Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 310 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 3t0 — 23. November 1933 DIE STIMME £e1fe 9 PALÄSTINA-BEILAGE DUltelständlsdie Voirstadlsledlung bei Haifa Ein Fkgsrzetg Silsr latsarcsseaatei» Die allgemeine triste Lage Europas in wirtschaftlicher und politischer Beziehung und die besonders schlechten Aussichten für unsere Volksgenossen, jene In Oesterreich keineswegs ausgenommen, lenken die Aufmerksamkeit immer mehr auf Palästina, welches sich schon heute als Asyl für die verfolgten Juden bewährt und durch seine andauernde Prosperität und den wachsenden jüdischen Einfluß im Lande eine bessere Zukunft verheißt. ln den ersten Jahren der nach dem Kriege von der Zionistischen Organisation neu initiierten Kolonisationstätigkeit, wandten sich die einwandernden Elemente naturgemäß als nächster Aufgabe der «Eroberung der Arbeit* in landwirtschaftlichen und alsbald auch in industriellen Betrieben zu und kamen als Arbeiter wirtschaftlich und politisch unter den Einfluß der Arbeiterpartei, welche wiederum mit den Siedlungsbehörden der Jewish Agency in engem Kontakt steht. So sind heute die Wege zur Einbürgerung und Verwurzelung gerade dieses Elementes in Erez recht gut ausgeschl'ffen. Die wohlhabenden Juden, welche vielfach später und fußend auf der durch Jene Pioniere erzfeiten Hebung des-Lebensniveaus ins Land kamen, konnten sich vielfach durch eigene Tatkraft eine Position schaffen. Am Schlechtesten waren bisher die MittelStändler daran, welche sowohl einer planmäßigen Förderung durch die Jewish Agency entbehrten als auch Neigung und Gabe zu Organisierter Selbsthilfe vielfach vermissen ließen. Angesichts der vielfachen Schwierigkeiten, welche gerade diesen Olim (Einwanderern) das ungewohnte Klima, die hebräische Sprache und die in jeder Hinsicht andersartigen Verhältnisse bieten, Ist es doppelt wichtig, an einen Gedanken anzuknüpien, welchen schon Herzl in seinen grundlegenden Werken «Judenstaat* und «Altneuland» festgehalten und gestaltet hat, nämlich die IJeberwanderu.ng durch Zusammenschluß in 1 a n d s m a n n sc h a f tl i c h c Verbände zu erleichtern. Ist es ja ohne weiteres verständlich! daß Leute, welche sich schon von'früher kennen und vertrauen, auch ln Erez belsammeubleiben, um gegenseitig Aussprache und Hilfe zu finden. Gegenüber den Vorteilen eines solchen Zusammenschlusses tritt dessen Schattenseite: die sprachliche und gesellschaftliche Isbliertfng vpfl"der Übrigen Judfehschaff zurück,'zumal die hebräisc.he. Schule, Liebe und Ehe, sowie das starke nationale Leben überhaupt jener Isolierung entgegenwirken. So wie sich vor Jahren innvtten des damals meist aus Rußland stammenden Jischuw die «Olej Polania* organisierten/ würde jetzt nach dem Einströmen der Flüchtlinge aü’s-Deutschland die «Hitacluluth Olej Germania» gegründet, welche auch schon mit der Jewish Agency wegen An- »ledlüng ihrer Schützlinge in Verhandlung trat. Und bald darauf entstand die «Hitachduth Olej Austria» (c/o Kesher, Tät Aviy, RecHow Allenby 118), welche sich der Einwanderer aus den Gebieten der alten österreichisch-ungarischen Monarchie von der Ausbootung bis zur Unterbringung in neüen Berufen annimmt, soweit es diese improvisierte, vorwiegend gesellschaftliche Vereinigung vermag. : Wie nun ist unseren Freunden aus dem Mittelstand nachhaltiger zu helfen? Aus den Zeitungsberichten ist genügend bekannt, welche große Erschwerung es für die Olim bedeutet, daß die Bautätigkeit, so überaus rege sie Ist, hinter der Zuwanderung weit zurückblcibt und daß sonach die Mietpreise, besonders in Tel-Awiw, rapid und über das Maß des Erträglichen steigen. Desgleichen ist bekannt, daß die von vielen als Ausweg ersehnte Erbauung eigener Häuschen insoiange unausführbar bleibt, als auch die Preise für den Boden durch die Spekulation der arabischen und jüdischen Verkäufer ständig hinaufschncllen. Demgegenüber bietet sich als einziger Ausweg die Ansiedlung auf dem Boden des Keren Kajemcth, welcher ihn nach seinen Grundsätzen an städtische Siedler in Erbbaurecht für zunächst 49 Jahre zu bloß vier Prozent des Bodenwertes verpachtet. Leider sind die dem KKL. zur Verfügung stehenden Böden auch für städtische Siedler dem Ausmaß nach recht beschränkt und diese Bauparzellen "chon heute von Siedlungskandidaten heiß umworben. Um so mehr Grund für die <i n ■■ i ti Auskünfte und Anmeldungen: Reisebüro Wien, I., Rotentnrmstr. 20 (Ecke Flcischmr.rkt 1), Tel. R 24-5-25. Olim aus Oesterreich, nach dem Rechten zu schauen I Für sie kommt hauptsächlich jene Bodenreserve in Betracht, welche der KKL. im „Mifraz Chaifa», d. h. in dem sich von der Stadt Haifa gegen das benachbarte Akko längs der der Meeresbucht erstreckenden Areal. Während die Haifa nächstgelegene Südzone des Areals für die Industrie reserviert und die noch nicht sanierte Nordzone für landwirtschaftliche Zwecke vorgesehen ist, Interessiert uns die zentrale, städtische Zone, wo sich schon die Anfänge einer großen Arbeitervorstadt und nördlich davon die eines —- auf Initiative des angesehenen Advokaten Dr. Klebanow — In Bau genommenen mittelständischen Quartiers befinden. Für die Bevorzugung von Haifa sprechen verschiedene Gründe. Es gilt — nach der kürzlich gefeierten Eröffnung seines großen Hafens — mit mehr Recht denn je als die Stadt der Zukunft, welcher den jüdischen Lebensstrom zuzuführen als wichtige nationale Aufgabe erscheint. Und speziell für Neulinge aus Oesterreich empfiehlt sich Haifa, weil hier deutsch noch einigermaßen verstanden wird und weil viele Wiener und Oesterreicher im zentralen Stadtviertel Ha dar Hakarme!, am Karmelgebirge selbst und in der weiteren Umgebung Grundstücke besitzen, deren Erschließung und Verwertung weitere Möglichkeiten verheißt. Das Landeskomitee für Oesterreich hat schon bisher erkannt, daß es seinen Aufgabenkreis nicht länger auf die zionistische Arbeit hierzulande beschränken darf, sondern, daß es fortab die aus Oesterreich stammenden Zionisten bei ihrem Streben, in Erez Fuß zu fassen, an Ort und Stelle fördern muß. Daher hat .'.das'Landeskomitee das auf KKL.- Boden im Haifagebiet gegründete Aufnahmelager («Machanth») des Wiener Jugendbundes «Gdud Hazeirim» in Schutz genommen. Und aus gleichem Grunde beschloß das LK. nunmehr, an die Organisation der ansiedlungsbereiten Mittelständler aus Oesterreich heranzutreten. Deshalb hat das LKeine eigene «Kommission für mjttelständische Siedlung* eingesetzt, welche sich wie folgt konstituierte: Rechtsanwalt Dr. Jakob Ehrlich, Präses, Josef Schur, Vizepräses, Dr, Fritz Kafka, Schriftführer, ferner die Mitglieder Dr. Paüft Berger, Dr. Simon Horowitz, Dr. Alfred Löwy/ Ing, Josef Laszkowitz und Dr. E. M. Zweig. . Das LK. bestätigte ferner ein Komitee in Haifa, für welches sich die Herren Dr. Wilhelm Beigel, Ing. Hans Sobelsohn und Willy GoI dsm i th, POB 321, eingedenk ihrer zionistischen Frühlingsjahre in Wien voll uneigennütziger Hingabe bereitgestellt haben. Dieses Komitee, welches mit der Wiener Kommission in ständiger Verbin- Jerusalem. Die arabische Exekutive hat auf Ihrer letzten Sitzung beschlossen« eine Proklamation an die arabische Bevölkerung zu erlassen, in der dieser die Anerkennung für den durch den Generalstreik bekundeten tapferen Widerstand gegen die Regierung ausgesprochen wird. In das Verwaltungsbureau der Exekutive wurden an Stelle der bei den Unruhen verhafteten Mitglieder Auni Bsy Abdul Hadl, Jamal al Hussein! und Izzak Darwaza, der Neffe des Groß-Mufti IshacDarwish, der Advokat Omar Saleh el Barguthy und der Herausgeber der Zeitung «Sow Es-Sbaab» Elssa el Bendak, ein christlicher Araber, berufen. Eissa el Bendak hat vor kurzem in Paris mit dortigen Arabern eine Beratung über neue Methoden zur Bekämpfung der Juden ln Palästina abgehalten. An dieser Beratung haben auch den Natlonalsozialisten nahestehende Araber teligenommen, die eigens zu dieser Beratung aus Berlin nach Paris gekommen waren. In gemäßigten arabischen Kreisen nimmt die Unzufriedenheit mit dem von der arabischen Exekutive eingeschlagenen Kurs einer auch vor Gewaltanwendung nicht zurückschreckenden radikalen Politik zu. Die tragischen Folgen, die diese Politik gezeitigt hat, haben den Herausgeber der gegen reaktionäre Bestrebungen kämpfenden Zeitung «Meraat el Shark» Boulos Effendl Sheha« deh, einen Führer der gemäßigten arabischen Richtung, der Vor Erkältungskrankheiten schützt man sich ni.t gutem Erfolg durch Togaltabletten, sofern man Togal rechtzeitig nimmt. Togal löst die Harnsäure, das Selbstgift des menschlichen Körpers, wodurch ebenso rasche wie oft dauernde Wirkung erzielt wird. Sie bekommen Togal in jeder Anothekc. düng bleibt, hat die hier gefaßten Beschlüsse In Erez auszuführen, bezw. deren Ausführung zu überwachen. Die nächste Aufgabe beider Komitees ist es, alle Personen, welche sich an der Mittelstandssiedlung nächst Haifa ernstlich beteiligen wollen, in Evidenz zu nehmen, sie zu beraten und sich über ihre Wünsche 2u vergewissern. Auf Grund dieses Materiales wird das LK. mit den Kolonisations- Instanzen der Jewish Agency und voran mit dem KKL.- Direktorium wegen Bcistcüung des nötigen Bodens verhandeln. Sodann wird aus den Angcmcldeten die je nach den Siedlungsbcdingungen nötige Auswahl zu treffen sein, worauf sich die künftigen Siedler in eine Baugenossenschaft oder die sonst zweckmäßig^ juridische Form zusammenschließen sollen. Vorstehende Darlegung dürfte ein allgemeines Bild dessen geben, was geplant wird. Als Siedler sind solche Personen erwünscht, welche gewillt sind, in Erez ein Leben bescheidener Arbeit zu führen. Sie sollen in oder bei Haifa ihrem Handwerk oder sonstigen Beruf nachgehen und draußen, in dem vorläufig noch wenig entwickelten, aber schon heute mit der Stadt durch eine Autobuslinie verbundenen Terrain in ihrem, von einem kleinen Garten umgebenden Häuschen, wohnen. Ein solches, bestehend aus zwei Zimmern mit .allen Nebenräumen, stellt sich nach der jüngst eingetretenen starken Erhöhung aller Arbeitslöhne auf 200 bis 210 Pfund Sterling und zuzüglich aller Kosten für Parzellierung, Planung, Hypotheken- und Tabulargebühren, Wasserinstallation, Straßenbau und Beleuchtung usw. auf 240 bis 260 Pfund Sterling. Unter sonst gleichen Umständen wird den schon in Erez Lebenden, welche hiedurch eine Bürgschaft für ihre zionistische Gesinnung, für ihre Entschlossenheit und Erfahrung.mit den Landesverhältnissen geben, der Vorzug gebühren. Auch werden jene, welche aus eigenem die Baukosten aufbringen können, einen leichteren Stand haben. Doch soll cs Aufgabe des LK. bezw. der künftigen Siedlergemeinschaft sein, die unzureichenden Eigenmittel einzelner Siedler durch Erlangung von Baukredit bei den schon bisher im Lande tätigen Hypothekarinstituten zu ergänzen. Die Kandidaten mögen sich auch schon heute darüber klar sein, daß nach den ständigen Leitsätzen des vom KKL. formulierten Erbbauvertrages die dort ehenstens zu erbauenden Häuschen in erster Reihe für den Selbstgebrauch der Bauherren bestimmt sind. Mittelständler, welche sichfürdie Beteiligung an der geplanten Vorstadtsiedlung be i H a 1 f a ernstlich i nt e r ess i e r e n, si h d h f e m 11 e I n g e I a d e n, siclf1 bei der’ Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes (I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86) Dienstag und Donnerstag von halb 7 bis 8 Uhr abends zu melden. Das Komitee in Haifa wird die nötigen Daten unter den in Erez lebenden Oesterreichern sammeln. Der Ernst unseres Palästlnawlllens wird diesen Plan hoffentlich bald in Wirklichkeit umsetzen. sich vergeblich bemüht hatte, die Exekutive von Ihrem verhängnisvollen Schritt abzuhalten, veranlaßt, ans der arabischen Exekutive auszuscheiden. Shehadeh veröffentlicht in seinem Blatte einen Artikel« in dem er ein Bild von den Verhandlungen auf den der Streikerklärung vorangegangenen Sitzungen entwirft und schildert, wie es dazu kam, daß die Exekutive schließlich den Beschluß faßte, «um jeden Preis» zu demonstrieren Als man aber sah, wie die Regierung gegen die Demonstranten vorging, da habe die Exekutive in völliger Verwirrung ihren Standpunkt plötzlich aufgegeben. Beschränkung der Landnngserlanbnls nnr vorübergehend Jerusalem. Wie der Jüdischen Telegraphcn-Agentur von der Palästinaexekutive der Jewish Agency mitgeteilt wird, ist die Verordnung der Regierung, durch die die Zahl der Schiffspassagiere, die in palästinensischen Häfen landen dürfen, begrenzt wird, nur als vorübergehende Maßnahme gedacht. Der Verordnung zufolge können die Schiffe 400 Einwanderer, Touristen nicht eingerechnet, an Bord haben, von denen je 200 in Haifa und in Jaffa an Land gehen können. Diese Maßnahme kann nicht als Einschränkung der Einwanderung aufgefaßt werden; die Zahl der der Agency zur Verfügung gestellten Zertifikate läßt die Indienststellung von Schiffen größeren Fassungsraums nicht zu. Meiden sie sich rasehest zur nächsten Polenreise am 10. Dezember im Keisebüio ,,MA' IKNBRÜL'Kh“ Wien, 1., BotentnrjnstratJe 26. Telephon R 24-2-5:6 und R ‘44-2-87 Sammelt und opfert für Mifal Arlosoroff ... - ——- Unznfrlcdcnheli unter den gemäßigten Arabern i L 1 84 A04-+/^^