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Die Stimme · 1933-11-16 · Heft 309 (16.11.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 309 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 309 — 16. November 1933 DTP STTMME Seite T BbUsr der JU Jildien F FRAUENBEILAGE DER »STIMME» 0ONNERST4Q, 16. NOVEMBER 1933 (37. MARCH) 1. JftHROANQ NUMMER AUFRUF DER WIZO CXEKIIIVE GesIntiungsgcncGiinnen! Die VIL Konferenz hat der Entwicklung der «Wizo» einen neuen Stempel aufgedrückt. Sie war eine Arbeitskonferenz im besten Sinne des Wortes, da Gefühl und ideelle Erkenntnisse wohl Motor, nicht aber entscheidender Faktor waren. Objektive, klare Ueberlegung formulierte die Beschlüsse der VII. Konferenz, die somit eine festumrissene Basis für das neue Arbeitsjahr bilden. Diese Reife, die die letzte Konferenz charakterisierte, darf als symptomatisch für die Entwicklung der «Wizo» gelten, die nach Jahren von Sturm und Drang in eine Epoche ausgeglichenen Erwachsenselns getreten ist Die wesentlichsten Verpflichtungen, die wir von dieser bedeutungsvollen Konferenz in unsere neue Arbeitsperiode herübergenommen haben, lassen sich wie folgt zusammen- *"ssen: 1. Intensivierung der zionistischen Propaganda und Erstarkung der zionistischen Organisation, einerseits durch den Verkauf des zionistischen Schekels unter den Mitgliedern der «Wizo», andererseits durch die Erschließung und Möglichkeiten, sich unmittelbar an den Beratungen und Beschlüssen aller zionistischen Körperschaften und des Zionistenkongresses zu beteiligen. Erweiterung und Verstärkung der Arbeit für den Keren Kajemeth Leisrael und den Keren Hajcssod, wobei im Falle des KKL. besonders einschneidende Beschlüsse, die die Ueberaahmc eines festen Kontingents und die Durchführung gemeinsamer mündlicher und schriftlicher Propaganda betreffen, gefaßt wurden. 2. Aufwendung allen Einflusses, eine größere Zahl von Mädchen- und Frauen-Zertifikaten durch die Palästina- . Aemter zu erhalten und Beteiligung an der beruflichen Ausbildung der neuen, insbesondere aus Deutschland kommenden Einwanderung nach Palästina. Dieses Problem stand Im Brennpunkt der Beratungen der Konferenz und wird unsere Arbeit ausschlaggebend beeinflussen. -3J'Schaffung einer breiteren, gemeinsamen Arbeitsbasis mit dem jugendlichen Nachwuchs der «Wizo», der bei dieser letzten Konferenz durch die unzweideutige Abänderung des ursprünglichen Namens (Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinigungen, Jugenddezernat der «Wizo») ln Jung-Wizo ein uneingeschränktes Bekenntnis zur «Wizo» und ihrem Werke abgelegt hat 4. Aufbringung des neuen Budgets für die Arbeitsperiode 1933/35, das den Bestand unserer Institutionen und Arbeitszweige in Palästina sichern sott. Die Exekutive hat die Zelt seit der letzten Konferenz dazu benutzt, die Durchführung der Resolutionen zu betreiben, und wir können jetzt schon einen großen, wichtigen Erfolg bczüg'ich der Ausbl'dtmg und Vorbereitung der deut- JUJSJM 1 ... II I '^l.i Die jüdischen Fiomei innen in Erez Jisrael Von Dr. Amalie Kantor. Sie sorgen wie Männer und träumen wie Frauen, Denen Lied und Liebe nicht fremd. M H. Es klingt fast wie ein Heldenepos,, wenn man die Qeschichte jüdischer Frauenarbeit in Palästina seit ihren allerersten Anfängen verfolgt. Die jüdische Frau, die vor 25 Jahren nach Palästina kam, sah sich einer Lage gegenüber, die zu meistern beinahe übermenschliche Kräfte erforderte. Lebensbedingungen, wie sie härter und schwerer kaum anderswo in der Welt zu finden waren, traten hier der jüdischen Pionierin entgegen. Es bedurfte wohl des Aufgebotes all ihrer Begeisterung und Hingabe an ihre Ideale, um auf dem ungewohnten Boden der neuen Heimat wertvolle, erfolgreiche Aufbauarbeit leisten zu können. Zumeist aus den 'intellektuellen Schichten hervorgegangen, sah sich d:e Chaluzah vor die zwingende Notwendigkeit gestellt, die härteste und anstrengendste körperliche Arbeit zu verrichten, wollte sie nicht von vornherein an ihrem Ziele verzweifeln. Noch dazu stand sie ganz und gar auf s:ch selbst angewiesen da, fand weder Hilfe bei der von früher her im Lande befindlichen Bevölkerung noch in vielen Fällen bei den mit ihr zugleich cingewandi*rter Männern. Doch trotz aller Hemmnisse, trotz aller Mißverständnisse und Geringschätzung möchte die jüd sche Frau in Erez ihren Weg. Sie hatte rechtzeitig einsehen gelernt, daß nur eine restlose unbedingte Umstellung auf die geänderte Lebenslage ihr weiterhelfen konnte, daß sie nur so den ihr zukommenden Anteil am Wiederaufbau ihrer Heimat erringen konnte. Schritt für Schritt mußten sich die ersten Frauen neuen Palästina Ihren Weg erkämpfen. Von der Küche, von der Nähstube und dem Wasch’cessel weg, wohin sie tunäclist der herkömmlichen Arbeitsteilung gemäß gewiesen sehen Mädchen- und Fraueneinwanderung buchen. Es ist den vereinten Anstrengungen der Exekutive und der englischen Föderation der «Wizo» gelungen, das englische Hilfskomitee für deutsche Juden (The British Central Fund for German Jewry) für die nahezu restlose Annahme der Pläne zu gewinnen, die diesem Komitee, entsprechend den von der Exekutive und der Konferenz gebilligten Vorschlägen des Arbeiterinnenrates, unterbreitet wurden. Die «Wizo» wird somit, mit Hilfe der Subvention und der Anleihe, die Ihr das AUocatlon Committee des Central British Fund for German Jewry gewährt hat, in nächster Zukunft mit der Ausbildung von hunderten von jüdischen Frauen und Mädchen aus Deutschland ln landwirtschaftlichen, hauswirtsohafttichen und gewerblichen Berufen aller Art beginnen können. Gesinnungsgenossinnen! Wenn wir heute mit besonderer Freude auf diesen Erfolg hinweisen, so geschieht dies nicht allein aus der tiefen Befriedigung heraus, daß es uns nunmehr möglich sein wird, tatkräftig mitzuhelfen an der Eingliederung der deutschen Juden ln das Leben Palästinas, sondern auch aus dem Bewußtsein, daß dieser Erfolg allein der Erkenntnis zu verdanken Ist, daß die «Wizo» durch ihre Institutionen in Palästina einzigartige, rationelle Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen und Mädchen geschaffen hat, die ln hervorragendem Maße auch der deutschen Alijah zugute kommen können. Diese Anerkennung der «Wizo»-Arbeit und ihrer Bedeutung für das Land soll uns neuen Mut, neue Zuversicht und neue Kraft geben. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß diese Hilfe von außen nur einem Teilgebiet der Arbeit zugute kommen wird, die wir für dieses und das kommende Jahr auf uns genommen haben. Die Verpflichtungen Im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung und Konsolidierung unserer Institutionen, die wir nach wie vor aus eigenen Kräften werden tragen müssen, sind um nichts kleiner geworden. Wir haben das letzte Jahr, trotz seiner großen wirtschaftlichen Nöte verhältnismäßig gut überstanden. Es Ist uns durch den geeinten Einsatz, aller unserer Kräfte gelungen, unsere Institutionen intakt zü halten und sogar, durch die Großmut einzelner Exekutlvmltgüeder, die finanzielle Sicherung für den Aufbau des zweiten Hauses Ln Nahalai zu schaffen. Heute, in einer Zeit, die sich wirtschaftlich wesentlich verschärft hat und die für die Judenhejt, speziell Mittel¬ und Osteuropa, und für die gesamte zionistische Bewegung so überaus kritisch ist, stehen wir vor ungleich viel schwereren Aufgaben. Jedes Mitglied der «Wizo», jede Jüdin muß fühlen, daß der Appell, den wir heute hinaussenden, zugleich eine Warnung bedeutet, dieser entscheidenden Stunde sich gewachsen zu zeigen. Wir müssen unser und aller Gewissen wachrütteln und alle Kräfte, die in uns sind, für die großen Aufgaben, die vor uns liegen, elns*tzen. worden waren, kostete es sie nicht wenig Aufopferung und Mühe, ihre Mitarbeit an dem aktiven Aufbauwerk durchzusetzen. Das jüdische Mädchen, das eben aus der Schule, aus dem Wohlstand des Elternhauses voll Begeisterung in die alte Heimat gekommen war, fand natürlich anfangs nur schwer Befriedigung in ihrer Betätigung am häuslichen Herd. Es drängte sie danach, es ihren männlichen Mitarbeitern gleichzutun und in derselben Weise wie diese am konstruktiven, am schaffenden Aufbauwerk mitzuwirken. Auch die jüdische Frau fühlte sich dazu berulen und berechtigt, den Pflug selbst in die Hand zu nehmen, der die Heimaterde reif machen sollte für die Saat und die Ernte einer neuen besseren Zukunft. In zähem Wettstreit mit dem jüdischen Ackerbauer finden wir schon in den allerersten jüdischen Kolonien begeisterte Frauen, die draußen am Feld in schwerster, härtester Männerarbeit ihre beste Kraft einsetzten, um aus dem alten Boden 1ie neue Heimat mitaufbauen zu helfen, ln den landwirtschaftlichen Kolonien Palästinas sah man zum erstenmal in der Geschichte der Galuth die jüdische Tochter ein Ochsengespann führen. Und wie die jüdische Frau hinter dem Pflug allen Anforderungen der Arbeit voll nachkam, so tat sie es auch in der Verteidigung und dem Schutze der ersten jüdischen Siedlungen. Es gab Frauen, die aktiven Anteil an der Schomerbewegung nahmen und die ihren männlichen Gefährten gleich den schwersten Wachtdienst verrichteten. So ist es weiter nicht verwunderlich, wenn die ersten Pionierinnen es durchsetzten, auch in der Arbeit auf den Orangenplantagen gleiche Pflichten und Aufgaben zugewiesen zu erhalten, wie die männlichen Arbeiter. Bald verstand es die jüdische Frau, ihre Fertigkeit und Eignung für diese Spez'alarbeit, wie sie das Einernten. Sortieren, .Verpacken und Versenden der Orangen darstelli, zu erweisen. Dies nur als Beispiel dafür, wie die ersten Pionierinnen sich in allen Zweigen des Wirtschaftslebens des aufstrebenden Landes aufs intensivste betätigten. Es kam dazu, daß bereits nach wenigen Jahren der Kolonisation jüdische Frauen auf allen Gebieten Wir richten an unsere Mitglieder und Freunde den dringenden Aufruf, energisch und hingebungsvoll an der Erstarkung unserer Organisation zu arbeiten und sich dafür einzusetzen, die zionistische Idee in jedes jüdische Haus tu tragen und Jeden jüdischen Menschen für den Aufbau Palästinas zu gewinnen. Die großen Massen jüdischer Frauen, die unserem Rufe bis heute noch nicht Folge geleistet haben, sie alle fordern wir auf, die Pflichten, die Ihnen ats Glieder ihres Volkes, als Hüterinnen ihrer Tradition und der Fundamente des Judentums obliegen, zu erfüllen und sich uns und unserer Arbeit für den Aufbau Palästinas anzuschließen. Auf allen Fronten zionistischer Arbeit stehen In der Galuth die 50.000 Frauen der «Wizo», gestützt von der großen Masse aktiver palästinensischer Frauen, die In der palästinensischen Föderation der »Wizo» und ln dem der «Wizo» angeschlossenen Arbeiterinnenrat vereinigt sind. Gelingt es uns, die noch außenstehenden jüdischen Frauen für das große Programm der «Wizo» zu gewinnen, dann wird die neue Arbeitsperlode den Beweis erbringen, daß die Kraft der jüdische Frau, trotz aller Prüfungen, ungebrochen ist. Im Namen der Exekutive der «Wizo» Lady (Herbert) Samuel Ehrenpräsidentin Dr. VeraWeizmann, Rebecca D. Sieff Joint Chairmen Henriette IrwelL G. Olga Alman Joint Treasurers Roma na Goodman Vors. d. Dept. f. Org. u. Prop. Mirjam Sacher Ehren-Sekretärin 2Ue. Mffauitg, da*. Vjxfcfaagdafomie tUK mViJuzxx» hat am Montag, den 30. Oktober, stattgefunden. Einleitend hat die Vizepräsidentin Frau Bianca Federn ein plastisch-sichtbares Gesamtbild dieser Tagung zq, entwerfen verstanden. Map sah sich förmlich in der Mitte all’ unserer großen Führerinneiu Mai*rsahvüjtd-bewunderte eine Fülle von fraulichen Begabungen, Hingabe und Opfermut an das hehre Ideal, an’s heilige Ziel «Erez Israel») die strahlenden Leitsterne der Weltorganisation, Frau Dr. Weizmann, Frau Romana Goodmann, Frau Rebbekah Sieff u. a. m. In ihre Mitte wurde auch zur Ehre ihrer selbst und zur Ehre der österreichischen Organisation ihre Präsidentin Frau Sophie Löwenherz gewählt. — Als Referentin der Aliah-Kommission hat Frau Federn eine neue Idee durchzusetzett vermocht, und zwar die Schaffung eines B e t h - C h a I u z o-t h, wofür Frau R. Sieff besonderes Verständnis bekundete und den Betrag von 2000 Pfund Sterling bewilligte. In die Hachscharah wurden nun ganz neue Frauenberufe, wie Fliesenlegen, Mosaik, Tischlerei, Schusterei usw. einbezogen. der Landwirtschaft aktiv und in den ersten Reihen mitarbeiteten, daß sie damit den Nachweis erbracht hatten, auch für eine solche ihr bisher ferne gelegene Tätigkeit geeignet zu sein. Zu dieser raschen Umstellung auf neue Lebensnotwendigkeiten mag besonders beigetragen haben, daß die jüdische Frau schon seit jeher einen ausgeprägten Zug zur Anpassungsfähigkeit mit sich brachte. So kam es, daß die Fähigkeit, sich in neue Lebensverhältnisse zu fügen, an sich der jüdischen Einwanderin nicht fremd sein mochte. Die Begeisterung, mit der sie ausgezogen war, die alte Heimat für sich wieder zu gewinnen, trug dann noch viel dazu bei, ihr die ersten seelischen Widerstände überwinden zu helfen. Meist aus einem Leben in Kultur, Ordnung und Bequemlichkeit kommend, sah die jüdische Pionierin bald ein, daß nur ein mutiger Verzicht auf all diese Errungenschaften ihr weiterhelfen konnte. Der unerschütterliche Glaube an ihre Berufung und an die Größe ihrer Aufgabe war es auch, der sie zu Pflug und Hacke greifen ließ, um aus eigener Kraft auf neuen Arbeitsgebieten für kommende Generationen jüdischer Frauen bahnbrechend zu wirken. Das Maß der Selbstüberwindung zu beurteilen, welches notwendig war, um die ersten Pionierinnen den Weg zur Muttererde zurückfinden zu lassen, ist in seiner ganzen Größe erst nach dem Krieg gewürdigt worden. Als sich im Jahre 1920 eine Anzahl von Führerinnen der jüdischen Frauenbewegung zusammenfanden und die Wizo begründeten, so war es in erster Linie die Absicht, den in die alte Heimat auswandernden Mädchen von vornherein die nötige Unterweisung und Schulung für ihr neues Leben beizustelien. Diese Erkenntnis der Notwendigkeit landwirtschaftlicher Betätigung der jüdischen Frau, wie auch ihre Befähigung, diese im vollen Umfange zu erfüllen, ließ den Gedanken het anreifen, die nachkommenden jüdischen Pionierinnen für diese Arbeit entsprechend zu schulen. Im Laufe des ersten Jahrzehntes ihres Bestehens vermochten die landwirtschaftlichen Schulen der Wizo hunderte jüdischer Mädchen und Frauen auszubilde«

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