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Die Stimme · 1934-01-12 · Heft 319 (12.1.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 319 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Frate tflwnr Naauncr 15 g V.b.h. Heute 8 Seiten stark Mies JÜDISCHE ZEITUNG Eine Gratisreise nach Palästina ist die Prämie des Preisausschreibens der «Stimme», das am 26. Februar zur Auslosung gelangt. Um S 16*—,! ls ist der Jahresabonnementpreis ibir den Bezug der «Stimme», im voraus bezahlt, nehmen Sie an dem Preisausschreiben teil und haben die ('hance, gratis zur Levante-Messe nach Tel-Awiw zu fahren JNumnrai^i^ Redaktion und Administration! Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R-27-4-85. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. Tel-Awiw ladet Sie ein zum Karneval :Sr bis «Conte di Savoia» — «Roma» (ompass-Tours Offizielles PropagandabOro der Stadtgemeinde Tel-Auiiui IX. Spitalgasse Nr. 6 Telephon B 42-5 38 Englands iinwanderungssabotage Das Warschauer englische Generalkonsula.t hat dem Hauptpalästina-Amt in Warschau mitgeteilt, daß es von der Palästina-Regierung neue Instruktionen betreffend die Einwanderung: von Personen der sogenannten «Hand wer kerkategorie» (Kleingewerbetreibende mit einem Eigenvermögen von mindestens 250 Pund) erhalten hat.r Personen dieser Kategorie, die Im Alter von 18 bis 35 Jahren stehen, werden Einwanderungserlaubnisscheine nicht mehr wie bisher unmittelbar von der Palästina- Regierung bekommen können, sondern müssen ebenso wie Arbeitereinwanderer um Zertifikate ansuchen. Nur Handwerker, die älter als 35 Jahre sind, können sich wie bisher unmittelbar an die Palästina-Regierung wenden, müssen jedoch den Nachweis erbringen, daß sie in Palästina einen selbständigen Handwerksbetrieb errichten werden. Kinder von «Kapitalisten» mit einem Eigenvermögen von mindestens 1000 Pfund, die im Alter von 18 bis 35 Jahren stehen, werden nicht mehr wie bisher auf Grund der Einreiseerlaubnis ihrer Eltern nach Palästina kommen können, sondern werden um eigene Zertifikate ansuchen müssen. Diese Mitteilungen ergänzt das Palästina-Amt mit dem Bemerken, daß seine Anträge in letzter Zeit von der Palästina-Regierung fast durchwegs abgelehnt werden. ★ Die Palästma-Regierung spricht von „Arbeitslosigkeit“ Das letzte Bulletin des Internationalen Arbeitsamtes über die Arbeitslage in allen Ländern der Welt enthält bezüglich Palästinas die überraschende Feststellung, daß die Ziffer der Arbeitslosen von 15.120 im November 1932 auf zirka 18.000 im November 1933 gestiegen ist. Diese Feststellung wirkt um so auffallender, als in fast allen anderen angeführten Ländern die Arbeitslosenziffern in der gleichen Periode mehr oder weniger stark gesunken sind. Diese Angaben stützen sich auf offizielle Schätzungen der Palästina-Regierung, die in regelmäßigen Zeitabständen in der Jerusalemer «Officiaj Gazette» veröffentlicht werden. Die Art, in der die palästinensische Regierung den Begriff «arbeitslos» definiert, wurde schon öfter nicht nur seitens der Juden, sondern auch seitens der Mehrheit der Mitglieder der Mandatskommission des Völkerbundes beanstandet. Zu den «Arbeitslosen» zählt die Palästina-Regierung verschiedene Kategorien Personen, die überhaupt nicht als «Arbeiter» statistisch zu erfassen sind, z. B. ärmere Fellachen in entlegenen Dörfern, Beduinen u, a. m. Man ist in Genf darüber informiert, daß in den intensiven Arbeitsgebieten der Industrie und der Landwirtschaft Palästinas sogar ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften besteht. ERGLÜH SCHOOL Wien, IX., Kolingasso 1, Telephon Nr. A 18 4 92 Für Anfänger, Vorgeschrittene Kouversutlon (englisch« Mutter&piacheJkfFUr Chaluzia» fees. Ermäßigung, Oegen die PcnomMpolilgfe Die österreichische Regierung hat der Bevölkerung eine stattliche Liste nationalsozialistischer Anschläge vorgelegt. Nicht weniger als 140 solcher Akte werden aufgezählt und es fehlt nichts aus dem geistigen Arsenal dieser sittlichen Erneuerungsbewegung: Dynamitbomben, Papierböller, Tränengasphiolen, Attentate auf die Auslagen jüdischer Firmen. Unverbesserliche Staatsfeinde und Terroristen, nennt das amtliche Kommunique diese Elemente, die, gestützt auf den großen Onkel in Deutschland, durchaus auch hier in den Besitz der Macht, d. h. der Kassen und der Posten, kommen wollen. Die Regierung bezeichnet deren Absichten dahin,: daß Fremdenverkehr und allgemeine Wirtschaft geschädigt werden sollen. Es sei eine verbrecherische Minderheit, die auf Gnadenakte'und Milde mir mit Dynamit antworte, und es müßte (Jäher; eine'Säuberungsäktion unter Aufbietung -der f.reivyilUgen Schutzkorps : eingeleitet werden. Das sind außerordentliche Maßnahmen. . Eid Erfolg ist. sicher,, wenn sie. mit dem •geboterten' Efhst und der notwendigen Rücksichtslosigkeit durchgeführt. werden und wenn sich die Anschauung .durchsetzt, daß.die nationalsozialistische Bewegung nicht politisch; sondern polizeilich zu behandeln ist. Freilich ist die Vergiftung schon sehr weit inden Volkskörper eingedrungen. Die jahrzehntelange Verseuchung der Hochschulen hat ihre Wirkung getan und die Lässigkeit, mit der alle Regierungen •— auch schon jene in der Monarchie — dem Treiben dieses Pöbels zugesehen haben, läßt jetzt ihre Spuren erkennen. Der Nationalsozialismus, die organisierte antijüdische Strömung, ist nichts neues. Die «irregeleitete akademische Jugend», das Lieblingskind aller akademischen Senate und der Assimilantenpresse, hat eine förmliche Erziehung darin erhalten, Wehrlose , zu überfallen, die Vorschriften zu verachten und jede Art von menschlichem Anstand zu verfehmen. In dem großen und weiten geistigen Bannkreis der Hochschulen konnten alle Begriffe von Recht und Gesetz ungestraft, unter dem Schutz einer angeblichen akademischen Freiheit, zertrampelt werden und ganze Generationen von Führern des •politische^ und kulturellen Lebens sind in dieser Art ausgebildet worden. Sie tragen dieses System von Brutalität, Roheit und Bedenkenlosigkeit, dieser sittlichen Verlumpung immer weiter, und da sie außer dieser Erziehung nichts anderes gelernt haben, darum versagen sie auch in allen, Gebieten gesellschaftlicher Zusammenarbeit. Sie können eben nichts anderes als «JudI» schreien und Steine werfen. Und da sie in ihrer Jugend gelernt haben, sich über Gesetz und Recht hinwegzusetzen, so wenden sie dies auch unbedenklich im Berufsleben an und stecken immer weitere Kreise mit ihrem Nihilismus an. Die Maßnahmen, die die Regierung ankündigt, zeigen, daß die Gefahr erkannt ist. So wie sich Rumänien heute gegen die Mörder und die aus Deutschland alimentierte Verwilderung zu wehren beginnt, so schreitet auch die Regierung der Donaurepublik zur Tat. Aber sie darf nicht daran Vorbeigehen, daß die sozusagen geistige Grundlage dieser Entartung auch in Oesterreich sehr breit und tief gelagert ist. Auch hier benützt man die Rassenlehre, diese von Hundezüchtern und Pferdebändigern in die Politik eingeführte Theorie, um gegen die Juden im geistigen und wirtschaftlichen Leben loszugehen. Die Juden im Geschäft, in Handel und Industrie, in den freien Berufenl Gewiß ist die Schichtung des jüdischen Volkstums ungesund, aber flir uns, nicht für die Mehrheitsvölker. Uns fehlt die Möglichkeit, unsere Jugend nach einem richtigen Verhältnis in das Berufsleben einzugliedern, und diese Möglichkeit wollen wir im Großen durch die zionistische Siedlungstätigkeit schaffen. Aber noch kein «Arier» hat dieses Problem, dieses jüdische Problem, mit dem geziemenden Ernst betrachtet und kein «Arier» unterläßt es, bei der Prüfung der Fragen der Zeit den Juden seine besondere Mißachtung zu bezeigen. Jeder weiß es, daß die österreichische Wirtschaft in den Jahren der Sanierung nur durch die treue Arbeit der Juden gerettet werden konnte, daß einzig und allein der jüdische Reisende die österreichische Produktion dem Ausland zuführte, daß fast nur jüdische Gelehrte vor dem Ausland die österreichische Forschung repräsentierten. Jeder «Arier» sagt sich das selbst — aber er hat nicht die genügende Selbstkritik, die Folgerung zu ziehen. Kein Jude hat Goethe und Schiller und Grillparzer daran gehindert, Goethe, Schiller, Grillparzer zu werden; kein Jude ist Hochenegg oder Eiseisberg im Weg gestanden. Aber man hat die hübsche Ideologie des Gastvolkes geschaffen und versteht, darunter die Niederknüppelung und Mißhandlung, des-«Gastes». Wobei nur noch zu bemerken wäre, daß djese «jüdischen Gäste» schon vor Kelten und Germanen in Europa bodenständig waren. Solche Gedanken und Anschauungen sind natürlichere^ nicht auf die chauvinistischen deutschbürgerlichen Intellektuellen beschränkt geblieben. Auch in -den christlichen Kreisen trifft man, wie die Schrift des gewesenen Ministers Dr. Czermak zeigt, den Unsinn des auch mit der christlich-universalen Lehre unvereinbaren Rassengeschreis, und wir haben letzthin den Vortrag; des Spitalsdirektors Dr. 0 r e 1 erwähnt, der deri Juden alle Schuld beimißt. Er sagt allerdings «die Einwanderung aus dem Osten» (die ja von den österreichischen Feldherren angeordnet worden ist), und seine Zuhörer zwinkern verständnisvoll. Aber was haben. diese Zuwanderer mit der Zunahme der unehelichen Geburten in Tirol und Kärnten zu tun? Die ganze antijüdische Argumentation bricht in sich zusammen, wenn man sie unter die Lupe nimmt, und die Nationalsozialisten wissen sehr gut; warum sie ihrer Jugend jede Diskussion mit Juden untersagen! Es ist selbstverständlich, daß eine solche durch Jahrzehnte fortgesetzte Erziehung in Akten sich auslebt, und wenn die Regierung sich zur Tat entschließt, so handelt sie im lebhaftesten Interesse aller Erwerbenden und Arbeitenden. Sie muß bedenken, daß Gesetzlosigkeit immer weiter wirkt, wenn sie nicht raschestens abgesteilt wird. Wenn z. B. entgegen Verfassung und Gesetz der Regierungskommissär von Bad Gastein, Landesregierungsrat Del N e g r o, für die Besetzung der Stelle eines Kurdirektors Taufschein und deutsche Volkszugehörigkeit fordert, so muß das gewisse Folgen haben. Die Regierung legt den Terroristen zur Last, daß sie den Fremdenverkehr schädigen wollen. Sie hat hier einen sehr wichtigen Anlaß zum Einschreiten. Sie betrachte auch die Schreibweise der getarnten und nichtgetarnten Terroristenorgane, die täglich zum Pogrom, zur Sabotage der Wirtschaft aufreizen, und die Oeffentlichkeit wird dann gerne den Ernst der Aktion begrüßen. Polnisches Pro-Palästina-Komitee Warschau. Am 8. Jänner fand im Sitzungssaal des polnischen Senates die konstituierende Sitzung des polnischen Komitees Pro-Palästina statt. Nahum Sokolow erläuterte unter gespannter Aufmerksamkeit der Anwesenden Geschichte, Wesen und Ziele des Jüdischen Nationalheims.' Nach Ansprachen mehrerer christlicher Persönlichkeiten er-, folgte die Konstituierung des Komitees. Zum Präsidenten des. Komitees wurde Fürst Lubomirski gewählt. 1 Rasiere Dich gut und billig £ II lf ( oesierrelcmsciies MU •“ Ueberall erhältlich 32

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