Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 312 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054066--3878-3059432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wr. 818 — 7. Dösetnfcer 1888 MBftnÜifö DerRegl&rungswechsellnaumSnlenundiileJudan Von «nettem Bukansttr M. tt.-KorriepOfltfetitail. Oft Betrawng des Chefs der national-liberalen Bartel fean Do es mit der Regierungsbildung bedeute1 für die politischen Kreise Rumäniens eine Ueberrtscb'mg. Seit dem denkwürdigen Beschluß, den dieselbe ational-liberale Partei im Jahre 1926 im Parlament hatte, wonach der Thronfolger Carol seine» hrbrechte verlustig erklärt wurde, waren die Beziehungen zwischen der Krone und dieser Partei nicht die besten, so daß niemand annehmen konnte, daß der wieder in seine Rechte eingesetzte König Carol den Entschluß fassen werde, feinen einstmaligen Gegnern ihr Vorgehen zu verzeihen und Ihnen sogar die Regierungsbildung anzuvertrauen. Und dennoch ist dies geschehen. Die national-liberale Partei hat Ihre Anh.a t*; ln» ganzen Lande mobilisiert und für den lag der geplanten Eröffnung des Parlamentes (15. November 1033) eine Demonstration von «Hunderttausend» angekündigl Dies scheint ln der öffentlichen Meinung großen Eindruck gemacht zu haben. Dieselbe Methode hatte seinerzeit der gewesene Premierminister M a n i u angewendet, als er hunderttausend* seiner Anhänger aufmarschieren und vor dem königlichen Palast defilieren ließ. Maniu wurde damals triit 1er Regierungsbildung betraut. Nun scheint es, daß dieses System vieles für sich hat, denn auch Duca erlangte auf demselben Wege die Regierung, indem er Floß den Aufmarsch der Hunderttausend ankündigte, ihn aber nicht durchführte, weil er schon früher mit der Regierungsbildung betraut wurde. Und nun Ist Duca wieder die populärste Persönlichkeit in Rumänien. Und dies ist kein Wunderl Denn die letzten Monate der national-zaranistischen (Bauernpartei-) Regierung hatier* im ganzen * ande äußerste Unzufriedenheit herv;>r^c-uten, was h^uotsächlich ir der finanziellen und wirtschaftlichen Lage Rumäniens seine Begründung hat. Vom Jüdischer» Standpunkt aus gesehen, hat die naftou d-zaranisfisebe Regierung Vaida es zwar verstanden öffentliche Ausschreitungen gegen die Juden zu verhindern und mit dem System .der Judenexzesse auf den Universitäten ein Ende zu machen, allein dies bedeutete noch lange nicht eine Unterdrückung der extremistischen Elemente, weicht den Antisemitismus auf ihre Fahne geschrieben haben. Man sprach davon, daß ein geheimes Uebereinkommen zwischen Vaida und den Führern des Cuzismus und der Eisernen Garde bestand, gemäß welchem er ihnen vollkommen freie Hartd ließ, sie hingegen sich verpflichten mußten, von öffentlichen Exzessen gegen die Juden Abstand ZU nehmen, Es ist noch in Erinnerung, daß die Regierung Vaida im Stillen auch einen wirtschaftlichen Antisemitismus propagierte, indem sie durch geheime Zirkuiarerlässe die Industriellen des Landes aufforckrte, das nicht-fassenreine Element aus eien Betrieben zu entfernen und dasselbe durch Rumänen von Geburt zu ersetzen. Die Atmosphäre unter der Regierung Vaida war eine gespannte, zumal die extremistischen Elemente, die Cuzisten und die F.isemen Gardisten sich als zweite Macht im Staate gebärdeten und sich umso freier bewirkt raacb and sicher bei Rhaumbtischen Gichtischer» Beschwerden, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten 6000 Ärttegutachtenf i Togal tcheidat die Harnslture aus, geh»; fofey. difPkl i»ur tVaraet des ,Qb?js. [ tätigen konnten, als sie doch »/uh vornherein wußten, daß ihnen keine Strafe drohe. Berücksichtigt man noch, »laß der Steuerdruck unter der Regierung Vaida ein ungeheurer war und daß derselbe sich besonders in den Städten bemerkbar »nachte, wo die jüdische Bevölkerung die Hauptlasten zu tragen hat, so wird man verstehen, daß man dieser Regierung von jüdische» Seite keine Träne nachweint. Zieht man noch In Betracht, daß unter dieser Regierung die deutsche Minderheit Rumäniens fast unbehindert sich Im Geiste Hitler» organisieren konnte und dank Ihrer Propagandatätigkeit und vielteicht auch dank der* rollenden Mark au» Deutschland es so weit brachte, daß sie in allen Provinzen Rumäniens 'hre 8. A.-Formationen m batte, so wird man verstehen, daß die Juden dir Jetal* gen liberalen Regierung große Sympathien entgegen* bringen, wetl sie in ihr Programm die Unterdrückung der extremistischen Elemente aufgenommen hat. Man befindet sich bereits mitten Im Wahitauntel und der Kampf wird auf der ganzen Front geführt In dieser schweren Zeit, wo den meisten Juden Rumä niens die ErwerbsmögUchkeiten genommen wurdet, und wo das Heer der Intellektuellen Arbeitslosen immer größer wird, bedeutet der Wahlrummel eine Morphiuminjektion, die für eine kurze Zelt den Schmerz lindert und über die Tagessorgen hinweghilft, Und noch einen Grund gibt es dafür, daß sich die Juden mit fliegenden Fahnen den Liberalen anschlleßen: Die Führer dieser Partei gehören der Großbourgeoisie an. haben ein besonderes Interesse für Handel und Industrie und fördern im Gegensatz zur natlonal-zarani- .öischen (Bauern-) Partei, das städtische Element, so daß sich auch für die,Juden neue Perspektiven in wi*-». •häßlicher Hinsicht eröffnen. Jüdischer Einheltsbtock in Rumänien Und nun kommt die interessanteste Nachricht, die überall In der Welt Aufsehen erregen wird. Das Unglaubliche ist Tatsache geworden. Die beiden jüdisch-politischen Parteien, die Jüdische Reichsorganisation und die U. E. R. (Union der rumänischen Juden) haben sich auf einer Plattform gefunden und ziehen in den bevorstehenden Wahlkampf als ein einheitlicher Block der Juden Rumäniens, Das Ist ein historisches Ereignis in der jüdisch-politischen Geschichte dieses Landes, zumal es sich um zwei politische Parteien handelt, welche sich jahrelang aufs bitterste bekämpft haben und »ich erst jetzt, angesichts der drohenden Gefahren von seiten teoowxta anw ‘»a cpKomp Am 19. Dezember beginnt die Ziehung zweiter Klasse der 30. fisiomucliisGiien Kiassenfoiierie Bestellen Sie Ihre Lose noch heute bei Eiiidwlg Friedmann WIEN I., SALZGRIES 12 Lospreise pro Klasse» »/, S 6--, »/* S 12*-. V. S 24*—, V. S 48*- Bet Jeder Ziehung s eht man, Es spielt sich gut bei Friedmann der extremistischen Rechtselemente zusammengetan haben, um als einheitlicher Jüdischer Block in den Wahlkampf ZU ziehen und den Kampf für die jüdische Liste gemeinsam auszufechten. Zwei Momente habe es bewirkt, daß dieser Block zustande gekommen ist: die innerjüdische Verantwortlichkeit, der gemeinsame Feind Und nicht Zuletzt der Umstand, daß die Regierungspartei es sich überlegte, I auf Ihren Listen natlonatbewußte Juden zu kandidieren, 1 um nicht Angriffen von seiten der Rechten ausgesetzt; zu sein, weiche dann die Regierungspartei als eine j Judenpartei bezeichnen würde, ein Schlagwort, .las I der national-liberalen Partei in diesem Wahlkampf j keinen Nutzen bringen könnte. Immerhin werden noch Verhandlungen geführt, iber nicht von den einzelnen Gruppen, sondern vom gemeinsamen jüdischen Block. Es scheint aber Tatsache iv sein, daß die Regierung , allein in den Wahlkampf gehen und die jüdische Neutralität nicht urtgerne sehen wird. in diesem Wahlkampf wird der jüdische Block, wenn die Wahlen gerecht durchgeführt werden sollten, voraussichtlich acht Mandate erlangen. Dies ist aber nur in der Kammer möglich. In den Senat wird der jüdische Block keinen Kandidaten aufstellen, da Infolge des bestehenden Wahlgesetzes gar keine Möglichkeit besteht, Kandidaten durchzubringen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Jüdische Block für die Senatswahlen die Parole der Unterstützung der RefmomNAttttHMniRfM «tbaveu. FORST IANEhAIB mumm ACH Dt OPEKETTE MHf« SCWWfSTEK M I T PAUL KEMP MUSHUtAimHNAmX E6IE KAAl WAAT TELEPHON A 34-5• äO glerungsllste ausgeben. Der jüdische Block wird folgende Parteiführer an aussichtsreicher Steife kandidieren: Dr. Mayer Ebner, Dr. Wilhelm Fildermann, Dr. Theodor Fischer, Dr. Alexander Nobel, Selter- Sarateanu, Dr. Marku« Krämer, Michael Landau. Und Bcfcon das Dementi Bel Drucklegung erreicht uns die Nachricht unseres Speziaiberichterstatters, daß situ die schon als geglückt gemeldeten Einigungsverhandlungen der Jüdischen Parteien in 1er Nacht vom 3. auf den 4. Dezember /.erschlagen haben, Das hohlköpfige kleine s ln unserer Ausgabe vom 23. November registrieren wir die Tatsache, daß das Wiener poalezioniatische ür- «Der Jüdische Arbeiter» aus Freude darüber, daß endlich ein Genosse aus der Wieweite die Worte Palästina und Zionismus in den Mund genommen habe, den konfessionslosen Herrn Julius B r a u n t h a I als «a ut rieht g*n Mitkämpfer» voreilig gepriesen habe. Denn Herr Braun th;*i ist wie andere rote Assimilanten der Österreichischen Sozialdemokratie durch die Tatsache der Konfessionslosigkeit nach unserer Ansicht nicht mehr als Jude anzuseheh. Lit&er Artikel war mit <g» gezeichnet Nun soll es schon einmal vorgekommen sein, daß einer Zeitung ein Irrtum unterläuft Man stellt ihn richtig, und manchmal genügt es auch, zu schweigen. Was macht aber der «jüdische Arbeiter»? Er plustert sich auf und gibt Ut seiner letzten Nummer einen Artikel eines Herrn L R. ui> ter der Ueberschrift «Das Überhebliche kleine g> zum besten. Was hören wir da? Zunächst ein ausgiebiges Keifen, Zuerst wird Klage darüber geführt daß die «Stimme», die bisher einen «ernsten Charakter hatte» — man höre und staune —, «gleichgeschaltet» sei. Eine Gleichschaltung mit den politischen Idealen der Wienzeile kommt bei uns nicht in Betracht. Das würde man doch auch im «Jüdischen Ar» beiter» nicht so despektierlich «Gleichschaltung» nenne% das wäre doch nach Ansicht des «Jüdischen Arbeiters» der politischen Einsicht und Erkenntnis höchster Schluß, Alsot was denn? Wie haben wir uns gleichgeschaltet? Herr L. R. weiß es. Hören Sie bitte» «Vaterländisch-froe» tisch», bei uns machen «nationale Helden sum Gefallen der Vaterländischen Front Jüdisch e P 61 i t i k». So, jetzt hat es uns aber Herr L R. gegeben; diese Entdeckung darf er für sich buchen. Aber es kommt noch schöner: Dr. Oskar Grünbaum, lesen wir da - hui hui —, will mit Czermak zusammen di» Juden Billige Sonderfahrt nach POLEN M»fahrteiir iS. Uexomh.r. IO Uhr abaoda. Rückfahrtil JAnner nfion—Hi'flKso und retour s I0I8R lemnrr und reiour s PaQo. VUastetiMiran «ratt»' Numeriert« SiunlAiM tn b«ut«nK»eManflW> Reisebüro „MarienbrUcke“, Wien, I., Tel. k u .-er. Rotenturntstrabe Je Ta» R-«+e Zionisdisclaes Landeshomitec lür Oesferreleh SAMSTAG, 1«. DEZEMBER, HALB 9 UHR ABENDS, SCHWARZENBERGKASINO, I., SCHWARZENBERGPLATZ 1 Große Nakkabäerfeier unter Mitwirkung ERSTKLASSIGER KUNSTKRÄFTE Festrede» Dr. De*I«ier Friedman«», Präsident der Israelitischen Kulfüsgtmelnda Wien Kerfen erhSlfllch: Zion. Bureaus, L KHrnfnersfraBe 28f Tel. R 27-4rä6 - Klub ,,Ere» Israel**, II., PraterstraOe IS, Tal. R 44-S45 - Bücherstube Rath, II« TaborslraBe 28#* lat.R 414-58 - Jüdische Kunststelle, IL, Asgernbriickengasse 2, Tal. R 48-2-91