Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 310 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite * m STIMME Nr. 310 - 23. November 1939 Worte einer aufrichtigen Mitkämpfers Das poalezionistische Blatt in Polen «Das Wort* feiert das Jubiläum des Erscheinens der WO. Nummer und erhielt aus diesem Anlaß Glückwunschschreiben. Eines davon erscheint dem Wiener poalezionistischen Organ *Der jüdische Arbeiter» so wertvoll, daß es sich gedrängt fühlte, dieses Schreiben unter dem vielsagenden Titel «Worte eines aufrichtigen Mitkämpfers» abzudrucken. Der «aufrichtige Mitkämpfer* gratuliert in proletarischer Solidarität der Zeitung «Das Wort» zu ihrem Hunderttage-Jubiläum und erklärt weiter: «Darüber hinaus empfinde ich in diesen Zeiten, da tückischer Mord und irrsinniger Haß den deutschen Zweig des Judentums bearängt, das Bekenntnis zu meinem verfolgten, in seiner Ehre und in seinem Leben bedrohten Volke als gebieterische Pflicht.» Dann kommt ein Loblied auf die Segnungen des klassenlosen sozialistischen Zukunftsstaates. Bedauernd wird festgestellt, daß es einstweilen noch Antisemitismus gebe und dann heißt es weiter: «Da darf man sich nicht ducken! Da muß man sich mannhaft als Sozialist, als Bürger der kommenden Zeit, als Jude, gegen ihn stellen. Und wo sich der Abwehrkampf verbindet mit herrlichem sozialistischem Werk, das Ihr, Genossen, in Erez Israel leistet, da strömt die bewundernde Sympathie jedes Sozialisten Euch zu. Ich bin mit Euch, Genossen, hier und in Palästina, verbunden mit Euch in echtem, sozialistischem Geist, der die Arbeiter der ganzen Welt und ihre Werke trägt.» Wer ist nun der «mutige Mitkämpfert>, den der € Jüdische Arbeiten wert findet, zitiert zu werden? Wo hat er für Palästina mitgekämpft? Diese letzte Frage können wir leider nicht beantworten. Wir haben von diesem Mitkämpfer im Zionismus bisher nichts gehört. Wir wissen nur, daß er Mitkämpfer der sozialdemokratischen Partei in Oesterreich war, die den Zionismus stets bekämpft hat, voran durch ihre konfessionslosen ehemals jüdischen Führer. Daß aber eine zionistische Zeitung jemanden als Mitkämpfer deklariert, weil er die Worte Jude und Palästina einmal in den Mund nimmt, das ist dem «Jüdischen Arbeiter» Vorbehalten geblieben. Der «Jüdische Arbeiter», das Organ der Poale- Zionisten, darf auch den «Ruhm» für sich in Anspruch nehmen, einen aus dem Judentum ausgetretenen, konfessionslosen Menschen einen «aufrichtigen Mitkämpfer» zu nennen. Denn der Autor der «Worte eines aufrichtigen Mitkämpfers» ist — Herr Julius Braunthal», Chefredakteur des «Kleinen Blattes». Und dieser «aufrichtige Mitkämpfer» des «Jüdischen Arbeiters» ist bereits am 18. Dezember 19 12 aus de m]ude ntu m ausgetreten und gehört der Wiener Israelin sehen Kultusgemeinde nicht an. Ob seine Frau und seine beiden Kinder dem Judentum angehören, konnten wir nicht feststellen. Für uns ist also Herr Braunthal kein Jude. Nach unserer Ansicht ist nur der Jude, der sich zum jüdischen Volke bekennt und der jüdischen Religion angehört. Armer «Jüdischer Arbeiter», so ein Pech! Endlich nimmt ein hervorragender Genosse die Worte «Jude» und «Palästina» in den Mund, ohne zu mauscheln oder zu antisemitein. Da will man doch den Genossen zeigen, wie aufrechte Mitkämpfer der sozialistischen Zionisten in der Wienzeile sitzen und blamiert sich so jämmerlich. Oder irren wir uns vielleicht? Wir möchten gerne hören, ob am Ende der «Jüdische Arbeiter» Herrn Braunthal auch weiterhin als €aufrichtigen Mitkämpfer» ansieht. Wohlgemerkt, als zionistischen Mitkämpfer! Sonst interessiert uns die Sache Braunthal nicht. g. Irrtümliche Konfiskation der „Stimme14 Unsere Zeitung «Die Stimme» wurde letzten Samstag irrtümlicherweise in öffentlichen Lokalen von der Polizei beschlagnahmt. Der Irrtum ist darauf zurückzuführen, daß das Wiener zionistische Wochenorgan «Die Stimme» mit der in Karlsbad erscheinenden «Stimme» verwechselt wurde, die in Oesterreich auf ein Jahr verboten wurde. Ueber Intervention des Zionistischen Landeskomitees bei der Pressepolizei wurden von derselben Maßnahmen getroffen, die eine Verwechslung beider Zeitungen in Hinkunft unmöglich machen sollen. Billige Sonderfahrt «•«*» Abfahrt lü. Dezember, Kückfahrtfn POLEN 21. Dezember oder 2. J nner Ulten-'irakaii CO1- Wien Lemberg OC1oid retour» und retour & M Paßu. Visaireblihren errati»! Nurnerit'rtoSItrplä'ze in beldonKlchtungen Reisebüro .,Har:enbrttcka4\ Wien« I. Tel. It 2t 2-ÖO Rotenturmstraoe 70 Te'. R-24-2 81 TOI ATS 08 / IFDIL Ein Fox-Film Alljährlich werden so viele Filme auf den Markt geworfen, die wieder verschwinden und von denen man bald nichts mehr weiß. Nur ganz selten erscheint ein Film von bleibendem Werte, ein wirkliches Kunstwerk. Ein solches jedoch ist«Cavalcade, der Film einer Generation». Nach Noel C o w a r d s Theaterstück hat Frank Lloyd mit Meisterhand einen Film inszeniert, in dem das Schicksal eines Ehepaares das einer ganzen Epoche widerspiegelt. In der Sylvesternacht 1899 feiert Robert Marryot und seine Frau den Beginn eines neuen Jahrhunderts. Doch bald muß der Gatte in den Burenkrieg ziehen und seine Frau bleibt zurück. Täglich bangt sie um ihn. Doch er kommt gesund zurück. Königin Viktoria stirbt, die Zeit vergeht, die Söhne der beiden sind herangewachsen. Der eine heiratet und auf seiner Hochzeitsreise mit dem Riesendampfer «Titanic» findet er den Tod. 1914. Der Weltkrieg bricht aus, Vater und Sohn ziehen hinaus. Der Sohn fällt. Allein sind die beiden Gatten wieder. Die Nachkriegszeit vergeht und in der Neujahrsnacht des Jahres 1933 trinken sie sich zu, aui eine neue bessere Zukunft. Das ist der Inhalt, kein außergewöhnliches, hervorstechendes Schicksal, nein, das einer Generation. Schauspielerisch steht der Film im Zeichen einer Frau: Diana Wynyard. Diskret, unaufdringlich, menschlich spielt sie die leidende Mutter, die beide Söhne verloren hat. Ihren Gatten stellt Clive Brook vornehm und gelassen dar. Ein wunderbarer Charakterdarsteller ist Herbert M u n d i n, der den durch Trunk herabgekommenen Diener meisterhaft darstellt. Auch alle andere Darsteller geben Meisterleistungen. Die vielen Massenszenen sind höchste Vollendung, wie überhaupt die Regie ganz hervorragend ist. Ein nächtlicher Zeppelinangriff auf London oder die den Waffenstillstand feiernde Menge sind Spitzenleistungen der Regiekunst. Der Film läuft deutsch nachsynchronisiert, nur im B u r g k i n o ist die englische Originalfassung zu sehen. Einer der wenigen Filme, die man gesehen haben muß, die einen Markstein in der Entwicklung der Filmkunst bedeuten. J. P. «Entfesselte Menschen» Im Mittelpunkt des schönen Films, der diesen Freitag in Wien erscheint, steht die wunderbar gesehene Figur eines jüdischen Arbeiters, der mit großer Treue an seinem Herrn hängt und den Aufstieg dieses Herrn mitmacht. Dieser Jude hat im Verlauf des Films viele schöne Sätze zu sprechen, die wahrscheinlich eine Stellungnahme Filmamerikas zu den Judenverfolgungen in Deutschland darstellen. Schon aus diesem Grunde ist der Film, dessen Hauptrollen Richard Dix, Irene Dünne und Estelle Tayhor spielen, ungemein sehenswert. Er läuft im Kreuz- und Kristall- Kino Palast. JUdische Kunststelle 14 Aspernbrückengasse 2 Tel. R 48-2-91 — Büro: 9 bis halb 7 Uhr Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten für folgende Theater zur Verfügung: Staatstheater, Scala, Deutsches Volkstheater, Kaanmerspiele, Komödie, Theater an der Wien, Moulin Rouge, Der liebe Augustin, Theater in der Josefstadt (nur Samstag nachmittags). 2. Ika-Vortragsabend: Donnerstag, 7. Dezember, Punkt halb 8 Uhr «Fritz Grünbaum spricht über Humor ate Weltanschauung». Vortragssaal Mirjam, L Jordangasse 7. Konzerte: Dusolina Giannind, Freitag, 24. November (g. K. S.) — Erica Morini, 5. Dezember (g. K. S.) — Moritz Rosenthai, 7. Dezember (g. K. S.) — Richard Tauber, 12. Dezember (g. M. S.). Künstlerhaus: Reklame-Ausstellung. Führungen: Sonntag, 27. November, halb 11 Uhr, Kunsthistorischts Museum (Antike). Leitung: Dr. 0. Rosenfeld. Photokurs: Beginn Dienstag, 21. November, 8 Uhr, I., Jordangasse 7 (Mirjamheim). Acht Abendstunden zum Preis von S 2.—. Gymnastikkurs: Leiterin Maria Trintscher Stemschein, VII., Wickenburggasse 26. Zweimal wöchentlich. Per Monat S 7.50. * * * J&eüta, jJCtutftc&hattik Volksbildungsheim «Jüdisches Volksheim», II., Blumauergasse 1 Samstag, den 25. November 1933, 20 Uhr 15, liest Ernst Lissauer aus eigenen Werken, u. zw.: Aus dem Drama «Mose», «Noah und die Menschen» (Legende), Anklage, Jüngstes Gericht von heute (Gedichte), aus dem Drama «Das Weib des Jephta». Einleitende Worte: Dr. Franz Kobler. Gäste willkommen. ★ Kurse des Volksheimes. Hebräisch für Anfänger und Vorgeschrittene täglich abends. Englisch für Anfänger Montag 8 bis 10 Uhr abends. Nähen Montag 7 bis 9 Uhr abends. Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung (Dr. S. Sokal) Dienstag 8 bis 9 Uhr. Palästinakunde (Dr. Leo Goldhammer) Mittwoch Y28 bis V29 Uhr. Rhythmische Gymnastik (Nussi Gottesmann) Mittwoch y29 bis 10 Uhr. Schicksal und Werden des jüdischen Volkes, ein Querschnitt durch die jüdische Geschichte (Dr. S. Rappaport) Donnerstag 8 bis 9 Uhr. «Sucher und Künder», Vortragszyklus von Frau Doktor Martha Hofmann, IX., Freiheitsplatz 13. Nächster (letzter) Werbemonat des Z’onlstisehen Landeskomitees Das Zionistische Landeskomitee hat beschlossen« in der Zeit vom 20. November bis zum 20. Dezember L J. einen Werbemonat durchzuführen. Es Ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen« diese Aktion tatkrfiftigst zu unterstützen. « Anmeldungen zur Mitarbeit bei Dr. Philipp F. Pickholz, Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntner- Straße 28. Anzutreffen ln der Zeit von 12 bis 1 Uhr mittags. Tel R 27-4-86. Vortrag Martin Buber: «Wiedergeburt des Judentums aus dem Geiste der Mystik» Dienstag, den 28. November 1933, Punkt 6 Uhr abends. (Anmeldungen A 27-6-68.) «Literarisch-musikalischer Abend» In unserem vorwöchigen Bericht über den literarischmusikalischen Abend in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt blieb aus Versehen folgender Satz aus: Herr Alter Feuer sang mit seiner prächtigen Stimme, begleitet von Fri. P o r t o n o y, jüdische Volkslieder. «Jüdische Bühne», Wien, II., Praterstraße 60, TeL R 43-4-59 Ab Freitag, den 24. November, und täglich um halb 9 Uhr abends gelangt zur Aufführung, zum erstenmal in Wien: «Schlojme Salmon Pjewtschik», Tragikomödie mit Gesang in drei Akten von Weißmann. Regie: D. Seidermann. Die Titelrolle: D. Seidermann. In der Rolle Taube: A. Lemer. V. Z. H. „Theodor Herzl", II., Krummbaumgasse 10. Samstag, den 25. d. M., um 20.15 Uhr, findet In unserem Heim der Eröffnungsvortrag unseres diesjährigen Semtnars „Nationale Assimilation und Dissimilation“ statt. Es spricht unser A. H. Dr. Goldhammer über „Problemstellung unseres Seminars“. Zionistische Hochschüler(innen) al» Gäste willkommen! Richtige Ernährung Ueber richtige Ernährung für Gesunde und Kranke sprach am 16. d. M. Prof. Pa dl es ak anläßlich eines bei Tonello stattgefundenen Pressempfanges. Die weltberühmte Küche hat, der modernen Richtung Rechnung tragend, eine streng gesonderte vegetarische una Rohkostabteilung dem normalen Betriebe angegliedert Tonello hat das Erste Wiener Diätrestaurant unter Leitung eines erprobten Diätohefs, das Diabetiker, Magen-, Nieren- und Gallenleidende etc. verpflegt und nach ärztlicher Vorschrift alle Arten und Formen der Diätkost zubereitet Die rituelle Führung der Küchen bleibt nach wie vor erhalten und wird auch darauf strenge geachtet. Wir machen unsere gesch. Leser auf das Inserat der Eiektro-Radio-Material-Firma J. Hahn, IX.. Wasagasse 12, aufmerksam. Die Firma Hahn hat sich bereit erklärt, 5 Prozent vom jeweiligen Kaufbetrag an jüdische Institutionen, je nach Wahl des Käufers, abzuführen. Wichtig für Polen-Reisende! Am 21. und 28. Dezember finden billige Fahrten (Visa gratis) nach Polen, Krakau, Lemberg — auch Zakopane — statt. Aufenthalt in Polen für beide Reisen bis 7. Jänner 1934. Näheres: «Francopol», Wien, III,, Rennweg 1. Tel. U 16-4-90. Sei irliUtunflslranlfidten, röeumatifrfien unb gidjttjcf)ßn 39efdjfrerben ftitb £ogal*£abletten unübertroffen. £ogaI fdjeibet bte ^antfäure au£ unb gefjt baljer bireft jur SBurjel bei Ucbelß. fragen ©te Streit $rat. 3n aßen 2l|J0tf)efett erpltltcf). ^JreiS ©. 2.40. Neue Fahrpreise des Lloyd Trlestlno für Emigranten Wie wir erfahren, treten am 22. November für Emigranten aus Oesterreich die nachfolgend angegebenen Preise in Kraft, die neben der Ueberfahrt von Triest nach Jaffa oder Haifa auch den Transport und die Einschiffung des Gepäcks und die Einschiffungstaxe in Triest erschließen: 111. Klasse für Kategorie A, G, H.S 254.25 III. „ „ B, C, D.S 166.15 III.B. „ „ „ B, C, D.S 144.15 Deck „ „ „ B, C, D.S 120.45 Diese Preise gelten für die direkte Eillinie T r i e s t—P a 1 ä s t i n a. Auskünfte erteilen: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6. und Palästina-Amt. I., Kärntnerstraße 28. Cafe Vienna, Haifa NordRiistrRRt Das Pamiliencafe am Platze. Treffpunkt aller österreichischen Juden Täglich Kttnstlerkonzert Inhaber: jRhuda Hauser Gründer des Cafe Vienna Jerusalem W>oÄi*i am 16. $&/iamßueA&f Zur großen Makkabäerfeier des Zionistischen Landeskomitees im Militärkasino (Schwarzenbergplalz)