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Die Stimme · 1933-11-23 · Heft 310 (23.11.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 310 (23.11.1933)
Date
1933-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■fc Jsxompi. IWIIM w. Me Jüdische Schule*1 Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration: Wien, 1. Bat., KCrntnerstraße Nr. 28, Falophon R-27-4-85 RedaktienssehluB: Dienstag abends Beiugtbedingungen: Monatl. 8 i.ov viertel jährlich 8 4.20, ganzjährig 8 16.- Für das Ausland: Deutschland vierteljährltc.i RM 3.—, Tsoheohoslowakei viertelj. Ke 24.— Jugoslawien viertelj. Dinar 40.—, Polen viertelj. Zloty 6.50, Ungarn viertelj. Pengo 4.20. Rumänien viertelj. Lei 120.—, übriges Aus land vierteljährlich Schweizer Franken 4.50 Postsoheok-Konti: Oesterreich Nr. D 113.546, Polen Nr. 191.199, fsoheohoslowakei Nr. bU0.230, Jugoslawien Nr. 40Jl/ü. In Deutschland verboten V. b. b. Preis einer Nummer 3$^ JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Donnerstag, 23. November 1931 (7. Kislev 5694) 6« Jahrgang Nummer 310 En wischet Piolul Oer Jewlth Agency „Jüdische Einwanderung nach Palästina erSolgt kraft eines Rechtes und nicht auf Grund von Duldung!“ Jerusalem. Die Paläslinaexekutive der Jewish Agency hat nach dem Besuch Ben G u r 1 o n s und Mosche S h e rtoks beim High Commissioner eine Erklärung veröffentlicht, ln der das Vorgehen der Regierung in der Frage der Einwanderung in schärfster Form abgelehnt und alsimWiderspruch zum Macdonald- Brief stehend bezeichnet wird. In den letzten Wochen, heißt es in der Erklärung, hat die Jewish Agency die Regierung wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Zahl der ausgegebenen Zertifikate offenkundig niedriger ist, als es dem tatsächlichen Bedarf anArbcitskräften entspräche und daß diese Art der Festsetzung der Einwanderungsquote Im Widerspruch steht, zu dem Grundsatz, daß die Einwanderung auf Grund der Aufnahmefähigkeit des Landes zu regeln sei. Die durch dieses Vorgehen entstandene Besorgnis wurde verstärkt durch die Ankündigung von Maßnahmen gegen jüdische Touristen. Die Touristen, so wird in der Erklärung weiter ausgeführt,...habe? keineswegs Arbeitslosigkeit verursacht. Es herrscht im Gegenteil ein Mangel an Arbeitskräften, woraus zu ersehen Ist, daß die Zahl der mit amtlicher Erlaubnis'Eingewanderten wesentlich niedriger ist als die Zahl von Einwanderern, die absorbiert werden könnten. Es erweist sich somit, daß die Ansprüche der Jewish Agency nicht übertrieben waren. Auch sind diese Menschen der Oeffentlichkeit nicht zur Last gefallen, haben keinen Teil der Bevölkerung aus seinem Erwerb verdrängt, was immer, auch der Recbtsstandpunkt ihnen gegenüber sein möge. Darüber hinaus haben zahlreiche Nichtjuden, angezogen durch die Aussicht auf Erwerb infolge der verstärkten jüdischen Einwanderung, die Ost- und Nordgrenze ohne Erlaubnis Überschritten. Im Hinblick auf die Geringfügigkeit des den Touristen zur Last gelegten Vergehens erscheint ihre Deportierung als eine unangemessen schwere Bestrafung. Die Durchführung dieser Maßnahme muß dazu führen, die Existenz zahlreicher im Lande verwurzelter Familien zu untergraben und die jüdische Gemeinschaft im allgemeinen schwer zu treffen; sie beleidigt aufs tiefste die Gefühle der nach Palästina als ln ihr Heimatland zurückkehrenden Juden. Der Grundsatz des High Commlssloners, die augenblick- Compass Tours NEW YORK WIEN PARIS IX., Spitalgasse 3 liehe und künftige Lage bei der Festsetzung der Einwanderungsscheduie ln Rechnung zu ziehen, und die Berücksichtigung der unter Arabern. herrschenden Arbeitslosigkeit als eines Faktors bei dieser Berechnung, widersprechen folgendem Abschnitt des vom Ministerpräsidenten Macdonald an Dr. Weidmann gerichteten Briefes: «Die Praxis der Bestätigung einer Arbeiter-Einwanderungsliste (Labour-Schedule) für ein wandernde Lohnempfänger wird fortgesetzt werden. In jedem einzelnen Falle werden Anforderungen von Arbeitern berücksichtigt werden für solche Arbeiten, die von jüdischem oder hauptsächlich jüdischem Kapital abhängig sind und die nicht vorhanden wären oder nicht unternommen worden wären, wenn nicht jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen würden. Bezüglich der Öffentlichen und städtischen Arbeiten, die aus öffentlichen Fonds finanziert werden, ist der Anspruch jüdischer Arbeiter auf einen entsprechenden Anteil an der vorhandenen Arbeitsgelegenheit ln Betracht zu ziehen, wobei man die jüdischen Beiträge zu den öffentlichen Einnahmen in Rechnung zu setzen hat Was andere Arten der Beschäftigung betrifft, wird es notwendig sein, in jedem Fall die Faktoren zu berücksichtigen, die der Naohfrage nach Arbeitskräften zugrunde liegen, einschließlich des Faktors der. Arbeitidosigkeit unter Juden und Arabern. Einwanderer mit Aussicht auf Beschäftigung (außer Beschäftigungen von nur ganz vorübergehendem Charakter) dürfen nicht ausgeschlossen werden nur aus dem Grunde, well Ihre Beschäftigung auf unbeschränkte Zeit nicht garantiert werden kann.» In diesem Abschnitt, so wird in der Erklärung betont, wird bekräftigt, daß die Erleichterung jüdischer Einwanderung weiterhin eine positive Verpflichtung auf Grund des Mandats bleibt. Die Erklärung schließt: Die Jewish Agency erachtet das ln den Worten und Handlungen der Regierung zum Ausdruck kommende System als tatsächliche Mißachtung dieser Verpflichtung. Die Einwanderung hat die Verwaltung Palästinas bereichert, indem sie eine Prosperität schuf, die anderwärts ihresgleichen nicht Jerusalem. In Jerusalem und in anderen Städten fanden mehrere massenhaft besuchte Versammlungen statt, in denen Redner aller jüdischen Parteien und Richtungen des Jischuw gegen dieEinwanderungspoütlk der Palästinaregierung protestierten und dieser Politik schärfsten Kampf ansagten. Die von der Regierung in der Einwanderungsfrage befolgten hat Der von der Verwaltung erzielte Ueberschuß wird zun. Nutzen aller Bevölkerungsteile verwendet Jüdische Einwanderung nach Palästina erfolgt kraft eines Rechtes und nicht auf Grund von Duldung; sie ist das Lebensblut des jüdischen Nationalheims. Mehr als jemals berührt sie heute die Existenz der jüdischen Massen; das jüdische Volk wird ihre künstliche Einschränkung nicht ruhig hinneh Fair Play, England! Durch das Judentum der ganzen Welt geht eine tiefe Erregung. Palästina steht im Mittelpunkt der Diskussion. Es ist den Massen unfaßbar, daß es die englische Palästina-Regierung unternimmt, in diesem schwersten Augenblick unserer Geschichte die Einwanderung zu drosseln. Die letzte Hoffnung der flüchtenden deutschen Juden, die letzte Hoffnung tausender Chaluzim wird brutal vernichtet; Wohin sollen, um Gottes willen, die Ausgewiesenen gehen? Nach Deutschland zurück. Unausdenkbar ist das Schicksal dieser armen Menschen, insbesondere der Inhaber von Nansenpässen. Warum das? Ist Palästina, eben noch die einzige Wirtschaftsoase der Welt, verdorrt? Nichts von alledem! Palästina blüht. Unaufhörlich ergießt sich dorthin ein Strom von Menschen und Kapital und die Palästina-Regierung ist die einzige Regierung der Welt mit einem großen Budgetüberschuß. Oder schafft vielleicht die jüdische Einwanderung Arbeitslose? Im Gegenteil! Fabriken und Häuser können nicht fertiggestellt, Aecker können nicht bestellt werden, weil es überall an Arbeitshänden mangelt. Hören wir doch nur einige nüchterne Daten und Zahlen, die Bände sprechen: Nach der offiziellen Statistik sind in den ersten acht Monaten des Jahres 1933 14.905 Jaden zu dauerndem Aufenthalt nach Palästina gekommen. Im Jahre 1932 waren im ganzen 3841, im Jahre 1931 Richtlinien wurden als eklatanteVerletzungen des Mandats bezeichnet. Die Redner aller Parteien traten für Inn er jüdischen Burgfrieden ein, damit der Kampf gegen die englische Paiästlnapolitik mit vereinten Kräften geführt werden könne. Es kam nirgends zu irgendwelchen Ruhestörungen. WeltereKundgebungenlm ganzen Lande sind angesagt. *4* Her Jlsdiuw protestiere Nächste Palästinareise 19. Dezember 1933 Auskünfte und Anmeldungen: Wien, IX., Spitalgasse 3 Telephon ß 42-5-38 Rasiere Dich gut und billig SAKS Ueberall erhältlich oesterraiGiuscms Quaiiists-FahrlKat Protest der Wiener Rultusgemeinde gegen die EinwanderungsbesiMhiingBn Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat in seiner letzten Vertreterkollegium-Sitzung folgende Resolution gefaßt: Die Judennot in aller Welt, besonders das fürchterliche Schicksal der Juden Deutschlands, rechtfertigt die aus dem Palastinamandat fließende Forderung, eine möglichst große Zahl von Juden in entsprechend kurzer Zelt nach Palästina zu bringen und dort zu verankern. Die von der Regierung Seiner Majestät und von der britischen Mandatsverwaltung Palästinas jüngst getroffenen Maßnahmen stehen weder mit dem Geiste und der Absicht des Mandatsvertrages im Einklang noch entsprechen sie den durch die ungeheure jüdische Not gebotenen Rücksichten, die vor allem vom britischen Weltreich zu erwarten waren. Der Vorstand des Israelitischen Kultusgemeinde Wien als der zweitgrößten Judengemeinde Europas gewärtigt ln tiefster Sorge um das Schicksal der jüdischen Massen Ost- und Westeuropas, daß die Regierung Sr. Majestät im Sinne des Palästinamandates zur Normalisierung des Lebens der Juden durch Errichtung eines nationalen jüdischen Helmes in Palästina alle widersprechenden Anordnungen widerrufen und die Einwanderung jüdischer Kapitalisten, Mittelständler und Arbeiter auch mit Rücksicht auf die dringenden Wirtschaft!* liehen Bedürfnisse des Landes in ausgedehntestem Maße zulassen wkd. „Thttttt Stats" Kohle- Kok*-Anthrazit ■■■■■ HÖCHSTER OUALITST8N ■■■HHHHH Basch, IV. Avaentiniersfr. 22. Tel. Serie II 4T*S*W

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