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Die Stimme · 1933-12-14 · Heft 313 (14.12.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 313 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 PIE STIMME_. . Kr. SIS — 14. Dezember 1938 Die Lage der Juden in der Diaspora und in Palästina Vortrag von Dr. Nahum Goldmann IN ALLER KURZE Jaden dürfen kein Weihnachtsgeschäft machen De nationalsozialistische kaufmännische Organisation von Mainz hat, einer Meldung der «T i m e s» zufolge, die «nichtarischen» Geschäftsleute der Stadt in einem Rundschreiben aufgefordert, anläßlich der Weihnachtsfeiertage sich jeder Reklame zu enthalten und ihre Läden nicht mit christlichen Symbolen zu schmücken. Gleichzeitig wurde den jüdischen Kauflcuten verboten, in den Auslagen christliche Kultgegenstände zur Schau zu steUen. Wo sich Hitler mit Einstein verträgt In der Jahresausstcllung der Königlichen Gesellschaft der Porträtmaler in Piccadilly kann man zurzeit, wie der «Daily Hcrald» berichtet, Adolf Hitler und Albe.: Einstein nebeneinander «hängen» sehen. Das Gemälde des Reichskanzlers ist von Ludwig Flesch-Brunningen, es wurde zu dieser Ausstellung eigens aus Deutschland nach London geschickt. Das Einstein-Porträt daneben stammt von dem englischen Maler Sir Wlliam R o t h e n s t e i n. Die Hängekommission der Königlichen Gesellschaft der Porträtmaler war in großer Verlegenheit, wie man die Gemälde der beiden politisch so stark gegensätzlichen Persönlichkeiten richtig placieren solle. Da es sich um die Gianzstücke der diesjährigen Porträtausstellung handelt, überwogen schließlich die rein künstlerischen Gesichtspunkte und H tlcr und Einstein wurden Schulter an Schulter in den Hauptsaal der Königlichen Galerie gehängt. Ein schweres Vorgehen Vor kurzem gab das Presseamt des Polizeipräsidiums Dortmund bekannt, d:H «künftig alle Personen, die m't Juden verkehren, verhaftet werden, damit sie sich über die Schwere des Vergehens Rechenschaft geben können». Deutschlands Schaden —■ Englands Profit «Q u a 1 i t y», das offizielle Organ der Handelskammer von Sheffield, erklärt in einer Betrachtung über den Aufschwung der britischen Exportindustrie, daß die Ursache für die gesteigerte Produktionstätigkeit im Industriegebiet von Sheffield im Weltboykott gegen deutsche Waren zu suchen sei. «Ein schwerer politischer Fehler der Deutschen», schreibt das Blatt der Handelskammer, «lenkt den Handel nach Sheffield und in andere Industriegebiete Englands. Die Behandlung, die Hitler den Juden angedeihen läßt, hat das jüdische Volk in der ganzen Welt in Harnisch gebracht und bewogen, keine deutschen Waren zu kaufen. Jüdische Kaufleute und Verbraucher halten überall Ausschau nach Waren, die nicht deutschen Ursprunges sind. Dies ist der Grund der überaus günstigen Konjunktur, die seit einger Zeit dem englischen Export besch eden ist» Man flüstert in Berlin Ein Fremder in Hitler-Deutschland fragt bei der Zeitungslektüre neugierig: «Sagen Sic. was heißt das eigentlich immer „Pg.“?» — Antwort: «Prima Großmutter». Das Organ des Vatikan für jüdisch-arabische Verständigung Rom. «Osservatore Romano», das offizielle Organ des Vatikans, knüpft an einen längeren Bericht über die letzten Ereignisse in Palästina den Wunsch, daß die beiden semitischen Völker, Araber und Juden, sich vereinigen mögen auf einer Plattform der Arbeit, damit endlich einmal «der Friede herrsche auf den Bergen Z;ons». Der erste Charge d’affaires Moskaus in Washington Ist Jude Washington. Der Außenminister der Sowjetrepublik, L i t w i n o w, der mit Präsident Rooseveit die Verhandlungen, betreffend Anerkennung der Sowjetunion durch die Vereinigten Staaten abgeschlossen hat, überließ die weiteren Verhandlungen Boris Skvirski, der, ebenso wie Litwinow. Jude ist und seit Jahren in Washington als inoffizieller Vertreter der Sowjetregierung residiert. Nach Eintreffen des neuemannten russischen Botschafters Trojanowski w.rd Skvirski als erster Botschaftsrat in Washington fungieren. Dr. Weizmann wird Im Dezember in Palästina erwartet Jerusalem. Hier verlautet, daß Dr. Chaim Weizmann spätestens am 15. Dezember 1933 in Jerusalem eintreffen wird, um über den Ausbau der Hebräschen Universität Entscheidungen zu treffen. Nach einem drei- oder vierwöchigen Aufenthalt wird er nach London zurückkehren, um im Frühjahr 1934 zur Einweihung des DanieLChaim-Sieff-Forschungsinstituts, dessen Leiter er ist, wieder nach Jerusalem zu kommen. Das «nasse» Amerika bestellt eine Million Flaschen Palästina-Wein New York. Zwischen Harry M o 11 s m a n, Vertreter der Destillateur- und Brauercigenossenschaft Amerikas, eitles Konzerns mit einem Kapital von 15 Millionen Dollar, Gustav Wilder, Vertreter des Verbandes der amerikanischen Weinhändler, und der Verwaltung der Rothschild-Weinkeller in Rishon le Zion ist ein Vertrag über Einfuhr von einer Million Flaschen Palästina-Wein nach Im dicht gefüllten Festsaa! des Hotel Continental sprach Montag abends Dr. Nahum G o I d m a n n (Genf) Uber «Die Lage der Juden in der Diaspora und in Palästina». Dr. Goldmann, der an den letzten Arbeiten des FlQchtiingskommissariats in Lausanne eifrig teilnahm, entwarf in seinem zweistündigen Referat ein Bild über die geradezu trostlose Situation der deutschen Juden, die nicht nur für die jüdische Gemeinschaft Deutschlands allein, sondern für die Juden aller übrigen Länder Europas zu einer tragischen geworden ist. Die Juden, sagte Dr. Goldmann, stehen heute am Ende einer Kampfkampagne, die im April dieses Jahres gegen die Entrechtung der deutschen Juden begonnen werden mußte. Allein nach den ersten Erschütterungen müsse man feststellen, daß die heutige Situation nach einem Zeitraum von acht Monaten viel schwieriger ist Heute ist es klar, daß diese Lage der deutschen Juden nicht mehr eine Episode darstellt. Es geht heute um nichts weniger als um die Anerkennung oderAnnul- I i e r u n g der jüdischen Gleichberechtigung. Erschwert wird diese Lage vor allem dadurch, daß man sich heute nicht mehr der Illusion hingeben könne, daß die deutsche Judenpolitik, wie sie von den Nationalsozialisten in so brutaler Konsequenz durchgeführt wird, auch nur Anzeichen einer Aenderung aufweisen. Wohl hat diese Judenpolitik der Nationalsozialisten ihren exzessiven Charakter der ersten Zeit des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland einigermaßen eingebüßt, wohl sind die Ausdrucksformen des nationalsozialistischen Judenhasses andere geworden, in der Sache selbst hat sich leider nichts geändert. Die deutsche Judenpolitik ist aus dem Stadium der exzessiven Politik in das des sogenannten kalten Programms eingetreten. Und das bedeutet eine besondere Erschwerung der deutsch-jüdischen Situation. Aber auch aus einem anderen Grunde müsse man diese Situation als schwieriger bezeichnen, als sie noch vor 8 Monaten war. Es sei heute ungemein schwer, eine stumpf gewordene Welt, die den Weltkrieg noch nicht überwunden, durch blutige Revolutionen hindurchgegangen, und von einer wirtschaftlichen Krise erfaßt ist, wie sie je die Weltgeschichte gekannt hat, für Hilfe und Unterstützung zu gewinnen. Es ist ungemein schwer, die , öffentliche Meinung zu mobilisieren gegen Dinge und Ereignisse, wenn sie nicht exzessiven, oder zumindest sensationellen Charakter haben. Dr. Goldmanri weist aber auch auf die momentane Lage der europäischer! Politik gegenüber dem heutigen Regime in Deutschland hin. Der «dernier cri» der europäischen Politik ist das Bestreben, wenn nicht nach Verhandlungen, so doch zumindest zu einer Konversation mit Deutschland zu gelangen. Dies gelte wohl für .Staaten, die um die Austragung von Machtgegensätzen ringen. Für uns Juden, erklärte Dr. Goldmann mit größtem Nachdruck, gibt es mit dem gegenden Vereinigten Staaten, lieferbar innerhalb dreier Jahre, ao-t geschlossen worden. Die erste Schiffssendung Palästina- Amerika, enthaltend 5000 Kisten Palästina-Wein und 1500 Kisten Palästina-Liköre, ist bereits unterwegs. Außerordentliche Judensteuer in Bad Nauheim Berlin. Der Magistrat von Bad Nauheim hat beschlossen, der aus etwa 3Ö0 Seelen bestehenden jüdischen Bevölkerung des Ortes eine besondere Steuer aufzuerlegen, um auf diese Weise 1 5.0 0 0 Mark zur Deckung eines Teiles der Hypothek, die der Magistrat auf der Synagoge stehen hat, hereinzubekommen. Die gesamte Hypothckschuld der jüdischen Gemeinde an die Stadtgemeinde beträgt 27.000 Mark. Ein Gesetz gegen den Antisemitismus ln Holland Der Justizminister brachte in der Kammer eine üesetzesvorlage ein, wonach die öffentliche Beleidigung der Behörden, der staatlichen Einrichtungen und bestimmter Volksgruppen unter Strafe gestellt werden soll. Vorgesehen sind Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren. In der schriftlichen Begründung zu dem Gesetz sagt die Regierung, daß sie in erster Linie an «aktuelle Aeußerungen bezüglich unserer israelitischen Mitbürger» denkt. Eine jüdische Studentenfeier in Amsterdam Amsterdam. In Anwesenheit des Rektors der Universität Amsterdam und der Vertreter aller nichtjüdischen Studentenvereinigungen fand in Amsterdam die Feier des 25jährigen Bestandes der z onistischen Studentenorganisation Hollands statt. Die Festrede hielt Professor Dr. L. S. Ornstein aus Utrecht. wärtigen Regime in Deutschland kein« Verband* lungsmöglichkeit, wenn nicht die primitivsten Rechte der jüdischen Bürger, die politische und bürgerliche Gleichberechtigung der Juden, gewährleistet werden. D2ece3 erklären wir nicht nur Deutschland gegenüber, sondern allen Jenen Ländern, ln denen sjch ähnliche antisemitische Be« wegungen vorbereiten. Es gibt für die Juden ln dieser Frage keine Teillösung. Es gibt für die Juden keine Verständigungsbereitschaft zu 50 oder 90 Prozent. Die Forderung der Juden nach voller politischer Gleichberechtigung ist das Minimum und zugleich das Maximum der jüdischen Forderungen ln allen Ländern der Diaspora. Ueberaus pessimistisch waren die Ausführungen Dr. Göldmanns über die Arbeiten und Aussichten des vom Völkerbund eingesetzten Flüchtlingskommissariats. Dr. Goldmann bezeichnet es als einen Erfolg, wenn es dem Flüchtlingskommissär Mac- Donald und dem Verwaltungsrat, dessen gute Absichten er hervorhebt, gelingen wird, in nächster Zeit für die zahlreichen staaterlos gewordenen deutschen Flüchtlinge Nansenpässe durchzusetzen. Den zweiten Teil seines Vortrages widmete Doktor Goldmann der Frage Palästinas. Dr. Goldmann wandte sich sehr scharf gegen die letzten Maßnahmen der englischen Verwaltung in Palästina, von der er nur hoffe, daß sie nicht von der Londoner Regierung gutgeheißen werden, insbesondere gegen die klaren politischen Tendenzen dieser Maßnahmen. Die Maßnahmen der Einschränkung der jüdischen Einwanderung mit der Begründung, es gäbe arbeitslose Araber in dem Lande, in einem Zeitpunkte, wo an allen Ecken und Enden der palästinensischen Wirtschaft jüdischer Arbeitermangel fühlbar ist, insbesondere wenn man bedenkt, daß die Grenzen Palästinas nach Transjordanien und Arabien offen sind, durch die kontrollos Tausende von Arabern nach Palästina einwandern dürfen, stelle eine eklatante Verletzung des Palästina-Mandates dar. Die jewish Agency steht vor schweren Au f gaben. Die Notwendigkeit einer ernsten Auseinandersetzung mit England über die eigentlichen britischen Ziele in Palästina bestand ja immer. Es war bloß eine Frage der Zeit, wann diese Auseinandersetzung vor sich gehen soll. Heute wird sie schwer zu umgehen' sein, denn heute bedeutet Palästina das Schicksal von Millionen Juden. Der Weg aus der furchtbaren Krise, ln der sich das jüdische Volk durch die deutsche Judenkatastrophe und durch die politische Krise der letzten Wochen in Palästina befindet, führt nur durch Zusammenfassung aller Kräfte der Juden zu der Schaffung einer Einheitsfront ln der Institution des Jüdischen Weltkongresses. Sorge für die Gesundheit Deiner Familie und benütze Shemen-Palästina-Olivenöl zum Kochen, Braten, Backen und (leikuren, sehr ausgiebig, leicht verdaulich, bevorzugt in aller Welt Shemen T oi 'etteseif en übertrefte'n die beste Qualität Europas, Sh emenHausha.tungsseifen sehr billig und ausgiebig, erhalten Sie in Ihrer Parfümerie, Delikatessengeschäften. Verlangen Sie diese Produkte. Generalrepräsentanz für ('esterreich: S. RABINOWITSCH Wien, 1!., Zirkusgasse 10. TeL R 48-7-38. Seefeld, Tirol 0200 Meter) hervorragendster Wintersporfplatz u. HÖhenluttkurort, das Somienparadies für Kinder, jede Art Wintersport. «Schneesicher». 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