Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 317 (5.1.1934)
- Date
- 1934-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054072--3931-3059489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite * DTE STIMME Nr. 317 — 5. Jänner 1934 GroßMeischhauerel SIEGM. KORNMEHL Zaatrtle»X,Bergt—e I», lei, A lj-a-wu. A 16-9-34 Lieierant tür nellansiahei Abteilungen für 1£?3-Fleiach unter Aufsicht des Ehrwürdigen rtabbinat* der Israelitischen Kuitus^emeinde Wien Autosutienung konento» IX, Berrgasse l* XVih Währineerstraße Ausbruch gekommen ist, der irrt. Von Tag zu Tag zeigt es sich, . daß die Bluffe der deutschen Reichsregieruhg, die vom Aufhören der Arbeitslosigkeit fasein, eitel Lug und Trug sind. Wenn das Judentum und jener Teil der Christen, die uns in unserem schweren Kampfe beisteht, jetzt erlahmen würde, dann wäre das Schicksal der 550.000 Juden, die heute noch in Deutschland leben, endgültig besiegelt. Dazu darf es aber nicht kommen und wird es nicht kommen. Das Judentum der ganzen Welt weiß heute, daß es auch um sein Schicksal geht und wir sind überzeugt, daß alle Juden, ohne Unterschied Genf. Zur offiziellen Kenntnis der Mitglieder des Völker« bondr&ies wurde bisher durch den Generalsekretär des Völkerbundes nur eine Petition gebracht, die auf die Behandlung der jüdischen Minderheit in Deutsch-Obe rschlesien Bezug hat. Es handelt rieh um eine Petition der jüdischen Gemeinde von Praszka (Polnisch- Ober Schlesien), in der auf zahlreiche konkrete Fälle der Verletzung der zwischen Deutschland und Polen geschlossenen oberschlesischen Konvention gegenüber jüdischen Bärgen) in Deqtsch-ObcrSchlesien hingewiesen wird. Diese vom Völkerbund-Generalsekretär als annehmbar (reccvable) anerkannte Petition wurde der deutschen Regierung mit dem Ersuchen vorgelegt, ihre Bemerkungen zum Inhalt der Petition zu machen. Bevor der vorgeschriebene Antworttermin abgelaufen war, bat die deutsche Regierung — es war «och vor ihrem Austritt aus dem Völkerbund — cm eine zweimonatige Verlängerung des Termins angesucht. Nun ist auch dieser Termin verstrichen, ohne daß die deutsche Regierung dem Sekretariat irgendwelche Bemerkungen zu der Petition bat zukommen lassen. Das Yölkerbündsekretariat hat nunmehr die Petition ohne die Bemerkungen der deutschen Regierung den Mitgliedern des Völkerbundrates zur Kenntnis gebracht Die Petition wird zunächst einem Dr elerkomJte« zur Prüfung vorgejegt werden und kann nicht — wie z. B. die Bemhehn-Petitlon — auf die Tagesordnung der öffentlichen Verhandlungen des Rates gesetzt werden, bevor das Dreierkomitee oder wenigstens e i n Mitglied des Rates dies ausdrücklich verlangt Es ist jedenfalls kaum anzunehmen, daß diese Petition bereits während der Jänner-Tagung des Rates zur Behandlung kommt Eine zweite Petition, betreffend die Position der Juden iq Oberschlerien, stammt von dem Breslauer Rechtsanwalt Dr. Simon, der, als Nichtarier ln der Ausübung seines Be- Berliu. Pas preußische Innenministerium hat eine Verordnung herausgegeben, aus der hervorgeht, daß die Au> bürgerungsaktlon der Regerung nicht allein alle seit November 1918 in Deutschland eingebürgerten, im Ausland geborene« Juden — eingebürgerte Ausländer, die im deutschen Heere gedient haben, sind ausgenommen — sondern auch sehr viele, In Deutschland geborene Juden betreffen wird. Die neue deutsche Gesetzgebung teilt die Bevölkerung ln zwei Kategorien ein: Staatsbürger und Einwohner. Eine demnächst erscheinende Durchführungsverordnung wird Bestimmungen enthalten, welche in Deutschland geborene Personen vollberechtigte Staatsbürger und welche lediglich «Einwohner» sein werden. Von den Juden ist in den neuen Ankündigungen vorderhand noch nicht die Rede, es wird led'glich angedeutet, daß im Sinne des Nationalsozialismus unzuverlässige Elemente der Staatsbürgerschaft verlustig gehen werden, jedoch ln unterrichteten Kreisen verlautet, daß die neuen Bestimmungen das jüdische Element ln Deutschland scharf genug treffen werden. Die seit November 1918 neu eingebürgerten Juden, die der Partei, die größten Anstrengungen machen werden, um ihren Brüdern in Deutschland zu helfen. Wir stehen in einem schweren Kampf, aber wir sind in diesem Kampf nicht allein. Gerade vor kurzer Zeit hat der vom Völkerbund eingesetzt# hohe Kommissär sein Amt angetreten und wir hoffen, er werde nicht ruhen und rasten, bevor die Frage der deutschen Flüchtlinge befriedigend gelöst sein wird. Aber mit der Erreichung dieses Zieles darf es nicht sein Bewenden haben. Unter keinen Umständen wird sich das Judentum dar* Welt und werden sich die Kulturkreise, die uns in unserem Kampfe unterstützen, damit abfinden, daß die Judenverfolgungen ln Deutschland i n Permanenz erklärt werden. Man wird erst dann wjeder das Recht haben, in der Welt von,Gerechtigkeit und Kultur zu sprechen, wenn es gelungert sein wird, die deutschen Juden in ihre früheren Rechte wieder einzusetzen. Der Kampf mäg lange dauern; es liegt nur an der Entschlossenheit des Judentums und der ungezählten Millionen Christen, die heute mit Abscheu auf Deutschland blicken, daß der Tag noch kommen wird, an dem das scheußliche Unrecht, das den deutschen Juden angetan wurde, gutgemacht wird. ruf» In Breslau verhindert, sieh ln dem von der deutschpolnischen Konvention geschützten Deutsch-Oberscbleslen niedergelassen und dort eine Anwaltskanzlei eröffnet hat. Die Kanzlei wurde von den Behörden geschlossen, Doktor Simon wurde In Schutzhaft genommen imd erst dann freigelassen, nachdem er eine Erklärung unterschrieben hatte, daß er nicht wieder versuchen wird, den Anwaltsberuf in Deutsch-Oberschlesien auszuüben. Dr. Simon über* siedelte nach Kattowitz (Polnlsch-Oberschlerien) und sandte von dort eine Petition an den Völkerbund, In der er eine Darstellung der obigen Vorgänge gibt. Das Völkerbundsekretariat hat die Petition Dr. Simons der deutschen Regierung vorgelegt, die erwidert hat, sie wünsche keine Bemerkungen' zu dieser Petition zu machen, dies solle jedoch nicht bedeuten, daß sie den Tatbestand als richtig anerkennt Pas Vötkerbundsekretariat hat die Petition Doktor Simons der oberschleslschen gemischten Kommission zur Prüfung übersandt Diese Petition bat keineswegs die Bedeutung der Bernbeim-Petition, und es besteht wenig Aussicht, daß sie vor den Rat des Völkerbundes kommt [ * Eine Italienische Stimme über die deutsche JudeupolitUc Rom, 3. Jänner. Unter den Neujahrsartikeln der italienischen Presse fällt besonders ein Aufsatz des hoohoffiziösen «Regime Fascista» auf, worin Faschimus und Hitlerismus einander gegenübergestellt werden. Die außen- und innenpolitischen Maßnahmen der Hitler-Regierung in Deutschland werden ablehnend kritisiert und das Verhältnis Italiens zu den nichtkatholischen und nichtchristlichen Religionen, das versöhnend ist, mit der «grausamen Judenverfolgung in Deutschland* verglichen. nunmehr ihre deutsche Staatsbürgerschaft verloren haben, werden zu den «Staatenlosen» gezählt und sind ungehalten, sich von Zeit zu Zeit um Erneuerung des Wohnrechtes und der Arbeitserlaubnis an die zuständigen Behörden zu wenden, widrigenfalls sie eine harte Bestrafung zu gewärtigen haben. Hievon sind auch viele in Deutschland geborene Juden betroffen. Die Ausbürgerungen haben einen solchen Umfang angenommen, daß der Reichsverband der deutschen Juden den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beauftragt hat, eine eigene Abteilung zur Behandlung dar Ausbürgerungsfragen einzurichten. Von der Ausbürgerung besonders betroffen werden deutschgeborene Juden, die arische Frauen haben, wobei auch die Frau die Bürgerrechte verliert Dl# Synagogen ln Deutschland Goebbels unterstellt Berlin. Eine neue Regierungsverordnung unterstellt auch die Synagogenliturgie dem von Doktor 0oebbe 1 s geleiteten Reichspropagandam i n i s t e r i u m. Kantoren, Chöre und Organisten der Kirchen und Synagogen müssen sich beim MuSikdepartement des Reichspropagandaministeriums registrieren,- wobei in Synagogen Beschäftigte einen speziell«« Frage bogen ausflilten müssen. Jüdisches Martyrium im Konzentrationslager London. «Manchester Guardian» schildert auf Grund der Aussagen eines entlassenen Gefangenen das furchtbare Martyrium von 20 jüdischen Häftlingen hn Brandenburger Konzentrationslager. DL Juden müssen die schwersteh und widerwärtigsten Arbeitet) verrichten, erhalten keineregelmttßlge Eßrstion, sondern es wird ihnen nur das in den F.ßnapf getan, was die anderen Gefangene« zurückgelassen haben) je sechs Juden müssen aus einem solchen Napf essen, ohne daß ihnen Messer und Gabeln gereicht werde«. Die Juden werden gezwungen, sich g * g e n s e 11 f g i ii prügeln. Der eine SA.-Mann schlägt sie, wen« er sie abends wach findet, der zweite, wenn sie zu früh zu Bfett gehen. / Wie In Berlin offiziell mftgeteflt wird, wurden I« |3adm von Juli bis September 1933 140 ausländischejüden ausgewiesen. Und das nennt man dann Greuelpropaganda Julius sirolchor kOnmot Iflr 1934 .Meinung der deutschen Juden oh' Berlin. Der nationalsozialistische Führer Julius Streit eher veröffentlicht ln der Neujahrsnummer seines in Nürtv berg erscheinenden «Stürmer» ehre Ankündigung, die be« sagt: Im Jahre 1933 gelang es uns, die jüdische Vorherrschaft zu brechen; 1934 werden wir eine Gesetzgebung schaffen, die zur vollständigen Vernichtung der Juden In Deutschland führen wird. Wir dürfen nicht auf halbem Wege stehen bleiben, da sonst die Gefahr besteht, daß die Errungenschaften vor, 1933 verloren gehen. Weitere Verschärfung der Arier-Gesetzgebung Berlin, 2. Jänner. Rejchsaußcnm'mister Dr- F r i c fc veröffentlicht in der «Deutschen Juristen-Zeitung* eine Vorankündigung, betreffend die Rassengesetzgebung ton Jahr« I934j der zu entnehmen ist, daß nationalsozialistische Doktrin' von der arischen Reinheit des Berufsbeamtentums a u tfft-1 w e i t e r Geltung haben wird. Die Beamtenschaft Staate, in den Ländern und in den Städten sowie die Anwaltschaft und Aerzteschaft werden immer mehr von rassefremden Elementen gesäubert werden. Künftighin werden Beamte, deren Großeltern zwar nicht mehr der jüdi*. sehen Konfession angehörten, die aber noch jüdische Namentrugen, nicht von der Arierklausel ausgenommen werden. Das gleiche gilt für Beamte, die Frauen nichtarischer Abstammung heiraten. Das Arierprinzip macht ausschließlich Halt vor internationalen Abmachungen, wie sie etwa i n; Oberschlesien gelten. Frick hält auch eine fortschreitende Reinigung des. Aerzteberufes für erforderlich, ist aber dafür, daß der Arierparagraph auf die freie Wirtschaft übertragen wird. Beschränkte Aufenthaltsdauer für Jüdische Ausländer Berlin. Zahlreiche ln Deutschland lebende ausländlache Juden, die Aufenthaltserlaubnis für unbeschränkte Dauer hatten, erhielten Vorladungen vom Polizeipräsidium, wo ihnen die Aufenthaltaerlaubnlsschelne abgenommen und gegen neue eingetauscht wurden, die auf eine beschränkte Aufenthaltsdauer von drei oder sechs Monaten laute«. Sehr viele Auslandsjuden, die sdt vielen Jahren in Deutschland wohnen und hier Kapital Investiert habe«, sind durch diese neue Maßnahme ln eine schwierige Lage geraten; es sind meist Geschäftsleute oder Hausbesitzer, die ihre Unternehmungen nicht Im Verlauf einer s« beschränkten Frist liquidieren können dl« bei Nichterneuerung der Aufenthaltserlaubnisse wirtacb-^irii zusammenhrechen müßten. De. Melchior gestorben In Hamburg ist am l. d. M. Dr. Karl MeickiOr, der Teilhaber der Firma Warburg u. Co., gestorben. Br war eiper der bekanntesten Wlrtschaftspotitiker Deutsch« lands und ist von den deutschen Nationalsozialisten oft ah* gegriffen worden. Er hat der deutschen Delegation Uej den Friedensverhandlungen in Versailles angehört und war Vertreter Deutschlands in der Bank für internationalen Zahlungsausgleich. * ii ★ Jüdische Minderiieiten-Petitionen vor dem Völkerbund Ans dem Reich des braunen Zaren Die Ausbürgerungsaktion tn Deutschland Gedenket der Winternotstandsaktion der Kultusgemeinde! Geld* und Naturalspenden erbeten an die Fürsorge-Zentrale der Isr. Kultusgemeinde Wien, I. Seilenstettengasse Nr. 2 Tel. U 25-5-85 Serie. Postsparkassenkonto B 29.659