Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 315 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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/■ Seite I jfr. 313 - 29. Dezember 1933 DIE STIMME rinsperrte. Dies wurde der Regierung sehr hoch an gerechnet und als loyaler Akt gegenüber den Juden ausgelegt. Das war ein Argument, mit dem man in verschiedenen Kreisen nicht ohne Erfolg argumentierte. In Wirklichkeit verhielt sich die Sache ganz anders. Die national-zaranistische Regierung Vaida wurde ja deswegen gestürzt, weil sie die rechtsradikalen Elemente der «Eisernen Garde» so groß hatte werden lassen. Es war ein Wink Frankreichs und eine Tat des rumänischen Außenministers Titulescu, daß die liberale Regierung unter Duca die «Eiserne Garde» auflöste, von der deutschfreundlichen Politik abrückte und sich wieder treu an die Seite Frankreichs stellte. Denn wäre es den liberalen wirklich darum gegangen, den Antisemitismus auszurotten, dann hätten sie ja auch die Partei Cuzas auflösen müssen, der unbehindert seine WaMpropaganda entfaltete und mit neun Abgeordneten Ins Parlament einzieht. Die Niederlage, die die Jüdische Reichspartei bei diesen Wahlen erlitten hat, wird die Führer dieser Partei nicht Ins Wanken bringen. Mit erneuter Kraft und mit unverbrauchter Energie wird der Kampf um die politische Eroberung der jüdischen Massen weitergeführt werden. Es muß alles von Grund auf umgebaut werden. Eine starke jüdische Tagespresse zu schaffen, wird die Aufgabe der nächsten Zeit sein. Die Grundbedingung für diese Umgruppierung der jüdischen Massen Ist und bleibt die innere Konsolidierung in der zionistischen Bewegung. Denn die Führer der Jüdischen Reichspartei Rumäniens sind doch die führenden Persönlichkeiten des Zionismus Im Lande. Und Insolamge wir nicht eine einheitliche xionistische Front, einen inneren zionistischen Frieden haben werden, insotange können wir nicht die sittliche Kraft besitzen, die Massen zu erziehen, zu führen und zu beherrschen. Der Weg zum Aufstieg der Jüdischen Reichspartei in Rumänien wird über die einheitliche zionistische Front führen müssen. Dr. Manfred Reifer. HonMIsclie Wochenschau Das Aktionskomitee lür FrQblahr nach Palästina einberufen London. Wie das Zionistische Zentraibureau meldet, bat die Exekutive den Beschluß gefaßt, eine Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees Im Laufe des Monates März 1934 elnzuberufen, wobei als der Ort der Sitzung In erster Reihe Palästina in Betracht kommt Die endgültige Entscheidung soli nach Abschluß schwebender Verhandlungen und nach Beratung mit den Mitgliedern des Aktionskomiteepräsidiums getroffen werden. Um doch vor der Sitzung Gelegenheit zu einem persönlichen Kontakt zwischen der Exekutive und den Führern der Bewegung in den einzelnen Ländern zu geben, werden von Mitgliedern und Vertretern der Exekutive Reisen in mehrere europäische Länder unternommen werden und bei diesem Anlaß sollen interne Besprechungen mit den dortigen Mitgliedern des Aktionskomitees veranstaltet werden. London. Ein Ereignis im zionistischen Leben Londons war die vom Anglo Palestine Club und der von deutsch - jüdischen Emigranten gebildeten «Gruppe junger Zionisten» veranstaltete Kundgebung, die von der Nichte und Biographin Lord Balfours, Mrs. Dugdale, geleitet wurde und in der der frühere Präsident der Jewish Agency, jetzt Präsident der English Zionist Federation, Dr. Chaim W e i z m a n n, und der Führer der deutschen Zionisten Kurt B1 u m e n f e 1 d die Hauptredner waren. Mrs. Dugdale, von der Dr. Weizmann erklärte, sie sei in den Genfer Kreisen als «NotreDame desjuifs» bekannt, sagte in ihrer Eröffnungsansprache, es sei Pflicht aller rechtlich denkenden Menschen, die Bestrebungen zum Aufbau des jüdischen Nationalheims zu ermutigen. Dr. Chaim Weizmann gab einen Ueberblick über Siedlungsmöglichkeiten in Palästina und außerhalb Palästinas. Gegen den Palästina-Aufbau mache sich eine ungeheure Opposition geltend, deren Argumente sich aber als trügerisch erweisen. Man habe eine Anzahl anderer Warschau, 27. Dezember. (Eigenbericht.) Im großen Saal des Warschauer jüdischen Studentenheims tagt gegenwärtig die 5. Konferenz von «Hechaiuz-haklal-zioni» Kongreßpolens bei Anwesenheit von 423 Delegierten aus 361 Städten, die über 70 Kibuzim und rund 20.000 Mitglieder repräsentieren. Mit großem Beifall wurde ein Begrüßungstelegramm des Mitgliedes der Palästina-Exekutive der Zionistischen Organisation Jizchak Grünbaum aufgenommen. Mit dem Gesang «H a t i k w a h» wurde das Erscheinen des Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Nahum S o k o I o w begrüßt, der in einer kurzen, hebräisch gehaltenen Rede den Begriff der Chaluziuth umriß. Auf der Konferenz wurde eine Reihe theoretischer Referate gehalten, während die Beratungen über unmittelbare praktische Arbeit in einer gleichzeitig tagenden Konferenz der Kibuzim abgehalten werden. Im Saale des Handwerkerverbandes zu Warschau tagt gegenwärtig die Landeskonferenz der zionistischen Arbeitspartei «Hitachduth» bei Anwesenheit von einigen hundert Delegierten. Der Dichter Leib Jaffe, Direkor des allgemeinen Keren Hajcssod, berichete über die Arbeit der Chaluzim in Palästina, der Dichter Nathan Bistrickl sprach im besonderen über die Arbeit der Hitachduth- Chaluzim in Palästina. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Nahum S o k o 1 o w, mit starkem Beifall begrüßt, sprach humorvoll über die Vielheit der polnischen zionistischen Parteien und Gruppierungen und appellierte an die Anwesenden, die Trennungslinien nicht zu scharf zu ziehen, sondern den Nachdruck, auf das gemeinsame, auf die Zusammenarbeit für Zion, zu legen. Bei Anwesenheit von 120 Delegierten. aus ganz Polen findet im Saal der jüdischen LandwirtschaiU#cseüschaft die Präsident S 0 k o I o w, der ln wichtigen Angelegenheiten der Organisation in Warschau weilt, begibt sich auf kurze Zeit nach Rumänien. Prof. Prodetsky wird demnächst Belgien, West- und Ostgallzien besuchen und bei dieser Gelegenhelt einer Tagung von Aktlonskomiteemitgliedern ans ost- und mitteleuropäischen Ländern beiwohnen. Eine ähnliche Tagung für Mitglieder aus Westeuropa soll Mitte Jänner in London atattfinden. Dr. Jacobson reist nach Italien und hat die Absicht, soferne seine Zeit es ihm erlaubt, später Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland zu besuchen. Herr Locker soll in der zweiten Hälfte Jänner eine Reise nach Oesterreich, der Tschechoslowakei und den rumänischen Ländern Unternehmen. Der Chefredakteur des «Haolam», Herr M. Kleinmann, ist im Aufträge der Exekutive nach den baltischen Ländern gereist Kolonisationspläne, vorgeschlagen, Biro-Bldschan, Argentinien usw. Es gebe Leute, die voll Stolz seien, wenn es ihnen gelingt, 80 Emigranten ln Argentinien unterzubringen, die aber darüber hinwegsehen, daß Palästina Tausende absorbiert hat. Sie interessiert nur, zu sehen, daß Palästina nicht Millionen absorbieren kann. Diese Leute hätten kein Verständnis dafür, daß Kolonisation ein organischer Prozeß ist Sie glauben, irgendeine gutherzige Regierung werde die Juden .an der Hand nehmen und Ihnen sagen, sie mögen sich da oder dort ein Heim errichten. Solche Länder gebe es nicht In Lausanne habe eine Konferenz stattgefunden, auf der 17 Regierungen vertreten waren und diese hätten erklärt: «Ihr habt unsere volle Sympathie; aber die Welt ist besetzt, es ist kein Raum übrig, man muß erst Raum finden.» Lord C e c i 1 sei der einzige gewesen, der in gewisser Hinsicht ermutigend gesprochen habe. So sieht die Wirklichkeit aus. Unwirklichkeit aber sind die Vorstellungen gewisser Leute von irgendeinem exotischen Land, ln dem Millionen von Juden angesiedelt werden können. Landeskonferenz der hebräischen Kultur- und Schulorganisation «T a r b u t h» statt. Der palästinensische Dichter Nathan Bistrickl referierte über jüdische Erziehung in der Galuth. Oberrabbiner Prof. S c h o r r trat dafür rin, daß in den hebräischen Schulen die jüdische Tradition gepflegt werde. * ln einer feierlichen, überfüllten Kundgebung im Festsaal des Warschauer Stadthauses proklamierte Nahum Sokolow den «M if al- U ssischkin», eine Aktion zur Schaffung einer Kolonisation in Palästina auf den Namen M. M. U s s i s c h k i n s, der während des Kongresses in Prag seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Nach Sokolow prachen Dr. Nahum ü o 1 d m a n n und Nathan Bistrickl, die die Persönlichkeit Ussischkins charakterisierten. Nahum Sokolow hielt eine Beratung mit den Führern des polnischen M i s r a c h 1, den Rabbinern R u b 1 n s t e 1 n und B r o d t, über die Wiederaufnahme der Mlsrachi-Arbeit für die zionistischen Fonds ab. Endgültige Entschließungen hierüber wird das Zentralkomitee des polnischen Misrachi demnächst fassen. „Das werdendePalästlna — Die Hoffnung des Judentums“ Erste große Keren-Hajessod-Kundgebung in Hitler- Deutschland Zum erstenmal seit dem Durchbruch des Nationalsozialismus in Deutschland hatte der Keren Hajessod seine Berliner Freunde zu einer Kundgebung großen Stils aufgerufen. Im Rahmen eines im Brüdervereinshaus abgehaltenen Palästina- Abends sprachen der Vorsitzende des Deutschen Keren Hajessod Direktor Oscar Wassermann und der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrte Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Kurt ß 1 u m e n f e I d über Palästina im Lichte der allgemeinen jüdischen Entwicklung und legten besonderen Nachdruck auf die Bedeutung des werdenden jüdischen Zentrums für die Ueberwlndung der inneren und äußeren Krise des Judentums von heute. Doktor Friedrich B r o d n i t z, Mitglied des Council der Jewish Agency und des Vorstandes des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, schilderte Eindrücke von seiner letzten Reise durch Palästina und richtete an die Versammlung den warmen Appell, im Interesse des jüdischen .Lebens hier und des jüdischen Aufbaus dort das Werk des Keren Hajessod zu fördern. Der durch seine Untersuchungen über jüdische Wanderbewegung und Berufsstruktur bekannte Soziologe Dr. Michael T r a u b stellte in einer Bevölkerungsbewegung, Wirtschaftsentwicklung und Kulturleben erfassenden Parallele jüdisches Leben in Deutschland vor 1933 jüdischem Leben in Palästina nach 1933 gegenüber. Der Andrang zu der Veranstaltung war außerordentlich stark. Der große Saal des Brüdervereinshauses und seine Nebenräume waren voll besetzt, viele Hunderte konnten keinen Platz mehr finden und mußten umkehren. Palästina-Nummer des „Manchester Guardian“ «Manchester Guardian Commerclal», die Wirtschaftsbeilage der führenden liberalen Zeitung «M a nchester Guardian», erschien soeben als Palästina- Ausgabe und enthält Beiträge von angesehenen Wirtschaftsmännern Englands und Paiästinas, so u. a. von Lord Melchett, S. Hoofien, Colonel Heron, Professor Kligler, Dr. Berkson, I. Ben-ZvJ, Harry Viteles, S. Tolkowsky, Agronsky und Hodess. Lord Melchett schreibt: Palästina stellt heute in jeder Hinsicht einen wichtigen und stetig entwickelnden Markt für britische Waren dar und ist als das Tor zwischen den östlichen und den westlichen Teilen des British Empire ein weites Feld für britische Initiative und britischen kommerziellen Einfluß. In der verhältnismäßig kurzen Periode seit Uebernahme des Palästina-Mandates durch England wurde aus einem Gebiet, das zuletzt wenig mehr als eine Wüste war, ein aufwärts sich entwickelndes Land geschaffen. Große Kraftanlagen wurden errichtet, die Wasserbelieferung wurde organisiert, Häfen, Wege und Eisenbahnen wurden gebaut. Das Budget Palästinas ist vielleicht das einzige in der Welt, das einen stetigen Ueberschuß aufweist. Juden investierten Im Jahre 1932 im Lande rund 3,500.00t) Pfund, die Depositen in den Palästina-Banken belaufen sich auf 6,000.000 Pfund, von denen rund 5,000.000 Pfund Juden gehören. Die Entwicklung hier ist in erster Linie eine Entwicklung der Landwirtschaft, der Export betrifft hauptsächlich Bodenprodukte. Daraus folgt, daß der Palästina-Markt wachsende Möglichkeiten für die Aufnahme von Industrieartikeln fremder Länder, die in den öffentlichen Diensten, ln Landwirtschaft und Industrie Palästinas benötigt werden, bietet. Die englischen Fabrikanten nutzen Palästinas Kaufkraft bei weitem nicht entsprechend aus. Eine führende jüdische Wirtschaftsautorität äußerte zu Beginn dieses Jahres: Auf zwei führenden Gebieten — Maschinen und Textilien — ist die englische Position beklagenswert schwach, obwohl gerade hier Großbritannien an dem Palästina-Markt den Löwenanteil beanspruchen müßte. Lord Melchett schließt: Gewiß wird es sich lohnen, wenn britische Konzerne nach dieser Richtung hin sorgfältige Studien in Palästina durchführen würden. Wird Kelth Roach Bürgermeister von Jerusalem? Jerusalem. In arabischen Kreisen verlautet, daß der gegenwärtige Distriktskommissar für den Nordd'strikt, Edward Keith Ko ach, der seinen Sitz in Haifa hat, der aussichtsreichste Kandidat für den Posten dee Jerusalemer Bürgermeisters ist, falls dieser Posten mit einem Engländer besetzt werden und er aus dem Staatsdienst ausscheiden sollte. Distriktskommissar Keith Roach ist schon 1917 mit der englischen Besetzungsarmee nach Palästina gekommen; früher war er Regierungsbeamter im Sudan. Gegen die Richtigkeit der arabischen Annahmen spricht der Umstand, daß Keith Roach erst 48 Jahre alt und somit von der Altersgrenze für Beamte noch weit entfernt ist. Dr. Weizmann und Kurt Blnmenfild vor dem Anglo Palestine Club zioguscte MM«« in PCeo: Heüuüiz, hmmi, larbuih