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Die Stimme · 1934-01-19 · Heft 321 (19.1.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 321 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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s- «rite« VoDuMdtagsverein «JÜDISCHES VOLKSHEIM» nn Blnmanergasse t Samstag, den 20. Jänner 1934, 20 Ufori N. J. »RIND Vovletuntf <ni« eigenen Suilnrifimn PROGRAMM: I. Novellen: Zusammenbruch — Wadi Chawarith — Ansichtskarte n. Kapitel aus dem Roman «Mohflecky* Gäste willkommen! Montag, 22. Jänner, 7 Uhr: Beginn eines neuen Hebräisch- Kurses für Anfänger Es ist e.ne biwußi oder unbewußte Flucht vor der grausamen Realität, d e sie in die geheimnisvolle, abgeklärte Atmosphäre der stillen Beth-Hamidrisch führt, in dem sich alle soziale und äußerliche Not in eine große seelische Ekstase, in ein göttliches Versunkensein löst! Das Auge wendet sich nach innen und schaut über uralte Folianten gebeugt den inneren Glanz der Schechinah. Dev Judenbevg in Barcelona Barcelona ist reich an Denkmälern und Erinnerungen aus der trübsten Zeit der Geschichte des jüdischen Volkes. Viele Grabsteine aus alten jüdischen Friedhöfen wurden zu Fundamenten von katholischen Grafenpalästen oder zur Pflasterung der Stadt verwendet. ln Barcelona steht auch noch die <blutige Kathedrale, welche für Hunderte von Juden die letzte Station auf ihrem Leidensweg zum Märtyrertod gewesen ist. Auch das alte Gebäude des Inquisitionsgerichtes steht noch, über dessen Eingang die Symbole der Inqubltion: Zange, Nagel, Spieß und Hacke gemeiselt sind. Auch das Museum von Barcelona kat eine Anzahl von historischen Dokumenten aufbewahrt, unter welchen sich die Originale der herzzerreißenden Bittgesuche der hervorragendsten jüdischen Gelehrten der Inquisitionszeit an den König befinden. Die blutige Kathedrale von Barcelona besitzt einen so ungeheuren Reichtum an Schätzen in Gold, Silber und Edelsteinen, daß die Volksmeinung nicht unbegründet sein dürfte, daß diese Schätze ausreichen würden, am das ganze spanische Papiergeld in Goldvaluta zu ver- 'pari# ein. Aber ebenso kann ohne Uebertreibung fest gestellt werden, daß der überwiegende Teil dieses Kirchenschatzes in Barcelona allein aus dein an den jaden begangenen blutigen Raub stammt. Der jüdische Publizist Alexander Rawlcz hat in Barcelona Studien dieser traurigen Denkmäler jüdischer Geschichte betrieben und einem seiner Aufsätze ist die folgende Geschichte des «Jadenberges» von Barcelona entnommen. Zugleich mit den Juden wurden bekanntlich auch die Mohammedaner im Spanien des Mittelalters aufs blutigste verfolgt. Die Kirche hatte den Ausrottangskrieg gegen Juden und Mohammedaner proklamiert. Die türkische Regierung, die za jener Zeit als eine überaus große, schlagfertige Macht anerkannt war, beschloß, zugunsten der Mohammedaner und auch der Juden beim König vom Spanien zu intervenieren. Da die ersten Vorstellungen wirkungslos blieben, richtete die Türkei an Spanien ein Ultimatum, in welchem die Krone von Aragon davon verständigt wurde, daß die Türkei entschlossen sei, in dem Falle, als die Hinrhordung der nichtkatholischen Bevölkerung kein Ende nehmen sollte, ihren Forderungen durch militärische Aktionen Geltung zu verschaffen. Das Ultimatum schließt mit der Erklärung der türkischen Regierung, daß die Türkei bereit sei, alle Mohammedaner und Juden in der Türkei gastfreundlich aufzunehmen. Dieses Ultimatum war wirksam. Es wurde beschlossen, edle Juden von Barcelona und der nächsten Umgebung auf einem an der Stadtgrenze befindlichen Berg zu sammeln und sie dort einem türkischen Geschwader, das sich bereits angekündigt hatte, za übergeben. Dieser Berg, den die Juden den Befreiungsberg nannten, heißt auch heute noch der «Judenberg». Die christliche Bevölkerung war bereits durch die Geistlichkeit so sehr gegen die Juden aufgehetzt worden, daß das Volk glaubte, die Jaden würden nur zu dem Zweck auf dem Berg zusammengetrieben, am sie desto leichter und mit einem Schlag ausrotten zu können. Die spanische Regierung war daher selbst gezwungen, durch militärische Zernierung des Judenberges das Leben der Juden bis zu ihrer Uebergabe an die rürkei zu schützen. Es isi itctürlich, daß die christliche Nächstenliebe der Inquisition auf dem fudenberg den Flüchtigen keinerlei Unterkünfte errichtete, und so mußten denn die unglücklichen vertriebenen Juden m Klüften oder selbstgegrabenen Höhlen im Bangen und Hangen zwischen der Dl« Hochsaison ln Tsl-Awtwl Die Zeit zu Purim und Pessach ist die Hochsaison für Touristik in Tel-Awlw sowie auch allgemein ln Palästina. Es Ist daher unsere Pflicht, als offizielles Propagandabüro für die Stadtgemeinde Tel-Awlw, alle Interessenten darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihre beabsichtigten Reisen su dieser Saison rechtzeitig anraelden, da sonst die Gefahr besteht, keine Zimmer ln den Hotels ln Palästina zu bekommen. Auskünfte und Anmeldungen lra Weltreisebüro Compass Tours, Wien, DC Spltalgasse I, Telephon B 43*8-38. DIE STIMME Dieses tief-innerliche Leben dieser Menschen zu erfassen und zu gestalten, zieht es mich immer wieder. Hunger und Elend lallen von ihnen ab, nur das Ewige dieser Judenmenschen, ihr Versunkensein in Gott, das Aufatmen der NSCHMA JETERA bleibt für mich als Substrat für meine Bilder, ob ich nun einen thoraschreibenden, betenden, sich der Weihe des Sabbaths oder der Festfreude hingehenden Juden oder Jüdin male. ” Ein Blick auf ein Bild einer jungen Jüdin am Jomkipur, das von einer Unbeschreiblich zarten, inneren Verklärtheit ist, in seinem mit altem jüdischen Zierrat geschmackvoll eingerichteten Atelier, zeigt uns, wie wunderbar es diesem Künstler gelingt, das Wesen echten Judentums zu gestalten und festzuhalten. Die Erfolge, die er mit seinen Ausstellungen im Ausland errungen hat und mit denen er für die Sache des Judentums so viel geleistet hat, werden einem sofort verständlich, und lassen einen mit größter Spannung und Freude der vor einigen Tagen in Wien eröffnten Kollektivausstellung seiner Werke entgegen sehen. Hoffnung und der Angst vor dem Massaker hinschmachten, bis die Stunde der Befreiung geschlagen und sie unter den Schutz der Türkei gebracht wurden. Besuch in dev Synagoge in Gibavliav Gibraltar, das ist für uns alte der Stützpunkt englischer Waren und englischen Handels. Wenn man dann nach Gibraltar kommt und eine fast ausgesprochene Stadt mit geschlossenen Läden und geruhsam spazierengehenden Einwohnern vorfindet, so ist man im ersten Augenblick recht erstaunt und sogar enttäuscht. Aber bald wissen wir Bescheid. «Heute,» sagen uns alle Einwohner, «ist Schabbes und da hallen die jüdischen Kaafleixte ihre Geschäfte zu.» So können wir heute unser Geld nicht wechseln, wir können uns den Schleier nicht kaufen, den wir so notwendig brauchten und müssen auf manche Kleinigkeiten verzichten, die wir in Gibraltar einhandeln wollten. Denn die Juden Gibraltars hängen an der Tradition. Es ist am frühen Nachmittag; wir wissen zwar, daß der Gottesdienst vorüber, aber wir wollen die Stadt nicht verlassen, ohne der Synagoge unseren Besuch abzastatten. Man weist uns in den neaerbauten Tempel, der gleich beim Hafen liegt und einen ansehnlichen. Fassungsraum hat (die alte Synagoge liegt am anderen Ende der. Stadt). Eine junge Frau öffnet uns und freut sich sehr, als wir uns als Glaubensgenossen vorsteilen. Sie beginnt mit uns ein ausführliches Gespräch, erzählt uns von der großen und reichen Judengemeinde und betont, daß es in ganz Gibraltar keine Antisemiten gäbe. Die christliche Bevölkerung schätzt ihre jüdischen Mitbürger außerordentlich und diese Anerkennung dokumentiert sich bei jeder Gelegenheit. Sie erkundigt sich ausführlich nach den Verhältnissen bei uns und wird außerordentlich erbittert, als das Wort Hitler fällt; «Hier ist uns ein neuer Hanum entstandene sagt sie, «aber auch unsere armen Glaubensgenossen in Deutschland werden wieder frei und glücklich werden. Wir Juden Gibraltars beten alle Samstag für sie, beten für das Ende Hamans, des Bedrückers.» Und als wir Weggehen, drückt sie uns herzlich die Hand und sagt: «Schalom to you and to all german }ews.i> — «Friede mit Euch und allen Juden Deutschlands/» Margit Hayek-Streicher. Wieviel Juden leben In New York? Das Organ des amerikanischen Zeltungs- und Verlagsgewerbes «Editor and Publisher» veröffentlicht soeben den jährlichen Führer durch den Wirtschaftsmarkt, dem unter anderem zu entnehmen ist: ln New York leben 1,750.000 Juden, davon etwa 600.000 in Manhattan. 420.000 in Bronx, 5001)00 in Brooklyn, 60.000 in Queens, 20.000 ln Richmond und 150.000 in den Vorstädten von New York. Dem jüdischen Konsum dienen mehr als 6500 Kolonial-, Geflügel- und Delikatesserdäden, 1200 Apotheken, 3000 Zigarren- und Schreibwarenläden, 6000 Koscher-Schlächiereien, 700 Schuhgeschäfte, 275 MetaUr geschäfte, 250 Farbwarenläden, 2500 Möbelgeschäfte, 150 Läden mit elektrischen Bedarfsartikeln und mehrere tausend Kurzwarenläden und Spezialgeschäfte. Sie alle liegen in den jüdischen Stadtteilen. Schätzungsweise betragen die Ausgaben für den Lebensunterhalt, die mit Hilfe dieser Läden bestritten werden, 373 Millionen Dollar jährlich. Es gibt ln New York U jüdische Theater. ln den jüdischen Stadtteilen befinden sieh J2 von den Juden geleitete Banken mit 50 Zweigstellen and einem Gesamtkapital von mehr als 500 Millionen Dollar, davon 75 •Millionen Dollar, die in Sparkonten angelegt sind. Xunstnadkvidkttn ln d«r „Jüdi«oh«n Bühn«“, II., Pratergtraße 60, gastiert täglich mit großem Erfolg das amerikanische Ehepaar Mae Bchoenfoid und Irving Jacobson »ri der musikalischen Komödie „O J A tn r i k Nf. 32t — 10. jannef 1034 Zun» Prozeß Popper Der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ist ein böstt Mißgeschick widerfahren. Ein Beamter, der es durch Fleiß und Diensteifer im Verlauf einer 37jährigen Dienstzeit zu einer hohen, gutbezahlten Vertrauensstellung gebracht hatte, der auch privat als vermögender Mann galt, entpuppte sich vor etwa zwei Jahren als Betrüger. Fast 10 Jahre lang hatte er unter Mitwisserschaft und Mitwirkung der ihm zugeteilten Revisionsbeamtin und unter Mißbrauch des Vertrauens seiner Kollegen in den Rechnungsämtern eine Anzahl vön Fakturen und Belegen gefälscht und — wie es der Urteilsspruch des Gerichtes verkündete — die Kultusgemeinde um S 49.000.— geschädigt Er hatte es fertig gebracht, in einem Zeiträume, in welchem das Kassenrevirement der Kultusgemeinde S 123,000.000.— und der Umlauf an Kassenbelegen etwa eine Million Stücke betragen hat, etwa 100 gefälschte Belege einzuschmuggeln, die infolge seiner Versiertheit mit dem Betriebe durch die Maschen des Kontroüapparates schlüpften. Der Betrüger wurde fristlos entlassen, sein Pensionsanspruch, der bereits etwa S 800.— pro Monat betragen hätte, ist erloschen, ebenso der Versorgungsanspruch für Frau und Kind. 5500 Dollar wurden von seinen Angehörigen als Schadensgutmachung der Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt. Am letzten Samstag hat ihn ein Schöffensenat des Wiener Landesgerichtes zur Strafe des schweren Kerkers in der Dauer von 18 Monaten verurteilt, eine fünfmonatliche schwere Arreststrafe ist über seine Helferin, die ungetreue, gleichfalls unter Verlust des Pensionsanspruches fristlos entlassene Beamtin bed'ngt verhängt worden. Das Gericht fand auch eine Mitschuld der Gattin gegeben und hat diese bedingt zu einer zweimonatlichen Arreststrafe verurteilt. Es handelt sich um die Tragödie eines Entgleisten, um ein tief bedauerliches, aber in der Nachkriegszeit leider nicht selten gewordenes Ereignis, wie es in mannigfachen Varianten täglich in den Zeitungen aufscheint Aber der Fall des gewesenen Materialverwalters Popper der Kultusgemeinde hebt sich von all den vielen Betrugs- und Veruntreuungs- Prozessen der letzten Jahre eigenartig ab. Vier Tage lang hatte sich der Schöffensenat vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit der Angelegenheit zu beschäftigen, bis die Richter beraten, beschließen und ihren Urteilsspruch verkünden konnten. Die Uebeltat wird gesühnt Aber vielleicht länger als das Vorkommnis an sich wird die Erinnerung an das Verhalten eines Mannes in diesem Prozeß .aufrecht-, erhalten werden müssen, der seit Jahrzehnten, wenn auch vergeblich, bemüht ist, ein Mandat im Kultusvorstande?11 erlangen: des Rechtsanwaltes Dr. Saul Rafael Landau. Er ragte unter den 54.000 Steuerträgern der Wiener Kultusgemeinde dadurch hervor, daß er sich durchaus als von Popper geschädigt betrachten wollte. Und als solch ein Geschädigter erwirkte er die Zulassung zum Prozesse als Privatbeteiligter und ließ sich keine Gelegenheit entgehen, um der Kultusgemeinde eine aufs Zeug zu flicken. Malkontente, vorzeitig pensionierte Angestellte, die nichts zum Prozesse gehöriges auszusagen wußten, wurden da als Zeugen vor den Gerichtstisch gebracht, anonyme Anzeigen hervorgeholt und durch Fragestellungen, die keinerlei Beziehungen zu dem Prozesse hatten, immer wieder der Versuch unternommen, ja nur alles, was sich im Laufe der Jahrzehnte in dem fast 700 Personen beschäftigenden Betriebe der Kultusgemeinde ebenso wie in jedem anderen Betriebe, von Zeit zu Zeit an Unzukömmlichkeiten ereignete, und was jedesmal gestraft und gesühnt wurde, vor die breiteste Oeffentlicbkeit zu bringen. Vergeblich war das Bemühen des Vorsitzenden des Schöffensenates, den Prozeß auf sein eigentliches Thema zu beschränken. Dr. Saul Rafael Landau ließ von dem Versuch nicht ab, die israelitische Kultusgemeinde und deren oberste Funktionäre anzufeinden. Was hat eigentlich Dr. Saul Rafael Landau dazu veranlaßt, in diesem Prozesse vor die Schranken des Gerichtes zu treten? Was konnte diesen der jüdischen Gemeinde Angehörenden bestimmen, den Versuch zu unternehmen, noch dazu in der heutigen Zeit, die israelitische Kultusgemeinde in der Oeffentlichkeit herabzusetzen? Wir wollen diese Frage offenlassen. Dr. Landau, dem die Wähler schon so oft bewiesen haben, daß sie ihn in dem von ihm plötzlich so geschmähten Vorstand der Kultusgemeinde nicht als den Mann ihres Vertrauens sehen wollen] wird es bei der nächsten Wahlkampägne schon erzählen. Die Antwort der Wählerschaft wird ihm dann zuteil werden. 90m D#r ewig« Kampf zwischen Gut und Bös« Der ewige Kampf zwischen den liebten und dunklen Mächten findet in dem gewaltigen Tonftlmgeraülde Thea von Harboue „Elisabeth und der Narr" «eine symbolhafte Darstellung, in deren Mittelpunkt die Gestalt eines schönen Mädchens (Hartha Thiele) steht. Ihr Partner ist Rudolf Klein-Kogge. Erna. Morena, Theodor TiOOs. Eduard Wesener, Fritz Albertl u. a. m. spielen die weiteren Rollen. Premiere am 36. Jänner. „Dis Legion des Todes'* Unter diesem Titel erscheint ab 13. Jänner ein ausgezeichneter WüstenfUm der Fox, dessen Regie Wilhelm Dleterle führte. Der Film schildert in sensationeller Welse das Leben innerhalb der Fremdenlegion. Die Hauptdarsteller nlnd Victor Jory und Loretta V o u n g. BOR AUS ALLER WELT

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