Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 311 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054065--3865-3059418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nf. SU — SO. November 193$ DIB STIMME Seife 3 zuerst als Touristen das Land und seine Möglichkeiten ken* een lernen. Die Enriderang Wanchopes General Sir Arthur Wauchope, auf den die Ausführungen der jüdischen Repräsentanten sichtlich Eindruck gemacht haben, erwiderte: Die Regierung sei sich dessen wohl bewußt, daß die Juden in manchen Ländern grausamen Härten unterworfen sind; dennoch aber könne für die Palästina-Einwanderung kein anderes Prinzip maßgebend sein, als das der Auf n ahmef ähigkeit des Landes. Der High Cömmissioner wies darauf hin, daß nicht nur Juden, sondern auch Araber, die keine Aufenthaltserlaubnis haben, deportiert werden. Zum Schluß sprach der High Commissio- An alle K»altt$Mlna-Inrferessenien f Kompaß Tours Port» Wien New-Torh Offizielle Propagandastelle für Touristik für die Stadtgemeinde Tel-Awiw. Veranstaltet Gesellschaftsreisen zum Purim-Karneval, zu den Osterfeiertagen und zur Levante-Messe. Erteilt Informationen an Palästina-Interessenten. Für Vereine und geschlossene Gesellschaften Sonderbedingungen. NflchsteReise 19.Dezember 1933. Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compaß-Tours Wien, IX., Spitalgasse 3. Tel. B 42-5-38 ner die Hoffnung aus, daß die Mitglieder der Deputation und die Jewish Agency mit der Regierung Zusammenarbeiten werden, damit eine ungesetzliche Einwanderung in Zukunft unterbleibt. Chaim Weizmann Anläßlich zelne9 60. Geburtstages Es gibt keinen lebenden Menschen, dessen politische Tätigkeit so sehr mit der Geschichte der zionistischen Bewegung zu identifizieren ist, wie es bei Chaim Weizmann der Fall ist. Und es gibt keinen Zionisten, dessen Charakterbild so stark von Haß und Gunst verzerrt wird, wie das Chaim Weizmanns. Anläßlich seines 60. Geburtstages, den er am 27. November feierte, wollen wir daher den Versuch einer objektiven Beurteilung der einzigartigen Persönlichkeit Weizmanns machen. Unsere raschlebige. Zeit ist vergeßlich. So wollen wir daher Weizmanns bisherigen Weg schlagwortartig registrieren. Schon als Knabe schloß er sich der Chibat-Zion-Bewegung an. In Berlin gehörte er zu den Gründern des ersten zionistischen akademischen Vereines. Seit dem 5. Kongreß nahm er eine führende Rolle in der zionistischen Bewegung ein. Am 6. Kongreß gehörte er zu den «Neinsagern», die das Ugandaprogramm ablehnten. Der 8. Zionistenkongreß war sein Kongreß. Damals riß er mit einer gewaltigen Rede den -Zionismus zur praktischen Palästinaarbeit empor und schuf den «synthetischen Zionismus». Er führte damals unter anderem aus: «Bisher haben wir nur um Wohltätigkeit bei den Regierungen gebettelt. Sonst nichts. Das wurde politischer Zionismus genannt — — — ich fasse den politischen Zionismus auf als Synthese der Arbeiten auf allen Gebieten.--— Ich bin dafür, die Judenfrage als internationale Frage mit allem Nachdruck aufzurollen, sie nicht nur auf das «Schtadlanut» zu beziehen und weder zu versüßen noch zu versohleiern. Aber von beiden Seiten muß die Arbeit geleistet werden.» Seit dem 12. Kongreß war Weizmann Präsident der Organisation. Im Jahre 1913 hielt er eine bedeutende Rede für die Schaffung der hebräischen Universität, die er dann auch im Jahre 1925 einweihte. Und während des Weltkrieges reifte er vollends zum Staatsmann heran. Unermüdlich arbeitete er, während draußen die Kanonen donnerten, an der Verwirklichung seines Jugendtraumes, daß England den Juden Palästina geben wer^e. Und als Lloyd George Weizmann, der für die englische Munitionserzeugung äußerst wertvolle chemische Erfindungen gemacht hatte, fragte, wie er ihn ehren könne, da bekam er die klassische Antwort: «Mein Bestreben geht dahin, eine Gelegenheit zu haben, etwas für mein Volk zu tun.» Die Balfour-Deklaration krönte Weizmanns Arbeit, in San Remo fand sie internationale Bestätigung. Auf die Frühlingstage der zionistischen Organisation fiel mit dem Churchillschen Weißbuch im Jahre 1922 der erste Reif. Das war nicht Weizmanns Schuld. Balfour war nicht zu bewegen gewesen, Palästina als die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes zu erklären, sondern er versprach nur die Errichtung der H e i m s t ä 11 e i n Palästina. Und das Weißbuch von 1922 unterstrich diese Tatsache. Am 24. Juli 1922 wurde die Bestätigung des Mandats formell verkündigt. Auf dem Züricher Kongreß im Jahre 1929 erreichte Weizmann nach jahrelangen schweren innerzionistischen Kämpfen die Kooperation mit den Nichtzionisten in der erweiterten Jewish Agency. Unmittelbar darauf begannen die Unruhen in Palästina mit ihren schwerwiegenden Folgen. Es kam zur Sperre der Einwanderung und zum Passfieldschen Weißbuch. Weizmann demissionierte und erreichte am Alle Radioapparate modernste Typen, stets lagernd bei J. HAHN, Wien, IX. Wasagasse 12, Tel. A lä-5-20 Serie Günstige Teilzahlungskonditionen. Kostenlose Vor- ‘ führung in Ihrem Heim. Günstige Gelegenheitskäufe. 5 Prozent dös Kaufwcrtes gebe ich zugunsten jüdischer Institutionen nach Wahl des Käufers ab. Provinz und 13. Februar 1931 den sogenannten MacDonald-Brief, der gerade in unseren Tagen seinen Wert zu beweisen haben wird. Die Opposition gegen Weizmann mani festierte sich im Anwachsen des Revisionismus und in der Ablehnung seiner Politik durch die Radikalen und einen großen Teil der Allgemeinen Zionisten. Am 17. Kongreß wurde Sokolow an Stelle Weizmanns zum Präsidenten gewählt. Weizmann zog sich aber nicht zurück. Er reiste nach Südafrika, wo er für den Keren Hajessod arbeitete. Der 18. Kongreß teilte ihm das Referat für die Fragen der aus Deutschland geflüchteten Juden zu und letzthin fand ihn die Welthilfskonferenz in London wieder in der vordersten Reihe. Das wären so die beiläufigen, keineswegs vollständigen Daten, die Weizmanns Weg bezeichnen. In ihnen manifestiert sich die beharrliche, gewaltige Tätigkeit Weizmanns. Sein Weg glich bis zu Churchills Weißbuch einem Triumphzug. Weizmann hat das Weißbuch von 1922 unterschrieben. Jabotlnsky auch. Weizmann aber hat die Last der Arbeit weitergetragen. Jabotinsky hingegen hat — Weizmann vehement angegriffen. Und als Weizmann in Basel. 1931 gestürzt wurde, da hat er trotzdem für die Organisation weitergearbeitet. Jabotinsky aber hat bis heute weder zur Organisation, geschweige denn zur praktischen Arbeit zurückgefunden. Nichts dient besser zur Wertung dieser beiden ehemaligen Weggenossen. . Es gibt wohl keinen Juden, der dicht Weizmanns Namen kennt. Sieht man von bedauerlichen Entgleisungen ab, so kann man sagen, es gab und gibt keinen Juden, sei er nun Zionist oder Nichtzionist, der nicht Weizmann als starke, verdienstvolle Persönlichkeit respektieren würde. Am letzten Kongreß äußerte sich ein englischer Delegierter über Weizmann in einem privaten Gespräch wie folgt: «Weizmann ist gelungen, was anderen Menschen nie gelungen wäre. Er hat uns die Balfour-Deklaration verschafft, er hat Antisemiten zu Judenfreunden, Antizionisten zu Zionisten gemacht, er hat getaufte Juden zum Judentum zurückgeführt.» Jedes dieser Worte ist wahr. Aber, man muß fragen, wieso es dann kommt, daß Weizmann trotzdem im Zionismus viele Gegner hat. Wir sehen niemanden im Zionismus, der Weizmanns großzügige Konzeption, seine bezaubernde Persönlichkeit, seinen nie erlahmenden Arbeitseifer aufweisen könnte, und wir wollen gewisse Uebertreibungen der oppositionellen Einstellung, Aeußerungen einer. überspitzten und abwegigen Demokratie, nicht werten. Warum dann die Fortsetzung der Opposition gegen Weizmann? Diese Opposition hat zwei Gründe, der eine ist persönlicher, der andere sachlicher Natur. Der erstere ist darin zu suchen, daß Weizmann angeblich bei aller Konnivenz ln der Form seine politische Gegnerschaft mit deutlicher persönlicher Abneigung verbindet. So behaupten wenigstens seine Gegner. Vielleicht aber betont Weizmann nur zu stark in der Form den Standpunkt Theodor Herzls, der seinen Reisegefährten nach dem Mißlingen seiner Vorsprache beim deutschen Kaiser in Jerusalem sagte: «Seht ihr, darum bin icfi der Führer. Ich legitimiere mich immer wieder. Ich bin weder gescheiter noch besser als ihr. Aber unverzagt bin ich und darum gebührt mir die Führerschaft.» Es mag dahingestellt bleiben, ob die Form, die Weizmann wählte, wenn es galt, seinen Willen durch-, zusetzen, immer richtig war. Weizmann kam z. B. nicht zum 18. Kongreß nach Prag, obwohl er Mitglied des A. C. war und obwohl er als Delegierter gewählt worden war. Das haben auch viele seiner Freunde bedauert und viele seiner sachlichen Gegner. Gewichtiger sind die sachlichen Argumente gegen Weizmanns Politik. Es ist richtig, daß Weizmann offen seine Sympathien für die Arbeiterparteien zur Schau trug. Daraus sollte man ihm aber keinen Vorwurf machen. Niemand kann den Arbeitern das Verdienst des praktischen Palästina-Aufbaues nehmen, jedermann muß es vielmehr anerkennen. Die chaluzische Einstellung der Jugend der anderen Parteien ist verhältnismäßig jungen Datums, ebenso die Mittelstandsbewegung. Hier wird es sich erst erweisen., ob Weizs mann, wie seine Gegner behaupten, einseitig die Linken bevorzugt. Die Tatsache, daß er sich auf die Linke auch beim letzten Kongreß politisch stützte, ist an sich noch kein Beweis für de Ablehnung der Aufbaupolitik der anderen Parteien. Weizmann ist sicher so klug, daß er einsieht, daß Palästina keinen Klassenkampf ertragen kann, weder von rechts noch von links, sondern daß Palästina nur durch eine harmonische Ausgleichung der Klasseninteressen aufgebaut werden kann. Ein weiteres Kampfobjekt ist die Kooperation mit den Nichtzionisten in der von Weizmann in Zürich durchgedrückten Form. Man muß gerecht sein: Die Erweiterung der Agency stand unter einem unglücklichen Stern. Kaum war sie gegründet, da starb der einzige Mann, der auf die nichtzionistischen Kreise den größten Einfluß hatte, Louis Marschall. Gleichzeitig setzten in Palästina die Augustunruhen des Jahres 1929 ein und die Weltwirtschaftskrise tat das ihre. Die Idee der Heranziehung der Nichtzionisten war an sich gesund. Die Auslieferung der maßgebendsten Machtpositionen an die Nichtzionisten ohne entsprechende Gegenleistung war ein Fehler. Aber dieser Fehler darf nicht verewigt werden, er muß behoben werden. Das sollte rasch geschehen und wird den innerzionistischen Frieden fördern. Wir wissen nicht, wie Weizmann heute über seine Aeußerung bei der Berliner A. C.-Tagung und über das bekannte Interview in Basel beim 17. Kongreß denkt, Weizmann leitet heute das Referat der.deutschen Flüchtlinge. Wir wollen hoffen, daß wir bei dieser schweren Aufgabe wieder den Weizmann vor uns haben, der einmal sagte: «Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch ist», oder ob seine Gegner Recht behalten. Die Zionistische Organisation befindet sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, auf dem Wege zu einer Konsolidierung. Weizmann wäre dazu berufen, aych im innerzionistischen Leben der große Führer zu sein. Und alle Zionisten ohne Unterschied der Partei werden ihm treue Mitkämpfer sein, wenn sie wissen werden, daß sie dem Führer Weizmann folgen, der die Worte gesprochen hat, die er auch heute und gerade heute wieder für wahr hält: « ..Es ist kein jüdischer Staat, es mag noch ein langer Weg zum jüdischen Staat sein, aber niemand kann diesen Weg zurücklegen als wir selbst. Kein geschriebenes Dokument kann ihn sichern. Der jüdische Staat wird geschaffen durch jüdisches Blut, jüdische Arbeit und jüdische Energie. Der einzige Weg, Zion zu bekommen, Ist, dafür zu arbeiten.» In diesem Sinne grüßen wir Weizmann zu seinem 60. Geburtstage. Wir danken ihm für alles, was er im Zionismus Großes geschaffen und, so wollen wir hoffen, noch schaffen wird; und wir wünschen ihm und dem ganzen jüdischen Volke, daß noch in seinen Tagen unsere nationale Sehnsucht ihre Erfüllung finde. Dr. Oskar Grünbauin. * Glückwunschdepesche des zionistischen Landeskomitees Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat aus Anlaß des 60. Geburtstages Professor W e i z n^a n n s am 27. November an den jubilierenden FüWrer eßne herzliche Glückwunschdepesche gesandt Eine Weizmann-Monographie Aus Anlaß des 60. Geburtstages Dr. Chaim Weizmann» erschien unter dem Titel «Chaim Weizmann, der jüdische Staatsmann» eine Monographie aus der Feder des Dr. Manfred Reifer, herausgegeben vom Jüdischen Klub «Masada». Der Autor läßt die Persönlichkeit Weizmanns aus seinem Milieu emporwachsen und schildert am Beispiel dieser Führergestalt im Judentum die Geschichte des jüdischen Volkes im letzten halben Jahrhundert. Die Broschüre ist im von S 1.30 zu beziehen. Monistischen Bureau auitn Presse RESTAURANT TONEILO II. Am «ler raarlenbrilcHe Renoviert — Reformiert — Preise reduziert! NORMALKOST MENÜ 1-50 u. 2*- Itn ABONNEMENT . . 1*85 u. 1‘fiO Alle Arien Diätkost — Vegetarische und Rohkost unedereroitnet Samsiag, 18. November