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Die Stimme · 1934-01-16 · Heft 320 (16.1.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 320 (16.1.1934)
Date
1934-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Oie STIMME Nf. 320 — 16. järiftef 1034 Belgrad, Der Obcrrabhiner von Jugoslawien, Dr. Isak Alkalay, feiert jetzt das zehnjährige Jubiläum seiner Tätigkeit in diesem Amte. Dr. Alkalay wurde 1881 in Belgrad geboren und beendete seine Studien in Wien. 1011 wurde er Oberrabbiner des Königreiches Serbien. In den Jahren 1014 und 1915 weilte er in England, 1917 und 1018 in Amerika, wo er für den Gedanken der Vereinigung der Jugoslawen wirkte. Er schrieb eine viel beachtete Studie über die jugoslawische Judenheit. Im öffentlichen Leben Jugoslawiens ist er sehr aktiv und wurde mehrmals f/ir seine Verdienste ausgezeichnet, Er ist als Vertreter des Judentums Mitglied des jugoslawischen Senats. Dr. Goldmasm Verwaltungsrat des Flüehtlingskoiiunissarlats Paris. Entsprechend der Einladung des Hochkommissars des vom Völkerbund eingesetzten Flüchtlingskomitees, James W. M a c d o n a 1 d, hat das Comit£ des Ddlegations Juives als Vertreter des Coroitd in den Verwaltungsrat des FlOchtlingskomitees in Lausanne Dr. Nahum Ooldmann tind als dessen Stellvertreter Robert Boilack, Paris, gewählt. | Eine besondere Studenten-Hachscharah soll dii Ueberfühnrog akademischer Elemente in landwirtschaftlich« und handwerkliche Berufe vorbereiten. Gleichzeitig fanden Konferenzen des Keren Hajftssod und des Keren Kajcmeth statt, In denen Richtlinien für dl« weitere Arbeit der beiden Fonds in Rumänien auf Grund de; Vorschläge der neu bestellten Leiter M. Hclfmann un< Ludwig B a n n festgelegt wurden. Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Polen Warschau. Im großen Saale des Kaminskt-Tbeaters wurde am 9. Jänner die für eine dreitägige Dauer berechnete Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Polen eröffnet. 780 Delegierte, unter ihnen etwa 200 Rahblner, hatten sich eingefunden. Die Eröffnungsrede hielt der Rabbiner von Rxeszow, Sejmdeputierter Lew in, zuerst in polnischer, dann h> jiddischer Sprache. Hierauf sprachen die Chassldira-Rabbfe mit dem Rabbi von dura Kalwarja Alter (Gerer Rebbe) an der Spitze den Segen über die Versammlung, Nach dien Begrüßungen hielten Deputierter Rabbi Lewin und der Präsident der Lodzer Jüdischen Gemeinde, Sejm deputierter Leibi Minzberg, politische Referate. Das Gedränge im Saale hatte einen tragischen Zwischenfall zur Folge: einer der Gäste, Mendel Sonnenstein, erlitt einen Herzschlag und wurde tot aus dem Saal getragen. Seife 9 ■ ■ - ■ - Nationalsozialistische Umtriebe in Amerika New-York. Unter der Führung des sogenannten vV e r e i n s der F r e ti n d e des Neuen D e u t s c h 1 a n d'- wurden überall in den Vereinigten Staaten Agenturen de? deutschen Nationalsozialismus eröffnet, die ihre Hauptaufgabe in einer Bekämpfung der jüdischen moralischen und materiellen Position in der Neuen Welt sehen und sich anscheinend zu einer Generaloffensive gegen die Juden in den Vereinigten Staaten sammeln. Diese Agenturen geben regelmäßig Monatsbericht? über die Tätigkeit heraus, in denen betont wird, daß sich die deutsche antijüdische Bewegung in den Vereinigten Staaten unter der deutschen Bevölkerung so weit konsolidiert hat, daß man nunmehr daran gehen könne, sich mit den mit dem Hitlertum sympathisierenden und den Juden feindlich gegenübersfehenden nichtdeutschen Gruppen zu verbinden. Führer der deutschen Nationalsozialisten ist jetzt, nach der Flucht Heinz SpanknoebeJs, ein gewisser Fritz G i s s i b 1, der ln einer jüngst herausgegebenen Erklärung einen aktiven Feldzug gegen die Juden ankündigte und dabei feststeilte, daß er seine Arbeit, alle Deutschen Amerikas unter dem Hakenkreuz-Banner zu vereinigen, als vollendet ansieht. In der letzten Zeit ist eine sehr große Zahl von Agitatoren nach Amerika herübergekommen. «Bundesmeister» Walter Kappe aus Cincinnati hielt in einer Versammlung der Freunde des Neuen Deutschland ln New York eine Ansprache, in der er erklärte, die Feinde Deutschlands sind die Feinde Amerikas, darum bedeutet die Bekämpfung der Juden eine patriotisch-amerikanische Tat, die Juden in Amerika gleichen den Juden in Deutschland darin, daß sie eine offensive Einstellung gegen den Staat» einnehmen. «Diejenigen, die die Brandfackel in den deutschen Reichstag trugen, werden das gleiche mit dem Weißen Haus tun.» Die «Freunde des Neuen Deutschland» beschlossen, eine Liste all jener Finnen herzustellen, die an dem.Boykott deutscher Waren leüncbmen; gegen diese Firmen soll-' ein Revanche-Boykott organisiert werden. Am intensivsten sind die deutschen Frauenorganisationen tätig. Die Organisation -"Freunde des Neuen Deutschland» arbeitet Hand in Hand mit der Steoben-Gesellschaft und der Deutsch-Amerikanb sehen Handelskammer. Der «Bund der Sflberhemdeo* -d- Im Hamburger Tageblatt» und in anderen gleichgeschalteten Zeitungen veröffentlicht ein offenbar zur Führung antisemitischer Propaganda nach Amerika entsandter Agitator einen Bericht, über die Tätigkeit eines über ganz Amerika verbreiteten Geheimbuir d e s zur Bekämpfung des Judentums, der sich «Bund der Silberhemden* nennt. Dieser Bund sei kein bloßer Abklatsch des Faschismus, sondern eine zielbewußte judenfeindliche Bewegung. Der ungarische Antisemitismus Budapest Der seit vielen Wochen andauernde antisemitische Terror an den ungarischen Hochschulen wird in Informierten Kreisen dahin gedeutet, daß die revoltierende Studentenschaft ihre Stützpunkte außerhalb d?s Kabinetts Gömbös hat, was wiederum auf eine Erschütterung der Stellung des Ministerpräsidenten schließen läßt. Man erzählt, daß die Beziehungen zwischen dem Reichsverweser Horthy und seinem einstigen Schützling Gömbös kühl geworden sind, da Gömbös, der einstige rassenschützlerische Antisemit, eingesehen hat, daß eine Duldung antisemitischer Barbarei Ungarn nicht nur im A u s - lande schadet, sondern auch die Konsolidierung im Innern stört, während der Kreis um den Reichsverweser das Rassenschützlertum nicht in das antistaatliche Lager gedrängt sehen möchte. In Budapester politischen Kreisen sieht man in dem Innenminister Keresztes-Fischer den kommenden Mann. Auf eine Lösung nach dieser Richtung arbeitet auch der Führer der kleinen Landwirte Eckardt, einst einer der radikalsten rassensrhützlerischen Antisemiten, hin. Zwangssonntagsruhe in Saloniki Saloniki. Die griechische Regierung scheint immer mehr der antisemitischen Stimmung in Saloniki Rechnung tragen zu wollen. Nachdem sie kürzlich ihr eigenes Dekret, wonach das jüdische Versöhnungsfest (Jom Kippur) als ein staatlicher Feiertag zu gelten habe, schnell zurückgezogen bat, hat sie mm in Saloniki die Zwangssonntagsruhe cingeführt, wa$ einen schweren Schlag für die jüdische Bevölkerung beieutet. Die jüdischen Händler und Handwerker, die bisher an Sonntagen ihrem Gewerbe sechs Stunden lang nachgehen konnten, werden nunmehr zwei v o 11 e T a g e in der Woche, Samstag und Sonntag, feiern müssen. „Wir fahren im Frühjahr wieder mit der PAG“ —• schreiben Teilnehmer einer der FAG-Reisen — „den wir haben una Überzeugt, daß die PAG ein neriö« geführt Unternehmen ist., das m e h r h ii I t, u I h <i s versprich t..‘* Palästlnarelae-Ausklinftt- und -FroHpidUe bei der PAG T. Gen. m. b. II.„ Wien, VI., Caplstrangasac I. Tel. B-25-3-81. Oberrabbiner Jugoslawiens zehn Jahre Im Amt Sitzung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten Unter Vorsitz des Herrn Dr. I. Schwarzbart fand anfangs Jänner 1034 eine Sitzung der Leitung des Welt» Verbandes der Allgemeinen Zionisten, Zentrale für Europa, statt. An den Beratungen haben teUgenommen: Herr Dr. Joseph Rufe Isen, Vorsitzender der tschechoslowakischen Organisation; Mgr. Leon Salpeter, Vorsitzender der Exekutive für Westgalizien; Dr. Grünste In, Vorsitzeoder des Lokalkomitees In Blelltz, sowie Herr. Ing. NaftaU Landau, Mitglied der Exekutive der ostgafirischen Organisation. Der Vorsitzende der Leitung legte einen Tätigkeit»' bericht über die vergangene Periode von fünf Monaten ab. Nach einer erschöpfenden Aussprache wurden einstimmig In folgenden Angelegenheiten Beschlüsse gefaßt: Auf Grund des Programmprojektes der II. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten und des Projektes der Zentrale des Verbandes in Palästina wurde ein einheitliches Programm festgesetzt Es wurde beschlossen, daß der Weltverband an die Mehrheitsbeschlüsse gebunden ist und in diesem Sinne sollen der nächsten Weltkonferenz Anträge vorgelegt werden. Ferner wurden ln Organlsationsangelegenheiten Budgetfragen und in der Jugendfrage eine Reihe votr Beschlüssen gefaßt HferirDr. Movsl ns o h n and Herr Dr. R u f e l s e n haben' sich“ für eine Propagandareise zur Verfügung gestellt Auch wird der Vorsitzende der Leitung, Herr Dr. Schwarzbart, eine Reühe von Ländern besuchen. Demnächst wird in Krakau in jüdischer Sprache ein Wochenblatt als Zentralorgan des Verbandes erscheinen, welches den Standpunkt der Einheit de» Verbandes vertreten wird. Schließlich wurde beschlossen, Schritte zu unternehmen, damit die außerordentliche Weltkonferenz des Verbandes möglichst im April dieses Jahres einberufen wird. Nationalistischer UeberfaU auS die Konferenz Warschau. Vor dem Eingang zum Karainsky- Thöater, wo die Konferenz tagt, versammelten sich n atlonaldemokratische Hochschiiler und Mitglieder der nationalsozialistischen Partei Polens ln größeren Massen und versuchten, in den Konferenzsaal elnzu dringen. Junge Agudisten stellten sich ihnen entgegen und es kam mehrfach zu Schlägereien. Die Polizei schritt ein, zerstreute die Menge und v e rh aftete zahlreiche Natfonaldemokrafen und Nationalsozia-' listen. Der Abschluß der Konferenz Die Konferenz wurde am 11. d. geschlossen. Es wurde eine Reihe Resolutionen angenommen, die folgendes zum 1n-:' halt haben. Die polnische Agudas Jisroel nimmt nich*t ftp dem Jüdischen Weltkongreß teil, dagegen wird sie an Jeder Arbeit für Hilfe an die deutschen Juden teilnehmen. Die Mitglieder der Agudah werden ersucht, d e u t sc h e Waren nicht rr kaufen und sie nicht im Handei! zu vertreiben. Die Agudah gründet einen Fonds von ,einer Million Zloty für den Keren Hajischuw zur Förderung einer orthodoxen jüdischen Kolonisation in Palästina und beschließt die Gründung einer orthodoxen Arbeitsorganisation und die Herausgabe einer hebräischen Tageszeitung in Jerusalem. An die englische Regierung wird appelliert, Juden die freie EHj-, Wanderung nach Palästina zu gestatten. Ueber die Verte!-, gung von Palästina-Touristen wird die Empörung zum Aus* druck gebracht. Die Leitung der Weltorganisation der Agudas Jisroel wird aufgefordert, Wege zur Verständigung' mit den Arabern zu suchen. Zionistische Konferenz in Bukarest Bukarest An der diesjährigen ordentlichen Delegiertenkonferenz der Zionistischen Organisation Altrumäniens haben 189 Delegierte aller Gruppen mit Ausnahme der Jabotinskyschen Richtung teilgenommen. Am stärksten waren die Radikalen, die einen Block mit Hanoar Hazioni gebildet hatten, vertreten. Im Verlauf der zweitägigen Verhandlungen kam es wiederholt zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Radikalen und Judenstaatsparteilern (Richtung Großmann-Stricker) einerseits und den linksstehenden Gruppen «anderseits. Die neugebildete Exekutive bestellt aus Mitgliedern der Judenstaatspartei, der Gruppe der radikalen Zionisten (Renasterea)' und zwei unabhängigen Allgemeinen Zionisten. Zum Präsidenten wurde der Judenstaatspartciicr Philip Rosenstein gewählt. Ferner gehören der Exekutive an: Leon Gold und Paul Blumenfeld (Jtidcnstaatsp.irtei), Adv. Misrachi und Adv. Carol Singer (Radikale) sowie der Generalsekretär der Jüdischen Reichspartei und ehemalige Abgeordnete Michael Landau und Leo Gold mann («Allgemeine Zionisten. Die fraktionell organisierten Allg-erneinen Zionisten und die Zeire Zion lmbcn sich an der Bildung der neuen Leitung nicht beteiligt. In einer einstimmig gefaßten Resolution legte die Konferenz Protest gegen die die P a 1 ä s f i n a c i n w a n d er u n g beeinträchtigenden Maßnahmen der palästinensischen Behörden ein. Ferner wurde beschlossen, hebräische Seminare einzurichten und einen hebräischen Verlag zu gründen. Die Opposition der Jung-Agudlsten Aus der allgemeinen Aussprache ist u. a. noch hervorzttheben: Die Vertreter der jüngeren Generation and der Agudah-Arbeiterschaft griffen die älteren Führer stürmisch an, weil diese die Arbeit fÜrPalästina vernachlässigen und die Belange der Arbeiterschaft nicht wahmehmen. Der jugendliche Führer der Agudah-Arbeitefschaft Leibi From schilderte die soziale Notlage der ortluv-: doxen Arbeiter- und Angestelltenschaft und erzählte, auch die orthodoxen jüdischen Fabrikanten lassen Ihre Betriebe an Sabbattaigen auf Grund einer Scheinüberantwortung des Betriebes an einen Nichtjuden arbeiten, so daß religiös gesinnte jüdische Arbeiter solchen Betrieben fernbleiben müssen. Ein bekannter Chassidfabrikant hat einen jüdischen Arbeiter, der sich weigerte, am Jom Kippur Dienst zu tap, entlassen. Die chassidischen Arbeitgeber stoßen die jüdischen Arbeiter in die radikalen Lager. Der Redner beantragte, daß in jeder Stadt ein Komitee eingesetzt werde, das die chassidischen Unternehmer zwingen soll, religiöse Arbeiter und Angestellte zu beschäftigen; solche, die sich weigern, das zu tun, sollen keinerlei F’hrenamt im orthodoxen Leben bekleiden dürfen. Agudah lehnt ein Zusammengehen mit Misrachi ab Sejmdeputierter Rabbiner M. D u b I fl erklärte dem J. T.-A.-Vertreter, er glaube nicht, daß die Agudah bereit sefol werde, mit dem Misrachi Irgendein Abkommen zu treffen. E» besteht keine Aussicht, daß die'Agudah mit dem Misrachi zusainmengeht, solange der Misrachi eine Fraktion der Zionistischen Organisation bildet. Sektion Xli/XIV/XV Festsaal des Vereinshauses, XV., Herklotzpasse 2t Mittwoch, den 17. Jänner. 8 Uhr abends Große Werbeversammlung Dr. Paul Berger: Dr. pesider Friedmann; Prof. Dr. Wilhelm Stein; Die Zukunft der jüdischen Jugend Die gegenwärtige Lage der Juden Jude wohin? in Oesterreich

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