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Die Stimme · 1934-01-12 · Heft 319 (12.1.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 319 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE STIMME Seite 3 i\ir T E L A^-VJO 1 Awm Nr. 319 — 12. jänncf 1934 Gerüchte um Palästina Kantonalsystem und innerzionistische Einigkeit Im Februar 1932 ließen die Revisionisten einen angeblich vom ehemaligen Khedive Abbas Hilmi stammenden Brief in die Welt flattern, aus dem sich ergab, däß die Araber mit der Einteilung Palästinas in arabische und jüdische Kantone einverstanden seien. Dieser Brief wurde als die Fälschung eines obskuren Journalisten entlarvt. Schon vor dieser Briefaffäre munkelten politische Projektemacher in Genf, es wäre möglich, die Palästina- Frage durch die Einteilung des Landes in arabische und jüdische Kantone zu lösen. Jerusalem sollte sozusagen exterritorial bleiben. Nun tauchen diese Gerüchte, die wir in unserer letzten Nummer registierten, neuerlich auf, diesmal im Zusammenhänge mit der beabsichtigtenElnführung eines Gesetzgebenden Rates. Ob und inwieweit diese Nachrichten auf die gleiche Quelle des gefälschten Abbas Hilmi-Briefes zurückzuführen sind, kann einstweilen nicht festgestellt werden. Sollten sich tatsächlich einzelne arabische Kreise mit der Frage eines Kantonalsystems abgefunden haben, so wird dieser Plan in anderen arabischen Kreisen sicher auf bedeutenden Widerstand stoßen. Wir glauben aber, daß auch England einer Kantonalverfassung kaum wohlwollend gegenüberstehen würde. Käme es zu einer Kantonalverfassung, dann würde, dies früher oder später eine nationale Autonomie für die beiden das Land bewohnenden Nationen mit sich bringen und damit auch mit ein Bestimmungsrecht der ju.d?n .und Araber in der staatlichen Exekutive. Wer England kennt, wird daher verstehen, daß England, das bisher so besorgt für die Einführung demokratischer Prinzipien tut, der Frage der Kantonalverfassung kühl bis ans Herz hinan gegenüberstehen dürfte. Das sind aber alles vielleicht nur Hypothesen. Der wichtigste Faktor in dieser Frage ist aber das jüdische Volk, wenn es nur will..Und das jüdische Volk kann nur eine, einmütige Stellung beziehen. Es wird mit einem käjego.rischen Nein antworten. Das Mandat sichert uns |n s.einer Präambel die Wiedererrichtung U.n .s .e r e r n a t i o n a 1 e n Heimstätte zu. Mandat und i^alfour-Deklaration wurden uns also nicht gegeben, um . in Palästina ein arabisches Reich und damit ein jüdisches Ghetto zu errichten. Wir wollen mit den Arabern;in Frieden leben und sie sollen weiter an unserem Aufbauwerk profitieren. Aber wir werden nie in die Mausefalle eines Kantonalsystems gehen, ebensowenig wieT wir den Gesetzgebenden Rat akzeptieren werden. Jerusalem ist und bleibt uns so unverkäuflich, wieuns das Land unserer Väter ganz und ungeteilt gehören muß. Wir sind sicher: Das wird der Standpunkt aller zionistischen Parteien sein. Es soll auch den Gerüchten über den Wunsch nach einer Kantonalverfassung, die vielleicht nur ein Versuchsballon sind, keine Bedeutung beigemessen werden, die ihnen nicht zukommt. Aber der einheitliche zionistische Wille in dieser ''•'"he ist eine Macht, an der niemand wird vorübergehen können. Bei dieser Gelegenheit muß aber zweierlei festgestellt werden. Selten noch war der außenpoliti- Vor etwa sechs Monaten auf dem überfüllten Dampfer «Italia», der von Triest nach Jaffa, von der Küste des krisenzermürbten Europa ins «Land der Verheißung» fuhr. Eine Schar junger Juden, bereit zum Dienst an der Erde Palästinas, feiert eines Nachts in improvisierten Reden und Spielen die Größe und die Kraft ihres Unternehmens, die Hoffnung ihrer Jugend — es war, als ob das Schiff behutsamer jetzt die Wogen durchschob. Die Sprache der Feier War hebräisch. Das metallische, erhabene Hebräisch. Matrosen umstanden bewundernd die Schar. Zur Bewunderung gesellte sich Neid bei jenen jungen Zuschauern, die zwar gleichfalls nach «Erez Israel» fuhren, um an seinem Aufbau mitzuhelfen, aber vom Hebräischen noch keinen Schimmer hatten oder doch nur den flüchtigen, de.n eine erste Lektion vermittelt: das Land, mein Land, unser Land- ♦ Jetzt, nach sechs Monaten, sah ich bei einem Treffen viele der ehmals unhebräischen Schiffsgefährten wieder; wie gerändert waren die Gesichter: die Sonne hatte sie gebräunt, die Arbeit gestrafft, die Freude froh und frei gemacht — nicht zuletzt die Freude Uber das Sprachwunder: da das Herz voll war, floß der Mund über — in hebräisch; Man war in Nania, einer Jugendsiedlung in der Nähe der Meerstadt Tel-Awiw zu einer Tagung zusammengekommen, zweihundert Siedler bewirteten und beherbergten in ihren Baracken zweihundert Gäste, die Reden, die gehalten wurden, klangen hebräisch, und nur noch wenige waren da, die sD nicht verstanden hätten. Hebräisch, auch Neuhebräisch, ist, wie jede orientalische Sprache, sehr schwer zu erlernen. Daß die aus dem europäischen Osten eingewanderten Juden die Sprache rasch auffaßten und gebrauchten,, ist indes erklärlich: Schon in der kulturellen und nationalen Bedrängnis ihrer alten Heimat hatten sie eine vertraute Beziehung zu ihr, zumindest konnten •ie sie lesen. Wie aber jetzt auch die jungen Einwanderer au» Deutschland, die Achtzehn- und Zwanzigjährigen, die s t h e Wille der Zionisten so einheitlich wie jetzt. Das offenbart sich in der Frage der üinwa nd erungsbeschränkungen ebenso wie in der Frage des Gesetzgebenden Rates und offenbarte sich in den Verhandlungen der Politischen Kommission des letzten Kongresses. Ist es da nicht von oesonderer Tragik, daß wir gerade jetzt, in dieser kritischen Situation des jüdischen Volkes und angesichts der Schwierigkeiten in Palästina keine Exekutive haben, der die überwiegende Zahl der Zionisten ihr Vertrauen schenkt? Es bleibe hier unerörtert, ob diejenigen Delegierten recht hatten, die sich mit der Majorität im Kongreßsaale zufrieden gaben, oder diejenigen, die ine«nten, daß ausschlaggebender die Majorität in den Massen außerhalb des Kongreßsaales und das Fluidum des Vertrauens ist, das von den Massen zur Exekutive hin ausstrahlen muß? Noch Ist es Zeit, die Sünden gut zu machen, die in Prag gegen die politische Vernunft gemacht wurden. Man kann von der Exekutive nicht verlangen, dau sie führen soll, wenn man ihr da' /ertrauen verweigert, und man kann nicht die Gefolgschaft der Massen verlangen, wenn man sie abstößt, wie es in Prag geschehen ist. Alle Gutgesinnten müssen sien daher ralli-eren. Die Verbreiterung der Exekutive muß bei der nächsten Sitzung des Aktionskomitees beschlossen werden. Prag soll vergessen werden. g. Arabische Kundgebungen »um Ramadan-Fesi Jerusalem. Jamal Al Hussein!, der wegen seiner Teilnahme an der Organisierung der Oktoberunruhen in Jaffa verhaftete und dann gegen Kaution auf freien Fuß gesetzte nationalistische arabische Führer, steht an der Spitze der Propaganda für Veranstaltung großer Kundgebungen der arabischen Jugend am 16. Jänner, an dem das Ramadanfest zn Ende geht Ungeachtet dessen, daß die Regierung diese Kundegbungen verboten und vor einer ilügalen Abhaltung gewarnt hat, schreibt Jamal Al Hussein] in der Zeitung «Jamea el Islamla», jeder gesunde Araber müsse an der Demonstration teilnehmen, wenn anders er nicht als Verräter und Feeling gelten wolle. Auch das Organ des Großmufti «Al Jamea el Arabia» fordert alle Araber zur Teilnahme an den Kundgebungen auf. alte Sprache, die, in Anlehnung an die Bibel, vor etwa einem halben Jahrhundert von Elieser ben Jehuda aus Litauen wieder in die Gegenwart verwoben wurde und seitdem wie eine Rebe täglich neue Trauben ansetzt, in einem atemberaubenden Tempo aufnehmen, ist ein seltsames Geschehen. * Vor einigen Jahren hielt ich mich während mehrerer Monate im Westen Irlands auf. Auch die irische Nationalistenpartei bemüht sich, eine offiziell tote Sprache, das Gälische, das, abgewandeit, außer in West-Irland auch in Wales und sogar in der Bretagne gesprochen wird, zu neuem Leben zu erwecken, zu pflegen und zum literarischen Ausdruck der Nation werden zu lassen. Aber es gelingt nicht so recht. Gewiß, es gibt schon allerhand gälische Bücher. Und im Westen Irlands sind die Briefkästen zweisprachig. Aber wer ihnen einen Brief anvertraut, beschriftet ihn wohl, wenn er sicher gehen will, besser englisch. Die Juden Palästinas schaffen es. Die alte Sprache wird wieder jung. Neue Worte werden aus ihrem Geist bera/us geboren. Unbewußt dichtet das Volk. Die Palästinenser, die hier aufgewachsen sind, die Polen oder Russen, die vor Jahren ins Land kamen — sie alle beherrschen drei, vier und fünf Sprachen, darunter oft arabisch, und wechseln sie wie im Zirkus der Schulreiter die Gangart der Pferde, aber hebräisch Ist die Sprache ihrer Unterhaltung, in hebräisch sind ihre Zeitungen gedruckt, hebräisch schreiben sie ihre Briefe, hebräisch reden die Redner ihrer Versammlungen und die Schauspieler ihrer Bühnen . . . und hebräisch lernen mit Feuereifer «die Neuen»: In den Siedlungen sitzen sie abends in den Zelten und büffeln beim Schein der Petroleumlampe, in den Städten haben die Gewerkschaften und die Einwandererorganisationen Kurse eingerichtet, eine neue Zeitschrift «D’ror» (Freiheit) druckt mit lateinischen Lettern Hebräischen Text, und das Erscheinen eines anderen Blattes, das in deutsch und hebräisch zugleich gedruckt wird, ist angekündigt. Arbeitsfriede in Palästina Tel-Awiw. Nach längeren Verhandlungen wurde in Tel-Awiw ein vereinigtes Arbeitsvermittlungsbureau und -Schiedsgericht gebildet, in dem alle Parteien vertreten sind und an dessen Spitze ein aus Bürgermeister Meir D i z e n g o f f, Rabbi S c h apiro und J. Aronowitz von der Histadruth-Exekutive gebildetes Dreier-Komitee steht. Das Bureau wird die Arbeitsvermittlung und Arbeitsaufsicht unter anderem in der gesamten Bauindustrie und bei allen öffentlichen Arbeiten in Tel-Awiw innehaben.. In ihm sitzen Vertreter der Histadruth, des Poel Misrachi, der Revisionisten, des Handwerkerverbandes und der Yemeniten. Die Unternehmer werden verpflichtet, nur die ihnen vom Arbeitsbureau zugewiesenen Arbeiter zu beschäftigen. Die Ermordung DrlosoroHs Jerusalem. In dem Untersuchungsverfahren gegen Stavsky, Achi Meir und R o s e n b I a 11 haben wieder zwei Verhandlungen stattgefunden. Dem Wunsche der Verteidigung entsprechend legte Polizeihauptmann Rice die Originalberichte zu den Beschuldigungsakten vor. Zwischen dem Vertreter der öffentlichen Anklage, Kommissar Shitreet, und dem Verteidiger Horace Samuel kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung wegen angeblicher Kritik an der Polizei durch den Verteidiger. Es wurde eime Anzahl von Zeugen, Polizisten, Spurensucher, Chauffeure usw. vernommen. Bemerkenswert war die Aussage des städtischen Zeichners Schammai Kuperstein, der am Mordabend, als er mit einem befreundeten Polizisten eine Radtour zum Jarkon unternahm, auf dem Wege von dem Vörgefallenem erfuhr PAG-BilCHER - soeben erschienen „HEBRKISCH - LEICHT GEMACHT“ 170 Seiten, Transkription, Hebräisch, Grammatik ,JDer Buchtitel ist berechtigt4, sagt ein hervorragender Pädagoge Preis kart. S 7.20 (M 4.20). gebunden S 9.60 (M 5.70) bei Vorauszah ung «Genossen,» hört man in Nania, dem Tagungsort der frisch ins Land gekommenen jungen deutschen Einwanderer: «Chawerim ist wirklich schon jemand, wie auf dem Prager Zionistenkongreß voll Schrecken erzählt wurde, jenem Araber begegnet, der nicht arabisch, nicht hebräisch, sonders jiddisch spricht? Nun, auf dem Kongreß wurden im Zusammenhang mit der Sprachenfrage auch recht ermutigend« Ziffern genannt: ln Palästina werden jetzt 31.000 jüdisch« Kinder erzogen, 24.000 von ihnen an hebräischen Schulen, aber auch von den restlichen 7000 sprechen die meisten hebräisch.» Das wären also die Kinder, die Jünglinge und die jungen Mädchen. Die Aelteren werden gleichfalls zu Schülern. Bef den Sprachkursen, die in den Schulen ab geh alten werden, sprengen sie mit ihrem Umfang förmlich die Sitzbänke. Sie lernen am Abend. Denn außer der neuen Sprache lernen viele einen neuen Beruf. Studenten werden Tischler und Schlosser, Aerzte Bauarbeiter, Rechtsanwälte Autobuschauffeure, kaufmännische Angestellte Landarbeiter. Dreißigjährige Lehrlinge sind keine Seltenheit. * Erst als die Tagung zu Ende war, genossen wir die Schönheit Nanias. Sahen wir, was sie hier seit zwei Jahren pflanzen: Orangen und Bananen; und was sie hier züchten: Hühner und Bienen. Sahen wir, wie die jungen Menschen der Siedlung — die meisten sind etwa zwanzig Jahre alt — wohnen: in Zelten und Baracken; und wie sie leben: in restloser Gütergemeinschaft, die keinerlei Privatbesitz anerkennt. Allen ist alles gemeinsam, auch das Glück und der Erfolg dieser Arbeit. Der Tag schloß mit der Horrali, eiiem ekstatischen Tanz. Immer neue Jugend zog das Feuer der Freude in den springenden, wogenden Kreis. So waren des Nachts alle todmüde. Indes hörte ich doch, es war gegen zwölf, wie ein Paar sich flüsternd unterhielt — diesmal in deutsch. «Ledaber iwrit!» befahl da plötzlich aus dem Dunkel eine strenge männliche Stimme. «Mitten in der Nacht?» fragte das Mädchen ängstlich zurück. Und der Strenge antwortete: «Gaimken balailal» — auch in der Nacht , ,. Das tand des Eemens Von Erich Gottgetreu, Jerusalem

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