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Die Stimme · 1934-01-05 · Heft 317 (5.1.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 317 (5.1.1934)
Date
1934-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 317 — S. Jänner 1934 DIE STIMME Seite S Nächste Palästina-Reise» 16. Jänner . Februar mit dem 48.000- -Mdampier Conte di Savoia zu außerordentiith billigen Preisen tDsmie: „reise- und verkehrsgesellschaft (pa asimaAweiiuns) Wien, l.. Ho.eniurmsiraOB 20. Ecke FietschmarKi i - lei. r 20-5-25 American Jewish Committee über die deutsche Judenfrage Baronetswürde für 0. E. D'Avidgdor Goldsmid Lorkdon, 3. JSnncr. Osmönd Elim d’Avigdor Q o 1 d fmld, Vorsitzender des Council der Jewish Agency for Palestine und früherer Präsident des Board of Deputies of British Jews, figuriert auf der Neujalirs-Ehrenliste des Britischen Reiches als Baronef; diese hohe Auszeichnung wurde ihm vom König «für politische und soziale Dienste ln der Grafschaft Kent» verliehen. O. E. d’Avigdor Goldsmid wurde 1877 ln Wien als Sohn von Elim d’Avigdor, der sich als Vorsteher der sephardischen Gemeinde in London auszeichnete und an der jüdischen Kolonisation Palästinas tätigen Anteil nahm, geboren. Im Weltkrieg wurde er zweimal militärisch befördert und mit dem Rang eines Oberstleutnants entlassen. 1921 bis 1926 war er Präsident der Anglo-Jewish Association, sent 1926 bis zu seinem vor kurzem aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Rücktritt war er Präsident des jüdischen Gemeindeverbandes. Er gehörte . dem Verwaltungsrat der Jewish Colonisation Assoclaation (JCA) an und ist Mitglied des Economic Board for Palestine. Er ist jetzt der Führer der Nichtzionisten innerhalb der Jewish Agency und seit April 1933 Mitglied des englisch-jüdischen Komitees zur Behandlung der Probleme der deutschen Judenhcit Auf der Neujahrs-Ehrenliste figurieren noch Miß Nettic Adler, Tochter des verstorbenen Oberrabbiners Dr. Hermann Adler, aktives Mitglied verschiedener englisch-jüdischer Organisationen und der britischen Sektion der Jewish Agency for Palestine, die für ihre Verdienste auf dem Gebiete der Zuführung Jugendlicher zur Arbeitsfront den Orden CB.E (Companion of the Bath, British Empire); Mrs. Lilian F r e I m a n, Präsidentin der Zionistischen Frauen-Organisation Hadassah in Kanada, die für ihre jüdisch-soziale Fürsorgearbeit in Ottawa den Order of the British Empire; Victor Kohn, Leiter des Werkes der Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), der ebenfalls den Order of the British Empire erhielt. Henry Mergenthau Schatzsekretär Amerikas New York. 3. Jänner. Der interimistische Schatzsekretär Henry M o r g c n t h a u j u n., der engste Mitarbeiter des Präsidenten Roosevelt bei der Durchführung des großen Wirtschaftsplanes in den U. S. A., wurde nunmehr definitiv zum Schatzsekretär (Finanzminister) der Regierung der Vereinigten Staaten ernannt. New York. Das American Jewish Committee, die von Louis Marshall und anderen Führern der amerikanischen Juden gegründete Institution zur Verteidigung jüdischer Rechte in der Welt, hielt die 27. Jahrestagung ab. Doktor Cyrus Adler, der jetzige Präsident des American Jewish Committee, erstattete den Tätigkeitsbericht und führte u. a. aus: Ungeachtet aller Anstrengungen von außen hat sich die Lage der jüdischen Bevölkerung in Deutschland um nichts gebessert. Das im heutigen Deutschland dominierende Rasseprinzip macht es den deutschen Juden unmöglich, sich in das wirtschaftliche und kulturelle Leben des Reiches einzufügen. Durch die verschiedenen «Ariers-Dekrete sind die Juden der elementarsten Menschenrechte beraubt worden, dennoch hat die Regierung bisher nichts unternommen, um Irgendeinen rechtlichen Status der jüdischen Bürger zu definieren. Diese Regierung behauptet, daß die Art, wie sie irgendeinen Teil der Landesbevölkerung behandelt, ihre Interne Angelegenheit sei, in die sich andere Mächte nicht einzumischen haben. Dieses durchaus falsche Dogma wurde von vielen Organisationen und einzelnen Persönlichkeiten infolge irriger Auffassung des Problems voreilig akzeptiert Die Rechtslage ist nämlich eine ganz andere. Wenn eine Regierung einen Bevölkerungstefl in eine so verzweifelte Lage versetzt, daß viele sich gezwungen sehen, das Land, das ihnen durch Generationen Heimat war, fluchtartig zu verlassen, werden diese Menschen ein Objekt internationaler Sorge; dies nicht nur, weil sie als Flüchtlinge anderen Ländern zur Last fallen, sondern auch wegen der Ursachen selbst, die sie zu Flüchtlingen machten. Am wenigsten können wir Juden die Haltung der deut« sehen Regierung gegenüber den jüdischen Bürgern des Landes als eine innerdeutsche Angelegenheit betrachten. Wenn wir stillschweigend die Doktrine dulden, daß der Jude als solcher nicht die Qualitäten hat, ein Glied des deutschen Staates zu sein, könnte dies als ein Zugeständnis aufgefaßt werden, daß der Jude überhaupt ungeeignet sei, sich in irgendeinem Staat einzufügen. Nein, wir ergeben uns nicht, sondern vertrauen darauf, daß die zivilisierten Völker der Welt sich zum Schutz eines Volkes Zusammenschlüßen werden, das seit 3000 Jahren besteht, von dem die Welt hohe geistige Güter empfangen hat, das aber heute weder fähig noch willens ist, sich durch brutale Gewaltanwendung zu schützen, und dem nur der Appell an das Weltgewissen übrig bleibt. Seiner großen Verantwortung bewußt, fordert das American Jewish Committee die Judenheit Amerikas auf, es moralisch und materiell zu unterstützen, damit es seine Aufgaben zum Schutze verfolgter Juden und zur Wiederherstellung vernichteten Rechtes wirksam durchführen kann. Nazismus Ist kein jüdisches Problem mehr, er stellt bereits eine Gefahr für die Welt und alle Güter der Menschheit dar. Zum Schluß «klärte Dr. Cyrus Adler, das American Jewish Committee wolle keine Boykottproklamationen unter* stützen und werde an seinem Beschluß, an einem in Arne.- rika organisierten Boykott gegen Deutschland nicht teilzunehmen, festhalten. Es bleibt jedem einzeinenjuden überlassen, sich zur Frage des Kaufes deutscher Waren zu verhalten, wie er will. Jüdische Trauer um Duca Bukarest In allen Synagogen Rumäniens wurden Trauer gebet e für den durch einen Antisemiten ermordeten Ministerpräsidenten Duca gesprochen. Der Haupttempel von Bukarest war während des Trauergottesdienstes überfüllt Der Vertreter des jüdischen Kultus im Senat Landesrabbiner Dr. Niemirower, sagte in seiner Trauerrede: «Der Held, der dem Judenhaß in Rumänien zu Leibe ging, ist nun tot» Die großen jüdischen Organisationen haben der Witwe Ducas Beileidskundgebungen gesandt An dem Begräbnis, das vom königlichen Palast aus vor sich ging, nahm eine jüdlsche Abordnung als Repräsentanz der gesamten jüdischen Bevölkerung Rumäniens te2L Landesrabbiner Dr. Niemirower erklärte dem J. T.-A.-Vertreter, mit der Ermordung Ducas habe sich die Eiserne Garde selbst Ihr Urteil gesprochen; sie werde nicht mehr existieren. Von anderer Seite aber werden Befürchtungen ausgesprochen, daß das Attentat gegen Duca den Beginn einer neuen Terrorwelle auch gegen die Juden signalisiert hat Die gesamte rumänische Judenheit folgt deswegen gespannt der vom König selbst überwachten Untersuchung. Hunderte Führer der Eisernen Garde wurden verhaftet * RESTAURANT TONEUO i E. Am «flfer I*l«g»l4&mteg*ttc9c«3 | normaihosHifienü s rso unfl 2— Ahe Arten ülätuosi rach ärzti. Vorschrift Billige vegetarische Küche Auftakt zur revisionistischen Petitionsaktion Straßenkundgebungen ln Warschau Wlarschau. Als Auftakt zu der von den Zionisten- Revisionisfen geplanten Aktion zur Einleitung einer Massen Petition an alle Regierungen, den beschleunigten Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu fördern, haben einige tausend Mitglieder des Brith Trumpeldor in Warschau eine große Straßenkundgebung veranstaltet. Im Zuge wurden Transparente mit Aufschriften wie «Nieder mit dem antisemitischen Regime in Palästina!», «Wir fordern freie Alijahl» mitgeführt. Tausende von Flugblättern wurden in die Zuschauermassen geworfen. Die Demonstranten marschierten vom Nalewki-Viertel bis zum Grzybow-Viertel, wo Polizei zu Fuß und zu Pferd den Zug auflöste. Vier Mitglieder des Brith Trumpeldor wurden hiebei festge- "O in men. PALÄSTINA MELDET: „Blaubiidt"cBer Palästina- Regierung erschienen Jerusalem. Die Palästinaregierung hat ein sogenanntes Blau buch herausgegeben, das auf 441 Seiten Mitteilungen über die Entwicklung des Landes im Jahre 1932 enthält Die in dem Buch angegebenen Ziffern sind natürlich durch die neueste Entwicklung längst überholt Nach dem Regierungsbericht betrug die Gesamtbevölkerung des Landes am 30. Juni 1932, also vor anderthalb Jahren, 1,052.872 Seelen; die Bevölkerung hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt um 19.558 Personen gegenüber dem in der Volkszählung vom. November 1931 festgesteliten Stand vermehrt Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in diesem Zeiträume betrug 6187 Personen, davon 2352 durch natürlichen Zuwachs.. Die mohammedanische Bevölkerung hatte sich um 11.474, die christliche um 1717 Seelen vermehrt Bann üUernommen London. Die Jüdische Kolonialbank (Jewish Colonial Trust, Ltd.), Brook House, Walbrook, London E. C. 4, teilt ihren Klienten mit, daß ab 1. Jänner 1934 das von ihr bisher geführte Bankgeschäft von der Anglo-Palestine Bank Ltd. übernommen wird. Demzufolge wird künftighin das Bankgeschäft von letztgenannter Bank von derselben Adresse aus geführt. Aus dem Verzeichnis der Aktiva und Passiva der Anglo- Palestine Bank, Ltd., per 30. September 1933 ergibt sich, daß die Gesamtsumme der «Kontokorrent-, Depositen- und anderer Konti» über 4 Millionen Pfund beträgt, während der «Kassenbestand und Guthaben bei Banken», «Guthaben bei Banken im Auslande» und «Schatzanweisungen und Staatsanleihen der Britischen Regierung» eine Summe von 2,450.000 Pfund ausmachen. Die Depositen zeigen eine fortschreitende Zunahme in den Monaten Oktober-November, so daß die Gesamtsumme von «Kontokorrent-, Depositen- und anderen Konten» einen Zuwachs von 650.000 Pfund per 30. November 1933 aufweist Tel-Aviver Demonstranten vor dem Richter Jaffa. Der Jaffaer Richter Bodilly hat zwei von den 17 Jugendlichen, die ihm im Zusammenhang mit den letzten Unruhen in Tel-Awiw vorgeführt wurden, freigesproc h c n. Das Verfahren gegen die übrigen wird weitergeführt. Der Verteidiger, Rechtsanwalt K a i s o r m a n, erklärte, die Untersuchung könne nicht auf Grund des Artikels 23 , des Äufruhrgesetzes, der Strafen . bis . zu zwä- Jahren Gefängnis vorsieht, geführt werden, sondern auf Grund von Artikel 34, für dessen Uebertretung eihd Höchststrafe von nur drei Monaten Gefängnis festgesetzt <ist. Jewish Agency und Waad Leumi Jerusalem, 3. Jänner. Die vom Waad Leunii eingesetzte politische Kommission hat ihre erste gemeinsame Sitzung mit Vertretern der Palästina-Exekutive der Jewish Agency abgehalen. Der Leiter des politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Mosche Sh er* tok, gab einen detaillierten Ueberbiick über die politische Lage und die Arbeit der Exekutive in London und in Jerusalem. Der Leiter der Immigrationsabteilung J. Grünbaum berichtete über die in sein Ressort einschlagenden Arbeiten ln Palästina und im Ausland. Der politischen Kommission des Waad Leumi gehören der Bürgermeister von Tel-Awiw Melr Dizengoff, der Vorsitzende der Weltexekutive des Misrachi Rabbi Meir Berlin, Dr. Benzion Mosslnson, der Histadruth-Führer Berl Katznelson, Schabetaj Levi und der Vorsitzende des Industriellen-Verbandes A. Schenkar an. Deportierte der Polizei entrissest Jerusalem. Zwei jüdische Familien, die nach ihrer Verurteilung zur Deportation aus Palästina nach Afghanistan bereits in dem Polizeiauto saßen, das sie zur Bahn bringen sollte, wurden entführt. Das Auto wurde von einer Gruppe umzingelt und die Insassen, unter ihnen zwei Frauen und vier Kinder, entführt. Ein Verwandter einer dieser Familien ist unter Verdacht der Mittäterschaft verhaftet worden. Araber*Angriff auf jüdische Arbeiter Jerusalem, 3. Jänner. Eine Gruppe jüdischer Pflüger des Kibbutz Schlocha auf W a d i H a w a r i t h wurde von einer starken Rotte mit Steinen und Stöcken bewaffneter Beduinen angegriffen. Vier Juden wurden verwundet, davon zwei schwer. Die Verwundeten wurden nach Chedera gebracht, wo ihnen ärztliche Hilfe zuteil wurde. Polizei begab sich nach dem Wadi Hawarith, um die Angelegenheit zu untersuchen. Palästinaeinwamferung Im November Jerusalem. Im Monat November sind nach Palästina 3938 Personen, unter ihnen 3837 Juden, gekommen. Von den cingewanderten Juden sind 538 Kapitalisten, die übrigen wanderten auf Grund der Arbeiterschedule ein. 6 789

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