Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 311 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMM® Nr. 811 — 80. November 1988 Zwei Antworten - zwei Enttäuschungen Die Antwort des Kolonienmliiistefs Cunliffe-Lisier . . Fn der Unterhausdebatte, in der für das jüdisch-nationale Heim so schwerwiegende Fragen zur Behandlung standen und zu denen wir an 'anderer Stelle unseres Blattes Stellung nehmen, wurde zum Schluß eine Frage erörtert, die durch die Antwort des englischen Kolonienministers nicht nur uns schmer2vollst berührt, weil sie mit so bewunderungswerter Offenherzigkeit den Unterschied in der Behandlung von Juden und Arabern aufzeigt, sondern auch durch ein andere« Mortv.nf. das wir nicht scharf genug unterstreichen können. Die Antwort, die der Kolonltnminister Cunliffe-Lister auf die Interpellation des jüdischen Deputierten Barnett Jänner, die sich auf d e Einwanderung von Arabern aus Transjordanien nach Palästina bezog, und die Nichtb.antwortung der zweiten Interpellation des jüdischen Abgeordneten, ob auch Juden die gleiche Möglichkeit der ungehinderten Ein* Wanderung nach Transjordanien besitzen, sind von solch geradezu brutaler Offenheit, daß sie geeignet sind, den Juden den letzten Rest von Glauben an Gerechtigkeit zu nehmen. Der Kolonienminister hat nichts anderes geantwortet, als daß «niemals irgendwelche Einschränkungen für Araber, welche von Transjordanien nach Palästina gehen, gemacht Noch mehr, daß auch In Zu- Einschränkungen in dieser seien; weil — man bedenke, wie nicht vorhandene Buchstabe d:s englischen Behörden beachtet wird! — worden sind», kunft keine Beziehung geplant der diesbezüglich Mandates von den diese arabische Einwanderung nicht gehindert werden könne, da dies eine Verletzung des Mandates bedeuten würde. Im übrigen betrage die Zahl der arabischen Einwanderer in den letzten zehn Jaihren nicht mehr als 4000! Wir müssen hier dem Herrn Kolonienminister die Frage vorigen, wie er zu dieser Zahl kommt, da doch die arabische Einwanderung und Auswanderung von Palästina nach Transjordan:en und umgekehrt keiner Kontrolle unterworfen ist. Cunliffe- Lister hat doch selbst von der parlamentarischen Tribüne aus zugeben müssen, daß die Tore zwischen Palästina und Transjordanien so weit geöffnet seien, daß nicht einmal für die Einwanderung ein Zertifikatensystem bestehe; denn so begründete er weiter. Transjordanien und Pafistina bilden eine Einheit. Diese Debatte, die durch die Antwort des Kolönienminiaters ihren Stempel erhielt, hat die ganze Tragik des jüdischen Emigranten nach Palästina blitzartig aufgezeigt. Man bedenke, welche ungeheuren Schwierigkeien der jüdischen Immigration seit einem Jahrzehnt in den Weg gelegt werden. Man bedenke, welche ungeheuren Anstrengungen fast übermenschlicher Natur von jüdischen Faktoren unternommen werden, um den Juden, die sich an Palästina als an den einzigen Rettungsanker klammern, die Möglichkeit zu geben, ihr nationales Heim dort aufzubauen. Man bedenke, daß gerade in letzter Zeit so einschneidende, die ganze weitere Entwicklung der Heimstätte bedrohende Maßnahmen von der englischen Regierung ergriffen wurden und daß in der gleichen Sitzung des englischen Unterhauses die schicksalhafte Entscheidung für das Sein oder Nichtsein des Jüdischen Palästinas angekündigt wird, und man bedenke ferner, daß gleichzeitig die Araber je nach Belieben kontrollos nach Palästina ein wanderen können. Man bedenke vor allem, daß Transjordanien mit Neid auf das blühende Palästina blickt, daß gerade in den Jihren des wirtschaftlichen Aufblühens Palästinas eine immens starke arabische Einwanderung aus dem armen Transjordanien nach Palästina sich ergoß, die weit, weit höher ist ais die Zahl, die der Herr Kolonieminister CunHffe-Lister uns genannt hat. Außer dieser pcht tragischen Seite dieser Schlußdebatte muß ein anderes Moment von der politischen Seite her unterstrichen werden. Wenn Palästina und Transjordanien eine Einheit bilden — wie es Cunütfe List.r in seiner Antwort mit so viel Nachdruck hervorgehöben und sich dabei auf das Mandat gestützt hat, so müssen wir die zweite Frage aufwerfen: Warum steht Transjordanien der Nächste PAG ab Wien 20. Dezember OOS Nähere Auskünfte und Prospekte Wien, ui., capisirano. 2 lei. B 25-3-81 *0 E * m 3 8) i ft cs (8 jüdischen Kolonisation nicht offen? Die Einheit Transjordaniens und Palästinas, die von den Zionisten ohne Unterschied der Gruppierung und Schattierung immer wieder als ein integrierender Teil der jüdischen Arbeit bezeichnet wird, hat hier durch die Antwort des englischen Kolotitenminisfers eine autoritative Bestätigung erfahren, wie wir sie bisher von einem englischen Repräsentanten nicht gehört haben. Die Antwort des britischen Kolonienministers wirkt wie ein Hohn auf die Leiden der Juden unserer Tage, aber wir wollen keine autoritative Erklärung von der Einheit Transjordanlens und Palästinas zur Kenntnis nehmen, die nur zugunsten der Araber abgegeben wird. Wir verlangen de analoge Erklärung zugunsten der Juden und dafür werden wir kämpfen. ...und dis Antwort des High COmmlssloners WflttChöpe Es fällt wahrhaftig schwer, an den sichtlich starken Eindruck, den die Ausführungen der Exekutiv-Deputierten aut den High-Commissioner Wauchope gemacht haben, zu glauben, wenn man an dessen Schlußworte denkt. Der High-Commissioner klammert sich an das Schlagwort von der Absorptionsfähigkeit des Landes, daran, daß die Einwanderung nach dem Grundsatz der Absorption des Landes zu erfolgen habe und übersieht geflissentlich die ganz klare Tatsache, daß 1. das Land eben all die sogenannten illegalen Einwanderer bereits absorbiert hat, <kft alle, die als Touristen ins Land eingewandort sind, sich in das Wirtschaftsleben des Landes längst elngeordnet haben und keinesfalls den Arbeitsmarkt, auch nur im entfern testen, belasten, an die weitere Tatsache, daß die Absorptionsfähigkeit des Landes in dem gleichen Maße der jüdischen Einwanderung, der legalen und der illegalen, steigt oder sinkt. Das Einströmen von Menschen und Kapital hat noch immer die Absorptionsfähigkeit eines Landes gehoben und gestärkt. Daran dürfen die englischen Faktoren» die für das Schicksal des ganzen Landes verantwortlich sind, nicht vergessen. Auch für das Schicksal der Araber, die die Engländer jet/t so warm verteidigen, ist dies von Bedeutung. Eines allerdings muß mit Nachdruck unterstrichen werden: Jüdisches Kapital strömt ins Und nur zu dem Zwecke, um Juden Arbeit fu verschaffen, wodurch zweifellos auch der Lebensstandard der Araber gehoben wird. Es verebbt aber in dem Augenblick, wenn es nicht jüdischer Arbeit zugeführt werden kann. Was die Deportierung von Arabern anbetrifft, scheint sich der High-Commissioner nicht rechtzeitig von seinem Vorgesetzten im Londoner Colonial-Office informiert zu haben, der fast um dieselbe Stunde im englischen Unterhaus klipp und klar diese geradezu zaristische Behandlung der Deportierung von Einwanderern in aller Offenherzigkeit nur auf Juden beschränkt erklärte und eine solche für Araber als Verletzung des Mandats bezeichnete! Zwei Antworten! London und Jerusalem haben uns an diesem Tage schwere Enttäuschungen bereitet. Es fällt Schwer zu entscheiden, welche von beiden schmerzlicher wirkt: die Offenherzigkeit des Kolonienminlsters oder die freundschaftliche, unter «sichtlich starkem Eindruck» gemachte Erklärung des High-Commissloners Wauchope. Profesfkimdaebiiiitieit in aller Welt Die scharfen Maßnahmen der Palästinaregierung gegen die sogenannte «illegale Einwanderung», Insbesondere die Landesverweisung von Elementen, die bereits im Wirtschaftsleben Palästinas Fuß faßten und vielfach für die Weiterentwicklung des Landes von hohem Nutzen sind, hat unter den Juden aller Länder tiefe Beunruhigung und starken Protest ausgeiöst fn allen jüdischen Zentren der Welt wird in Massenversammlungen gegen (He durch die wirtschaftlichen Verhältnisse keineswegs gerechtfertigten Maßnahmen Einspruch erhoben und auf die Gefahren hingewiesen, die dem gesamten Aufbauwerk durch dieses einem übertriebenen Formalismus entspringende Vorgehen der palästinensischen Behörden drohen. Die palästinensisch-jüdische Bevölkerung ohne Unterschied der religiösen und politischen Einstellung Ist einig in der Ablehnung der verschärften Methoden bei der Handhabung der Einwanderungs- und Niederlassungsvorschriften und versucht, durch geschlossenes Auftreten gegenüber der Palästinaregierung eine Aenderung der neuen Einwanderungspolitik herbeizuführen. ln Amerika New York. Unter Teilnahme von etwa 1000 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten fand kürzlich die nationale Hilfskonferenz zur Beschaffung von Mitteln für die deutschen Juden statt. Es wurde beschlossen, eine Aktion zur Aufbringung von 2wei Millionen Dollar für Hilfe an die deutschen Juden durchzuführen. In einer Entschließung protestierte die Konferenz gegen die neuen Einwanderungsbeschränkungen in Palästina, die die Emigrationsnot der deutschen Juden und das Palästina-Streben der jüdischen Massen in den Ländern der Diaspora so gar nicht berücksichtigen. In England London. Der Jewish Board of Deputies befaßte sich in seiner letzten Sitzung eingehend mit der neuen Beschränkung der Palästinaeinwanderung. Die Arbeit der Jewish Agency könne nicht ganz befriedigen, man müsse suchen, wo die Fehlerquelle hegt und sodann die Jewish Agency kräftigen, damit sie ihre Funktion in Palästina wirksam ausübt. 1. Landau, Leonard Stein, Lazarus und P. Horowitz gaben der Befremdung acr englischen Juden über die neuen Einwanderungs* beschränkungen in Palästina Ausdruck und wiesen nach, daß diese Beschränkungen in Widerspruch stehen zu dem den Juden gegebenen Versprechen des jüdischen Nationaiheims. Die neuen Bestimmungen sind dazu angetan, die gesamte Lage in Palästina zu erschüttern. Das Palästina-Komitee erhielt Instruktionen, die Lage zu untersuchen sowie Bericht und Vorschläge zu unterbreiten. In Italien Rom. Die ln Padua abgehaltene Konferenz der italienischen Zionistischen Föderation protestierte einmütig gegen die Beschjänkung der jüdischen Einwanderung in Palästina und billigte die von dem Prager Zionistenkongr.ß angenommene Resolution Über die Behandlung der deutschen Juden. Advokat Augusto L e v i wurde zum Präsidenten der Zionistischen Föderation Italiens gewählt. Protestresolution der tschechoslowakischen Zionisten ln der am 10. November in Prag stattgefundenen Sitzung des Zionistischen Landeskomitees der Tschechoslowakischen Republik wurde folgende Protestresolution gegen die Einwanderungsbeschränkungen der Palästinaregierung angenommen: «Die Politik der Mandatiarmacht in Palästina, wie sie in der let/ten Zeit in der Veröffentlichung des French- Berichtes, in der Pächterverordnung, In der geringen ZaM der bewilligten Zertifikate, der besonderen Erschwerung gerade der jüdischen Einwanderung und in der neuen Verordnung gegen die sogenannten illegalen jüdischen Einwanderer zum Ausdruck kommt, ist geeignet, das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel zurückzuwerfen und in der Entwicklung zu gefährden. Die Maßnahmen erfolgen in einer Zeit, in welcher das jüdische Volk von der schwersten Katastrophe getroffen ist, wo das Problem der jüdischen Wanderung als Problem von internationaler Bedeutung in der ganzen Welt Verständnis und aktives Interesse gefunden hat, und in der die dem jüdischen Volke zugesagte nationale Heimstätte allein als Zuflucht und Hoffnung in Frage kommt. Das jüdische Volk steht fassungslos vor dieser Antwort der Mandatarmaoht auf seine furchtbare Not. Die Maßnahmen des Mandatars sind vom Boden des Mandats aus geschehen um so unverständlicher, als Palästina als einziges Land der Welt eine Periode wirtschaftlichen Aufblühens erlebt, welches gerade durch di« Jüdische Einwanderung von Menschen, Arbeit und Kapital bedingt ist und auch der nichtjüdischen Bevölkerung große, dauernde wirtschaftliche Vorteile gebracht hat. Wir erblicken hierin eine Verletzung des dem jüdischen Volke Im Mandat gegebenen Reobtes und der vom Mandatar übernommenen Verpflichtungen.» Die Resolution schließt mit der Aufforderung an das ganze jüdische Volk und an die gesamte zionistische Organisation, geschlossen und entschlossen den Kampf gegen diese Politik zu führen. Die Sitzung schieß mit einem Arlosoroff-Arbeit. Appell für die Mifal- Nach Polen und Czemowitz fahren Sie bestens toi geheizten Sonder-D*Zug am 21. Dezember. Rückkunft: 8. Jänner. Sichern Sie sich rechtzeitig Platzkarten beim Ueisedi nst der «Czcrnowitzer Allgemeinen Zeitung», I., Schtilerstraße 1—3 («Der Tag»), Tel. R 21-6-78. üeaamtdurchführung «Francopol», III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90, wo auch Anmeldungen erfolgen. Seefeld, Tiioi 0200 meien hervorragendster Wintersportplatz u. Höhenluttkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport. «Schneesicher». 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