Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 319 (12.1.1934)
- Date
- 1934-01-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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TE STIMME Seffe I Das ösferretchtsdie Bndael Heuer wurde das Budget rtim ersternnate durch eine Verordnung des -Bundesregierung betchlotsen. Die Frage, ob dies verfassmigsgemäfi war, fst für tins Juden aus eine» besonderes Grunde nldat ausschlaggebend. Solange nämlich der Bundesvoranschlag verfassungsgetnäß bewilligt wurde, formale Bedenken also nicht geltend gemacht werden konnten,, litt er am gleichen Mangel wie jetzt. Weder in den früheren Budgets, noch im jetzigen Budget ist auch nur 1 Schilling für die Zwecke und damit für die Erhaltung der israelitischen Kultusgemeinden ausgesetzt. Dagegen wäre nichts «inzuwenden, wenn alle Religionsgemeinschaften gleich behandelt würden, wenn also auch die Katholiken und Protestanten Im Budget nicht bedacht wären. Dem ist aber flicht so. Jm Kapitel VIII des Budgets für 1934 finden wir unter der Rubrik: «Kultus, ordentliche Ausgaben,» folgende Posten: Katholischer Kultus . . 14,645.000 S, Evangelischer Kultus . 566.800 $, Sonstige Kultusausgabeu 10.601) S, Summe, , . VäZYlAW 3. Vergeblich sucht man aber, welche Aufwendungen die österreichische Regierung für den jüdischen Kultus bewilligt hat. Hier liegt eine schwere Benachteiligung der jüdischen Bevölkerung vor. Seit Jahr«i verlangen wir von der Regierung einen Beitrag zur Erhaltung der so schwer um ihre Existenz ringenden Jüdischen Gemeinden. Zahlreiche Regierungen haben unserer Wiener Kultusgemejnde die Berücksichtigung im jeweils nächsten Budget zugesagt, nie wurde das Versprechen eingehalten. Gerade bei uns hieß es, daß die Not des Staates eine neue Ausgabenpost Jm Budget nicht zulasse. Trotzdem werden wir darauf beharren müssen, daß auch unseren Gemeinden eine Art Kongrua bewilligt wird, wie es schon heute beispielsweise in der Tschechoslowakei der Fall ist. Der Jetzige Zustand bedeutet eine Verletzung unserer verfassungsmäßigen Gleichberechtigung, und das können wir nicht einfach hinnehmen. Wir sind gewiß, daß die Wiener Kuüusgemelnde mit aller Energie darauf dringen wird, daß endlich in das Budget Oesterreichs neben den Ansätzen für den katholischen und protestantischen Ritus ein ausreichender Betrag für den jüdischen Ritus eingesetzt wird. Eine neue He4 Emigranten Oie radikal-antisemitische Front Oesterreichs hat seit einiger Zeit einen starken Zuwachs aufzuweisen. Ans der Tschechoslowakei, deren Behörden die Hochverräter scharf anzupacken pflegen, flüchten die «Führer» nach Oesterreich. Es ist dies die zweite sudetendeutsche Invasion. Die erste brachte nach der Revolution einige tausend Beamte aus Deutschböhmen, die der tschechischen Republik nicht den Treueid leisten wollten. Jetzt ist ein neuer Schub da und wie er sich hier verhält, darüber erfährt man aus der «Oesterreichischen Abendzeitung» das folgende: «Wie wir erfahren, wird in manchen Gruppen des Sudetendeutschen Heimatbundes eine auffallend starke nationalsozialistische Propaganda betrieben. So selbstverständlich es für Deutschösterreicher ist, daß Sudetendeutsche in Oesterreich als Brüder aufgenommen und behandelt werden, so unerträglich wäre es aber, wenn einp Bewegung, die die Aufgabe hat, absolut unparteilich durch Sammlung aller Sudetendeutschen dem Schutze der bedrängten Heimat . zu dienen, sich in innerösterreichische Angelegenheiten einmischen oder gar österreiebfeindiieh wirken, würde. Es wäre sicher auch im Interesse der Sudetendeutschen in Oesterreich und ihrer Landsleute in der alten Heimat gelegen, wenn der Sudetendeutsche Heimatbund verschiedene seiner Amtswalter auswechseln und durch verläßliche Sudetendeutsche, die aber ebenso gute Anhänger ihrer neuen österreichischen Wahlheimat wurden, ersetzen würde. Falls die Aenderung in der Einstellung des Sudetendeutschen Heimatbundes nicht ehebaldigst vollzogen würde, müßten die österreichische Oeffentlichkeit bzw. deren berufene Vertreter selbst nach dem Rechten sehen. * Diese Sudetendeutschen sind diejenigen, die am lautesten darüber schreien, daß di« Juden alle Posten besetzen. Aus ihren Re;iien stammen fast ausnahmslos die «arischen Schriftleiter», di« in Oesterreich den Hauptteil der Hetze besorgen. Frl. Diplom-Kauimann mit hum. Matura, £Uto Zou$- nlM»e: Btenotyplatln, engl., franz., ttal., derzeit ln drückenden VerhältnlBöen, sucht Arbeit jeder Arbt, wie Büro, Behütnachhllfe, Kindererziehung und Haushalt, Unter „N, 8.“ au die Administration des Blattes. Fortdauer der Studentenrevolte In Ungarn Beda?««! Pte Debrecziner HoehedWBer hatten In ctun Hwlnelni «MM, afck «o faoge flfcfl* InskrlMwen zu lassen, als sie nicht genügende Bürgschaften für dte Erfüllung ihrer Forderungen erhalten haben. Eine ähofldie Parole wurde In Fünfkirchen und an den anderen Provto- Unlversitäten ausgegeben. Daraufhin wurden in Debreczfo und In Pecs die Dreißigerausschüsse der Studenten auf* getost. Aehniiche Maßnahmen sind auch an den anderen Provinz-Universitäten zu erwarten. Die Studenten In Debreczln verbreiteten eine Flugschrift, wonach sie dm AuflösungMfdutt des Rektors nicht zur Kenntnis nehmen und fogende Forderungen stellen! Übung der Judenfrage durch die Regierung, Verhinderung der Stellenhäufung, Neuaufteilung «Her Stehe«, zeitgemäße Bodenreform und Vertretung des Jagend ha Otoerftaus. Weiter verlangen die Stndente« strengste Anwendung des Numerus elssiss an der Universität, an der Juden künftighin keine Position inoekaben sollen. Bei Beginn der Inskrjblerungen drängten die Studenten dSe Inskribiere« - den aus den Sälen, woraufhin Ltgitlmatioosz wang eingeführt und Polizei herbeigeholt wurde. * Me Weilkfetnlef Budapest. Beim Ministerium des Innern laufen seit einiger Zeit Berichte ein, daß in den j e a s e i t s der Donau gelegenen Ortschaften die Hakehkreuzler antisemitische Kundgebungen und Ausschreitungen gegen die Jüdische Bevölkerung begehen. In Zataegerszeg und ZalaJoevoe wurden die Fenster in mehreren jüdischen Häusern eingesdhlagen und Stinkbomben in die Wohnungen geschleudert Nach einer asntijüdischen Demonstration drangen Demonstranten in Kaffeehäuser und Restaurants ein und mißhandelten die jüdischen Gäste. Die Polizei verhaftete zehn Unruhestifter. Zwei der «Pfeilkreuzler» — seit Verbot des Hakenkreuzes in Ungarn tragen die ungarischen Antisemiten Pfdlkreuze — wurden vom Schnellgericht abgetuleilt; der eine erhielt sechs, der andere zwei Wochen Gefängnis. Der Vorstand der Zionistischen Sektion Prater entbietet seinem Obmann Dr. David Kreppei hmluhtt aia s?a anläßlich der Entbiruhmg seiner OatUn eines kräftigen JunfrZipnülm Judenvertreibungen aus Afghanistan London. Beim «Joint Foreign Committee» sind aus Afghanistan Meldungen eingdaufen, denen zu entnehmen ist, daß aus den afghanischen Grenzstädten Mazar, Ankohi, Malmana u. a. m. etwa 2000 eingeborene Juden von den afghanischen Behörden vertrieben wurden. Die Vertriebenen wandern Jetzt durch die Wüste und befinden sich in einer verzweifelten Lage. Auch die Lage von etwa 1600 russischen Juden, die während der Nachkriegswirren nach Afghanistan flohen, ist außerordentlich kritisch. Sie müssen jetzt nach Rußland zurückkehren. Aus dem von russischen Juden in Afghanistan an das Joint Foreign Committee gesangten Telegramm geht nicht klar hervor, ob eine antijüdische Maßnahme der afghanischen Regierung oder ob wirtschaftliche Schwierigkeiten die russischen Juden zur Flucht aus Afghanistan veranlassen. Die Jewish Agency for Palestine hat aus der letzten Schedtde 40 Palästina-Zertifikate an russischjüdische Familien in Afghanistan gesandt. Die Unruhen In Kuba Havanna. Die jüdische Gemeinde in Havanna wandte sich in einer Eingabe an den polnischen Gesandten in Washington um Schutz, da sich die antijüdisohen Exzesse (Von uns bereits gemeldet. Die Red.) wiederholten. In der vergangenen Woche unternahm eine aus Mob und Soldaten zusammengesetzte Menge einen Angriff auf ein jüdisches Geschäft. Der Inhaber des Geschäftes und ein zweiter Jude wurden hiebei getötet, ein dritter Jude schwer verwundet. Die jüdische Gemeinde von Havanna, die meistens aus polnischen Juden besteht, bat auch den französischen Gesandten in Havanna um Hilfe, die auch zugesagt wurde. Der Senior des Wiener Hauses Rothschild gestorben Georg (Baron) Rothschild ist am8. d. in der Laudesheilanstalt von Mauer-Oehling, ln der er seit Jahren weilte, 57 Jahre alt, gestorben, Er war der älteste Bruder von Alfons, Louis und Eugen Rothschild. fr. 819 — 12. rirnttf «M AUS DEN DRITTEN REICH Die Einschränkungen des Studien« rechts der deutschen Juden Berlin. Der preußische Kultusminister Rust hat einen Erlaß herausgegeben, wonach unbeschränkt za den Prüfungen diejenigen Reichsdeutschen nichtarischer Abstammung zugelassen werden, deren Väter im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich oder seine Verbündeten gekämpft haben, sowie Abkömmlinge aus Ehen, die vor Inkrafttreten des Reichsgesetzes gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 geschlossen sind, wenn ein EUemteil oder zwei Großelterjt arischer Abkunft sind. Ferner sind zugelassen Studierende nichtarischer Abstammung, die entweder zum Studium selbst zugeJaasen sind oder denen das weitere Studium auf Grund des Ausführungserlasses des preußischen Kultusministers vom 16. Juni 1933 gestattet ist Die Bestimmung, daß nur Kinder von Frontkämpfern und von halbarischen Familien sich dem Studiumwidmen dürfen, bedeutet einen fast vollständigen Ausschluß der deutsch-jüdischen Jagend von der Möglichkeit wissenschaftlicher Ausbildung und der Bekleidung akademischer Berufe. Hakenkreuz auf Palästina-Orangen Berlin, jetzt in Berlin zum Verkauf gelangende Palästina-Orangen sind in Seidenpapier ein gewickelt, das folgenden Aufdruck hat: ln der Mitte eines Kreise» eine rotbemalte Gestalt mit einen! Schwert, darunter der Name der Orange: «St Elijah Brand (Jaffas)», woraus zu entnenmen ist, daß die Gestalt den Propheten Elijah darstellt. Seitlich sind zwei Hakenkreuze angebracht. Es wird notwendig sein, festzustellen, ob dieser Unfug in Berlin oder in Palästina verübt wird. Eine Berliner Jüdische Anotheker* famllle geht in den Tod Berlin, 10. Jänner. Am Montag abend wurden der 65jährige Apotheker Dr. Martin Stern, seine 58jährige Ehefrau Elsbeth und deren bei ihr wohnende Schwester Emma Müller in ihrer Wohnung in Berliri- Steglitz mit Blausäure vergiftet tot aufgefunden. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß alle drei i foige der Notlage, in die sie wegen Entrechtung und wirtschaftlicher Ausstoßung der j u d e n geraten waren, f r e i w i 11 i g in den Tod gegangen sind. Deutsche? Hechaluz -» 14*090 Mitglieder Der deutsche Hechaluz hat im Halbjahr Mat- November 1933 seine Mitgliederzahl von kaum 500 attf 14.000 erhöht und ist somit zu einer wahren Volksbewegung geworden. Während Im April 1933'fast keine Hachscharah-Punkte vorhanden waren, da die früheren meistens in den Aprilwochen im Zusammenhang mit den Ereignissen in Deutschland verloren gegangen sind, stehen heute 2400 Chaluzim in Hachscharah. Die Stellenbeschaffung im Ausland wurde mit besonderem Nachdruck betrieben. Durch Entsendung von Delegierten konnten in dieser Hinsicht besondere Erfolge in Jugoslawien und in Frankreich erzielt werden, wo bereits 250 deutsche Chaluzim ihre Hachscharah durchmachen und einen größeren Kibbuz «Altwies» begründet haben. Die Leitung verfolgt das Bestreben, den deutschen Hechaluz, die größte jüdische Jugendbewegung Deutschlands, zu einer Organisation aller derer auszubauen, die nach Palästina gehen wollen, um dort ein Leben der Arbeit zu führen. Hans Kofen ordentlicher Professor In Amerika Dr. Hans K o h n, der bekannte jüdische Schriftsteller und Historiker in Jerusalem, hat eine Berufung als ordentlicher Professor für neueste europäische und asiatische Geschichte an das Smith College, Northampton, Massachusetts, U. S. A., erhalten und angenommen, ln den letzten Wochen sind zwei seiner Bücher in Amerika erschienen: «Nationalem in the Union» (deutsch im Societäts-Verlag, Frankfurt a. M.). Dr. Hans Kohn wurde 1891 in Prag geboren und lebt seit f925 in Jerusalem. Er ist Mitbegründer des «Brith Schalom» in Jerusalem. Deutschlands Hand In Aegypten Kairo. Die ägyptische Sektion der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus beabsichtigte unter dem Titel «Gerechtigkeit» eine Monatsschrift in französL scher und arabischer Sprache herauszugeben. Ueber Einschreiten des deutschen Gesandten durfte das Blatt nicht erscheinen. Hingegen gelang es, die auf Grund des Einschreitens des deutschen Gesandten erfolgte Konfiskation von 100 Nummern der «Cahiers Juifs* zur Aufhebung zu bringen. Gedenket der Winternotstandsaktion der Kultusgemeinde! Geld- und Nattiralspenden erbeten an die Fürsorge Zentrale der Isr. Kulttisgeineindc Wien, I. Seifenstettengasse Nr. 2 Tel. U 25-5-85 Serie, Postsparkassenkonto B 29.659