Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 320 (16.1.1934)
- Date
- 1934-01-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054075--3956-3059517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gcffe 9 DTE STIMME Nr. 320 —!Ö. Jänner T034 Die Gefahren der illeaalen Einwanderung Wir erhalten von informierter Seite folgenden Bericht über das schandbare Treiben eines vermutlich in Prag etablierten, anonym arbeitenden Auswanderungsbureaus. Die unkontrollierte Palästina-Wanderung bringt für <fie Reisenden Gefahren mit sich. Es sind Fälle, und zwar absolut nicht vereinzelte, vorgekommen, in denen ganze Gruppen von Reisenden auf dem Landwege von Mitteleuropa Ober den Balkan auf dem Wege über Belgrad, Bukarest, Saloniki oder Konstantinopel bis nach Syrien hinein in monatelanger Reise bis auf das Hemd von den sie expedierenden Parteien ausgeplündert worden sind. Die Aermsten wurden von Stadt zu Stadt immer neuen, ganz fremden Vermittlern in die Hände gegeben, die ihnen auch das Letzte, was sie besaßen, entrissen. Frauen wurden in mehrfach nachgewiesenen Fällen vergewaltigt und vollkommen ausgeplündert, auf die Straße 1 geworfen. Kranke wurden rücksichtslos auf der Strecke zurückgelassen und man hörte nichts wieder von ihnen. I In orientalischen Spitälern wurden andere zurückgelassen. Das gesamte Gepäck blieb in irgendwelchen Händen irgendwo zurück und ein stark gelichtetes, zermürbtes Häuflein elender Menschen kam irgendwo in Kleinasien an — nur nicht in Palästina. Auf diesem Wege gibt es keine Palästina-Einwanderung. Fluch über die Menschen, die ihre Hände in dieser Weise mit dem Blut ihrer Brüder besudeln I Aber auch alle diejenigen, die diesem Unwesen nicht steuern, wenn sie es können, machen sich mitschuldig. Es ist die unabweisbare Pflicht eines jeden anständigen Menschen, diese Wanderung zu verhindern. Wir Zionisten haben mit allen uns zur Verfügung stehenden politischen Mitteln auf die Palästina-Regierung einzuwirken, daß eine möglichst starke gesetzliche Einwanderung ermöglicht wird, die der jeweiligen ökonomischen Lage des Landes entspricht. Die Macht unseres Rechtes, das sich auf das Mandat stützt, wird auf die Dauer stärker sein, als alle sich ihm heute entgegenstellenden Hindernisse. Andere Einwanderungswege als die, die uns gesetzlich zugestanden werden, sollte es für Zionisten nicht geben. Warnung vor Palästina-Reisen durch Persien Das Wiener Palästin^nnit stellt uns einen ihm vom jüdischen Gemeindebund Jugoslawiens zugekommenen Brief zwecks Veröffentlichung zur Verfügung, in dem es insbesondere heißt: «Wir teilen Ihnen höfl. mit, daß die hiesige persische Gesandtschaft die Erteilung von Touristen- und Einreisevisen an Juden eingestellt hat. Es Ist daher jeder nachdrücklicfost zu warnen, der auf dem bekannten Wege nach Palästina reisen möchte. Es Ist ganz ausgeschlossen, das persische Visum weiterhin in Beograd zu erhaüten und ist bei dem völligen Versiegen der Mittel des Ortsflüchtlingskomitees (das Palästinaamt verfügt über keine Mittel), die Durchfahrt über Beograd vollkommen nutz- und aussichtslose .———'1H——B——— PALÄSTINA MELDET: Erregte Mittelständler* Versammlung in Haifa Von unserem Berichterstatter Am 31. Dezember 1933 abends fand im Saale des Technikums in Haifa eine Versammlung der projektierten Mittelstandssiedlung Klebanow statt. Es handelt sich um eine in der Haifabucht auf Nationalfondsboden geplante Siedlung, an der auch das vom zionistischen Landeskomitee für Oesterreich gebildete Komitee zur Ansiedlung von Mittelstandsfamilien aus Oesterreich starkes Interesse nimmt. An der Versammlung nahmen zirka 300 Personen teil. “Der Vorsitzende erstattete einen Bericht, wonach einer Delegation der Mittelständler, die beim Keren Kajemeth vorsprach, von dem Beamten Dr. G. erklärt worden sei, daß der Keren Kajemeth jedem Siedler nicht, wie vertraglich zugesiehert, einen Dunam Boden in Erbpacht übertragen werde sondern nur einen halben Dunara. Diese Mitteilung des Vorsitzenden löste in der Versammlung große Erregung aus, da das Proponentenkomitee bereits die Siedlungspläne fertiggestellt hatte, die außerdem auch bereits die Genehmigung aller Instanzen gefunden haben. Durch diese Arbeiten sind an Kosten 1500 Pfund aufgelaufen. Der Vorsitzende hob hervor, daß es natürlich nicht möglich sei, den ganzen Siedlungsplan umzustoßen, da dadurch ein Jahr verlorengehen und wieder neue Kosten entstehen würden. Dr. G. habe zwar der Delegation aus Haifa erklärt, daß die Spesen vom Keren Kajemeth gedeckt würden, doch habe die Delegation sich dagegen verwahrt, weil der Keren Kajemeth Gelder vom ganzen Volk gesammelt habe und nur zum Zwecke des Landkaufes verwenden dürfe. Es kam weiters hervor, daß dieser Mittelstandssiedlung noch manch andere Hindernisse seitens des Hauptbureaus des Keren Kajemeth in den Weg gelegt wurden. Id der stellenweise sehr erregten Debatte wurde nun einstimmig die Ansicht vertreten, daß es bei dem bisherigen Plan zu bleiben hätte, um so mehr, da sich der K. K. L. vertragsmäßig verpflichtet habe, jedem Siedler einen Dunam Boden in Erbpacht zu geben. Insbesondere wurde darauf verwiesen, daß der Keren Kajemeth der unmittelbar benachbarten Kwuza B der Arbeitersiedlung Kirjath Chaim, die weder einen unterschriebenen Vertrag noch sonst ein Abkommen gehabt hätte, ohne weiteres einen Dunam pro Familie zugeteilt hätte. Alle Redner erklärten übereinstimmend, daß ihnen der Kerert Kajemeth heilig sei und daß sich ihre Angriffe nur dagegen richten, daß die Siedler durch die Entscheidungen nachgeordneter Beamten benachteiligt werden. Es wurde beschlossen, sich von nun an direkt an das Direktorium zu wenden. Die Wiener Allgemeinen Z'onisten, die ihrerseits eine Mittelstandssiedlung in der Haifabucht planen, vertreten ebenfalls den Standpunkt, daß der Keren Kajemeth als Solcher keinen Angriffen ausgesetzt werden darf, und zwar um so mehr, als sie zur unparteiischen Leitung des K. K. L. durch Ussischkin volles Vertrauen haben. Wir sind davon überzeugt, daß Ussischkin eine ungleiche Behandlung von Siedlergruppen nicht zulassen wird und wollen hoffen, daß die Siedlung Klebanow bald entstehen wird. Die Weblndnstrle In Palästina Es befinden sich in Palästina bisher nur kleinere Webereien, die mehr den Charakter von Werkstätten als Fabriken tragen. Die größte dieser Webereien gehört der Alliance Israelite Universelle, stellt jedoch mehr einen Schulbetrieb dar. Alle übrigen kleineren BaumwoHwebereien besitzen nicht mehr as insgesamt 20 Webstühle und produzieren fast .ausschließlich billige Stoffe, Talessim und Frottierwarem Spinnereien und Appreturanstalten sind derzeit noch keine im Betrieb. Das Bleichen und Färben wird in kleineren Betrieben in primitiver Weise ausgeführt Der Mangel einer richtigen Appreturaanstalt wird als Haupthindernis für die Entwicklung der Webindustrie betrachtet. Alle Garne, inklusive der Baumwollgarne, können zollfrei eingeführt werden. Die Löhne in der Webindustrie sind relativ hoch, so erhalten Mädchen 150 bis 250, ausgebildete Weber 300 bis 400 Mils pro Tag. Der Einfuhrzoll für Baumwollwaren ist verhältnismäßig hoch. Projekte zur Gründung einer Bauniwollweberei mit Appretur und Färbereianstaiten bestehen, doch steht noch nicht fest, ob dieselben verwirklicht werden. Der Import, hauptsächlich aus England, ist im ersten Halbjahr 1933 wesentlich gestiegen und beträgt: Baumwolle grau 376.958 kg im Gesamtwert von 28.447 L. P., Baumwolle gebleicht 260838 kg Im Gesamtwert von 38.403 L. P., Baumwolle gefärbt und appretiert 868.926 kg im Gesamtwert von 147.086 L. P. — P. — Arlosoroff-Mordprozeß Jerusalem, ln der gestrigen Verhandlung im Arlosoroff-Mordprozeß kam die Broschüre von Ben Zion Katz «Ich kann nicht länger schweigen!» zur Sprache, in der die Aussage Schammai Kupersteins reproduziert wird, wonach Frau Arlosoroff kurz nach dem Mord erklärt hätte, ihr Mann sei durch Araber erschossen worden. Kuperstein, nochmals als Zeuge vernommen, blieb bei der Aussage, daß Frau Arlosoroff diese Erklärung abgegeben hätte. Der Bureauangestellte Samuel Moldawsky sagte aus, er sei an dem Mordabend mit einem Mädchen am Strande in der Nähe der Käte Dan-Pension, wo das Ehepaar Arlosoroff gewohnt hat, spazieren gegangen. Plötzlich habe ihm eine Person mit heller Haar- und Gesichtsfarbe mit einer Lampe ins Gesicht geleuchtet und sei weitergegangen. Kurz darauf hörte er vom Strande her einen Schuß fallen. Er brachte den Vorfall der Histadruth zur Kenntnis. Später wurde im Stavsky gezeigt, ör konnte ihn aber nicht als die Person identifizieren, die ihm ins Gesicht geleuchtet hatte. Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Palästina Jerusalem. «F a I a s t i n» teilt mit, dafo zwischen der russischen Handelsvertretung in Konstantinopel und einem führenden arabischen Kaufmann in Jaffa erfolgversprechende Verhandlungen Ober Erweiterung der Handelsbeziehungen zwischen Sowjetrußland und Palästina auf folgender Grundlage geführt werden: Rußland importiert größere Massen Citrusfrüchte aus Palästina, wogegen Palästina ein entsprechendes Kontingent russischer Waren einführt. Zehn Petroleumreservoirs bei Halft Haifa, ln der nächsten Zeit soll mit dem Bau von zehn großen Petroleumreservoirs begonnen werden, In denen die Irak-Petroleum-Gesellschaft die von den Oelfeldern in Kirkuk über 1200 Meilen durch die Wüste geleiteten Petroleumvorräte aufspeichern wird. Die Reservoirs werden zwischen Haifa und Acco gebaut werden. Mehrere hundert Arbeiter werden bei dem Bau Beschäftigung finden. Aus England wurden zehn Ingenieure berufen. Ausbau der Elektrizitätswerke am Jordan Haifa. Im Ruthenberg-Elektrizitätswerk am Zusammenfluß des Jarkon und des Jordan wurde eine dritte Turbine für 8000 Pferdekräfte aufgestellt. Die Gesamtleistung des Elektrizitätswerkes ist danrft auf 24.000 Pferdekräfte gestiegen. Der Ausbau des Elektrizitätswerkes ist durch den erhöhten Bedarf an Strom für Licht und Kraft notwendig geworden. Man rechnet damit, daß in absehbarer Zeit eine vierte Turbine aufgestellt werden wird. Beginn der durch die Palästina-Anleihe zu finanzierenden Arbeiten Jerusalem. Die arabische Tageszeitung «Fatastin* berichtet, daß im Jänner die Gelder der 2% Millionen Pfund betragenden Palästina-Anleihe nach Palästina überwiesen werden sollen. Die Palästinaregierung werde dann die Zuteilung der Beträge für die aus der Anleihe zu finanzierenden Arbeiten vornehmen. Eine landwirtschaftliche Mittelschule Jerusalem. Demnächst soll zwischen Pardess und Channah und Karkur in der Gegend von Chedera eine jüdische landwirtschaftliche Mittelschule errichtet werden. Mit dem Bau der Schulgebäude und einer den Bedürfnissen des Landes angepaßten Musterfarm soü in allernächster Zeit begonnen werden. Gold- und Kupfererze in Südpalästina? Gaza. Arabische Zeitungen berichten, daß Captain Williams, der Direktor der Sulphur Quarries Ltd., die eine Lizenz erworben hat, in Südpalästina nach Schwefel zu forschen und etwa vorhandene Lager abzubauen, 200 Kilometer südlich von Beer Sheba bei der Ortschaft Marschusch Lager von Gold- und Mangankupfererzen gefunden habe. Eine offizielle Bestätigung der Nachricht steht aus. Ufflschultingskurs Es wird infolge der großen Anzahl der Interessenten noch ein zweiter Umschulungskurs für Legen von W a n dfliesen und Bodenplatten veranstaltet. Dis Kurs’cflnehmer werden sowohl theoretisch als auch praktisch un erwähnten Fache ausgebildet. Bekanntlich ist dies ein Beruf, der bisher von jüdischen Arbeitern wenig ausgeübt wurde und sowohl in Europa a!s auch in Palästina auf Grund der neuen Bautechnik sehr gesucht ist. Es ergibt sich daher durch diesen Umschulungskurs für viele Palästinainteressenten eine Möglichkeit, gegebenenfalls Arbeit m Palästina zu finden. Auskünfte über Kurshonorar und alles Nähere In den Sprechstunden der Wlrts c h af tss t e!le des F alästinaamtes, Wien, I., Kürtncrstraße 28 (Dienstag und Donnerstag von Ml bis 1^8 Uhr abends). Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Versicherungs-Oes. Wien IX. Bes., Alserplats Nr. 3 Der Klub zionistischer Mandatare, Sektion Prater, grafuliert der Familie Dr. David Kreppei zu ihrem neugeborenen Sohne Dar Obmann. Cli. Dörfler Gedenket der Winternotstandsaktion der Kultusgemeinde 1 Geld- und Naturalspenden erbeten an die Fürsorge-Zentrale der lsr. Kultusgemeinde Wien, 1. Seilenstettengasse Nr. 2 Tel. U 25-5-85 Serie, Postsparkassenkonto B 29.659 535539