Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-01-19 · Heft 321 (19.1.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 321 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054076--3964-3059526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seife 3 Nf. 321 — 10. Jänner 1034 DtC STIMME PURIM-KARNEVAL in mit dem Luxusdampfer «Conto dl Saoola« (48.000 Tonnen) — Retour mit dem Luxusdampfer «Roma» — Aufenthalt in den bedeutendsten Städten Italiens TEL-AWIW! Palüfttlna-RelM vom 20. II. bis 15. III. Reisedauer 3 Wochen für nur. . . . .S 620.- durch R. O. G* «Reisebüro», Wien, I., Rotenturmstraße 20 (Ecke Fleischmarkt 1), Telephon R 24*5-25 Erez Israel ein Jungquell der JOd^schen Rasse Von Or. E. M. Zweig - Jerusalem Durch das Dritte Reich kamen Erörterungen über Wesen und Wert der deutsch-arischen und der jüdischsemitischen Rasse sowie des Rassebegriffes überhaupt, weithin in Schwung. Die Gelahrten ’n Hitleristan und der viele Millionen zahlende Troß ihrer Nachbeter in- und außerhalb Deutschlands stellen den Allerweltsjuden bald als ein aus des Teufels Bratpfanne entsprungenes, auch physisch einheitliches Unikum dar und schreien uns bald wieder als eine in orgiastischen Mischungen stets neubastardisierte «Köterrasse» aus. Ernste Forscher, wie Judt, Zollschan, Kahn, suchen mit größerer Gewissenhaftigkeit die Komponenten der heutigen Judenschaft seit dem grauen Altertum zu ergründen. Für die praktischen Zwecke unserer Volkspolitik genügen wohl schlichtere Erwägungen. Wer mit offenem Blick durchs Leben geht, muß dessen innewerden, daß die Juden nach allen Wandlungen auch physisch ein viel einheitlicheres Produkt ergeben als manches auf seine Sonderart pochendes Staatsvolk, und daß man daher unsere Leute, wohin sie auch zerstreut sein mögen, leicht aus der umgebenden Menge herausfinden kann. Sie sipd, wenn nicht schon am Schnitt ihres Gesichtes, dem Ausdruck ihrer Augen,“ ihrem Mienenspiel erkennbar, so doch wenigstens, wenn der Prüfungskandidat den Mund öffnet und, in welcher Zunge immer, zu sprechen beginnt Mögen auch jene, die sich als arische Voll- und Uebermenschen blähen, bei der Judenhetze trotz ihrem spürenden Haß recht oft danebentappen, den «Mauschel» übersehen und als solchen einen arischen Genossen verprügeln, so hat doch der Jude, der ja stets gefaßt sein muß, bei Seinesgleichen Schutz und Hilfe zu suchen, ein besser geschärftes Urtel! darüber, wen er vor sich hat. Bei näherer Prüfung aber müssen wir zugeben, daß sich die Juden der Galuth von Land zu Land unterscheiden und daß sie überall nach Wuchs, Färbung von Haut und Haar, nach Gesichtsschnitt, Schädelform tisw. von ihren Wirtsvölkem manches angenommen haben. Es kann hier dahingestellt bleiben, warum dem so ist Ob da legitime oder illegitime Blutmischung oder, wenngleich das Liebesieben den jüdischen Rahmen wahrt, nicht doch die Anpassung an das Schönheitsideal des Aus einem Meer von Zeitungen, dessen Grund eine Schreibtischplatte sein dürfte, taucht einer auf, tritt vor die Wand des Wissens, die er sich im Laufe der Jahre errichtete, langt nach Mappe C 31; Aegypten; Abteilung n 13: Industrie; a: Spezial; außerdem holt er sich W: Warenabteilung; C 31: Aegypten; Straw working; endlich greift er nach dem englisch und arabisch gedruckten «Zensus of Egyptian Industries». ’ Die Anfrage, die Dr. Alfred B o n n te, der Leiter des in Aufbau und Umfang einzigartigen «Wirtschaftsarchivs' für den Vorderen Orient» beantworten 6oll und die für unzählige andere typisch ist, lautet: Wie steht es mit der Strohhutindustrie ln Aegypten? Dem Strohmann kann geholfen werden. So steht es um die Strohhutindustrie ln Aegypten: «Nach dem letzten, vor einem Jahr veröffentlichten Census gab es ln Aegypten Im Jahre 1927 13 einschlägige Betriebe, von denen 4 nur den Inhaber b«s schäftigen, 7 1 bis 4 Arbeiter, J 5 bis 9 und 1 mehr als 10. 6 der Betriebe lagen in Kairo, 1 in Alexandria, der Rest in der Provinz. In den letzten Jahren wurden durchschnittlich für je 30.000 Pfund Sterling Strohhüte einr geführt. Aegypten kann also den Bedarf selbst noch nicht decken; hier oder ln den Nachbarländern besteht somit für eine zu errichtende Strohhutfabrik Aussicht . , ,» Jetzt geht das Fräulein schreiben. Und nun erhält auch der Journalist seine Informationen: «Das Wtrtschaftsarchiv für den Vorderen Orient ist nach dem System des Hamburger Weltwirtschaftsarchiv ausgebaut. Sein geistiger Vater ist Max Warburg. Was wir wollen? Erstens: jedem, der eine Auskunft braucht, sie geben, sei es für wissenschaftliche Zwecke, sei es für die geschäftliche Praxis — gerade der Typ des deutschen und englischen Kaufmanns, der neuerdings ln den Orient kommt, arbeitet gern mit exakten Daten und Statistiken. Und zweitens wollen wir um der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung aelbst willen, Materialien sammeln und systematisch klassifizieren. Wissenschaftliche Publikationen des Tn-1 stituts befinden sich in Vorbereitung.» Mehrheitsvolkes die Form lieh, ob das sonderhafte Spiel der Zungen den Muskeln seine Plastik aufdrückt, oder ob das Klima und die ganze Umwelt ihren Einfluß geltend macht: soll ja ein solcher Einfluß, schon für die erste Generation der Einwanderer nach Nordamerika, wissenschaftlich erwiesen sein. Vielleicht, ja wahrscheinlich wirken all diese Umstände zusammen, um frei nach Darwin eine Veränderung der Art, hier der jüdischen Art, zu zeitigen. ln Palästina nun strömen in unseren Tagen Juden aus 60 Ländern des Erdballes, nach vielen Jahrhunderten gegenseitiger Entfremdung, ein. Natürlich unterscheiden sich die Ankömmlinge von da und dort, oft sehr deutlich, von einander. So etwa der stämmige und nicht selten blonde Bursche aus den Steppen Rußlands mit seinen oft slawischen, ja mongoloiden Zügen, die man gelegentlich von den zum Mosaismus bekehrten Chazaren herleiten will, und die aus Südarabien stammenden, zartgebauten und tiefbrünnetten Yemeniten, die wohl mit I Recht als mosaische Proselyten arabischen Geblütes gelten. Aber auch die Juden aus den einzelnen Staaten von Europa-Mittelost sind unverkennbare Varianten, der «Jäcke» aus Deutschland, der behäbige Tschechoslowake, der «Polische» und sein Stammesbruder aus Ungarland. Dabei ist diese der Judenschaft gefährliche Tendenz des Auselnancjerstrebens in der Galuth heute dort stärker als je zuvor, da seit Ausgang des Weltkrieges an Stelle von Großstaaten, wie das Zarenreich und die Donaumonarchie, je mit Millionen jüdischer Einwohner, eine Menge neuer und kleinerer Gebilde traten, welche mit dem Ueberschwang und der Unduldsamkeit des Emporkömmlings ihren Nationalkult abgöttisch pflegen, sich nach außen hin ahschließen und die Häuflein «ihrer» Juden dieser Abschließüng mitunterwerfen und dem Druck verschärfter Assimilierung aussetzen. Gottlob, wirkt dieser vom Standpunkt des Renaissancejuden bösen Gefahr starker Zentrifugalkräfte schon heute die Zentripetalkraft Erez Israels lindernd und heilend entgegen. Dort hat das gemeinsame Ideal, welches all die Heimkehrer herbeizieht, hat der gemeinsame Boden, der sie zur Arbeit vereint, hat die gemeinsame schwere Aufgabe, der sie sich gewidmet halten, die ge- Ja, hier weht der stille Wind der Wissenschaft Sagte ich schon, daß ein, zwei und drei Stockwerke über uns die 300.000 Bände der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek und daß gleichsam uns umgebend die Bänke der Studenten der Universität Jerusalems stehen? «Vor allem sammeln wir also Zeitungsausschnitte, «Clippings» — hundert Zeitungen und Zeitschriften in englisch, französisch, deutsch, arabisch, hebräisch, Italienisch, türkisch halten und kontrollieren wir mit Hilfe einer qualifizierten Orientalistin selbst; außerdem sorgen auch. Korrespondenten in den einzelnen Ländern für uns. Länderweise wird das ganze eingehende Material zunächst auch geordnet Dann wird es innerhalb der einzelnen Ländergruppen nach Spezialgebieten klassifiziert Selbstverständlich fehlt auch nicht eine große, stets wachsende Handbibliothek.» Damit wäre also die Instruktionsstunde vorbei, und nun darf ich noch ein bißchen stöbern, blättern und Unordnung machen womit sich reisende Journalisten bei Archivdirektoren besondere Beliebtheit verschaffen. Aber es ist so interessant ..... Narmalerweise stellt man sich unter dem Sammelbegriff «Orient» vor: Wüste mit auf- und untergehender Sonne, schlanke Palmen, Kamelkarawanen, Beduinen mit blitzenden Damascenerklingen, arabische Märkte und Harems, wie könnten Harems fehlen 1 Und nun erscheint auf losen Archivblättern das andere Gesicht des Orients: Von den Bahreininseln im Persischen Golf deckt die Welt einen großen Teil ihres Perlenbedarfes: In den letzten Jahren war die Nachfrage nach Perlen so gering, daß das ganze altberühmte Tauchergewerbe schwer darniederliegt; Käufer müssen mit jeder guten Perle eine Anzahl minderwertiger mitkaufen. Irak bekommt von England alljährlich eine halbe Million Goldpfund als Könzessionsgebühr für die Ausnutzung seiner Bodenschätze. Teheran Im Norden Persiens, gehört zu den Städten, in denen sich die Russen nach dem Kriege in besonders starkem Maße wirtschaftliche und soziale Positionen geschaffen haben; es leben heute 30.000 Russen in der persischen melnsame hebräische Sprache, womit sie sich verständigen, und nicht zuletzt der gemeinsame Feind, gegen den sie sich behaupten und durchsetzen, zugleich die Grundlagen für ein neues Konnubium geschaffen, jene eheliche Verschmelzung, wodurch die mitgebrachten Verschiedenheiten auch körperlicher Art sich zu einer neuen Einheit wandeln. So ist z. B. der in Jahrhunderten großgezüchtete Unterschied zwischen Sefardim und Aschkenasim, welcher in den Ländern der Galuth diese Gruppen nach Ritus und bürgerlichem Leben strenge schied und einen Teil mißächtlich auf den anderen herabblicken ließ, schon im Schwinden. In Palästina ergab es sich, daß diese Gruppen ln Liebe und ln Ehe wieder zueinander streben, zumal aschkenasische Männer und sefardische Frauen: die Männer, weil sie die rassische Schönheit der Sefardinnen und ihre orientalische Ergebenheit an den Gatten zu schätzen wissen, und die ’ Frauen, weil sie in dem Aschkenasen den gebildeteren ‘ und der Gattin gegenüber liberaleren Typ schätzen. Auch die Yemeniten, welche, obzwar bei grober Einteilung den Sefarden zugezählt, von diesen bisher gemieden wurdenj passen sich rasch In Tracht und Gehaben den übrigen Juden an; und da sie es schon zu einer im Jubel des Jischuw erwählten Schönheitskönigin gebracht haben, werden sie nicht mehr lange vom allgemeinen Konnubium ausgeschlossen sein. Aehnliches gilt von den Bucharern, Gurdzis, Marokkanern und anderen exotischen Judengruppen. Nun Ist es klar, daß bei solcher gegenseitigen Durchdringung der ihnen allen gemeinsame jüdische Grundzug der Physis durch Potenzierung — bei den Kindern und, wie mancher meint, schon bei den Ehegatten selbst — um so stärker zum Ausdruck kommt. Das ist ein Triumph der durch Gregor Mendel zuerst“ verkündeten Lehre von der Beharrlichkeit der Charaktermerkmale und ihrer Erbanlagen. Anderseits aber müssen nun die von den Wirtsvölkern übernommenen, abweichenden Merkmale der Juden sich gegenseitig Aufheben . und verwischen. Im gleichen Sinne bringen überdies all . jene Einflüsse, deren desintegrierende Wirkung in der Galuth wir oben beklagen mußten, hierzulande Im zentripetalen Sinne eine Rückverstärkung ursprünglicher . Eigenschaften zuwege. Denn hier gilt nicht mehr das, L fremde Schönheitsideal, etwa der Aufnordung, sondern das stündlich gepriesene Tozereth Haarez, das Landes- RES I Alf RAM TONEtlO K. An der ra«BrlenK»ri£d«e I RormaiKosi-menii s rso mm 2 —' Alle Arten üiätkosi rach ärzti. Vorschrift Billige vegetarische Küche Hauptstadt Die Schlüsselindustrien Palä- : s t i n a s nehmen einen unerwarteten Aufschwung. So - haben die K a 1 i w e r k e am Toten Meer Mühe, den Absatzmöglichkeiten, die sich für ihre Produkte auf - europäischen Märkten bieten, zu entsprechen — einte" um so interessantere Erscheinung, als deutsche Geologen noch vor einigen Jahren das Projekt der Ausbeutung des Toten Mee* " resalshöchstfragwürdigbezeichnefen. Aehnlich ist es mit der Palestine Electric Corporation, die das Gefälle des Jordans zur Kraftgewinnung ausnutzt und noch vor einem Jahre nicht wußte, ob Absatz für den von ihr erzeugten Strom vorhanden sein würde. In Cypern sind die Bodenpreise nach jahrelanger Stagnation gestiegen, weil man sich von der Emigrationsbewegung aus Deutschland eine Belebung verspricht. Die Wüste Sinai wird jährlich von mehreren hundert Autos durchquert, die unter günstigen Umständen die Strecke Jerusalem—Kairo in derselben Zeit zurücklegen wie die Bahn. In der T ü r k e i befinden sich Industrie, Verkehr und Gewerbe in stürmischem Aufbau: das Bahnnetz ist seit 1923 um 51 Prozent (von 4000 auf 6000 km) erweitert worden; die Handelsflotte hat einen Stand von 175.000 Tonnen gegen 100.000 Tonnen im Jahre 1923; die Zahl der Industrieunternehmungen hat sich seit 1922 verdoppelt In Aegypten hat die Weltwirtschaftskrise die Preise für Baumwolle auf ein Viertel der unmittelbaren Nachkriegspreise i.erabgedrückt und die Tageslöhne der Fellachen sanken bis zu 2 Piastern (40 Groschen) herab. Syrien macht enorme Anstrengungen, um den Vorsprung, den Palästina jetzt durch den Bau des Hafens von Haifa und die Entwicklung der jüdischen Aufbaupläne bekommen hat, wettzumachen: der Hafen von Beirut soll mit einem Kostenaufwand von 40 Millionen Franken modernisiert werden. In Arabien gibt es nach wie vor Sklaverei, jedoch versichern die einheimischen Behörden, daß diese Form der Fürsorge für wirtschaftlich unselbständige Existenzen Immer noch weit humaner sei als die Zahlung der europäischen Arbeitslosenunterstützung, die weder zum Leben noch zum Sterben reiche. Ein Film, ein endloser, erregender Film, Tatsachen, schöne und grausame Tatsachen - gefangen in Ziffern und Statistiken, gebändigt in ftinfzigtausend Zeitungsausschnitten, zahllosen Zeitschriften und Bücher# im Archiv auf dem Scopus bei Jerusalem. fatfsadien aus lOOl Ta» Von Erich Gottgetreu, Jerusalem V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.