten haben seit April des Vorjahres in Frankreich (andwirtschaffliehe Kurse absolviert. Rebellion gegen Schmitt Der «Völkische Beobachter», das Organ Hitlers, greift den Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt wegen seiner liberaleren Politik gegenüber den Juden in der Wirtschaft direkt an und führt aus, entweder wird diese Politik bald aufhören müssen oder aber die meisten führenden Beamten des Reichswirtschaftsministeriums werden ihre Aemter an geeignetere Personen abgeben müssen. Reichsminister Schmitt werde sich bald entscheiden müssen, ob er sich von dem alten Stab pro-jüdisch gesinnter Beamter trennen wolle. Infolge dieser Angriffe hat Minister Dr. Schmitt 21 leitende Steifen seines Ministeriums mit Nationalsozialisten besetzt. Die Weltverderber an der Urin Jüdische Angestellte ins Konzentrationslager Karlsruhe. Max Hirschenberg und Moritz S c h r i ßheimer, zwei jüdische Beamte einer Handelsfirma in Karlsruhe, wurden durch die politische Polizei verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht, weil arische Mädchen, die bei der gleichen Firma angestellt sind, erklärt haben, sie können sich die «Belästigungen seitens der Juden nicht länger gefallen lassen». Hirschenberg wird außerdem vorgeworfen, er hätte die Deutschen mit dem Worte «Gojim» bezeichnet Die beiden jüdischen Angestellten sind völlig unschuldig von ihren Posten entfernt worden. Nachdem durch Erlässe des Reichswirtschaftsministeriums und durch Urteile des Reichsgerichts jüdische Angestellte nicht mehr fristlos entlassen werden dürfen, wählen die nichtjüdischen Angestellten die Form der «Beschwerden* seitens arischer Mädchen, um jüdische Arbeitskollegen loszuwerden. Das «Gesetz der nationalen Arbeit» Das neue «Gesetz der nationalen Arbeit» gewährt den Unternehmern eine außerordentliche Machtfülle; die Arbeitgeber werden ln dem Gesetz als «Führer», die Arbeitnehmer als «Gefolgschaft* bezeichnet. Juden und verschiedenen Ausländern wird im Gesetz der Charakter eines «Führers» nicht zuerkannt. Das Gesetz tritt am 1. Mai ln Kraft. Wie verlautet, erwägt man für Betriebe, die sich in jüdischen oder ausländischen Händen befinden, die Ernennung besonderer Führer als «Treuhänder der Arbeit». Der jüdische oder ausländische Firmeninhaber wird sich auf Bezlrkssektkm JCIX / Idealkino, 19., DübL Hauptstr. 74 Sonntag, den 28. Jänner, halb 11 Uhr vormittags; FILMVORFÜHRUNG ..Palästina, das Xand offene ./frffeeifslosifltfteif” Dr. Egon Michael Zweig, Jerusalem, spricht über: «Das jüdische Leben In Palästina» Verschwörung in Griechenland Die Athener und Salonlkler Zeitungen befassen sich eingehend mH der Aufdeckung einer geheimen Verschwörung deutscher Nationalsozialisten mH griechischen Royalisten, deren Ziel die Errichtung einer monarchistischen Hitler-Diktatur in Griechenland war. Neben Griechen sind Deutsche undOesterreicher, die in Athen leben, in die Verschwörung verwickelt. Die führenden Zeitungen «Elephteros Anthropos» und «Acropolls» enthüllen, daß nicht weniger als zehn Millionen Drachmen aus Deutschland für die Propaganda ausgegeben seien. Sie fordern die Ausweisung des deutschen Führers Kurdorier aus Athen, der offen für die Hitler-Diktatur in Griechenland Propaganda macht, und klagen darüber, daß ein Teil der griechischen Presse korrumpiert worden ist Die neugebildete Faschlsten-Organlsation OEKK werde mH Nazi-Geld erhalten, ihr Führer sei der Bruder des jetzigen Finanzministers Loverdos. Die griechischfaschistische Bewegung hat, entsprechend ihrem deutschen Vorbild, einen ausgesprochen judenhetzerlschen Charakter. Im Fernen Osten Die nach Durchbruch der Bolschewikenherrschaft in Rußland nach der Mandschurei geflüchteten russischen Weißgardisten, die sich 6eit Jahren antisemitisch betätigen, haben nun die Verbindung mit den deutschen Nationalsozialisten aufgenommen, von denen sie finanziell unterstützt werden. Der Wirtschaftsboykott gegen Deutschland wirkt sich in der Mandschurei sehr stark aus. Die jüdischen Handelshäuser haben jeden Verkehr mit ihren früheren deutschen Geschäftsfreunden abgebrochen. Die deutsche Firma Siernens-Schuckert hat sich darum genötigt gesehen, ihr Charblner Bureau nach Hongkong zu verlegen. la der Schweiz Der in Zürich erscheinende «Reichsdeutsche» het riet vollkommen in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda gestellt und betreibt diese Propaganda nicht nur unter den Reichsdeutschen, sondern auch unter den Schweizern. Das Blatt bringt Bilder von angeblich ermordeten Nationalsozialisten und setzt in deren Mitte das Bild Kar! Radeks mit folgender Ueberschrlft; «Der geistige Urheber, Chef der kommunistischen Propaganda in Deutschland (Jude).» Das Blatt teilt mit, daß anläßlich der Gründung einer Gruppe hi Zug der deutsche Konsul in Zürich, der «Landes- Propagandaleiter» für die Schweiz Kloetzel und d«r Pfarrer von Luzern Dr. Karrer Ansprachen Welten. Der «Abschaum der Gesellschaft» Im ungarischen Abgeordnetenhaus verursachte das Auftreten der Nationalsozialisten Graf Alexander Festetics und Mezsko tumultuöse Szenen. Innenminister Keresztes-Fischer erklärte, der Abschaum der Gesellschaft hefte sich an die nationalsozialistische Bewegung in Ungarn, die Regierung werde, wo Ordnungswidrigkeiten Vorkommen, mit aller Strenge vorgehen. Die Bewegung sei nicht ernst zu nehmen, er wolle kein« Panikstimmung hervorrufen; wenn die Regierung sehen werde, daß es sich um eine ernstere Saohe handle, werde sie auch ernster aultreten. Während also die Nationalsozialisten im Parlament zur Bedeutungslosigkeit verurteilt sind, verfügen sie in der Stadtrepräsentanz, wo sie von anderen antisemitischen Gruppen unterstützt werden, über starken Anhang. Die Mehrheit des Magistrates unter der Führung des Bürgermeisters W o l f eines Antisemiten, führt eine durchaus antisemitische Politik. Ministerpräsident Gömbös hat die Absetzung der jetzigen Stadtverwaltung, die Reformierung des Magistrate« und die Ausschreibung von Neuwahlen angekUndlgt

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