Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 313 (14.12.1933)
- Date
- 1933-12-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette f DIE STIMME Nr. SIS — 14. Dezemfoef eine Grenze der Freiheit; In Frankreich hätten sich die Juden den übrigen französischen Bürgern vollkommen assimiliert Am 8. Dezember wurde die Tagung geschlossen. In der öffentlichen Schlußsitzung legten die Vertreter der einzelnen Regierungen ihren Standpunkt bezüglich der Unterbringung* von Emigranten und der Hilfsarbeit für diese dar. Die Vertreter der europäischen Länder wiesen überein* stimmend darauf hin, daü diese Gebiete für weitere Emigranten nicht mehr aufnahmefähig seien, während der Delegierte Uruguays Niederlassung«- mög'ichkeiten in Südamerika andeutete. Das Schlußwort hielt der vom Völkerbund eingesetzte Hochkommissar für Emigrantenwesen, James D. MacDonald. Er dankte dem Verwaltungsrat und den Vertretern der privaten Organisationen, deren Bereitschaft, ihre individuellen Auffassungen im allgemeinen Interesse zu modifizieren, allgemeine Uebereinstimmung bezüglich des Advisory Council ermöglicht habe. Nunmehr sei ein Apparat geschaffen, mit dessen Hilfe die Erreichung des Endziels des Emigrantenhiifswerks angestrebt werden würde, nämliclf das Ziel, es jüdischen und nichtjüdischen Emigranten zu ermöglichen, ein neues Leben in neuer Heimat zu beginnen, um beitragen zu können zur materiellen und geistigen Kultur von morgen. Zant Schluß der Sitzung wurde ein dreigliedriger Finanzausschuß gebildet Außerdem wurde ein engerer Ausschuß des Verwaltungsrates gebildet, der aus sechs Mitgliedern besteht und dessen Vorsitz James Macdonald führt Die Frage der Statuten des neuen Amtes wurde in dem Sinne erledigt, daß Macdonald große Handlungsfreiheit belassen tutd die Verantwortung des Verwaltungsrates sehr beschränkt wurde. Macdonald wird dem Verwaltungsrat ein Programm für dis Eingliederung der Emigranten in die Wirtschaft verschiedener Länder unterbreiten und hierüber mit einer Reihe Regierungen und Organisationen Beratungen abhalten. In den Verhandlungen mit den Regierungen würden vor allem Fragen der Zuteilung von Auswelspapierefl, vermögensrechtliche Fragen, Bedingungen der Niederlassung usw. erörtert werden. Besondere Aufmerksamkeit werde der ■ Schaffung von Einwanderungsmöglichkeiten zugewandt werden. James Macdonald hat der RÄchsreglerung bei seinem Besuch in Berlin seinen Standpunkt dargelegt, daß auch Deutschland an den Aktionen des Flüchtlingsamtes mitwirken müßte. Die Reichsregierung'aber lehnte diesen Standpunkt entschieden ab und will sich weder mittelbar noch unmittelbar an den Arbeiten des FlüchEfngsamtes und des Verwaltungsrates betei igen. . Die Mitglieder der Reichsregierung nehmen den für sie bequemen Standpunkt ein, daß durch die Tätigkeit des FlüchEingsamtes «politische Agitatoren» moralisch und materiell gefördert werden. Dr< N. Goldmanns Ansprache Im Namen des American Jewish Congress- New York und des ComitC des DälCgations J u i v e s — Paris gab Dr. Gold mann die folgende Erklärung ab: Die beiden Organisationen, in deren Namen ich spreche, repräsentieren die großen jüdischen Massen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Diese Organisationen, begründet 1919, standen seit dem Kriege in der vordersten Front derjenigen, die sich für den Schutz und die Verteidigung der Rechte und der Positionen der Juden überall in der Welt mit aller Energie eingesetzt haben. Pie Einsetzung aes Hohen Kommissariats für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland hat im jüdischen Volke tiefste Befriedigung ausgelöst. Die Gruppen und Organisationen, die durch diese beiden Organisationen vertreten sind, haben seit jeher die jüdische Frage als ein Problem internationalen Charakters betrachtet, welches nur auf internationaler Basis durch die Kooperation der zivilisierten Welt gelöst werden kann. Daher haben wir die Ernennung des Hohen Kommissariats als eine sehr wesentliche Unterstützung all der Versuche begrüßt, eine Lösung für den Teil der jüdischen Frage zu finden, der sich in dem tragischen Schicksal der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland manifestiert. Wir betrachten die Einsetzung dieser Körperschaft als einen weiteren Schritt in der Richtung internationaler Aktivität, um die jüdische Frage zu lösen und glauben, daß das Hohe Kommissariat durch seine Leistungen und als ein Beispiel internationaler Kooperation in Zusammenhang mit der Judenfrage ein Ereignis von großer historischer Bedeutung werden kann. Das jüdische Volk knüpft große Hoffnungen an die Schaffung dieser Körperschaft und ist im tiefsten dankbar für diesen Ausdruck der Bereitwilligkeit seitens so vieler Regierungen und Länder, uns zu helfen, die Leiden von Tausenden unserer Brüder zu mildern, die nur leiden, weil sie jüdischer Abstammung sind. Aus diesem Grunde erklären wir unsere volle Bereitwilligkeit, den Hohen Kommissar und den Verwaltungsrat in seinen Arbeiten in jeder Weise zu unterstützen. Obwohl die jüdischen Massen in schweren ökonomischen Bedingungen leben, haben sie in hohem Maße sich an der Hilfsarbeit für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland beteiligt und werden es auch in Zukunft weiter tun. Die von mir vertretenen Organisationen sind überzeugt, daß der Hohe Kommissar und der Verwaltungsrat Wert darauf legen werden, die Kooperation aller großen jüdischen Organisationen und Gemeinschaften und aller Teile des jüdischen Volke« zu sichern. Wir haben die feste Zuversicht, daß der Hohe Kommissar und der Verwaltungsrat vollen Erfolg haben werden in der F.rfiilUin" :,”i»r srhweren und dr:n"enden Aufgaben. Sämtliche Teilnehmer der am 28. November von Wien abgegangenen Reisegesellschaft der «Pag» sind in Palästina wohlbehalten und anstandslos gelandet. Nächste Reise der «Pag» ab hier 10. Dezember. Die feierliche Eröffnung des ifonlsftsdien Jugendheimes Sonntag, den 10. Dezember, vorm., fand die feioriidie Eröffnung des neuen zionistischen Jugendheimes statt. . Die Feier wurde eingeleitet mit dem Absingen der Techesaknah durch Mitglieder des Bundes Gdud Z’irim und «Brith Herzl», die von den Anwesenden stehend angehört wurde. In seiner Begrüßungsansprache gedachte däs Mitglied des Zionistischen Landeskömltees, Dr, Alfred Berger,, zunächst der an diesen Tägen zum sechstenm a 1 wiederkehrenden Jahrzeit des unvergeßlichen Oberrabbiners Z. P. Chajes und seiner segensreichen Tätigkeit insbesondere für die jüdische Jugctrtl. Auch... diese Kundgebung wurde stehend angehört. Hierauf schilderte Dr. Berger die Geschichte der Gründung dieses Jugendhilfswerkes und hob die Verdienste der Herren Dir. A.pter, Dr. Grünbaum und Dr. Groß rühmlichst hervor, denen allein es zu danken ist, daß das Jugendhilfswerk, das in 'der Adaptierung des neuen Jugendheimes seine Krönuhg findet, zur Tat geworden ist. Er erinnerte daran, daß dank der Initiative des Herrn Dr. Groß eine Farm in St »Veit zur landwirtschaftlichen Ausbildung der Mitglieder 'des Gdud Zirim und Britli Herzl errichtet wird, rühmte die Arbeit der Initiatoren des Jugendhilfswer- Patasifia-Abfelluna JOSEF POPPER Internationale Transporte, Wien, II., Taborstr. 22. Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie. In Palästina: The Levant Bonded Warenhouses Co. Ltd., ^ono? nvnrön mann Haifa, Telephon 346^ Jaffa, Telephon 3ö "?8D ' Spezial-Warentränsporte, Uebersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversichetüngen. ' Auskünfte jeder Art über Palästina. kes, ■ indem sie ein Zentrum für jüdische Arbeit-geschaffen haben, und brachte ein.eri Brief-des österreichischen Kabbuz, der unter der -Führung Mendel Teigs -die -erste österreichische allgemein-zionistische Siedlung in Palästina ist> zur Verlesung, der in herzlichen .Worten dem Zionistischen Landeskomitee für seine Arbeit für diesen Kibbuz zum Ausdruck bringt, Dr. Berger schließt «eine gehaltvolle und zu den Hetzen der . Jugend gehende Ansprache mit dem Wunsche, daß auch die Jugend, die in diesem Heime ihre Arbeit .‘/beginnt/;iö'.i1üöWich.;-Vnd^6h^w<jr<firf* möge, -Wie ihre CliaWenm in l-telMatji#1, es,.'.i#.Qi:den' bin^ Lebhaft akklamiert ergriff Oberrabbiner Dr. David Feuchtwän g das Wprt zu folgenden Ausführungen: Es kann nicht genug, sagte bBerr.äbbiner Dr. Feuchtwang, solche Pilanzungsstätten geben, die dann wichtige Bestandteile der jüdischen Ijemeirtschaft werden,’wie die Schaffung des eben eingeweinten jüdischen Jugendheimes. Der Oberrabbiner sprach die Hoffnung und Ueberzeugung aus, daß dieses Heim mit religiösem und natiönalem Inhalt erfüllt werden wird und indem er sich an die Jugend wendet, bittet er sie, im Geiste des unvergeßlichen Oberrabbiners Chajes, dem die zionistische Jugend so viel zu verdanken hat, in diesem neuen Heim zu arbeiten. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang'schließt seine Ansprache‘mit einem Hinweis auf das altjüdische Symbol der sieben Aehren, von denen gerade der Wochenabschnitt erzählt, die auch das Abzeichen des Gdud Zirim sind. Dr. Lö we n h e rz, Vizepräsident der Kultusgemeinde, gab -seiner Freude Ausdruck, an diesem Feste der Jugend teilzunehmen. Die Kultusgememde kommt des öfteren mit der Jugendarbeit in Berührung. Die Bestrebungen der Kultusgemeinde gehen auf den Umschichtungsprozeß aus, der unvermeidlich ist. Er verspricht ihr Namen der Kultusgemeinde , die größtmögliche Förderung des Jugendhilfswerkes. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Doktor Oskar QrQnbaum, knüpfte an den bereits zitierten Brief an und las Stellen aus einetn an ihn gerichteten Brief vor, Die Aufgabe der jüdischen Jugend bestehe in großem Maße darin, Hebräisch tüchtig zu erlernen, um sich um so leichter im Lande durchsetzen zu können. Dr. Grünbaum hob die Verdienste der Initiatoren des Jugendhilfswerkes hervor, die durch persönliche Opfer dieses Werk geschaffen haben. Als er im Jahre 1930 an die Spitze des Landeskomitees gerufen wurde, war seine erste Frage, wo ist die Jugend? Heute schätze er sich glücklich, Sagen zu können, daß den Anstrenytt HÄI5ER5TR. 123 K Alserstr., 6 S 16 - S 18' - S 20 ~ gungeli des Zionistischen Landeskomitees die Wiedergewinnung uiui Wiedereroberung der bereits als verloren gegoltenen jüdischen Jugend vollständig gelungen ist, ja man kann heute mit Stolz und Genugtuung feststellen, daß es in Wien kein noch so großes Haus gebe, das die jüdische Jugend, die uns in hellen Scharen strömt, fassen könnte. Die Schaffung des eben eingeweihten Jugendheimes ist nur ein Beginn, ist nur eine Vorstufe für eine weitere Intensive Tätigkeit der Jugendarbeit, die sich das Zionistische Landeskomitee zum Ziel gesetzt hat. Es ist in gewissem Sinne ein Stein im Gebäude des jüdischen Schulwerkcs, das auszubauen heute zionistische Pflicht ist. Die Vertreter der Jugend gaben die Erklärung ab, daß sie dem Appell des Zionistischen Landeskömltees, Dank und Treue der Landesorganisation zu bewahren, gerne folgen werden. Die Treue der zionistischen. Jugend zur Organisation hänge nicht davon ab, ob sie von der Organisation diese oder jene Vorteile erhalte. So eine Auffassung wäre verhängnisvoll sowohl für die Jugend als auch für die ältere zionistische Generation. Die zionistische Jugend müsse’rvielmehr der Organisation u n t e r a 11 e n Umständen und unter allen Bedingungen und in allen Situationen verbunden bleiben. Mit dem Absingen der Hatikwah schloß die schlichte, aber eindrucksvolle Feier. Das jüdische Jugendheim wäE eröffnet. i» Das jfld sehe Jugendheim — eine zionistische Tat Die feierliche Eröffnung eines zionistischen Jugendheimes im Zentrum des jüdischen Lebens in Wien, die' letzten Sonntag in Anwesenheit des Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang, der Präsidenten der Wiener Kultusgerneinde, Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz, und der führenden zionistischen Honoratioren erfolgte, Soll nicht in der üblichen Form der Berichterstattung registriert werden, indem man lediglich die Ansprachen’und offiziellen Begrüßungen festhält. Die Einweihung des Jugendheims, die in der Not von-heute eine im wahrhaften Sinne des Wortes bedeutsame T a t ist, bildet einen Markstein im Leben der Wiener jüdischen Gemeinschaft. Es kann nicht nachdrücklich genug unterstrichen, es kann nicht eindringlich'genug der moralische und materielle Wert einer solchen Schöpfung betont werden. Denn die Wiedereroberung des unter der Ungunst der Verhältnisse verlorengegangerien Hauses des sogenannten jüdischen Zentrums, Untere Augartenstraße 35,/das einst von der bedauerlicherweise, beinahe in Vergessenheit geratenen, s.ozial-schöpferisch so hochstehenden Frau A n i t a Müller ins Leben -.gerufen Billige Sonderfahrt »ach Abfahrt! 23. oczemb-r, io Ubr nbd*. rflckfalut! i Mnm c.d«r Ja ne. 1934 Ulten—Krakau und retour * 52 Wien Lemberg und retour & l’aßu. Vluu^e'blihren gratis! JJumorlerte SiUplä'zo Io bßidenltichtiingei» Reisebüro „Margenbrücke1*, Wien, l„ Tel. It 24 z-86 Rote .türmstraO« 6 Te . K-54-2 8 würde, stellt eine gewaltige Anstrengung jener Männer dar, die dieses Werk nun so erfolgreich zustande gebracht haben. Diese Jugendheimeröffnung war in ihrer »ganzen Schlichtheit für jeden, der an ihr teilnahm, ein Erlebnis, ein Erlebnis für die Alten und ein Erlebnis für die Jungen, denen es gewidmet ist. Es erfüllte einen jeden mit wahrem Stolz und flößte allen am tristen Heute Verzagenden neuen Mut ein. Denn es zeigte: die österreichische, zionistische Landesorganisation debattiert, nicht nur, ihre Wortführer halten nicht nur Vorträge, sondern sie handeln, greifen tatkräftigst-, und entscheidend in Dinge ein, die das Leben, die Zukunft der zionistischen und der jüdischen Gemeinschaft dieser Stadt beeinflussen. Jugendheim, d. 1. eine Welt für diese jungen Menschen, die, ob sie nun aus ärmlichem Milieu kommen, durch das Band des Ideals und der gemeinsamen Jugend hier jenseits jeden sozialen Unterschiedes mit Gleichgesinnten leben, und für jene, die, vielleicht aus reicherem Hause kommend, gerne die Kälte ihres Milieus in seelischer Beziehung mit dem der warmen Atmosphäre der Jugendw.elt eintauschen. Und ein drittes Moment, das auch von dem Sprecher der Jugendlichen selbst hervorgehoben wurde, ist bedeutsam: Diese Jugend hat, dank den Bemühungen einiger Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees, ein Heim gefunden, dank einzelner weniger Menschen, die mit persönlichen Opfern dieses schöne und edle Werk geschaffen häöen, und sie ist nun nicht mehr wie bisher ungebetener oder unerwünschter oder bloß geduldeter Gast der älteren Generation, Jakob RosenthaL HMifal Anosoroff nelßi Neukolonisation! L