Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 316 (3.1.1934)
- Date
- 1934-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Stffeff DIE STIMME Nr. 316 — 3. Jgmicf 12M) W&uLuuUs £\a*.J#uu£ [jgl Der Prozeß gegen die Anstifter der Jaffaer Unruhen 18 Angeklagte — Aussetzung der Verhandlungen im Hinblick auf das Ramadan-Fest beantragt — Staatsanwalt Elliott seinen Verletzungen erlegen Jaffa. Am 18. Dezember wurde vor dem Jaffaer Gericht der Prozeß gegen 18 arabische Führer, die die Unruhen in Jaffa atn 27. Oktober angestiftet hatten, eröffnet. Die Angeklagten, denen zehn Rechtsanwälte zur Seite stehen, erklären sich als nicht schuldig. Zur Ueberraschung des Gerichtes beantragte die Verteidigung bald nach Prozeßbeginn, die Verhandlungen an jedem Nachmittag auszusetzen, um Angeklagten, Zeugen und Verteidigern die Möglichkeit zu geben, den Gottesdienst während des Ramadan-Fastens zu besuchen. Es besteht der Verdacht, daß damit versucht werden soll, Demonstrationen der Moschee-Besucher zu provozieren. Das Gericht hat sich die Entscheidung über diesen Antrag für den nächsten Tag Vorbehalten. Unter den Angeklagten befindet sich auch der Sekretär des Obersten moslemitischen Rates Jamal Al Husseini, der vom Jerusalemer Gericht wegen Beteiligung an den Unruhen in Jerusalem zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war. Das Appellationsgericht hat diese Strafe in den Entscheid auf Erlag einer Kaution von 100. Pfund als Garantie für Wohlverhalten während einer einjährigen Bewährungsfrist umgewandelt. Es heißt jedoch, daß Jamal AI Hussein« sich weigert, die Kaution zu erlegen und es vorzieht, ins Gefängnis zu gehen. Die arabische Exekutive hatte anläßlich des Prozeßbeginnes einen Streik proklamiert, aber im letzten Augenblick die Streikparole zurückgezogen, weil die arabischen Bootsleute und Kaufleute keine Neigung zeigtert^ruihr zu folgen Dem Prozeß wird überhaupt wenig'drtfatsase ent- ^egengebracht. Der Gerichtssaal war halb leer. Staatsanwalt Elliott, der vor kurzem in Jerusalem Levante-Messe 1934 Reise- und Transportrabatte für Relseteilnehnier Aus zahlreichen Staaten sind bereits entsprechende 'amtliche Bestätigungen ' "bei" def Messeleitung eingetroffen. Oesterreich gibt allen Messebesuchern, die sich durch den Messeausweis legitimieren, 25 Prozent auf den Eisenbahnlinien und Sonderrabatte für die Messegüter. Die neue polnische Schiffahrtslinie Konstanza—Palästina,, auf der der 15:000-Tonnendampfer «Polonia» fährt, hat allen Reisenden, die die Legitimation der Messe vorweisen, einen Fahrpreisrabatt für tour und retour in der Höhe von 30 Prozent gewährt. Der Lloyd Triestino dagegen gewährt nur den Messeausstellern auf den Fahrpreis einen 25prozentigen Rabatt. Musikfeste auf der Messe ln festlicher Form wird auf der Levante-Messe ein Ueberblick der jüdischen und orientalischen Musik- und Tanzkunst geboten werden. In einer Reihe von Konzerten eines großen Sinfonieorchesters und eines gemischten Chores von 1000 Mitwirkenden werden die wichtigsten Abschnitte der jüdischen Musikgeschichte vorgetragen werden. Es werden Darbietungen aus der biblischen Zeit, aus dem Mittelalter, Ghetto, neuere Zeit, die Galuth des 19. und 20. Jahrhunderts und als Abschluß und Krönung die musikalische Entwicklung im mordernen Palästina zu hören .sein. Namhafte Komponisten haben ihre Mitarbeit zur Durchführung der Musikfeste zugesagt. .Am die musikaüsohen Feste schließen sich die Tanzvorführungen an. Es werden jüdisch-religiöse Tänze, Tänze der Chasridim und Jemeniten und auch neue palästinensische /Tänze zu.sehen sein. I. C. I.-Pavlllon Die Imperial Chemical Industries Co. Ltd., die die Schätze des Toten Meeres exploitiert, errichtet einen eigenen ständigen Pavillon. Dieser Pavillon wird sich an den großen englische^ Pavillon anschließen. Erste Versuchssendungen des Tel-Aviver Rundfunks Tel-Avlv. In T e I - A v i v wurde eine R a d i o s t a t i o n errichtet, die bereits eine Reihe gelungener Probe- «en'dungen vorgenommen hat. ln Tel-Aviv und in den Kolonien von Judäa und der Scharon-Ebene war der Empfang, abgesehen von geringfügigen Störungen durch Radiotelegramme vorbeifahrender Schiffe, durchaus klar. Die Sendestärke der Station soll auf das Achtfache ihrer gegenwärtigen Kapazität erhöht werden. Es wird erwartet, daß sie ihre normale Funktion anläßlich der Levante-Messe 1934 aufnehmen wird. Auto-Chaussee zwischen Haifa und Bagdad — zwölf Stunden Reisedauer Haifa. Unterrichtete Kreise in B a g d a d lind in Haifa nehmen an, daß die en •!;.;< iie Regkrm g ihren Plan, neun Millionen Pfund in einer Eisenbahnlinie Bag- Iauf dem Wege zum Gericht durch ein von einein arabischen Chauffeur gelenktes Auto niedergestoßen worden war, ist in der Nacht vor dem Beginn des Jaffaer Prozesses seinen Verletzungen erlegen. Das Gericht ehrte sein Andenken bei Eröffnung des Prozesses. Die Anklage wird an seiner Stelle von Hauptmann Kingsley- Heath vertreten. Die Todesstrafe im palästinensischen Strafgesetzentwurf Anfrage Sir Herbert Samuels im Unterhaus London. Im Unterhaus richtete der liberale Führer, frühere Innenminister und erste High Commissioner von Palästina SirHerbert Samuel an den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, ob ihm bekannt sei, daß der jetzt dem Colonial Office vorliegende Entwurf eines Strafgesetzes für Palästina die Möglichkeit vorsieht, die Todesstrafe in Fällen zu verhängen, die nach dem derzeit geltenden Strafgesetz nicht in die. Kategorie des Mordes fallen, und daß in dem Entwurf zum erstenmal auch die Prügelstrafe für bestimmte Vergehen vorgesehen wird. Sir Herbert Samuel fragte, welche Maßnahmen der Minister in diesem Zusammenhang zu treffen gedenke. Sir P h i 1 i p C u n 1 i f f e - L i s t e r erwiderte: Der palästinensische Strafgesetzentwurf basiert auf englischem Recht. Vor kurzem habe ich kritische Einwendungen gegen die erwähnten Bestimmungen erhalten und habe eine entsprechende Anfrage an den High Commissioner gerichtet. Die einlangende Antwort werde ich Sir Herbert mitteilen. dad—Ha 1,fa zu investieren, aufgeschoben hat, da die Rentabilität nicht feststeht. Die Linie würd.e über eine weite Wüstenstrecke führen und sich nur .bei . einem starken Warenverkehr erhalten können. Nunmehr pl^.nt die englische Regierung die Anlegung einer Auto-Chaussee Haifa— Bagdad, die nur eine halbe Million Pfund kosten würde, wobei noch die Kosten auf die Regierungen von Irak, Trans jordanien und Palästina proportioneil verteilt werden könnten. Die Chaussee würde mit Abfallprodukten des Irak-Petroleums stets in sehr gutem Zustand erhalten werden können. Eine Firma ist bereit, mehrere Personen- und 50 Lastauto mobile über die Strecke verkehren zu lassen; die Fahrtdauer würde 12 Stunden betragen. Die Chaussee würde außerordentliche Bedeutung für den ganzen Nahen und einen Teil des Mittleren Ostens haben. Deutscher Transfer nach Palästina: 2*210.000 Mark In drei Monaten Berlin. Die deutschen Zeitungen teilen mit, daß auf Grund des Ende August zwischen der deutschen Regierung und einer palästinensischen Einkaufsgesellschaft getroffenen Transferabkommens im Betrage von drei Millionen Mark im Verlauf der drei folgenden Monate (September, Oktober, November) 2,210.000 Mark jüdischen Vermögens in Form von deutschen Fertigwaren nach Palästina transferiert wurden. Die deutsche Presse appelliert an die Zionisten in Palästina, den Warenbezug aus Deutschland kräftig fortzusetzen, worin sich das deutsche Interesse mit dem Interesse der aus Deutschland nach Palästina auswandernden Juden begegnet. Gegenwärtig erreicht der deutsche Export nach Palästina im ganzen 10 Prozent der Gesamteinfuhr Palästinas. Die Presse macht Stimmung dafür, daß der Export deutscher Waren nach Pal ästina erhöht wird, verschweigt aber nicht, daß die Juden, die auf dem Wege des Warentransfers ihr Kapital aus Deutschland nach Palästina bringen, 5 Prozent der transferierten Summe verlieren. (Das Drei-Millionen-Mark-Transfcr-Abkommen Deutschland—Palästina wurde bekanntlich auf dem Prager Zionistenkongreß viel erörtert und scharf kritisiert.) Wie soll der Legislative Council zusammengesetzt sein Jerusalem. Im Organ des Großmufti «Al Jamea e 1 A r a b i a» veröffentlicht der Herausgeber der Londoner Zeitschrift «The Arabic World» Dr. Mahmoud Az mi einen Artikel über die letzten Unruhen in Palästina und verzeichnet hiebei das Gerücht, daß der Legislative Council für Palästina, dessen Einsetzung vor kurzem angekündigt wurde, zu 40 Prozent aus Juden und zu 60 Prozent aus Arabern bestehen soll. High Commissioner erkennt Jüdischkolonisatorische Leistung an Jerusalem. High Comm'Rsloner Sir Arthur Wauchope besuchte dieser Tage die Jüdische -Kolonie Magd i e 1, wo er vom Kolonienvorsitzenden S. Zochovitzkl begrüßt wurde. In »einer Antwort brachte der High Contmlsslo* ner, nachdem er erklärt hatte, er wolle auf politische Fragen nicht elngehen, seine Bewunderung für die ln der Scharon-Ebene erzielten Fortschritte jüdischer Kolonisationsarbeit zum Ausdruck. Er versprach auch, dafür Sorge zu tragen, daß, dem Wunsche der Kolonisten entsprechend, eine Chaussee durch die Kolonie geführt werde. Palästina- Judenheit und EinwanderungsSrage Jerusalem. Die vor kurzem in Tel-Aviv gegründete Liga zum Schutze des jüdischen Rechtes auf Einwanderung nach Palästina, der hauptsächlich Vertreter der rechtsstehenden Gruppen angehören, hat den Beschluß gefaßt, eine Delegation nach dem. Ausland zu senden, um dort über die großen Gefahren der die Einwanderung beschränkenden Verfügungen aufzuklären. Die Liga hält in ganz Palästina Protestversammlungen ab. Viereinhalbtausend Juden im Oktober nach Palästina eingewandert Jerusalem. Wie amtlich mitgeteilt wird, sind im Oktober dieses Jahres 4572 Einwanderer, unter ihnen 4449 Juden, nach Palästina gekommen, davon 410 der Kapitalistenklasse zugehörig, die ein Eigenkapital von mindestens je tausend Pfund besitzen. Diese Einwanderer, die mit 427 Angehörigen kamen, brachten ein Kapital von etwa einer halben Million Pfund mit. 32 Juden, die auf Grund von Touristen-Visen nach Palästina gekommen waren, wurde die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung erteilt. 136 Personen wurde die Einreise nach Palästina verweigert. Neue jüdische Unternehmungen in Palästina Jerusalem. Von den in letzter Zeit in Palästina neugegründeten Unternehmungen sind die Mediterranean Shipping and Trading Co., Ltd. (Mittelmeer-Scbiffs- und Handelsgesellschaft) und die von amerikanischen Juden gegründete Electric Refrigeration and Appliance Co. Ltd. (Gesellschaft für elektrische Kühlanlagen und Installationen) hervorzuheben. Von den im letzten Amtsblatt veröffentlichten 17 neuen offenen Handels* gesellschaften sind 16 von Juden gegründet. Sie umfassen u. a. eine allgemeine . Restaurationslizenz für die Levante- Messe, eine rumänisch-palästinensische Handelsagentur und eine Koksfabrik. Neue Arbeitervorstadt bet Jerusalem Jerusalem. Die Jerusalemer Gesellschaft zur Errichtung von Arbeitervierteln hat mit derPalestineLandDeve- Iop m e n t Co. einen Vertrag geschlossen, demzufolge der Gesellschaft ein Terrain zur Errichtung von zunächst 150 Häusern für ein Arbeiterwohnviertel zwischen der Mittelstandssiedlung T a 1 p i o t h im Südosten Jerusalems und der an der Straße nach Bethlehem gelegenen Siedlung Ramat Rachel überlassen wird. Jede Siedlerfamilie erhält ein Drittel Dunam zum Preise von 42 bis 50 Pfund gegen eine Anzahlung von 15 Pfund und Abzahlung des Restes in Monatsraten innerhalb von vier Jahren. Das in fünf bis sechs Zonen auszubauende Gebiet ist an das Jerusalemer Wasserleitun gs- und Stromnetz angeschlossen. Die mit verschiedenen Finanzinstitutionen geführten Verhandlungen, betreffend . Erteilung von Baudarlehen an die Siedler nehmen einen günstigen Verlauf. Ausbau des Kinderdorfes Ben Schemen Jerusalem. Das Problem der Fürsorge für die zahlreichen, aus Deutschland nach Palästina gekommenen Kinder und ihrer Erziehung beschäftigt in hohem Maße die jüdische Oeffentlichkeit Palästinas. Der Zustrom jüdischer Kinder aus Deutschland macht einen bedeutenden Ausbau des Kinderdorfes in Ben Schemen erforderlich. Es sollen bestehende. Gebäude erweitert, neue aufgeführt, Kindergärten und neue Bureaus eingerichtet werden. Diese Arbeiten erfordern einen Kostenaufwand von 3000 Pfund. 1500 Pfund wurden bereits dem Arbeitsamt überwiesen, so daß mit dem baldigen Beginn der Erweiterungsarbeiten zu rechnen ist Agudi8tl8che Siedlung in Klar Saba Jerusalem. Im Zentrum der jüdischen Kolonie Kfar Saba erwarb der Keren Hajischuw (agudistischer Aufbaufonds) einen größeren Bodenkomplex, auf welchem über zwanzig junge Agudisten, die auf Hachscharastätten in Deutschland und Polen ausgebildet wurden, bereits zu arbeiten begonnen haben. Lizenzerteilung für Aerzte in Palästina soll beschränkt werden Jerusalem. Der stellvertretende Direktor für Gesundheitswesen, Ha r k n e s s, teilte der J. T. A. mit, die Regierung erwäge eine Einschränkung in der LizenzerteilungfürAerzte.’ Von den 1043 Aerztep in Palästina sind 8 82 Juden. Die Im Jahre 1933 erteilten Lizenzen für ärztliche Praxis betrafen in der Hauptsache, deutsch-jüdische Einwanderer. Am 30. November v. J. gab es in Palästina 1566 Aerzte, Zahnärzte und Pharmazeuten; das bedeutete eine Zunahme von 500 seit Ende 1932. Diese 500 sind alle Juden.