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Die Stimme · 1933-12-29 · Heft 315 (29.12.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 315 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Wf. 315 - DetemBer tm DTE STIMME Seite 9 Nächste Pdlästina-Reise 21 Februar mit dem Q8.00pionnen-Luxu8danipl8r Conte di Saveia zh außerordentlich billigen Preisen Auskontie: „reise- und verkehrsgesellsihaft (raitnina-thieiiung) luien. i„ Ea eaiuriasiraie 20, Ecke Fieiscamarti i - Tel. R 24 S-2S Hugo Bergmann (Zu seinem fünfzigsten Geburtstag) Hugo Bergmann, der Direktor det Hebräischen Nationalbibliothek in J e r u s a 1 e m, als wissenschaftliche Kapazität, als Autor hervorragender philosophischer Arbeiten gewürdigt und anerkannt, ist als Politiker in der zionistischen Welt eine recht umstrittene Erscheinung. Wir bringen die folgenden Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters über die geistige und ethische Persönlichkeit Hugo Bergmanns, ohne hier zu seinen politischen Ideen und Anschauungen Stellung zu nehmen (D. Red.) Ein an Arbeit und Leistung reiches Leben hat seinen Höhepunkt erreicht: Hugo Bergmann, der Direktor der Jerusalemer Universitätsbibliothek, Jozenf für Philosophie an der hebräischen Universität, ist fünfzig‘Jahre alt geworden. Nicht nur als Organisator und Gelehrter ist er heute zu feiern, sondern vor allem als Lehrer im weitesten Sinne dieses Wortes, das heißt als einer, dessen Leben der Erforschung der Wahrheit dient und der zugleich im Handeln jene Wahrhaftigkeit und Unbedingtheit bekundet, die ihn zum Vorbild für seine Schüler macht. Bergmann, der in frühen Jahren als Westjude den Weg zur jüdischen Kultur gefunden hat, der zu den ersten gehörte, die im Westen Hebräisch lernten und hebräisch schrieben, ist seinen Weg'konsequent weiter gegangen: sein Leben ist seit Jahren mit dem Leben Erez Israels verbunden. Trotz seiner hervorragenden Fähigkeiten als Gelehrter und Schriftsteller ist er nicht ein Mann des Buches geblieben; er steht mitten im Leben drin, zu dessen Problemen er immer wieder von innen heraus mahnend und warnend Stellung nimmt. Auch wer mit seinen politfsbH^n Ansichten nicht übereinstimmt — die Zahl seiner Gegner ist ungemein groß —, muß den tiefen sittlichen Ernst und den ungewöhnlichen Mut zur Wahrheit anerkennen, der aus jedem seiner Worte spricht. Die Vornehmheit seiner geistigen Haltung hat es bewirkt, daß er nur Gegnerr aber keine Feinde hat. Er hat/; afs einer der wenigen Jie Bedeutung der Arabtlrfrig6 für den Aufbau Palästinas erkannt; wenn ihm auch nicht viele auf dem Wege, den er geht, folgih,;.so; Ist sein Verdienst, diese brennende Frage immer wieder berührt zu haben, nicht zu bestreiten. Er ist für den JrschUw" und darüber hinaus für weite Kreise seines Volkes in hohem Maße das geworden, was. einst A ch a d H ä am gewesen ist: das immer leberidig'e Gewissen der Gemeinschaft. Hugo Bergmann gehört zu jenen im jüdischen Volk? so .ungemein seltenen Menscnen, die bei aller Entschiedenheit und, Unbirrbarkeit ihres Strebens sich innere Kühe und harmonische Ausgegücnenheit bewahrt .hqben. Die Wirkung seiner geschlossenen und doch, allem Guten und Schönen offenen Persönlichkeit sitionelle Kultusvorsteher Herr Roß mann dem Präsidium für die Förderung des Bethauses in der Steingasse und den dort installierten Jugendgottesdienst und hob dabei die unermüdliche Tätigkeit unseres Gesinnungsgenossen ür. Händler rühmend hervor. Wie wir erfahren, ist es Herrn Vizepräsidenten Dr. L ö w e n h e r z gelungen, die Witwe nach Herrn David L e s s i n g sei. A. zu bewegen, der Kultusgemeindc ein wertvolles Haus im 9. Bezirk zu schenken, dessen Erträgnisse zur Betreung von Siechen und anderen Versorgungsbedürftigen verwendet werden sollen. Mit dieser Widmung hat die Witwe ihrem Gatten David Lessmg und dem ihm in jungen Jahren im Tode vorangegangenen Sohne Dr. Heinrich Lessing ein würdiges Denkmal gesetzt. Di? zionistische Mehrheit kann auf das erste Jahr ihrer Tätigkeit mit Stolz zurückblicken. Es ist ihr nicht nur gelungen, das Budget im Gleichgewicht zu erhalten, sondern darüber hinaus auf den verschiedensten Gebieten wertvolle Leistungen im Dienste der Allgemeinheit zu vollbringen. Auf diesem Wege werden die zionistischen Mandatare unbeirrt fortschreiten. /vue Radioapparate modernste I ypen, stets lagernd bei 1. H AHN, Wien, IX. Wasagasse 12, Fei. A lä-5-20 Serie Günstige leilzahlungskonditiouen. Kostenlase Vorführung :n Ihrem Heim. Günstige Ue|egenheitskäuie. 5 Prozent des Kauf wertes gehe ich zugunsten jüdischer Institutionen nach Wahl dz*» Käufers ab. Prov;nz und Auslnmlversand. teilt sich jedem mit, der das Glück hat, mit ihm in Berührung zu kommen. Der geistige und sittliche Adel seiner Natur wirkt in der Stille; vielleicht ist unter den vielen, die nur Politiker sein wollen, ein Mensch solchen Schlages von besonderem Wert. Seine Freunde nESIAIWANf IONEIM Bl« ßkwm der!*B«M*le»ml»a’«ic9cdB HormaiRostmenii s rso und 2— Alte Arten Diätkost rach ärztl. Vorschrift Billige vegetarische Küche und Schüler wünschen ihm an diesem Tage, daß seine stille Arbeit für den Aufbau eines neuen Zion auch weiterhin erfolgreich und fruchtbar sein möge. 31« wünschen es auch um dieses neuen Zion willen. Viktor Kellner. n£3?%86 Die Parltmenfswahlen In Rumänien Die Niederlage der Jüdischen Reichspartei Von unserem Korrespondenten Die liberale Regierung hat es mit Unterstützung ihrer jüdischen Helfershelfer zuwege gebracht, daß die rumänische Judenschaft in einer Stärke von einer Million in dieser Legislaturperiode ohne nationalbewußte Vertreter bleiben wird. Eigentlich sollte diese Tatsache keine Ueberraschung bedeuten, wenn man sich an die Wahltaktik der Liberalen aus früheren Jahren erinnert. Wenn sie einmal mit der Regierungsbildung betraut wurden, so war es selbstverständlich, daß sie bei den Wahlen die Mehrheit erlangten — eilte Methode, die alle bisherigen regierenden Parteien beobachtet und praktiziert haben. Denn das rumänische Wahlgesetz ist derart zugeschnitten, daß es derjenigen Partei, welche 40 Prozent aller abgegebenen Stimmen erlangt, weitere 25 Prozent aller Stimmen als Prämie zuschlägt, so daß jede Regierung dank der Tätigkeit ihrer Präfekten von vornherein des Erfolges sicher ist. Nicht uninteressant ist ein diesbezügliches Kuriosum. Die Regierung Jorga-Argetoianu aus dem Jahre 1931/32 hatte bei den Wahlen eine gewaltige Majorität erlangt. Kaum war sie gefallen, ging Jorga allein in den Wahlkampf und erlangte sage und schreibe fünf iZIRKUf RENZ »- IWKUiGA SB 44 -r TU. B 45-4-77 TNG LICH: CILLY die T gerbraut Drei Carolis die Reiter der 4 eit 3 Arconas mit Betty Jticona eile Todesverächter Vier uronetts Lachen ohne Fade loe Hellmuth Troupe Elefantentruppe Raubtierdressuren Löwen und Königstiger Freiheitsdressuren Wochentags: 4 u.8Uhr, Sonn-u. Feiertags: 2 | KLEINE PREISE | Mandate. Daran ist man in Rumänien schon gewöhnt. Aber man hat in den letzten fünf Jahren, als die Nationalzaranisten dauernd, mit einer einzigen Unterbrechung, am Ruder waren, ganz darauf vergessen, daß die nationalliberale Partei ihre eigene Wahltaktik hat, so daß die Oppositionsparteien in einer sehr schwierigen Situation sind. Was die Juden Rumäniens anbetrifft, so haben die Führer diesmal zu ihrem Nachteil versucht, der Volksstimmung Rechnung zu tragen, welche für ein Wahlkartell mit der liberalen Partei war. Es galt, ln dieser Beziehung viele Schwierigkeiten zu überwinden. Die Regierung gab zu verstehen, daß sie auf die Stimmen aller Juden reflektiere, was bedeuten sollte, daß die beiden in Rumänien existierenden jüdisch-politischen Parteien (Jüdische Reichspartei und Union der rumänischen Juden) sich einigen müssen, um einen Faktor in der Wahlpolitik zu bilden. Nach langen Schwierigkeiten gelang endlich diese innerjüdische Konsolidierung, so daß man mit der Regierungspartei als eine geschlossene jüdische Einheit verhandeln konnte. Da trat plötzlich etwas Ungewöhnliches ein: Die Regierung Duca erklärte, daß sie unter keinen Umständen mit den Juden ein Wahlkartell abschließen könne, auch wenn dieselben die kleinsten Forderungen in bezug auf Programm und Anzahl der Mandate stellen, weil ein solches Bündnis die Schlagkraft der Regierungspartei gegenüber den rechtsgerichteten Elementen schwächen würde. Diese Politik der nationalliberalen Partei hat eine tiefe Konsternation bei der Union der rumänischen Juden hervorgerufen, welche gleich darauf den Beschluß faßte, die Wahlen freizugeben und stillschweigend der Jüdischen Reichspartei wohlwollende Neutralität zusicherte. Diesen Weg konnten die Führer der Jüdischen Reichspartei nicht gehen, weil dies die Negierung von einer Million rumänischer Juden bedeutet hätte, weil es ferner unmöglich ist, daß eine ethnische Minderheit, wie die luden auf eine parlamentarische Vertretung a priori verzichten solle. Und deswegen ging die Jüdische Reichspartei zum drittenmal mit eigenen Listen in den Wahlkampf. Man war in gewissem Sinne optimistisch gestimmt, weil man mit festen jüdischen Kaders, welche sich bereits zweimal in Wahlscblachten bewährt hatten, gerechnet hatte. Allein es kam nach Verkündigung der Waffilreaultate ganz andern. Schon während des Wahlkampfes wußte man, daß man viele Schwierigkeiten zu überwinden haben werde, um die zwei Prozent aller abgegebenen Stimmen aufzubringen, welche notwendig sind, um vier bis fünf Mandate zu erlangen. Et begann ein noch nie dagewesener Wahlterror. Der Innenminister Inculetz versandte an alle Präfekten des Lande* Zirkulare, welche die strenge Weisung enthielten, allen Pan* teien vollständige Agitationsfreiheit zu gewähren. All die* pro foro externo. Pro foro interno kamen andere Zirkulare, welche genau die entgegengesetzte Instruktion enthielten. Die Präfekten im ganzen Lande arbeiteten mit ihrem großen Apparat, terrorisierten die Bevölkerung und schüchterten ganz besonders die Juden ein. Man ließ keine öffentliche Versammlung zu. Und wenn man eine solche offiziell bewilligte, so sandte man käufliche jüdische Individuen in die einzelnen jüdischen Versammlungen, um dieselben zu sprengen. Beim geringsten Lärm oder beim kleinsten Zwischenruf griff die Polizei sofort ein und löste die Versammlung auf. So weit die Tätigkeit der Behörden. Ein spezielles Kapitel bildet die Aktivität der jüdischen Helfershelfer der Regierung, welche an die Zeit der galizischen Wahlen erinnern, wo die Moschkos den Polen die bekannten Henkersdienste leisteten. Zunächst rückten die jüdischen Großindustriellen auf, jene Gruppe von jüdischen Plutokraten, welche große und gute Geschäfte von der natäonalliberaleri Regierung erwartet. Dann kamen die assimilierten Intellektuellen von Bucuresti, welche Aufrufe erließen und die Juden aufforderten, nur für die Liberalen zu stimmen. Dann rückte der «jüdische Vortrupp» der nationalliberalen Partei auf, Juden, welche in dieser Partei als aktive Mitglieder eingeschrieben sind, durchwegs Menschen, welche ln der Jüdischen Reichspartei keinen Platz haben, weil sie unbedeutende Kreaturen sind und aus der Politik nur ihre persönlichen Vorteile holen wollen. Schließlich zog auch die Garde der jüdischen «Unterwelt» auf, all jene lichtscheuen Elemente, welche käuflich sind und mit Brachialgewalt «Ideen» vertreten. Diese jüdischen «Batausi» (Schläger) waren es, welche in einzelnen Städten die Anmeldung der jüdischen Reichsliste mit Brachialgewalt verhinderten, bezw. zu verhindern suchten. Und zuletzt kam der «Klei-Kodesch» der jüdischen Gemeinden, welche von der liberalen Parten, insbesondere in den abgeschlossenen Provinzen aufgelöst und durch Gerentschaften ersetzt wurden, die sich aus Anhängern der Regierungspartei zusammensetzen. Und so zog man geharnischt in den Wahlkampf gegen das nationalbewußte Judentum, gegen die jüdische Reichsliste. Daß man dabei vor allen abscheulichen Mitteln, wie Denunziation, nicht zurückschreckte, sei nur nebenbei bemerkt. Unter solchen Umständen war es selbstverständlich, daß die Jüdische Reichsliste fallen mußte. Es war eine schwere Niederlage, wenn man bedenkt, daß bei den letzten Parlamentswahlen die Jüdische Reichsliste 68.000 Stimmen auf sich vereinigte, bei diesen Wahlen hingegen mehr als 50 Prozent der Stimmen einbüßte. Die stärksten Stimmenverluste wies Transsylvanien auf, dann kam Bessaratoien und schließlich Altrumänien. Eine rühmliche Ausnahme bildete die Bukowina und in dieser Provinz die Stadt Cernauti. Hier konnten weder die liberalen Machthaber noch ihre jüdischen Helfershelfer über die nationalbewußte Judenschaft einen Sieg davontragen. Es ist in dieser Provinz ein Stimmenverlust von zirka 4000 zu verzeichnen, besonders in den Provinzstädten und in den Dörfern. Hingegen hat sich die Stadt Cernauti als ein Bollwerk des nationalen Judentums erwiesen, wo die Jüdische Reichspartei dieselbe Stimmenanzahl wie bei den letzten Wahlen erlangte — trotz de* Terrors, trotz des Umstandes, daß keine einzige Versammlung abgehalten werden konnte. Leider war die Bukowina in dieser Wahlschlacht nicht ausschlaggebend. Die Jüdische Reichspartei hat die Schlacht verloren. Nicht unerwähnt soll auch der Umstand bleiben, daß die sogenannte «Judenpresse», die Tagesblätter in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache, welche von Juden geleitet werden, sich samt und sonders der Regierung verschrieben haben und eine starke Propaganda gegen die Jüdische Reichsliste entfalteten. Das Hauptargument, das in* Treffen geführt wurde, war, daß die nationalliberale Partei gleich bei ihrem Regierungsantritt die hitleristische «Eiserne Garde» auflöste, ihre Listen annullierte und die Rädelsführer

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