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Die Stimme · 1933-11-30 · Heft 311 (30.11.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 311 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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tfr. Ätf — ÄO. Wo-r<*Tr>*«r SeH* t ' du? rtimwe Won d« Uvtwi>«nwe Tel-Awiw HW Ausfandsiateresie an der Levante* Messe In Budapest hat sich ein Komitee gebildet, das Ungarns Beteiligung an der Levante-Messe in Tel-Awiw 1934 anregtn und orgaiiis.ercn will. UäS Komitee, dein hervorragend« Persönlichkeiten der ungarischen Reichshauptstadt angehören, erstrebt zugleich die Errichtung eines Paläatma- PaviIlona auf der Budapester Messe, wovon man sich weitere wesentliche Förderung des Güteraustausches zwischen Ungarn und Palästina verspricht. Die Errichtung eines bulgarischen Pavillons auf der Levante-Messe in Tel-Awiw 1934 war Gegenstand einer Aussprache, die Herr Chelouche, der kgl. bulgarische Konsul in Palästina kürzlich während eines Aufenthaltes in Sofia mit den dortigen zuständigen Stellen hatte. Herr Rosjanski, der kgl. jugoslawische Konsul in Palästina ist soeben von Belgrad zurückgekehrt, wo er mit den Referenten des Handelsministeriums und mit den Vertretern wirtschaftlicher Körperschaften die vorbereitenden Erörterungen Uber Jugoslawiens Beteiligung an der Levante-Messe Tel-Awiw 1934 durchführte. Autotnobilsaloa auf dev Levante* Messe In Tel-Awiw Die Internationale Interessenvertretung der Kraftfahrzeugindustrie, das «Bureau permanent des Consuucteurs d'Automobiles» in Paris, hat die autoritative Genehmigung dazu erteilt, daß im Rahmen der kommenden Levante Messe in Tel-Awiw 1934 ein «Automöbilsalon» errichtet wird. Line uihfassende Uebersicht der großartigen Fortschritte des Kraftwagenbaues in den letzten Jahren wird 1a» ZiC dieser Veranstaltung sein, der ja un modernen Osten $ne besondere Bedeutung zukommt. Während die Länder da* Mittleren Ostens vor dem Weltkrieg nur Uber eine HanJveli von Automobilen verfugten — Pa'aot.na sogar noch Ub*r kein einziges! — laufen heute auf den Mafien des Orients täglich 7 5.000 Kraftwagin. Die Motorisierung des Verkehrs setzt sich hier in erstaunlichem Tempo durch. Selbst die großen Wüsten naben ihren einstige Nimbus ver.orcn, daß es abenteuerlich, gefährlich und eine Angelegenheit vieler Wochen ist, sie zu bereisen. Täglich durchqueren heute moderne A u t o m o b 11 karawanen die WUstenzonen: das ist im Orient der Gegenwart eines der alltäglichsten Dinge geworden. BaukoftltmJttui* Isa Orient Eine Bau-Messe, verbunden mit einer Schau vorbildlicher Wohnungs- und Bureaueinrichtungen, zählt zu den iührenden Pröpagändapunkten der Levante-MCsse Tel-Awiw 1 934. Die Veranstalter erwarten, daß gerade dieser Teil der Messe einem ganz ungewöhnlichen Interesse in allen Besucherkreisen begegnen wird, da jetzt in Palästina eine rege Bautätigkeit von vorher gekanntem Ausmaß anzutreffen ist. Aber auch die Nachbarländer Palästinas haben eine enorme Bautätigkeit entfaltet Sicherer Schätzung nach sind allein In Palästina innerhalb der letzten 15 Jahre 15,000.000 Pfund für Bauzwecke ausgegeben worden. Im Hinblick auf diese starke ausgeprägte «Baukonjunktur» dea Orient» wird die der Levante-Messe eingegliederte Baumesse hervorragende Möglichkeiten fUr die Propagierung neuartiger Baustoffe und Baumethoden bieten und zugleich ein ausgezeichnetes Werbemittel für moderne Wohnungs- und Bureaueinrichtungen sein — von gleichem Interesse für die Geschäftswelt, wie für das große Publikum. Jewish Agency unternommen hat, um gegen 4le Einschränkung der Einwanderung und die Ausweisungen sogenannter Touristen anzukämpfen. Ben Garion kam auch auf die Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu sprechen und erklärte, beide Völker haben ein historisches Recht auf Palästina. Die Juden erstreben in keiner Welse eine Vorherrschaft, aber sie wollen die Möglichkeit zum Aufbau Ihres Nationalheims ungestört nutzen. Zum Schluß betonte Ben Gurion das Prinzip der «jüdischen Arbeit», das es gebietet, daß In jüdischen Unternehmungen nur Juden beschäftigt werden. Die Arlosoroff-Aktion in vollem Gange Jerusalem, in einem Gespräch mit dem Redakteur des «Doar Ha Jom» gab der Generalsekretär des Keren- Hajessod-Direktoriums, Leo Herrmann, nachstehende Informationen über die jetzt in allen Ländern im Zuge befindliche Aktion für Bodenerwerb und Siedlung zum Oedächtnia an Dr. Chäim Arlosoröff (Miph&l-Arloaoroff): Diese Aktion, die von der Jewlsh Agency und den Direktorien der nationalen Fonds proklamiert wurde, trägt einen ausgesprochen unparteiischen Charakter. Die vön der Aktion aufgebrachten Beträge sind Eigentum des gesamten Volkes und werden daher Zur Ansiedlung von kolonisationsfähigen Elementen aller Richtungen im Zionismus verwendet Nach Verhandlungen zwischen den Direktorien des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth Lojisrael beschloß der Kongreß In einer besonderen Resolution die Pröklamlerang des Miph&l-Artö$öroff und wandte sich mit einem diesbezüglichen Appell an das gesamte jüdische Volk, Auf Grund dieses Beschlusses ergibt ich die Möglich-. keit, nicht nur den nationalen Bodenbesitz zu vergrößern, sondern auch mit einer neuen Kolon is lat Ion einzusetzen, die im Rahmen des gewöhnlichen Budgets unmöglich iSL Es soll daran erinnert werden, daß der Beschluß dea Kongresses, betreffend die Arlosoröff* Aktion, einstimmig ohne irgend welchen Widerspruch seitens einer Partei gefaßt worden, ist Der Mlphal-ArlOsOroff braucht keineswegs irgendwie die gewöhnlichen Aktionen der nationalen Fonds Zu Schädigen. Denn wäre dem so, dann hätten Weder die Jewlsh Agency noch die nationalen Fonds seiner Proklamierung zugestimmt * Nach den vorliegenden Berichten ist die Arbeit für A'liphal Arlosoröff in allen Ländern in vollem Gange. Eine Arlosoroff-Wöche ist in Polen proklamiert worden, die am iß. November begonnen hat. Am gleichen Tage hat ln Warschau sowie In ganz Polen die Mobilisierung der Jugend für die Aktion begonnen. Die Jüdischen Arbeitergrüppierungen und Jugendorganisationen ln Polen haben beschlossen, als Beitragsminlmum den Arbeitslohn eines Tages fest2usetzen. paLÖSTINAHILOET: Eta Schlau für die JmtenhcH des Orients Jerusalem. Die Einschränkung der Einwanderung bi Palästina bedeutet einen Schlag für die Juden der 0 r I e n t i ä n d e r, deren Streben nach Palästina infolge der Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage immer stärker wird. Etwa 150 jüdische Familien aus Buchara befinden fleh unterwegs In Mesched, Afghanistan und warten dort aut Palästina-Zertifikate. Die Jerusalemer Gemeinde det Buchara-Juden hat sich bis jetzt vergebens bemüht, für sie Visen zu beschaffen. Die Gemeinde der kurdischen Juden hat der Jewlsh Agency ein Memorandum unterbreitet, in dem sie um 1003 Einwanderungszertifikate für Juden in Kurdestan ersucht, wo sich die wirtschaftliche Lage immer mehr verschlechtert, «Falast in» teilt mit, daß mehrere Juden* die ohne Pässe die Grenze von Syrien nach Palästina zu überschreiten versuchten, verhaftet und nach Beirut gebracht wurden, von wo sie dann ausgewiesen werden, , Ben Garten an die Presse Jerusalem, per Leiter des politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewlsh Agency, Ben Gurion, empfing die Vertreter der Presse und gab ihnen ln einer dreistündigen Rede einen Uebcrblick über das, was die Betrachtungen eines jugendlichen Einwanderers Jerusalem, itn November 1933, Die öaluth erfährt aus der Presse allerhand höhe Politik und W irtschaftsnachriohten aus Palästina, wenig aber über das tägliche l eben und das äußere Bild dieses eigenartigen und im Brennpunkt des Weltinteresses stehenden Landes. Allem voran natürlich das Essen. Den jungen Neueinwanderer lockt natürlich die Größe der Auswahl in den Speisen, er überißt sich, bekommt Papadatschi, Fieber mit Darmkatarrh, schimpft aut Land und Leute, erholt sich aber wieder und ißt dann wie alle anderen. Jede Nation ist mit einer Speise vertreten: Ungarn mit einem aua Tomaten, Gurken und Oliven gemischten Salat. Oesterreich mit seinen Mehlspeisen, Galizien mit den sagen wir «jüdischen» Speisen (Scholet etc.), Palästina mit einer wirklichen Spezialität: Fruchtsuppe! Es gibt sie in allen Varianten, vom schlechten Kompottsaft bis zur dickflüssigen, mit den feinsten Früchten und einem eingerührten Ei, alles eisgekühlt. Fleisch ist hier billiger, aber angeblich schlechter. Bananen bekommt man für ’/* Piaster fl Stück, Trauben für dasselbe Geld zum Krankessen. Für einen großen Teil der ärmeren Bevölkerung bilden Brot und Trauben überhaupt die Tagesnahrung. Ein eigenes Kapitel bildet die arabische Kost, zu der man quasi geboren sein muß (nicht So sehr zur Kost, als zum Schmutz, in dem sie serviert und zubereitet wird!). In allen Gassen wird tagsüber «Eskimo» — 2 Stück um Vi Piaster — feilgeboten. Der Palästinenser trinkt aber lieber «Ass;s», d. i. Soda mit Orangen- oder Zitronensaft. Dann gibt es aber noch eine Reihe von Getränken; ihre Zusammensetzung ist eine eigene Kunst. Meine letzte Entdeckung ist Tamarindensaft mit geriebenem Eis darinnen I Gefrorenes wird hier mit Honig erzeugt, was Ihm einen besonderen Geschmack und eine noch besonderere Elasti tität verleiht. Der Sabbat: Ab Freitag 18 Uhr beiläufig bis Samstag zur gleichen Zeit ist das jüdische Jerusalem tot. Man bekommt nichts zu kaufen, kein Autobus und kein Taxi verkehren. Es ist ein erhabenes Gefühl, zu Sehen, wie Arbeiter und Bonze sich schön machen, wie alle Pri&uurlädcn gesteckt Voll sind und alles von einer unsichtbaren Hand Im Nu lahnigelegt wird. Nach Einbruch dar Dunkelheit dann durch die Altstadt zu gehen, verstohlen in ärmliche Judenwohnungen zu gucken und alte Männer in ihrem besten Kaftan und einer Pelzkappe so inbrünstig beten und flehen zu sehen, daß man meinen möchte, Gott stehe persönlich vor ihnen, ist ein Erlebnis, in den nobleren Vierteln wiederum, wo unsere Villen stehen, ist Freitag abends der Tag der «Jours». Kaum daß eine Familie den Sabbat allein begeht. Der ganze Freundeskreis und «The whole mischpachah» trifft sich in der Wohnung einer Familie, wo dann naoh dem Gebet und dem umfangreichen Essen bei echtem Karmelweiii Palästinas öffentliche Meinung fabriziert wird. — Samstag abends ist dann großer Korso auf der Jaffastraße. Ganz Jerusalem spaziert und gafft sich an — ein Riesengedränge. Die Geschäfte öffnen wieder. Bei der Autobusagentur stehen die Leute Schlange, um ans Tote Meer zum Tanz zu fahren, im Cafö «Vienna», mit seinem Eiskaffee, seinen Wiener Kellnern und den ausländischen Zeitungen raufen sich die Leute um die Sessel. Preise: Jerusalem ist zwar teurer als das übrige Palästina, immer aber noch verhältnismäßig billig für uns Wiener — ausgenommen das Wohnen. (1 £ 30 S, 1 Piaster - 30 g, 1 engl. Shilling 5 Piaster S 1.50.) Im Wohnen halten die Hafenstädte den Rekord an Preisen, Wir zahlten für eine Nacht in Haifa 20 Piaster für eine notdürftige Unterkunft, im allgemeinen rechnet man 30 bis 50 Piaster. Hier kostet ein Hotelzimmer ab 10 Piaster. Ein leeres Zimmer £ 1.50 bis 2.50, eine Wohnung 4 bis 10 Pfund, ohne Licht und Wasser, und beides ist nicht billigl Um 3 Piaster kann man gut zu Mittag essen, es kostet aber gewöhnlich 5 Piaster. Für Essen muß man pro Tag 10 Piaster rechnen. Ein Anzug kostet 1 bl» 3 £, «ln Hemd 7 bis 30 Piaster, Schuhe bei Bata ebenso billig wie in der Tschechoslowakei, Bauwesen: Ganz Jerusalem ist ein Bauplatz. Vor unserem Haus wird ab 5 Uhr früh gesprengt, die neue Post soll hier gebaut werden. Wo man geht, behauene Steine. Leute, die nach mehrmonatiger Abwesenheit hierher zurückkehren, erkennen die Stadt nicht mehr. Die Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Und was für Häuser! Man gehe in europäische Ausstellungen: .«Wachsendes Haus». «Modernes Wohnen» und sehe sich dort die Zukunftsprojekte an und überzeuge sich alsdann hier, daß diese Pläne hier schon alle ausgeführt sind. Die ultramodernstcn Zwei- und Dreifamilienhäuser stehen in Rechawla, dem hiesigen Döbling.. Man baut hauptsächlich mit schweren, großen Steinen, um ein kühles Wohnen zu garantieren. Die Arbeit am Bau ist keine leichte. Man verdient 25 Piaster pro Tag. Sehr gesucht sind geschulte Baufacharbeiter und Zementgießer, sie bringen es auch auf 70 bis 80 Piaster pro Tag. Gesundheitswesen! Jeder Mensch ist so gesund als er rein ist. Es gibt jetzt viele deutsche Acrzte im Land, man kann mit Beruhigung krank werden. Verkehrt Wir sind im Land des Autos. Um 80 Pfund bekommt man einen zweckentsprechenden Wagen. Jeder bessere Beamte hat ein Auto. Die Paleatine-Railway wird kaum benützt, dei Ueberlandverkehr geschieht per Autobus. «Eged» heißt die Jüdische Gesellschaft und Ist die teuerste: 18 P* nach Tel-Awiw hin und zurück. 40 P. nach Haifa tour-retour, Pittoresk wirken neben den Autos die Esel der Araber, die unglaublich schwere Lasten schleppen. Unterhaltung: Jerusalem hat zwei Kaffeehäuser, «Vienna» und «Grand- Cafd», wovon das letztere immer leer, das erste ein Bomben-* geschah ist. Drei Kinos, in denen die europäischen -Tonfilme in der Sprache laufen, in der sie gedreht wurden, daneben englische, hebräische und arabische Schrift. Sonst ist nichts los. Juda. ,

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