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Die Stimme · 1933-12-21 · Heft 314 (21.12.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 314 (21.12.1933)
Date
1933-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3! 4 2t. Dezember 1933 DJE STIMME. Nächste Palästlnareisen 2L Februar Auskünfte: Reiseu« Verkehrs-Ges. (Orendi-Loka ) Wien I., Rotcnturmstraße 10 (Fleiscunarkt 1), Telephon K 24-5*25 Ordmme ln der Judenfrane In einem Teile der christlichsozialen Partei zeigt sich das Bestreben, Oesterreichs innere Spannungen noch durch die Aufrollung der Judenfrage zu vermehren. Die Republik ist mit Sorgen, mit inneren und äußeren, mit natürlichen und künstlichen überhäuft. Die Regierung. führt, einen schweren Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und bemüht sich.um die wirtschaftliche Besserung.- Das müßte genügen, um ihr die treueste und aufopferndste Mitarbeit aller Gutgesinnten, aller Arbeitenden und Erwerbenden zu sichern und das stillschweigende Einverständnis der. gesamten Bevölkerung auf Währung des inneren Friedens zu befestigen. Aber es gibt.Kreise, sogar in der hinter der Regierung stehenden Partei, die just jetzt der Ansicht sind, sich dem deutsche#;. geistigen System anpassen und eine Judenhatz verapstalten zu müssen. Das Vorbereitungsgefecht, das. allerdings ganz einseitig geführt wird, hat mit der bekannten Schrift des ehemaligen Unterrichtsministers Dr. Czermak begonnen, der unter «Ordnung in der Judenfrage» genau das versteht, was er als Minister zur Zeit der Gleispachschen Universitätsordonnanzen begrüßthat.. Er zieht vor den Juden den Hut und will sie auf den-numerus clausus setzen. Sie sind nur soundso viel,'-Prozent der Bevölkerung, also gebühren ihnen nur ebensoundso viele Aerzte, Juristen, und Künstler. Von einer .Festsetzung der Prozentziffer in der S t eu e r 1 e i s t u ri g ist freilich nicht die Rede, ebenso wie der bestehende numerus clausus in der Hoheitsverwaltung und in der Beamtenschaft nicht etwa zugunsten der Judenschaft abgeändert werden soll. Oesterreich soll ein Staatsvolk erhalten, das sich nach den Grundsätzen der Rassentheorie, der germanisch-arischen nämlich, einrithten s.oll. Das heißt mit anderen Worten, daß das Geburjtspririzip auch in, Oesterreich gelten soll, wobei die Frage der judenstämmlinge und der ins katholische Lager abgeschwenkten Juden noch extra zu lösen wäre. 'Ministera.D. Dr. Czermak1, der nach Erscheinen seinef Schrift Obmann seiner Partei geworden ist, trägt seinö; Meinung in einer urbänen, kultivierten Form vor und’.teilet einer Aussprache mit den Juden das Wort. Seine Freunde sind beflissen, das, was er meint und vorschlägt, populärer zu fassen, und erklären, die Juden müßten sich jetzt schon zu einer solchen Aussprache entschließen — und selbstverständlich Ja und Amen sagen _ jetzt, solange es noch dazu Zeit ist. Man könnte eine solche Ansicht als Versuch der Erpressung werten, als eine Verbeugung vor Berlin, wüßte man nicht, daß dem Obmann Dr. Czermak beides fernliegt. Aber.es ist nicht zu verkennen, däß die gesamte Argumentation aus der Sphäre der «Weisen von Zion» stammt, aus jener von russischen Ochfana-Spitzeln angefertigten Fälschung, die mit deutschem Geld, deutscher Organisationstüchtigkeit und unter dem tiefen Stillschweigen, der deutschen Wissenschaft zum deutschen Familien- und Erbauungsbuch gemacht worden ist. In dieser Schrift wird dairgestellt, daß die Juden samt und sonders eine elende, nichtswürdige, niedrige Rasse sind, die seit je. nur gestohlen und gewuchert hat und die nach Einern geheimen Plan Aerzte, Juristen, Warenhausbesitzer und Künstler erzieht, nur zu dem Zwecke, den armen Ariern das Brot vor dem Mund wegzuschnappen. Das ist der springende Punkt: die Posten, die von Juden besetzt sind, könnten für die Arier in Anspruch genommen werden, ohne daßman sich das Gehirn anstrengen müßte, um der Arbeitslosigkeit beizukommen, ohne daß manche arische Studenten ebenso viel studieren müßten, wie die fleißigen Juden. Mit Ausnahme von Wien nun, wo die jüdischen Intellektuellen etwas stärker in die Erscheinung treten, hat die Frage für Oesterreich keine Aktualität, und auch im Geschäftsleben spielen die Juden außerhalb Wiens eine sehr geringe Rolle und erreichen nicht einmal die in arischen 'Kreisen so beliebte Prozentziffer. Trotzdem ist der Futterneid da, und wie man sieht, soll er zur Grundlage einer politischen Auseinandersetzung gemacht werden. Was mit den Juden geschehen soll, die nach einer solchen «Ordnung» aus ihren Berufen herausfallen, was mit der jüdischen Jugend geschehen soll, die — man denke! — nun einmal studieren will, darüber läßt sich niemand unter diesen Sozialpolitikern ein graues Haar wachsen. Und ob die Gruridverkfehrskoinmissionen Landverkäufe an Juden, die Landwirte werden wollen, zulassen würden, das ist eine wohl nur naive Frage. Worüber soll denn eigentlich verhandelt werden? , .■JjVir meinen, daß es eine Judenfrage ln diesem Si n n e überhaupt nicht gibt. Es ist sicherlich angesichts der trostlosen Weltwirtschaftslage, ah der die sämtlichen, gar so ‘jüdenreihön Regiehingen ‘"herumdoktern, auch für die Juden ein dorniges Problem,, wie der Frage der Berufsumschichtung beizukommen wäre. Das ist aber nur ein Problem für uns, wobei wir ehrlichen und wohlwollenden Rat gern annehmen und zu einer Zwiesprache zwischen Volk, und Volk gern zur Verfügung stehen. Was aber das zur Diskussion gestellte Thema anbelangt, so wird ■ festzüstellen sein, daß wir uns das Bürgerrecht in der europäischen Welt ehrlich erworben haben. Niemand kann von unserer Seite einen Verzicht erwarten. Wir verzichten auf gar nichts, weder auf unser Recht als Bürger, noch auf unsere Hoffnung als Juden. Wenn, man es. nötig findet, unsere Stellung innerhalb des politischen und sozialen Lebens in den Wirtsstaaten zu besprechen, so kann'dies nur geschehen unter der bedingungslosen Voraussetzung unserer Gleichwertigkeit, unseres gleichen Rechtes und der beruflichen Freizügigkeit. Zum gelben Fleck in irgendeiner, auch nur verklausulierten Form wird unsere Zustimmung niemals m ktuU BURG-KINO.I. EIITE-KINO.I. SCHOTTEN RING-KINO.I. LUSTSPIELTHEATER.II. SASCHA-PALAST,Hl FLOTTEN-fclNO.VL ATLANTIS-FILM zu haben sein. Wir machen uns nicht selbst ehrlos und wir lehnen es ab, an der Errichtung eines Zustandes mitzuwirken, der-unsere erworbenen Rechte nullifiziert, ganze Schichten aufs Pflaster wirft und die Gefahr heraufbeschwört, daß unsere Jugend in aussichtslose Krisen, ln den Radikalismus und sogar in den Anarchismus hineingetrieben werden könnte. Jüdische Fragen vor dem englischen Unterhaus L o n d o n. In der letzten Sitzung des Unterhauses fragte CcSonef Wedgwood den Minister für die Kolonien, auf Grund welcher Verordnung es Transjordanlern gestattet sei,- ohne Kontrolle nach Palästina zu kommen und welche Weisungen der High Commjssloner auf Grand des Abschnittes 5, Punkt 1, der Einwanderungsverordnung Nr. 38 ex 1933, bezüglich der Zulassung solcher Einwanderer, die keine Pässe besitzen, gegeben habe.- : Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete, was den ersten Teil der Frage betreffe, so käme Absatz 4, Punkt 2, der Palästina-Einwanderungsverordnung vom Jahre 1033 in Betracht, in dem vorgesehen sei, daß Personen, die ihren ordentlichen Wohnsitz in Transjordanien haben, auch wenn sie nicht im Besitz von Passen oder gleichartigen ‘ (Dokumenten sind, aus Tranes jo r,d an.1 en,. u n m i 11 e.I? { bar nach Palästina kommen können, sofern nicht der High Commissioner andere Verfügungen trifft. Was den zweiten Teil der Frage betreffe, so sei die allgemeine Vorschrift des Abschnittes 5, Punkt 1, auf die in der Sonderbestimmung des Abschnittes 4, Punkt 2, erwähnten Fälle nicht anzuwenden. An den Innenminister richtete Generalmajor Sir Alfred Knox die Frage, wieviel Einwanderer aus Deutschland seit dem i. Jänner 1933 nach Eng 1 and gekommen seien und wie groß die Zahl dieser Einwanderer im gleichen Zeitabschnitt des Jahres 1933 gewesen sei. Innenminister Sir John G 21 m o u r erwiderte, in den ersten neun Monaten des Jahres 1933 sei die Zahl aller nach England gekommenen Deutschen aus allen Teilen der Welt, einschließlich Touristen, Geschäftsreisender, Studenten und anderer Personen, 40509'gewesen; die Zahl der Deutschen, RESTAURANT I0NEII0 11. An der raarienbrttcke . itorrnalHosf-menli s V5Q und 2‘— Ali« Arien Diätkost r ach ärzll. Vorschrift Billige vegetarische Küche die England verlassen haben, 35.977. Für 1932 seien die ent« sprechenden Zahlen 33.494 - und 30.492. Der Innenminister fügte hinzu, es sei nicht möglich, festzüstellen, wieviele von diesen Personen als Einwanderer aus Deutschland zu bezeichnen sind, da die Statistiken nur die Staatsangehörigkeit, nicht aber das Herkunftsland berücksichtigen. Ebenso sei die Statistik der Ausreiseriden nicht auf Grund der Bestimmungshäfen aufgestellt. Der Innenminister erklärte, der Ueberschuß der Einreisefälle gegenüber den Ausreisefällen sei eine normale Erscheinung in diesem Zeitabschnitt und werde in der Regel im letzten Vierteljahr, wenn die Reisesaison zu Ende ist, ausgeglichen. Der Einreiseüberschuß sei in diesem Jahre nur um 1530 Personen größer als der des Vorjahres* Interpellation über Palästina London. Im Unterhaus richtete Colonel Wedgwood an den Minister für die Kolonien die Frage, ob er auf die Tatsache aufmerksam gemacht worden sei, daß die Palästina-Regierung eine Beschränkung der zum ärztlichen Beruf zuzulassenden Juden ln Palästina beabsichtigt, und ob er mittellen wolle, ob diese Einschränkung von der englischen Regierung gebilligt wird. Der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe- Lister erklärte, er sei von der Palästina-Regierung nicht verständigt worden, daß eine solche Einschränkung geplant sei. (Aus Palästina wurde vor einiger Zeit berichtet, daß die Regierung im Hinblick auf die Ueberfüilung des Aerzteberufes insbesondere infolge der letzten Einwanderungswelle Einschränkungen bei der Erteilung weiterer Lizenzen an Aerzte vornehmen wolle. Von einer unterschiedlichen Behandlung jüdischer. Aerzte bei der Durchführung dieser Maßnahmen war jedoch in den betreffenden Meldungen nicht die Rede.) Schließlich erklärte Sir Philip auf eine Frage des Abgeordneten Barnett Jänner nach dem Gesamtwert der Palästinaeinfuhr einschließlich der Wiederausfuhr für 1922 und 1932, die Ausfuhrziffer ohne Berücksichtigung der Wiederausfuhr und Transitausfuhr sei für 1922 1,330.171 Pfund und für 1932 2,381.491 Pfund. -Drei Komitees erörtern das Faiästinaprobiein London. Sechzig Mitglieder des britischen Unter - und Oberhauses, die gleichzeitig Mitglieder des parlamentarischen Pro-Palästina-Komltees sind, versammelten sich in einem Saale des Parlaments, um die neueste Phase der Entwicklung des jüdischen Nationalhelms in Palästina einer Erörterung zu unterziehen. Die Redner behandelten die unwürdige Jagd auf Juden, die auf illegalem Wege nach Palästina gekommen sind, und brachten auch zur Sprache,. daß die Palästinaregierung die Einwanderungspolitik insofern geändert hat; als bisher bei der Ausgabe von Zertifikaten und bei Bemessung der Höhe der Einwandererquote rein wirtschaftliche Erwägungen maßgebend waren, während jetzt politische Momente mitspielen, die dazu angetan sind, das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Palästina einzudämmeitund den vön^den Juden geschaffenen wirt* schaltllchen Bau zu unterminieren, indem man ein Land, das so sehr unter dem Mangel an Arbeiterhänden zu leiden hat, gegen die Zuwanderung neuer Arbeiter alv sperrt. Die Hauptredner des Abends wären der Vorsitzende des Pro-Paiästina-Komitees John B u c h a n und Josiali Wedgwood. Am Schlüsse der Ansprachen beantwortete der als Ehrengast anwesende Leiter des politischen Departements der Jewish Agency in London, Professor Selig Brodetsky, zahlreiche Fragen, die die Parlamentsmitglieder an ihn richteten. Ein in einem zweiten Saale im Parlamentsgebäude gleichzeitig tagendes parlamentarisches Komitee, das Imperial Committee, befaßte sich ebenfalls mit der englischen Politik in Palästina. Hauptredner war hier der Kolonienminister Sir Philip C u.nliff e- List er. Mehrere antizionistisch gestimmte Mitglieder des Imperial Committee versuchten, die Regierung dazu zu bewegen, den zionistischen Wünschen einen Damm entgegenzusetzen. Die antizionistische British League nahm den Jahrestag des Einzuges des Feldmarschalls Allen by ln Jerusalem zum Anlaß; um im Westend Hotel eine’ Feier mit dem Motto: «Gerechtigkeit für die Araber in Palästina!» abzuhalten. Unter den Erschienenen waren die bekannten Antizionisten Viscount Bertie o'Thane, Lord Islington, Lord Danesfort Politiker von Be- 4646 6732190634

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