Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 312 (7.12.1933)
- Date
- 1933-12-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054066--3876-3059430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 312 — 7. DezernW 1933 DIE STIMME Seife S An alle PaitftsHna-Interessentfen f Compas« Yours P«ti* Wien Neiv Yoik Offizielle Propagandastelle für Touristik für die Stadt gen:emue Tel-Awiw, Vertriebsstelle der Permanenzkartea für die Levante-Messe. Veranstaltet Gesellschaftsreisen zum Purim-Karneval, zu den Osterfeiertagen und zur Levante-Messe. Erteilt Informationen an Palästina-Interessenten. Für Vereine und geschlossene Gesellschaften Sonderbedingungen. NächsteReise 19. Dezember 1933. Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compaß-Tours Wien, IX., Spitalgasse 3» Tel. B 42-5-38 und Garten mitzuarbeiten, sich an Selbständigkeit und Selbstverantwortung zu gewöhnen. An die Siedler richtete Df. Ruppin den Appell, in enger Zusammenarbeit mit dem Zentralbüro für die Änsiedlung deutscher Juden sich solchen Berufen zuzuwenden, die möglichst in der Siedlung selbst ausgeübt werden können, wie gewisse Hausindustrien oder Gewerbezweige, die von Juden in Europa ausgeübt werden und Aussicht auf Erfolg in Palästina haben «Ich hoffe», schloß Dr. Ruppin seine Ansprache an die Siedler aus Deutschland, «daß ihr aus dem Bewußtsein, eurem Volke zu dienen und den Grundstein zu einem Leben in Freiheit für eure Kinder und Kindeskinder zu legen, Kraft zu eurer Arbeit schöpfen werdet.» Auch in Wadi Hawarlth Änsiedlung deutscher Juden Jerusalem. Der Jüdische Nationalfonds hat im Gebiet von Wadi Hawarith 2000 Dunam zur Ansiedlung von 100 jüdischen Familien aus Deutschland zur Verfügung gestellt. Die Ansiedlung erfolgt auf Kosten der Siedler. 50 Familien werden mit Unterstützung der Kolonisationsabteilung der Jewish Agency den ihnen zugewiesenen Boden sofort besetzen und bepflanzen, während die Grundstücke der übrigen 50 Familien von der Kooperativgenossenschaft Yachin vorbereitet und bepflanzt werden. OüerraMiiiier Zwl Parez Chales zum Gedenken Donnerstag, den 7. Dezember, jährt sjch zum sechstenmal der Todestag unseres unvergeßlichen Oberrabbiners Zwi Perez C h aj e s sei. Ang. Aus diesem Anlaß findet Donnerstag, um 7 Uhr nachmittags, im Stadttempe! in der Seitenstettengasse ein Gottesdienst statt, bei dem Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang die Predigt halten wird. Wir bringen unseren Lesern aus diesem Anlaß die folgende Einleitung zu einer Rede des Oberräbbiners im November 1918, die sich im Nachlaß des verstorbenen Oberrabbiners vorfand. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herr Professors Moriz Rosenfeld aus der von ihm herausgegebenen Sammlung «H. P. Chajes, Reden und Vorträge*. Sind wir für den Umschwung bereit und gerüstet? Einleitung einer Rede Von Oberrabbiner Zwl Perez Chajes s. A. So ehern ist der Tritt der Geschichte in diesen Tagen, daß alles Kleine und Kleinliche in unserem Leben seine Klangfarbe verliert. Eine Welt wird in Trümmer geschlagen, eine neue soll in Erscheinung treten, wer kann da an anderes denken als an die bange Frage: Sind wir Juden für den entscheidenden Umschwung bereit und gerüstet? Findet der große Augenblick nicht ein kleines Geschlecht? Was seit fast 2000 Jahren uns lediglich Erinnerung gewesen, wird Hoffnung und Symbol, es kann in den nächsten Monaten beglückende Wirklichkeit werden. Haben wir Juden jetzt noch die Kraft, das unerhörte Glück zu genießen? Sind wir innerlich reif, um unser Verhältnis zum ktlnttigeh jüdischen Mittelpunkt in Palästina zu einem ergebnisreichen zu gestalten? Diese Frage soll uns heute beschäftigen. Seht Ihr, meine Freunde, unter Nichtjuden, aber auch unter Juden ist vielfach die Ansicht verbreitet: Palästina für die Juden verlangen bedeute als Endziel, alle Juden nach Palästina bringen wollen. Ach nein. Auch wenn wir es könnten, auch wenn in absehbarer Zeit alle Sühne Israels im Lande der Väter ihren Platz zu finden vermöchten, wir würden es gar nicht wünschen. Und zwar nicht nur deswegen, weil wir wissen und erkennen, daß große jüdische Gruppen seit Jahrhunderten in den Ländern, wo sie leben, tief verankert sind und daß ihre Entwurzelung eine erhebliche Schwächung ihrer Kraft in sich schließen würde, sondern weit mehr deshalb, weil wir überzeugt sind, daß ebenso wie die Diacpora zu ihrer jüdischen Entfaltung des Zentrums in Palästina bedarf, auch Palästina für seine Entwicklung die Kräfte der Diaspora braucht. Wir müssen aus jeder Kultur das beste saugen und cs in unser geistiges Heim tragen. Wir müssen aber auch unserer geschichtlichen Aufgabe wieder gerecht’ werden, für die Verbreitung unserer welterlösenden Gedanken zu sorgen. Das war und ist seit Jahrtausenden die Mission der Diaspora . . . r Rauhreif Pullover s19s# Wiener Strlckror^en iM’Hofaei Berlin W en Prag VL, Mariahilferstraße 89 ll, Taborstraße 18 Die Juden Wiens Unter diesem Titel erschien kürzlich im Verlag E. P. Tal & Co. eine Geschichte der Juden in Wien. Ihrem Autor, dem bekannten Kunsthistoriker Professor Hans Tietze, wurde bei seiner Arbeit an der vor Zwei Jahren erschienenen Kulturgeschichte Wiens klar, daß der bedeutende Einfluß der Juden auf das Geistes- und Wirtschaftsleben Wiens eine besondere Darstellung verdiene. So entstand das vorliegende Buch. Es mag dem zünftigen Historiker Vorbehalten bleiben, Tletzes Buch eingehend kritisch zu würdigen. Wir finden, daß Tietze ein interessantes Werk geschaffen hat. Seine Sprache ist lebendig, seine Darstellungsweise nimmt den Leser sofort gefangen. Das Buch ist sehr zeitgemäß. Die Judenfrage bewegt auch in Oestereich die Gemüter, und viele Menschen, Juden und Christen, jiehmen zu ihr Stellung, ohne von der Geschichte der Juden ln Wien mehr als Alk.* Radioapparate moderoste t ypen, stets lagernd bei J. HAHN, Wien, IX. Wasagasse 12, Tel. A 13-5-20 Serie Günstige Teilzahlungskonditionen. Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim. Günstige Gelegenheitskäufe. 5 Prozent des Kautwertes gebe ich zugunsten jüdischer Institutionen nach Wahl des Käufers ab. Prov’nr mm Anslandversand. einige Brocken zu kennen. Tietze beginnt mit der Erzählung von dem Juden Abraham, der angeblich genau 859 Jahre und 9 Monate nach der Sintflut nach Oesterreich kam und hier das Reich Judeisaptan gegründet haben soll, und endigt mit der Geschichte unserer Tage. Dazwischen erleben wir, wie in einem spannenden kulturhistorischen Roman die Geschichte des 1. und 2. Ghettos, das Zeitalter der Hofjuden, die Zeit des Toleranzediktes und der Märzrevolution, die Aera des Liberalismus und des Nationalismus und im letzten Kapitel sagt der Autor die klugen Worte: «D i e Weltgeschichte ist weder ein Weltgericht, noch ein moralischer Traktat; sie ist der Schauplatz von Kräften, die über die einzelnen wie über die ganze Nation hinweggehen.* Es steht uns hier leider nicht der Raum zu einer eingehenden Besprechung zur Verfügung. Wir wollen nur einiges kurz anmerken. Tietze meint (S. 195), «daß an der Scheu der Juden vor den Urformen der Arbeit etwas Wahres sei*, und meint; «Otto Heller hat vor kurzem eindringlich dargetan, daß sie (die Juden) in ihrer Betätigung immer den von der Urproduktion entferntesten Punkt auf suchen.* Es nimmt uns wunder, daß Tietze das pseudowissenschaftliche Buch des Kommunisten Heller für ernst nimmt und verweisen in diesem Zusammenhang auf die Arbeit von EH Strauß: «Geht das Judentum unter?», die Heller gründlich widerlegt. (Schriftenreihe des Zionistischen Landeßkomitees in Wien.) Es scheint uns | K?8 PALÄSTINA mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triestj alle des Iloyd-Tvieslino Abfahrten* jeden Mittwoch um 13 Uhr ferner Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe — Höchster Komfort Auskünfte: Lloyd Triesiino, im. L Hdrninerrino 6 Tel, U 47-5-00 aber, daß Otto Hellers Arbeit (in dem sonst guten Register von Tietzes Werk fehlt die Verweisung auf Heller), die augenscheinlich zu dem Zweck verfaßt wurde, um die zionistische Jugend ins kommunistische Lager hinüberzuziehen, Tietze dazu mit veranlaßt hat, die Zukunft der Wiener Juden ziemlich pessimistisch zu beurteilen. Wir registrieren jedenfalls ein gründliches Verweilen bei jüdischen Selbsthassern und glauben, daß Tietze bei aller Wüdigung des Zionismus die revolutionäre, erneuernde Gewalt der zionistischen Idee nicht in ihrer Größe und Wichtigkeit bewußt wurde. Tietze meint i2 seinem Vorwort, das eigentlich größtenteils ein Nachwort ist: «Wirft nun die brüske Verweigerung der Assimilation die Juden lediglich auf die Rettung im Eigenvölkischen, so scheint auch diese Reaktion gegen äußeren Druck der ganzen Geschichte des jüdischen Volkes und dem ganzen Wesen seines Glaubens und. Denkens so sehr zu widersprechen, daß auch sie für die ins Europäische untergetauchten westlichen Juden kein Ausweg .... .ist. Die noch lebenden Generationen dieser westlichen Juden'"können, sich .von der erworbenen Kultur nicht lösen, ohne zugrunde zu gehen.» Tietze gibt uns auch den Rat, wenn schon «die einzige Wahl», die uns bleibt, «die Form des Zugrundegehens» ist, dann sollen wir jene Form wählen, «die den Traum einer sich verbrüdernden Menschheit nicht verleugnet, sondern für einen Tag hütet, der vielleicht doch dereinst kommt». Hier können wir Tietze nicht beipflichten. Wir meinen vielmehr, daß Tietze, wie bereits bemerkt, die elementare Kraft der zionistischen Erneuerung unterschätzt. Wir erleben gerade in unseren Tagen eine gewaltige Verinnerlichung des sogenannten Westjuden durch den Zionismus zum Jüdischen hin. Die Zionisten denken auch nicht daran, sich von der erworbenen Kultur zu lösen. Der Zionismus schafft vielmehr in Palästina eine Synthese der Kulturen aller Völker, unter denen Juden leben, und diese neue, die hebräische Kultur wird, wie wir hoffen, eine neue, die ganze Welt befruchtende Kultur hervorrufen. Gleichzeitig führen wir die Juden der Galuth zum Judentum zurück, wollen sie sozial umschichten und kämpfen für die Gleichberechtigung. Wir sind die Prediger einer «inneren Mission» und glauben uns und den Völkern dadurch mehr zu nützen, als wenn wir ihnen auf den verschie- RESTAURANT T0NEI10 11. /In der l*larlenbrttcBce Renoviert — Reformist — Preise reduziert' t\OHM IST MENU 1 .ön u. 2’- Im ABOnNEMENT . 1*35 u. I'FO Alle Ar.ea Diätkost ~ Vegeta ische und Rohkost unederermmei Samstag. 18. floiiemter denen Gebieten ungebeten unseren Rat aufdrängen. Wir wollen zuerst Frieden unter uns und Gerechtigkeit für uns. Wir achten jedes Volk und respektieren jede Ueberzeugung. Dadurch unterscheidet sich unser Nationalismus von dem anderer Völker. Wir stimmen zwar Tietze bei, wenn er sagt, daß es Pflicht des einzelnen Juden ist: «im sittlichen Handeln der Gesetze der Menschlichkeit um so bewußter zu bleiben, im künstlerischen Schaffen größere Tiefe und Weite darau> zu gewinnen, in der wissenschaftlichen Arbeit der Erkenntnis der Wahrheit um so unbedingter zu gehorchen». Das ist sehr richtig und sehr schön zum Ausdruck gebracht und jeder Mensch, ob Jude oder Christ, sollte, diese ethischen Postulate in die Wirklichkeit umsetzen. Wir lehnen es aber ab, darin das einzige Heilmittel zu