Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 312 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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helfet WehdenjcUs £he&-J4hae£ fi Die Bodenrcserve um Haifa Von Dr. A. Cranovsky Die Entwicklung der größeren Städte Palästinas stellt uns vor mannigfache und o.t nicht leicht zu lösende Probleme. Dies gilt Insbesondere fllr die zwei rasch anwachsenden Immigrationszentren T e 1 - A w I w und Haifa. Unter diesen Problemen Ist das des Bodens für die Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse in diesen Städten von weitgehendster Bedeutung. Das vielleicht größte Hindernis fflr eine gedeihliche Entwicklung Tel-Awiws bildet der Mangel an der für die Ausdehnung der Stadt unentbehrlichen Bodenrcserve. Mit der wachsenden Immigration und der steigenden Nachfrage nach Wohnungen sind die Miete» und Grundstücksprelse ln einer untragbaren Wels« gestiegen, so daß st« gegenwärtig eine selbst in den Großstädten Europas kaum gekannte Höhe erreicht haben, Hieau gesellt sieh eine schrankenlose Spekulation, die eine gewissenlos« Ausbeutung der neu Zugewanderten nach sich zieht. Schon zum zweiten Male ln der kurzen Geschichte ihres Bestehens das erstemal In den Jahren 1925 bis 193<J •— erlebt diese Stadt eine Periode der Spekulation und des außerordentlichen Emporschnellen* der Orundstöckspreise. Es. ist zu befürchten, daß dieser boom ähnlich wie in den Jahren!9?5 bis 1926 zu einer schweren Krise für die Stadt führen wird. Eine der tieferen Ursachen für das Auftreten dieser schädlichen Erscheinung l?t in dem Mangel der Vorsorge seitens der öffentlichen Institutionen zu suchen, die es versäumt haben, In und um Tcl-Awlw größere Boden-' flächen in ihren Händen zu konzentrieren. Diese, zum geeigneten Zeitpunkt auf den Bodenmarkt gebracht, hätten eine übertriebene Steigerung der Grundstücke und Mietspreise wie auch ein hemmungsloses Aultreten der Bodenspekulation verhüten können. Alle diesbezüglichen Warnungen und Vorschläge sind unbeachtet geblieben, und heute §tcht Tel-Awlw der Gefahr gegenüber, ln. seiner wirtschaftlichen Entwicklung aufs höchste gehindert zu werden, da eine Bodenreserve nicht vorhanden ist. Alle diese In Tel-Awlw bereits so aktuellen negativen Erscheinungen hätten auch In der zweitgrößten Immigrationsstadt Palästinas Eintreten können. Die objektiven Bedingungen, die Haifa besitzt, geben eine Gewähr dafür, daß die Entwicklung dieser Stadt hülfe* der Tcl-AWjwä nicht nur nicht Zurückbleiben, sondern sie' sogar" bei WeiteiH überflügeln wird. Einige dieser Bedingungen sind bereits erfüllt worden! die Vollendung des Hafen«, die ersten Ansätze einer größeren Industrie, das Zusammentreffen von Sec-, band- und buftverkehrswegen werden Haifa *u einem der wichtigsten Zentren des Nahen listen? machen. Als unausbleibliche Holge ist ein starke? Anwachsen der Bevölkerung und eine ausgedehnte Baubewegung für Wohnhäuser und Industriegebäude zu erwarten. Auch hier Wäre der Boden günstig für alle diejenigen wirtschaftlichen Auswüchse, d'e wir in Tel-Awiw «o üppig emporwuchern sehen: Mangel an Baugrund, gesteigerte Grundstücks- und Mtetepreise, «Ine verderbliche Spekulation, letzter« Ist in den gegenwärtig, noch beschränkten Gebieten der Stadt oder, richtiger noch» in den zentralen Vierteln derselben bereit? in einem gewissen Maße zu beobachten. So tritt auch dort eine starke Erhöhung der Grundstücks- und Mtetsprelse und als deren unvermeidliche Folge die Bodenspekulation in die Erscheinung. Haifa aber besitzt die groß? Chan c a, dte T#l- Awiw versäumt hat, und zwar c’ne ausgedehnte Bodenrcserve m unmittelbarer Umgebung d e r S t a d L Das sind die Ländereien der H a i f a - B. a!, die sich vpm Kischonfiliß bis fast nach Akko hin ira Ausmaß von 44.0Ü0 D u n a m erstrecken. Hievon gehören mehr als zwei Drittel, und zwar 31,000 Dunam dem Keren Käjemeth Leisrael, während 5U00 Dunam einer mit ihm eng liierten Gesellschaft, der Pa lest ine Economic Corporation, New York, gehören. Diese beiden gemeinnützigen Institutionen haben, diese Ländereien vor einigen Jahren mit der Ahsickt erworben, ein ausreichendes Areal für die Erweiterung der zukünftigen Großstadt Haifa zu sichern. Durch diesen ßodynkauf wurde die Möglichkeit gegeben, die Entwicklung der Stadt zu beherrschen, sie auf dieses Gebiet abzuleiten, ohne eine Bodenspekulation auf kommen zu lassen. Dlo gcograph:sche Lage Haifas gewährt dieser Stadt keine Erweitv.unginiüglichkeit nach Süden und Westen hin,?o daß Hir* Ausdehnung unbudingt nach Norden und Osten hin erfolgen muß. Di« große Fläch«, di« einen weiten und ausgezeichneten Strand hesitzt, ermöglicht es, vielen Tausenden von Bauern, industriellen und kommerziellen Unternehmungen, die sich in Haifa konzentrieren werden, Kaum zu bieten, Die gemeinnützigen Institutionen, in deren Hand «leb div«ü Böden befinden, »ind imstande, die Grundstücke an BauMi«? zu günstigen Bedingungen zu offerieren, «0 daß das Auftreten einer Spekulation von vornherein ausgesehloasen üt. Uenn schließlich wird wohl niemand ein Grundstück in Haifa mit vic' -i Hunderten, ja Tausenden von Pfunden bezahlen, wenn er ’cn im Gebiete der Ha'fa Bai vom Keren Knjemeth In fristlge Pacht gegen Zahlung von lediglich 4 Prozent düs Bodenwertes erhalten kann. pas gesamte Hatfa-Bafgelände wurde nach «Inem Plan, der von einem bedeutenden Sachverständigen für 3t|dtebau, Herrn Prof, Patrick Abercromtale von der Universität Liverpool ausgearbeitet wurde, ln drei Zonen aufgetejlt. Der am nächsten zur Stadt gelegene Teil, dar |m $ü(Jen durch den Kischonfluß begrenzt wird, ist für ein Industriegebiet bestimmt. Infolge seines großen Ausmaßes wird es vielen Hunderten von groß- und kleinindustriellen und gewerblichen Unternehmungen Platz gewähren. Das zweite Gebiet, das ebenfalls mehrere tausend Dunam umfaßt, wurde für Wohnviertel bestimmt. Dort Ist für viele Tausende von Häusern Raum vorhanden, so daß in Zukunft hier eine ganze Stadt entstehen kann. Die ersten 500 Häuser werden bereits Im Jahre 1933 errichtet. Von Anfang an wurden hier seitens der genannten Institutionen Be* dingungen aufgeatellt, welche bessere Wohnverhältnisse sichern, wie z. B. ein* einheitliche Plananlage, wodurch breite $traßen vorgesehen und Teile für Park? und Grünanlagen, ausreichend Raum für öffentliche Gebäude verschiedener Art, Kinderspielplätze usw. reserviert werden. Di? Wohnviertel sollen durch einen Grünstreifen von dem Industriegebiet getrennt werden, Hierunter versteht man eint Parkanlage in der Breite von 250 Meter, die einen natürlichen Schute der. Wohnviertel bilden soll Pas dritte Gebiet schließlich ist der landwirtschaftliche Teil, der diejenlgen Ländereien umfaßt, welche im Norden de? Haifa* Ba|ge|ändes liegen. Die städtische Entwicklung wird kaum so rasch vor .sieh gehen, daß dieser Boden in nächster Zeit für ihre Zwecke verwendet werden muß. Er kann der landwirtschaftlichen Nutzung verschiedener Art dienen In dem Rahmen, den die Beschaffenheit des Bodens gestatten wird, Der Reichtum an Wasser, der diese Böden auszetehnet, wird die Möglichkeit einer intensiven Bewirtschaftung bieten, insbesonders durch Anbau von Gemüse, welche?’ Infolge der starken Ausdehnung der gegenwärtigen Stadt Haifa wie auch der Industrie- und Wohnviertel in der Haifa- Bai einen günstigen Absatzmarkt findet. Dar Entwicklung Haifa? ist hiedurch eine außerordant. lieh breite Möglichkeit gebeten, denn durch das Anrücken der Stadt in daf landi|irtechaitUche Gebiet kann.- letzteres in Itädtisches Gelände UffigSWam^lt und Bauzwecken zuge-, führt werden. Objektiv stehtdem nicht» im Wege, daß in der weiteren Zukunft. *wiS§hM Ha?*8 und AkkO ein großes einheitliches Stadtgebilde entsteht. Durch die Tatsache, daß der Keren Kaj§m@tk hier den Qrundätüeksmarkt beherrscht, kann die Bodenfrage günstig gelöst werden, so daß alle ln Tel-Awiw beobachteten Uebel hier gar nicht in die Erscheinung zu treten brauchen oder wenigstens auf ein Minimum redusiirt werden können, Hier besitit man die Chance, die Entwicklung bodenpolltiseh fast vollständig JtOnme" tu beherrschen, was die beste Gewähr für die gedeihlich« Entwicklung dieser Zukun.'tsstadt Palästina? bildet, Voraussetzung dafür aber ist, daß mit einer auf das Gemein wohl gerichteten Bodenpolitik des ICeren Käjemeth auch «ine entsprechende Politik dir Landesregierung Hand in Hand geht. Man muß sich aber vor Augen halten, daß dte Erweiterungsmöglichkeiten Haifa« im Haifa-Baigebiet liegen. Deshalb sollte die gemeinnützige Bodenpolitik des Keren Käjemeth seitens der Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt werden. Di« letzter! Mite alles verhüten, was eine Störung dieser Entwicklung verursachen könnte. So zum Beispiel könnte eine zweckmäßige Verkehrspolitik die Entwicklung de? Gebiete? äußerst fördern, dagegen eine von anderen Erwägungen geleitete Politik nicht nur für dieses Gebiet, sondern für das ganze Stadtgebilde sehr nachteilig werden. Eine Vorsorge für die sanitären Verhältnisse diese? Gebietes, vor allem dadurch, daß man das Auftreten der Malaria auf dem teilweise — im Süden — vor kurzem erst trockengstegten und teilweise — im Norden noch nicht sanierten TeU verhütet, oder durch die Ausschaltung schädlicher Indu* strlen, die für die Entwicklung des städtischen wie auch gewissermaßen d§§ landwirtgchaftliehen Teile? Verhängnis* voll werden könnten, tut dringend not. Durch die’Politik der Landesregierung könnte die außerordentliche Chance, Nächste 9 PÄG'-Paiäsilnarelse ab Wien 26. Dezember via Saloniki/Piräus Rhodos Cypefn Beyroith nach Haifa oder laffa, m t D-Zug (Speisewagen./, Hotel etc, in vlerbettlgen Außenbordkabinen 2. Klasse Schiff J. K'asse Schiff S 440* S 560* Nähern Auskünfte und Prospekt« W on, VJ,9 lapiiinngaife?, Toi. 9 iS*3*8f die Haifa durch da? Vorhandensein einer großen Podenraserve besitzt,?u einem Segen für die Stadt und damit fflr;die gesamt« Volkswirtschaft Palästinas werden* Pjese Tatsache stellt auch grpße Anforderungen au den Keren Käjemeth, der es verstehen muß, diireh ei«e zweckentsprechende Ausnützung des Bodens das Maximum für die Entwicklung der Stadt und des Landes zu-erzielen. Die Stadt Haifa könnte jedenfalls bei einer ungehinderten Entwicklung allg LJebgl vermeiden. mit weichen ander« Großstädte behaftet sind. Dies hängt vielleicht' ip noch höherem Maße von der auf das Gelände dar Haifa-Bai angewandten Politik der Landesregierung ab. PALÄSTINA MELDET: Arabei 1 öftrer verurteilt JaniMtem* (J. T» A.) Da? Jerusalemer Gericht hat dte wegen Teilnahme an 4# verbotenen Demonstration ln Jem* salem am 13. Oktober Angeklagten drei Mitglieder dar Aioblschen Exekutive für scbuldlg erklärt. Da» Strafausmaß soll «r?t bestimmt werden. Di« SchluüvarhandJung fand vor einem von Zuhörern überfüllten $aaf statt Zahlreich» schwarz verschleierte Mohamme4anerinn«fi wohnten der Verhandlung bet Der Verteidiger erklärte In seinem Plädoyer, es habe sieh nicht um .eine verbotene Kundgebung gehan« delt da die Regierung kein Verbot von Kundgebungen für die Altetadt von Jerusalem ausgesprochen habe. Pie Teilnehmer an der Kundgebung hätten somit durchaus das Recht gehabt sich?u versammeln. Abgesehen davon hätten die Angeklagten auch nicht aktiv an der Kundgebung teil» genommen und nicht au Angriffen auf die Pol sei aufg;reist Nash Verkündung des Schuldspruchs brachen viele Zuhörer in Hochrufe auf die «nationalen Märtyrer* aus. Zu weiteren Zwischenfällen ist cs nicht gekommen; Ausländische Pavillons auS der Levante-Messe Frankreich hat in dem dem französischen Ministerium angcschlosscnen «Comite permanent des toirs ä l'dtranger» auf deren Sitzung vom 2,3. Oktober beschlossen, de Organisierung der französischen Bete ligung, die in einem Pavillon voii 600 qum durchgeführt werden wird, vorzunchmen. Dar »mfltebe belgische Beirat für Auslandsmessen sprach «Ich In «!ner S-Uung dahin aus, daß für Belgiens Ausfuhr nach dem Orient rfne angemessene Beteiligung an der komm nden Levante-Messe, Tel Awiw 1934, seht wesentlich fei. Demgemäß Ist an alle belg schon Industr'ellen und F.vvorteitte die Aufforderung ergangen, unverzüglich ihr»* Maßnahmen iw Augsteliun'g jm belgischen Nationalpavilion eüvzuleiten. Auch Holland errichtet?uf der Levantem«??« «in«i eigenen Pavillon. Veranstalter «ind dar Allgemein* Verband der Arbeitgeber und Fabrikanten der Niederlande, Der königlich italienische Generalkonsul für Pallstirw, Commardator« de Angel!«, stattete neulich dem Messeamt in fTI-Awjw einen Besuch ab, um die vom Technischen Bureau entworfenen Pavillon--Pläne au besichtigen, ln B e I g r a d hat «ich ein offiiMiea Palästina-Jogoslawien-Komitee gebildet, das sich mit der Frage der Beschickung der Levante-Messe beschäftigt. Delegierte de» kgj- Jugoslawischen Außenminist riums und des kgl. Jugoslawischen Handetsdepartements sind ln diesem Komitee vertreten. Die Errichtung eines eindrucksvollen jugoslawischen NationalpaviUon? wurde einmütig beschlossen. Ein Spezialdtleglerter fährt nach Palästina zur Regelung der technischen Fragen, Auch Bulgarien und Litauen werden Spezial Ausstellungen auf der Levant-Mess« veranstalten. 50 000 Dollar für die Hebräische Universität «Doar Hayom* berichtet, daß $ir Herbert Samuel auf seiner Amcrlkarcise 50000 Dollar für die Hebräische Univer-? tat in Jerusalem aufgebracht hat. Sir Herbert ist Mitglied des Direktoriums der Universität. Preisausschreiben dar Hablmah Das von der Habimah veranitaltel* Preiaauaichreiben für ein Theaterstück, das eine Prämie von 100 Pfund für das beste Stück Vorsicht, wurde b« zum 1. Jänner 1934 verlängert, Bisher smd bei der Jury, der Chaini Nachmann Bialik, Jacob Fishman, P. Lachower, $. Perlman, Saul Tscherni» chowski und zwei Mitglieder des Habimah-Ensembles anger hören, 40 Manviekripte e’ngc-laufen. Etwa die Hä'fte der Arbeiten stammt von palästinensischen ikhrlftstellerst und Ist in hebräischer Sprache abgelriTt. \'on Schriltstullern anderer Länder find Theaterstück* in fünf verschiedenen Sprechen tingelaufen.