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Die Stimme · 1933-11-23 · Heft 310 (23.11.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 310 (23.11.1933)
Date
1933-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 9 DIE STIMME Nr. 310 •* 33. November IW 3049 Juden in Palästina eingewandert. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwana'erer seit Kriegsende beläuft sich auf 132330. Die Zement:abrik Seshcr in Haifa hat vor kurzen ein neues Invcstierungskapiial in Höhe von 150.000 Pfund zur Durchführung einer Bau- und Betriebserweiterunit bereitgestellt. Jet:t stellt cs sich heraus, daß die Fabriksleitung wegen akuten Mangels an Arbeitern, der seine Ursache in der Einschränkung der jüdischen Einwanderung hat. die geplanten neuen Anlagen nicht in Angriff nehmen kann. Der Umfang der Kapitaleinfuhr nach Palästina ist daraus zu ersehen, daß im Monat September 452 Einwanderer der Klasse A, die ein Eigenvermögen vo/i mindestens 1000 Pfund haben müssen, nach Palästina gekommen sind. Von diesen Einwanderern waren nur zwei Christen, alle übrigen waren Juden. Der jüdische Kapitalsimport betrug in diesem Monat somit mindestens 450.000 Pfund. Unter Berücksichtigung der von Handwerkern, Mittelstandssica'lern, Arbeltcreinwandcrern und Studenten ins Land gebrachten kleineren Beträge wird man bei vorsichtiger Schätzung auf eine Gesamteinfuhr von mindestens 600.000 Pfund in einem einzigen Monat rechnen können. Eine genaue Aufstellung über die in palästinensischen Banken deponierten Gelder, für die bisher noch keine Verwendungsmöglichkeit zu Investitionszwecken gefunden werden konnte, kann nicht gegeben werden. Man schätzt diese Beträge auf über 10 Millionen Goldmark. Es handelt sich zum größten Teil um jüdisches Kapital. * Wo liegt also denn der Giund für die Maßnahmen der Mandatarmacht? Niemand wird so naiv sein und annehmen wollen, daß England vor arabischen Demonstranten zurückschreckt. Hat doch England den Demonstrationen pflichtgemäß und mühelos ein Ende bereitet. Aber einen Grund muß es doch für Englands Vorgehen geben! Gewiß, und einen sehr einfachen noch dazu. England sieht momentan wieder in Palästina nur einen politischen und strategischen Schlüsselpunkt seiner Stellung im nahen Orient. Es scheint England aus dem Gedächtnis entschwunden zu sein, daß es in . Palästina nicht kraft eigener Machtvollkommenheit, sondern als Beauftragter des Völkerbundes mit der ihm zugewiesenen Aufgabe sitzt: Die , Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk zu fördern. Nun, wir kennen die Förderung, die uns Lord Passfield und Chancellor angedeihen ließen. Diese Politik ist mißglückt. Uns Juden ist das Ungiaub- , liehe gelungen. Wir haben Englands Taktik zur Aenderung gebracht und der derzeitige Premierminister "hat uns im Mac Donald-Briefe erklärt, daß uns unser Recht werden wird. Was ist aber geschehen? Nichts, nur die Tonart hat sich geändert. War Chancellor brutal, so ist Wauchope konnivent, charmant. Aber nun kommt der Pferdefuß zum Vorschein, Was sich heute in Palästina abspielt, ist ein Faustschlag gegen die Balfour-Deklaration, eine blutige Verhöhnung des Mandatsvertrages und somit des Völkerbundes. Juden werden in ihrem ureigenen Lande wie Hunde gehetzt, Familien werden auseinander gerissen und die Familienangehörigen in verschiedene Kerker geworfen. Sind das etwa Verbrecher? Nein, es sind — illegale Einwanderer! Es sind Menschen, die als Touristen ins Land gekommen sind, die zwar noch kein Zertifikat erhalten haben, sich aber ehrlich fortbringen. Diese «illegalen» Einwanderer haben sich wirtschaftlich eingeordnet und haben einen Anspruch auf die Erteilung von Zertifikaten. Wir sind die letzten, die nicht Respektierung der Gesetze verlangen. Aber England ist verpflichtet, die Befolgung der Gesetze zu ermöglichen. England muß als obersten Grundsatz, als ratio legis die Verpflichtung anerkennen, die Einwanderung und geschlossene Ansiedlung der Juden ln Palästina zu ermöglichen und zu fördern. Das schreibt ihm der Mandatsvertrag und die Balfour-Deklaration vor. Es versündigt sich aber an seinen internationalen Verpflichtungen, wenn es die Einwanderung erschwert, wenn es Menschen, denen kein anderer Ausweg bleibt, den Weg nach Palästina versperrt. Eine Regierung, die zur Rechtsbrechung heimatlose Juden zwingt, hat kein Recht Strafen zu verhängen; sie hat vielmehr die moralische Verpflichtung, ihre Taktik zu ändern und die Einwanderung der Aufnahmsfähigkeit des Landes a nzupassen. Aber gerade in dieser für uns so lebenswichtigen Frage der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit Palästinas spielt England eine üble Rolle. Zuerst tat es sehr ril.KAl5ER5TR.123 K. ALSERSTR. 6 Sl6 - SIS- S30. UAX (2009 m) 0TT0HAI1S I‘Achter: Preisen. Berg-Restaurant der Raxbihn. 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Als es uns aber gelang, diese Märchen zu zerstören, insbesondere als die Araber in Transjordanien stürmisch jüdische Einwanderung verlangten, da mußte ein anderer Grund herhalten. Und England hatte ihn rasch: Die Illegale Einwanderung. Es ist England nur einmal gelungen, die Welt mit der rührseligen Geschichte von den armen Arabern eine Zeit lang zu bluffen. Der neue Bluff mit der illegalen Einwanderung wird nicht verfangen. Außerhalb des Cotonial-Officc wird man auch in England zu diesen Methoden der Ausweisungen und Menschenjagden den Kopf schütteln. Das englische Volk läuft Gefahr, seinen guten Namen nicht nur bei 17,000.000 Juden, sondern in der ganzen Kuiturwelt einzubüßen. Aber auch dann, wenn wir Juden ln unserem Kampfe allein bleiben würden, werden wir für unser gutes Recht zu kämpfen wissen. Die ganze Welt sieht, daß Palästina für große Einwanderermassen aufnahmsfähig ist, well jeder erwandernde Kapitalist neue Arbeitsmöglichkelten schafft. Diese dynamische Aufnahmsfähigkeit will General Wauchope unterbinden und damit unseren Lebensnerv. Das werden wir nicht zulassen und die Kulturwelt wird uns verstehen. Wir Zionisten werden in dieser Frage eine eiserne Front bilden wie im Jahre 1929. Wie die Kundgebung des Board of Doputies in London beweist, werden wir auch alle anständigen Nichtzionisten als Mitkämpfer an unserer Seite finden. Noch wollen wir hoffen, daß eine gütliche Regelung, die aber kein Jota von unseren Reckten a u f g i b t, möglich sein wird. Noch wollen wir hoffen, daß wir von England fair p 1 a y zu erwarten haben. In der Sommersession des englischen Unterhauses hat Sir C u n li f f e L1 s t e r namens der Regierung erklärt, England verwalte das Palüstlnamandlt absolut fair. Wir verstehen zu wenig die englische Sprache, um beurteilen zu können, warum dis Wort «absolut» dem Worte fair vorangesetzt wurde. Wir glauben, daß das Wort «fair» keiner Steigerung fähig ist, weil «fair» heißt: anständig, korrekt, vertragstreu. Und so wollen wir England sagen: Ei genügt uns schon, wenn England das Mandat fair verwaltet, wenn es der Jewlsh Agency, wenn nicht sofort die Kontrolle der Einwanderung, so doch ein Mitbestimmungsrecht als Uebergangsstadium gibt Zunächst aber sollte es die Maßregeln einstellen, die das ganze Judentum zum wütendsten Protest treiben müssen. Gewiß» Palästina ist weit und der Völkerbund ist schwach. Aber unser Recht Ist kristallklar und ewig. Und wir sind ein friedfertiges Volk und deswegen rufen wir England zu: Fair play, England! Der Kampf um die jüdische Einwanderung in Palästina geht weiter Einsetzung einer politischen Kommission des Jischuw Jerusalem. Auf der letzten unter dem Vorsitz von 1. Ben Zwi abgelmltenen Sitzung des Jüdischen Nationalrates Palästinas (Waad Leuml) wurde beschlossen, eine aus neun oder zehn Personen bestehende politische Kommission einzusetzen, in der die Exekutive des Nationalrates und die verschiedenen Gruppen des Jischuw vertreten Pnlästtna-Abtellumi JOSEF POPPER internationale Transporte, Wien, H., Taborstr. 22. Telephon R 48-6-10, R 49-6-70 Serie, ln Palästina: The Levant Bönded Warenhouses Co. Ltd., ö"jd narw ’jona1? romtön mann Haifa, Telephon 346^ Jaffa, Telephon 36 Spezial-Warentransporte, Uebersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. sein sollen. Diese Kommission wird alle Fragen zu behandeln haben, die sich aus der momentanen besonderen politischen Situation ergeben. In der Versammlung, der Mitglieder der Exekutive der Jewlsh Agency, die Vorsteher der Jüdischen Gemeinden Jerusalem, Tel-Awlw und Haifa, Vertreter der Kolonienausschüsse in Judäa, in der Saron-Ebene und In Oalliäa sowie einige hervorragende Persönlichkeiten aus dem Ausland beiwohnten, besprach Ben Zwi die Herabsetzung der Einwanderungsquote, die strengen Maßnahmen’ gegen Toitristeneinwauderutig und die schwierige wirtschaftliche Lage, in die der Jischuw durch die Verminderung der . Arbeitereinwanderung geraten muß. Er erwähnte auch die letzten Unruhen und wies darauf hin, daß die arabische Presse die judenfeindliche Propaganda fortsetzt. Der Leiter des politischen Departements der Agency Mosche Sbertok erstattete einen genauen Bericht über die Lage und besprach eine Reihe aktueller politischer Fragen. Nach einer eingehenden Debatte, die durch David Ben Gurlon abgeschlossen wurde, wurde der Beschluß, ein repräsentatives gemeinsames Komitee zur Behandlung dringenden politischen Angelegenheiten zu schaffen, gefaßt Schließlich kamen noch Fragen des Unterrichtsbudgets zur Verhandlung. Es wurde beschlossen, eine Anleihe von 30.000 Pfund zur Liquidierung der Schulden des Scfnilwerkes aufzunehmen und eine dreigliedrige Kommission zur Behandlung der Schulfragen einzusetzen. Erbitterung unter der palästinensischen Jadenschaft Jerusalem. Unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas wächst die Unzufriedenheit und die Erbitterung über die einseitig gegen jüdische Einwanderer sich kehrende Art, in der die vom Kolonienmlnister Sir Philip CunUffe-Lister angekündigten Maßnahmen gegen Illegale Einwanderung nach Palästina gehandhabt werden. Das Vorgehen der Einwanderungsbehörden Ist dazu angetan, nicht allein illegal Eingewanderte empfindlich zu treffen, sondern auch den für die Palästinawirtschaft so außerordentlich wichtigen legalen Touristenverkehr schwer zu beein* trächtigen. Durch arabische Bauern verstärkte Abteilungen englischer und arabischer Polizisten veranstalten längs der Küste Razzien nach illegal eingewanderten Juden. Die verhafteten Männer werden in das Gefängnis der Festung Akko, die Frauen ln das Frauen* gefängnJs zu Bethlehem, die Kinder in ein Waisenhaus in Haifa gebracht An der Nordgrenze Palästinas wurde Ule Kette der Grenzwachabteßungen verdichtet An der Grenzstation Ras-el-Nakura halten englische und arabische Polizisten alle aus Syrien kommenden Autobusse und Privatautos an und fragen die Chauffeure, ob sich nicht Juden unter den. Passagieren befinden. Bei der Paßkontrolle werden die Reisenden nach dem Religionsbekenntnis befragt. Ans Akko wurden Polizciabteilungen an die Nordgrenze abkommandiert. um ein Durchschmuggeln jüdischer Reisender abseits der Straßen zu verhindern. Aus Deraa (Syrien) wird berichtet daß dort eine Besprechung zwischen dem französischen Gendarmeriekommandanten und palästinensischen Beamten zwecks gemeinsamen Vorgehens gegen illegale jüdische Einwanderung aus Syrien nach Palästina abgehalten wurde und daß die Behörden des Libanon bereits daran gehen, die Wachen an der Grenze gegen Palästina zu verstärken. Die Jerusalemer Tageszeitung «Haare/» erführt daß arabische Kreise in Syrien and bn Libanon von arabischen Politikern Palästinas aufgefordert wurden, die Palästinaregierung ln Ihren Bemühungen, inegales Ueberschreiten der syrisch-palästinensischen Grenze durch Juden zu unterbinden, tatkräftig zu unterstützen. Arabische Exekutive kQndlgt Boykott indischer Produkte on Jerusalem. Die arabische Zeitung «F a 1 a s t i n» veröffentlicht ein Interview mit dem wegen Teilnahme an den Jaffaer Exzessen verurteilten und gegen Kaution auf freien Fuß gesetzten Mitglied der arabischen Exekutive Jamal el Hussein!, in dem dieser erklärt, die arabische Exekutive berate über einen Plan zur Fortführung ihres Kampfes gegen jüdische Einwanderung. Die Einstellung des Streiks sei nicht etwa auf Versöhnungsabsicht oder auf Schwäche zurückzuftthrto, sondern sollte lediglich eine Kampfpause einleiten, um dem High Comrnissioner die Möglichkeit zu geben« die an ihn gestellten Petitionen zu lesen und zu prüfen, Zum Schluß stellte Hussein! die Forderung nach lückenlosem Boykott derjuden und ihrer Produkte durch alle Mohammedaner und eingeborenen Christen auf; durch einen solchen Boykott werde dem Kampf um Einstellung der jüdischen Einwanderung größerer Nachdruck verliehen werden.

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