Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 316 (3.1.1934)
- Date
- 1934-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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{fette*'_. IN ALLER KURZE Babblner Dr. Dienemaiui aus der Haft entlassen Frankfurt a. Mo Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach), der kürzlich aus Anlaß eines Vortrages, den er gehalten hat, verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht wurde, ist aus der Haft entlassen worden. Nachprüfung der Einbürgerungen von 130*000 Familien Berlin. In Durchführung des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit werden nach amtlicher Schätzung rund 130.000 Personen mit ihren Familien einer Nachprüfung ihrer Einbürgerungen unterzogen werden. Weil er der Einzige ist Berlin. Die preußische Staatsregierung hat den Direktor des Orientalischen Seminars Univ.-Prof. Eugen Mittwoch wieder in sein Amt zurückberufen. Prof. Mittwoch ist der einzige Gelehrte, der das Aethiopische — die Sprache des Kaiserreiches Abessinien und der dortigen Falaschas — in Wort und Schrift beherrscht. S. A.-Leute in Uniform auf der Kundgebung der jüdischen Gemeinde Berlin. Auf der Kundgebung der Jüdischen Gemeinde zugunsten des Winterhilfswerks des deutschen Volkes haben SA.-Leute in Uniform unter der Zuhörerschaft Zeichnungs-. formulare für den Winterhilfsfonds herumgereicht. Es wurden viele tausende Mark von den Anwesenden gezeichnet. Juden sollen keine Immobilien in Deutschland erwerben dürfen Berlin. Wilhelm Moderson, der Regierungskommissar für Immobilien in Berlin, hat der Regierung einen Gesetzentwurf unterbreitet, demgemäß den Juden in Zukunft verboten sein soll, Haus- oder Bodenbesitz zu erwerben. Der deutsche Boden, heißt es in 8&ttt Motivenbericht zu dem Gesetzentwurf, ist mit deutschem Blute verbunden. Bombenwürfe gegen jüdische Warenhäuser in Posen Posen. In der Wojwodschaft Posen hat die antisemitische Boykortprufiagnnda eine neue exzessive Form angenommen. In der Stadt Posen schleuderten junge Nationalisten Bomben in zwei jüdische Warenhäuser, wodurch ein großer Sachschaden entstand und ein jüdischer Verkäufer verletzt wurde. Die Polizei nahm Verhaftungen vor. Breslauer Universitätsprofessor nach Jerusalem berufen Breslau. Die Hebräische Universität Jerusa 1 em hat den Breslauer Universitätsprofessor Dr. Koebner auf den Lehrstuhl für neuere Geschichte berufen. Prof. Dr. Koebner hat diesen Ruf angenommen. M akkabäer-Abteilung der Britischen Legion Kürzlich fand in London ein Massenmeeting der Makkabäer-Abteilung der Britischen Legion, der Organisation der englischen Kriegsteilnehmer, unter Vorsitz von Major Cohen statt. Admiral Sir Henry Bruce erklärte hiebei namens der Britischen Legion: «Die Juden Englands haben am Weltkrieg in hervorragender Weise teilgenommen. 50.000 Juden sind dem Rufe zu den Waffen freudig gefolgt und 2500 von ihnen sind den Heldentod gestorben. Diese Zahlen zeigen am besten eure Leistungen, und das Britische Reich ist stolz auf seine jüdischen Soldaten.» So spricht man in England. Die jüdischen Kriegsteilnehmer in Deutschland empfangen einen anderen Dank: Die .,. .... - PB? pmwuj,. deutsche Regierung diffamfert sie, sperrt sie in Konzentr** tionslagcf und gibt sie und ihre Familien dem Hungertode preis. 110 deutsch-jüdische Waisenkinder in Polen eingetroffen Warschau. In Kattowitz sind aus Deutschland 110 jüdische Waisenkinder eingefcroffen, deren Eltern infolge der Ereignisse in Deutschland gestorben sind oder getötet wurden oder durch Selbstmord geendet haben. Das zentrale jüdische Waisenfürsorgekomitee in Warschau delegierte eine Abordnung nach Kattowitz zur Abholung der Kinder und zu deren Unterbringung in jüdischen Waisenhäusern. Acht Monate Gefängnis für einen antisemitischen Exzedenten ln Polen. Warschau. Das Warschauer Gericht hat den Studenten Wojczych Grab icki, der Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte zertrümmert hatte, zu acht Monaten Gefängnirs verurteilt. Selbstbesteuerung der jüdischen Gemeinden Hollands zugunsten der jüdischen Gemeinden in Deutschland Amsterdam. Vor einiger Zeit hatte die Jüdische Gemeinde Groningen eine Abgabe zugunstender jüdischen Gemeinden in Deutschland in Höhe von 10 Prozent der allgemeinen Gemeindesteuern eingeführt. Die Exekutive des Verbandes der jüdischen Gemeinden Hollands hat nunmehr sämtliche Gemeinden angewiesen, dem Beispiel der Gemeinde Groningen zu folgen. Ein Gesetz gegen den Antisemitismus in Holland Aus dem Haag: Der Justizminister brachte in der Kammer eine Gesetzesvorlage ein, wonach die öffentliche Beleidigung der Behörden, der staatlichen Einrichtungen und bestimmter Volksgruppen unter Strafe gestellt werden soll. Vorgesehen sind Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren. Der Justizminister gab zu dem Gesetzentwurf eine Begründung, die sich besonders eingehend mit der «Strafandrohung für öffentliche Beleidigung einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung» befaßte und ausdrücklich hervorhob, daß unter diesem Delikt Angriffe auf Juden und jüdischen Gottesdienst gemeint seien. Aber nicht nur tätliche Angriffe, sondern auch antisemitische Aeußerungen fallen unter das Strafgesetz. In holländischen Kreisen nimmt man an, daß nach Verkündung dieses Gesetzes der Regierung eine Handhabe geboten sein wird, antisemitische Propaganda überhaupt zu unterbinden. In der schriftlichen Begründung zu dem Gesetz sagt die Regierung, daß sie in erster Linie an «aktuelle Aeußerungen bezüglich unserer jüdischen Mitbürger» denkt. Gründung einer ostjüdischen Gemeinde in Amsterdam Amsterdam. In Amsterdam wurde unter dem Namen MachsikeHadas eine ostjüdischeSynagogengemeinde gegründet. Ihr geistlicher Führer ist Rabbi S. Halpern. Die Gemeinde hat eine eigene Talmud Thora-Schule eröffnet und beabsichtigt, demnächst eine Beth Jakob-Schule und eine Jeschiwa zu errichten. Eine allgemeine jüdische Jugendföderation in Rumänien Bukarest In Bukarest wurde eine allgemeine Föderation der jüdischen Jugend Rumäniens ins Leben gerufen, in der sich die Jugendgruppen sämtlicher Richtungen zur Abwehr judenfeindlicher Angriffe zusammengeschlossen haben. Es ist das erstemal, daß sich in Rumänien zionistische und nichtzionistische Jugendverbände, die sich bisher heftig bekämpft haben, in einer gemeinsamen Organisation zusammenschließen. Synagoge in Jassy geschändet und durch Feuer zerstört Jassy. Bisher unerkannt gebliebene Täter haben in der Nacht die Jassyer.Synagoge. «Kantarschi» in „FAMILIENSCHUTZ“ Gemeinnützige Vereinigung S. FamilienSUrsorge Wien, IL, Atpernbrüekenqatse Nr« a Telephon R 43-5oo Durch Monatsbeiträge von S 1.— bis 10.— kann man bei uns sicherstellen: Studien!» e:träae für Töchter und Söhne. Ausstattungsbeitröse für Töchter, Vorsorge für das Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: L Geringe Beiträge 2. Hohe Versicherungssummen 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit 4* Volle Garantie der Lebens Versicherungsgesellschaft „Phönix“ 5. Keine Nebengebfihren 6. Keine ärztliche Untersuchung 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung 8. Keine Aufnahmegebühr Der „FAMILIEN!? "HUTl“ wird von der Wiener Kultusgv. seindt befürwortet Nr. 31g ~ 3. Jänner 1934^ Brand gesteckt, nachdem sie vorher die Inneneinrichtung völlig zertrümmert haben. Um die Löschung de» Brandes unmöglich zu machen, hatten die Brandstifter vorher Wände und Einrichtung mit Petroleum begossen. Außer den Thora-Rollen, die wieduiclt ein Wunder unversehrt blieben, konnte nichts gerettet werden. Die polizeiliche Untersuchung blieb bisher erfolglos. Antisemitischer Ueberfall auf das Pariser Judenviertel verhindert Paris. Rechtzeitiges Eingreifen der Polizei verhinderte einen Angriff der antisemitischen «Camelots, du Roi» auf das jüdische Viertel von Paris. Die Camelots waren zunächst in das «Foyer Isradlite», eine jüdische Studentemnensa im Quartier Latin, eingedrungen und marschierten von dort aius, nachdem sie die Fensterscheiben des Lokals zertrümmert hatten, gegen das jüdische Viertel. Der alarmierte Selbstschutz der jüdischen Jugend eilte auf Motorrädern und in Autos herbei, um sich den Angreifern entgegenzustellen. Es gelang jedoch der Polizei, den Zug vor dem jüdischen Vieretl aufzulösen. Jüdisches Jugendhilfswerk Das Jüdische Jugendhilfswerk (Jugendreferat des Zionistischen Landeskomitees) eröffnet naoh dem 15. Jänner 1934 unter der Leitung der Herren Prof. Dr. Wilhelm Stein und Prof. Dr. Leo Menczer folgende Einrichtungen für die jüdische Jugend: I. Einen Zyklus von etwa zwölf Vorträgen über ale Probleme der jüdischen Gegenwart. IL Kurse zur Heranbildung von jüdischen Jugendführem, wobei folgende Themen behandelt werden sollen: 1. Soziologie der Juden, 2. Jüdische Jugendbewegung in SelbstdarsteUungen, 3. Lebendige Bibelstunden, 4. Lebendige Geschichtsstunden, 5. Aggadoth, 6. Jüdisches Schulwesen einst und jetzt, 7. Lektüre allgemeiner und jüdisch-pädagogischer Texte, 8. Jugendkunde, 9. Psychologische Strömungen der Gegenwart, 10. Psychotechnik und Berufswahl, 11. Das jüdische Lied, 12. Werkunterricht, 13. Buch und Spiele, 14. Der Heimabend, 15. Jüdisches Fürsorgewesen. Sowohl für den Vortragszyklus als auch für den Jugendführerkurs hat sich bereits eine Reihe hervorragender Fachleute zur Verfügung gestellt. Die vollständige Liste der Vortragenden wie die Themen ges Vortragszyklusses werden nächstens mitgeteilt werden. Der Vortragszyklus ist für alle jüdischen Jugendlichen frei zugänglich. Am Führerkurs kann nur eine beschränkte Anzahl von Jugendlichen nach sofortiger Anmeldung im Zionistischen Landeskomitee, L, Kärntnerstraße 28, oder im Jugendheim, IL, Untere Angartenstraße 35 (nur in den Abendstunden) teilnehmen. Sprechsaal der Stimme Löbliche Redaktion! Die Firma W a 11 a c e hat Niederlagen in der Kämtnerstraße, Tegethoffstraße, Mariahilferstraße und in Baden und hat sicher viele jüdische Kunden. Trotzdem hatte sie, als die nationalsozialistische Partei noch nicht verboten war, in ihrer Filiale in der Tegethoffstraße regelmäßig nationalsozialistische Photobilder aus Deutschland ausgestellt und auch später noch, soweit sie nicht verboten waren. Den erbarmungslosen Vernichtungskampf, den diese Leute gegön alles Jüdische führen, sollte keine jüdische Kunde unterstützen, es gibt genug reelle jüdische und auch andere christliche Firmen, die schwerer zu kämpfen haben, als die reiche Firma Wallace. Ein Leser. Shemen Olivenöl ist gesund, nahrhaft, sehr billig. 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D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Oestorrelch, Wien, I., Kärntnerstraße 28. —- Verantwortlicher Redaktour: Dr. Sigmund Finkelsteln, Wion, I., Kliymtnorstraßo 28. — Druck: „Inva“, Wien, VIT.,