Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 319 (12.1.1934)
- Date
- 1934-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife * DIB STIMME Nr. 319 — 12. Jänner 1P3I Sdiekelaufruf der Exekutive Und sich in die Käte-Dan-Pension begab, wo Dr. Arlosoroff und seine Frau abgestiegen waren. Während der ihn begleitende Polizist mit seinem Vorgesetzten ein telephonisches Gespräch führte, habe Frau Arlosoroff, die dabei Stand, erklärt, Araber hätten ihren Gatten niedergeschossen. ♦ Jerusalem, 8. Jänner. Richter B o d 111 y verhörte nochmals den Zeugen Samai K u p e r s t e i n, der während der vorausgegangenen Vernehmung in der bestimmtesten Form erklärt hatte, Frau Arlosoroff habe am Mordabend dem britischen Polizisten Sharmelster gesagt, ihr Mann sei durch Araber erschossen worden. Der Staatsanwalt Shitreet unterzog Kuperstein einem scharfen Kreuzverhör, dieser aber erklärte: Ich kann mich nicht geirrt haben; alles, was an diesem Freitag-Abend vorging, werde ich mein Leben lang in Erinnerung behalten. Der Verteidiger Horace Samuel beantragte die Verlesung des Tagesprotokolls der Jerusalemer Polizeistelle vom 16. Juni, in dem davon die Rede ist, es sei aus Tel-Awiw die Nachricht eingelaufen, daß Dr. Arlosoroff von Arabern an der Küste erschossen wurde. Der Polizist W a t k i n, der Stavsky verhaftete, gab zu, daß er den Häftling, bevor dieser von Frau Arlosoroff identifiziert wurde, in einem von außen leicht erreichbaren Raum untergebracht hatte. S h i t r e e t beantragte, daß der bei Dr. Arlosoroff gefundene Revolver dem Mitglied der Jewish Agency-Exekutive, Moses Shertok, dem er gehört, zurückgegeben we-rie. Verteidiger Horace Samuel sprach sich dagegen aus. Shitreet sagte, die tödliche Kugel sei aus einem Revolver anderen Kalibers abgefeuert worden. Der Polizeirichter beschloß, ein Sachverständigengutachten einzuholen. Die Jodenhsit und die Entder deutschen Juden London. In der unter dem Vorsitz von Leonard G. M o n t e f i o r e abgehattenen Sitzung der Anglo-Jewish Association führte Sir Leonard L. Cohen, Präsident der Jewish Colonisation Association (J. C. A.) aus; Die Ausmerzung der Juden aus dem öffentlichen Leben Deutschlands schreitet unvermindert fort, höchstens im Wirtschaftsleben ist in dieser Ausmerzung ein kleiner Stillstand eingetreten; dies nicht etwa aus Rücksicht auf die Juden, sondern darum, weil die an verantwortlichen Stellen stehenden Nationalsozialisten sich schließlich klar darüber geworden sind, daß Handel und Gewerbe ln Deutsch and durch die radikale Ausstoßung der Juden schweren Schaden erlitten haben. Hingegen wird die nationalsozialistische Rassentheorie mit dem gleichen Fleiß und der gleichen Gründlichkeit wie früher gepredigt und verwirklicht. Präsident Montefiore gedachte des ermordeten rumänischen Staatsmannes D u c a und verlas Ducas letztes Schreiben an ihn, das die folgenden Sätze enthält; «Wir sind entschiossen, die Rechte und die Freiheiten aller unserer Minderheiten zu sichern. Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherung der ln unserer Verfassung verankerten Grundsätze der Freiheit sind die wesent- ’ichen Ziele meiner Regierung.» Hakenkreuzler gegeneinander In Estland ist man verschiedenen Umtrieben der deutschen Nationalsozialisten auf die Spur gekommen, die unter der Führung der baltischen Adeligen die Gleichschaltung des Landes durchführen wollten. Diese Umtriebe waren mit ein Anlaß zu der von Rußland angeregten Aktion zum Schutze der Randstaaten. Die estnische Regierung ist gegen die Nationalsozialisten sehr scharf eingeschritten. Zugleich hat auch der Bund der Freiheitskämpfer, eine von deutschen Agenten gegründete estnische nationalsozialistische Organisation, mit einer Aktion begonnen. Er fordert die Ersetzung der deutschen Sprache als erste Fremdsprache durch das Englische, die «Estnisierung» der Universität Dorpat und die sofortige Sufipendierung der Abfindungszahlungen an die ehemaligen reichsdeutschen Großgrundbesitzer, die durch die Agrarreform geschädigt wurden. Im Parlament ist außerdem die Einführung des Numerus clausus von 10 Prozent für deutsche Angestellte in der Privatwirtschaft beantragt worden. DH.-KRUGER-NBiN II. Malzgasse Nr. 7_Telephm A 48-0-77 Abend-Kochkurs Beginn Montag, den 22. ds. Beschränkte Teilnehmerzahl Am 22. Jänner auch Beginn eines Modellzeichnen- und eines Schnittzeichnenkurses Die zionistische Exekutive erläßt den folgenden Aufruf: Zionisten! Juden! Anläßlich des fetzten Kongresses haben Hunderttausende von Juden ln allen Ländern der Welt Ihrem zionistischen Willen durch Erwerbung des Schekels und Beteiligung an den Defleglertenvvahlen Ausdruck gegeben. Hunderttausende von Juden sind Jetzt schon mit dem Aufbauwerk in Erez Israel organisch verbunden. Große Massen unseres Volkes ln vielen Ländern, auch ln solchen, wo die Juden lange Zelt Wohlstand und Gleichberechtigung genossen haben, sehen fetzt den einzigen Ausweg aus Ihrer schrecklichen Situation h ihrer Verknüpfung mit unserem Befreiungswerk, ln der Ansledhiflg in Erez Israel. Es gibt keine andere Lösung der jüdischen Frage als den Weg des Zionismus. Dis Entwicklung des jüdischen Lebens in den letzten Jahren, Insbesondere die Ereignisse In Deutschland, haben für alle den klaren Beweis erbracht, daß auch das tiefste Eindringen in das Leben und die Kultur der Völker, unter denen sie wohnen, keineswegs die Dauerhaftigkeit der Gleichberechtigung garantiert und nicht die Sicherheit bietet, daß der Moment nicht kommen wird, da die Juden ln einen Zustand von Elend, Rechtlosigkeit und Erniedrigung rirückgeworfen werden. Das lehrt uns das Schicksal der deutschen Judenheit. Die wachsende jüdische Siedlung ln Palästina Ist schon Jetzt nicht mehr bloß eine Hoffnung und ein Trost, sondern sie bietet bereits für viele Tausende von Juden die Möglichkeit, eine Stätte ehrlicher, schaffender Arbeit, eines Lebens ln Freiheit und Ehre als Bürger der Im Aufbau befindlichen nationalen Heimstätte zu leben. Unsere ungeheuren Anstrengungen haben Früchte gezeitigt. Groß sind noch die Hindernisse und Widerstände, denen wir auf unserem Befreiungswege begegnen, eber jede neue Schwierigkeit, jede neue Gefahr muß bei uns neue Kräfte auslösen, neue Energie hervorrufen, die wir In der produktiven Aufbauarbeit ln Erez Israel zu verwenden haben. Das Tempo des Wachsens und der Entwicklung unserer nationalen Heimstätte kann vielleicht gehemmt, nicht aber zum Stillstand gebracht werden. Nach jedem neuen Versuch, unsere Ar* beltsmögllchkelt zu beschränken, unseren Vormarsch zu behindern, kommt nach einer Welle erzwungener Verlangsamung ein neuer Aufschwung, der unsere Arbeit ln noch beschleunigterem Tempo vorwärts treibt. Dieses Bewußtsein muß die ganze zionistische Bewegung durchdringen. Noch stärker und organisierter muß Alle Bewohner Rumäniens ohne Unterschied der Nationalität und Konfession durchlebten in den letzten Tagen ein tragisches Kapitel der Geschichte dieses Landes. Aufs tiefste beklagt wurde der tragische Tod aes allseits beliebten und verehrten Ministerpräsidenten J. G. D u c a. Er fiel als Opfer des blinden Fanatismus, cier neuen «Ideen», die aus Hitlers Drittem Reich nach Rumänien importiert wurden. Seine Ermordung ist als tragische Schuld der Politik vieler rumänischer Staatsmänner anzucehen. Man hat die Studenten seit Jahr und Tag verhätschelt und sie als politischen Vortrupp gebraucht und mißbraucht. Und so bürgerte sich in Rumänien die Auffassung ein, daß man politische Morde ungestraft begehen dürfe. Wir erinnern daran, daß der Führer der «Eisernen Garde», aus deren Mitte der Mörder Ducas kommt, Zelea Codreanu, seinerzeit den Präfekten von Jassy, Manciu, ermordete und dann, von den Gerichtsbehörden frei gesprochen, im Triumphzug durch das ganze Land zog und sich von den Studenten verherrlichen ließ. Wir erinnern an den Mörder des jüdischen Studenten Fallik, den das Gericht ebenfalls freigesprochen hat, Taten, die sich in der Folge rächen mußten. Es ist dies eine bekannte Tatsache, daß man bei den Kleinen beginnt und bei den Großen endigt. Im Jahre 1927 begann man mit den Ueberfällen auf die jüdische Bevölkerung in den Dörfern und schritt dann zur Plünderung der Bojarenschlösser. Dieses System der dauernden Nachsicht mußte sich rächen. Leider hat es einen der bedeutendsten Staatsmänner Rumäniens getroffen: John Gr. Duca. Nach einer kurzen, kaum dreitägigen Interimsregierung unter dem Präsidium des Prof. A n g h e 1 e sc u betraute KönigCarollI. den jungen, energischen Gheorghe Tätärescu, den Handelsmuster im Kabinett Duca, mit der Regierungsbildung, der es zuwege brachte, Innerhalb 48 Stunden ein neues Kabinett zu bilden, dem nahezu alle früheren Mitglieder der Regierung Duca angehüren. Der neue Premier zählt zu den energischesten jungen Staatsmännern des Landes, welcher sich auch bei der Jugend großer Beliebtheit erfreut. Von ihm erwartet das ganze Land, daß er die Staatsautorität wahren und die extremistischen Elemente restlos unschädlich machen wird. Denn was das Land in die Armee der Kämpfer und Bauer werden, größer uni mächtiger müssen die Mittel werden, die sie der Organist tlon In die Hand geben, welche diese Arbeit und diese! Kampf zu führen hat Und wenn der letzte Kongreß mH Stolz feststellen konnte, daß er mehr als eine ha’.be MHHot jüdische Wähler vertritt, so wollen wir in dem gegenwärt!' gen schweren, kongreßlosen Jahre, da wir gezwungen sind, den Kampf für unsere Rechte fortzusetzen, die Möglichsten haben, rti beweisen, daß unsere Zahl nicht kleiner geworden Ist. Die Zahl der Schekallm, die der Alaßstab für die Krall unserer Bewegung ergibt, darf nicht — wie dies ln den früheren kongreßlosen Jahren geschehen Ist — zurückgehen. Jeder zionistische Funktionär, jeder Zionist, jeder Freund der jüdischen Befreiungsidee muß sich dies ln Herz und Gehirn einprägen und alles tun, damit anstatt des gewohnten Rückganges eine Vergrößerung der Zahl von Schekelzahlern und eine Steigerung der Schekelclngänge elntrltt, durch welche unserer Organisation die politischen und materiellen Waffen zur Führung Ihrer Arbeit und Ihres Kampfes gegeben werden. Jeder tätige Zionist soll sich dessen bewußt sein, daß der nationale Jude seinen Schekel — das Zeichen der zionistischen Bürgerschaft — nicht nur deswegen erwirbt, well ein Kongreß bevorsteht, sondern well er sich der Bewegung, verbunden fühlt, die seine Heimat baut. Daher mußt auch ln diesem In vieler Hinsicht entscheidenden Jahre jedem Juden die Möglichkeit geboten werden, den Schekel so wie Im letzten Kongrefijahr zu erwerben und seine Solidarität mit der Zionistischen Organisation zu dokumentieren. An die Arbeit, Gesinnungsgenossen und Freunde! Registriert den zionistischen Bürger, kaufet und verbreitet den Schekel. Exekutive der Zionistischen Organisation. ★ Konstituierung der Landesschekel* Kommission für das Jahr Entsprechend der Weisung der Zionistischen Exekutive ■ ln London hat sich die Landeischekelkommission, bestehend - aus je einem Vertreter des Zionistischen Landesverbandes und der Innerhalb Oesterreichs bestehenden Landesgruppcn der zionistischen Sonderverbände, konstituiert. Als verant-. ■ wörtlicher Leiter fungiert Herr Dr. Josef Grünberger. Die : Verteilung und Abrechnung der Schekalim sowie die ein-», schlägige Korrespondenz obliegen Herrn Dr. Rudolf Glücklich, Wien, I., Kärntnerstraaße 28. erster Linie braucht, ist Ruhe, vollständige Respektierung der Staatsautorität. Unter dem Regime Tätärescu ' wird sich das Hitlertum in Rumänien nicht ausbreiten können. Ja, noch mehr: man erwartet von diesem ener- . gischen Premier, daß er die vorhandenen Hitler-Zellen im Lande mit Stumpf und Stiel ausrotten wird. Und in - diesem Kampfe wird die gesamte Bevölkerung die Kegierung unterstützen. Es ist klar, daß die Organisation der «Eisernen Garde» beseitigt werden wird, aber auch an die Cuzistenbewegung muß Hand angelegt werden. Wenn diese sich auch hauptsächlich nur gegen die Juden richtet, so wird die Regierung gerade aus den letzten . Ereignissen die richtigen Konsequenzen ziehen müssen, denn, wie bereits oben erwähnt, es beginnt bei den . Juden, und man weiß niemals, wo solche Bewegungen aufhören. Es wird sicherlich die jüdische Frage im Parlament aufgerollt werden. Leider werden die nationa’bewußten jüdischen Vertreter in diesem Parlament fehlen, weiche das richtige Wort zur richtigen Zeit hätten sprechen . können. Wohl gibt es in der Kammer 2 jüdische Parlamentarier, welche auf der Regierungsliste gewählt wurden, allein sie werden nicht den Mut aufbringen und . besitzen außerdem auch nicht die Qualitäten, in der Judenfrage das Wort zu ergreifen. Immerhin wird die Regierung über die Wünsche und Beschwerden der s Judenschaft zur rechten Zeit informiert werden, da ja die bestehenden jüdisch-politischen Organisationen auch ohne Mandate die rumänische Judenschaft führen und . vertreten. Wie dem auch sei, der neue Kurs bietet die Gewähr dafür, daß künftighin Ruhe und Ordnung in Rumänien . garantiert sind. Das wird sich innen- und außenpolitisch gut auswirken. Die Protektoren der Mörder Berlin. Der «Völkische Beobachter», der über die Pläne der rumänischen radikalen Fronten gut informiert ist, erklärt, die Ermordung des Ministerpräsidenten Duca sei das Signal zu einem Angriff der «Eisernen Garde» auf die rumänischen Juden und eine Warnung an Frankreich und die Juden, die ein Zusammengehen Rumäniens mit dem heutigen Deutschland verhindern wollen. Per neue Kur» in RumäniesB (Von unserem Bukarester M. R.-Korrespondenten.) Ehret Ussisdikin, den Mann der Tat - durch eine Tat - KfW USSiSChlÜll! 59 551