Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 309 (16.11.1933)
- Date
- 1933-11-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8«flt « MMtBimg Stloa — »»rwovtwtfct i«»\ •— ohne Kopfbedeckung. Ja, es war direkt schwer, sich vor* tteffen, daß dies hier eine Synagoge ist, und als ich herein» kam, dachte ich zuerst, ich hatte mich geirrt und wäre kt ein Kino gelaufen . *. Besonderen Eindruck macht die Besucherschaft der Taubstummensynagoge natürlich auf einen Menschen, der zum erstenmal hierherkommt. Man sieht hier Leute sitzen, Männer und Frauen, junge und alte, und alle bewegen die Hände, sprechen durch lautloses Bewegen der Lippen und der Finger. So schnell fahren die Finger durch die Luft, daß man ihnen gar nicht folgen kann. Kein Wort ist zu hören, nur hie und da ertönt von irgend woher ein Laut, unbeholfen und so, als wolle jemand etwas ausdrücken und könne es nicht . . . Als ich hereinkam, hielt die stumme Gemeinde gerade heim Mussafgebet. Ein Diener wies den Hinzukommenden die Plätze mit Zeichen an. Bekannte begrüßter sich in der Taubstummensprache, und die sich hinsetzten, begannen ebenfalls unter sich stumme Gespräche, die freilich nicht weniger lebhaft schienen als wenn sie sich auf gewöhnliche Art und Weise unterhalten hätten, lieber den Köpfen zwischen den Bänken, sah man die Hände und die schnellen Finger herumfahren, man sah, wie die Leute gegenseitig aufmerksam die Bewegungen des Mundes ihrer Partner beobachteten, wie sie genau «zuhörten», auf das, was der Nachbar ihnen zu erzählen hatte. Auf einer Erhöhung stand etwas, das an einen Oraun hakaudesch erinnerte, daneben ein großer Leuchter, auf dem sieben elektrische Lampen brannten, davor ein Pult für den Rabbiner, einen noch jungen Mann ohne Kopfbedeckung, angetan mit einer schwarzen Soutane wie ein katholischer Priester. Er stand auf, und sofort hörten die «Gespräche» auf und alle wurden «still». Auch der Rabbiner war taubstumm. Er stellte sich «eben sein Pult und begann eine Ansprache mit Hilfe der Lippen und Finger. Dann nahmen alle ihre Gebetbücher zur Hand, schlugen die Stelle auf, die der Rabbiner ihnen offenbar angegeben hatte und vertieften sich andachtsvoll in die Gebete. Jetzt erhoben sich drei Frauen und gingen auf die Erhöhung. Sie waren völlig schwarz gekleidet, nur weiße Kragen am Halsausschnitt hoben sich von dem dunklen Eindruck ihrer Erscheinungen ab. Die eine Frau stellte sich neben die Menorah in die Mitte der Bühne, die anderen traten an die beiden Seiten, und dann trugen sie lautlos ein Gebet vor. Es war offenbar der «Chor», — ein unheimlicher Chor, denn man hörte von ihnen keinen Laut. Es war ein stummer Gesang, der Ausdruck der Andacht von Menschen, die ihre Gefühle nicht wie andere in Worte und Töne kleiden können. Nach ihnen erschien der Vorbeter. Ein Vorbeter ohne Taflis und ohne Hut. Auch er war stumm. Er schlug eine Seite des schwarzeingebundenen Machsors auf, gab ein Zeichen mit der Hand, und dann begann er ebenfalls in der Zeichensprache seinen Vortrag. Die ganze Gemeinde beobachtete ihn genau, und er stellte sich so, daß sie alle Beine Gesten gut sehen konnten. Offenbar las er die Gebete aus dem Machsor vor, und alle folgten mit ihren Fingern seinen Bewegungen und «sprachen» mit, was er vorbetete. Lange dauerte auch dieses Gebet nicht Als er geendet hatte, blätterte er einige Seiten seines Machsors um, und nun kam ein anderer stummer Chasen auf die Bühne. Der neue Vorbeter fuhr in der gleichen Weise fort, machte Zeichen in der Luft die alle aufmerksam beobachteten. Alle beteten und trotzdem herrschte eine unheimliche Stille. Der Rabbiner saß vertieft in sein Machsor auf seinem Sessel und war völlig in Andacht versunken. Nur sein Oberkörper wiegte sich hin und her, wie man es sonst in östlichen Gotteshäusern findet. Die Luft in der ganzen Synagoge war gewissermaßen mit Wehmut angefüllt, einer Wehmut, die keiner ausdrücken konnte, denn sie waren ja alle stumm . . . Eine stumme Gemeinde, ein. stummer Vorbeter, ein Btummer Rabbiner — und doch hatte,man das Gefühl, ein Wunder müsse diese Stille unterbrechen, müsse diese stummen Gebete herausschreien lassen. So heilig schien hier das Gebet, daß man glaubte, der Himmel dürfe keinen Augenblick mehr zögern, es zu erhören. Wer als Hörender unter ihnen saß, seiner sämtlichen Sinne mächtig, konnte kaum die Rührung ertragen, die von diesen Menschen, von dieser seltsamen Versammlung ausging. Schweren Herzens verließ ich die Synagoge, und es war mir, als ob diese Stille lauter gewesen wäre als der Gottesdienst im großen Tempel daneben mit seiner Musik, mit seiner Orgel, mit seinen Chören, seinen Vorbetern und seinen Predigern, als ob diese Stille lauter zum Himmel schrie ... L. («Hamburger Israelitisches Familienblatt.») KLEINE KUNSTNACHRICHTEN «Sucher und Künder.» Vortragszyklus von Frau Doktor Martha Hofmann, IX., Freiheitsplatz 13/9. Nächster Vortrag: «Der Philosoph und Theosonh Rudolf Steiner», Dienstag, den 21. November 1933, punkt 6 Uhr nachmittags. Anmeldungen: Tel. A 27-6 68. Volksbildungsverein «Jüdisches Volksheim», II., Blumauergasse 1. Samstag den 18. November 1933, 20.15 Uhr abends, Feierliche Erfüffnung des Unterrichtsbeginnes. Vortrag: Prof. Dr. Salomon Rappaport: «Aus den Uranfängen jüdischen Volkslebens» im Rahmen des Kurses «Schicksal und Werden des jüdischen Volkes». Ein Querschnitt durch die jüdische Geschichte. Kurs: Jeden Donnerstag von 8 bis 9 Uhr. — Palästina-Kunde, I. Teil: Dr. Leo Goldhammer. Jeden Mittwoch von 8 bis 9 Uhr. Beginn: 15 November 1933. — Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung: Dr. Saul Sokal. Jeden Dienstag von 8 bis 9 Uhr. Beginn: 21. November 1933. — H-bräischkurse, Englisch, Rhythmische Gymnasitk, Nähen. Anmeldungen täglich: U., Blumauergasse 1, THiATIDSULÖl 9* im Nach dem dramatisch so packenden Franz-Josef-Stück holte Duschinsky sein Thema wieder «äs der österreichischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Diesmal gruppieren sich die Bilder seines Stückes um die Person Hans Makarts, dessen ungeheure Popularität in dem ersten Bild sehr eindrucksvoll vermittelt wird. Während aber Franz Josef als eine aktive Persönlichkeit geschildert wird, deren Wille die Geschichte einer Epoche formt, wird Makart von Duschinsky als ein passives Wesen in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt, wodurch die dramatische Entwicklung stark beeinträchtigt wird. Viel plastischer gestaltet Duschinsky die Frauen, die um Makarts Liebe kämpfen. Die vielen geschichtlichen Persönlichkeiten, die in diesem Stück auftauchen, um einige Worte zu sagen, werden oft als überflüssige Belastung empfunden. Direktor Dr. Preminger hat als Regisseur versucht, dem Stück die Farbenpracht der Makart-Gemälde zu verleihen, was ihm mit Hilfe des Professors N i e d e r m o s e r, der die Dekorationen entwarf, vollkommen gelang. Die ganze Bühne ist mit einem Rahmen im Stil der Zeit umgeben und in diesem Rahmen rollt sich, geführt von der sicheren Hand des Regisseurs, die Bilderserie aus dem Leben des vergötterten Malers des alten Wien ab. E d t h o f e r als Makan, Lily D a r v a s als Vera Linda, Sybille Binder als die Wolter, Hörbiger als Canon — waren alle auf der Höhe ihrer Kunst. In kleineren Rollen trugen Jaray, Neugebauer, Hübner, Degischer, Servaes und die zahlreichen anderen Mitwirkenden zu dem schauspierischen Erfolg bei. # P* p. £6t MütuL }üdUc&M\ XuMt 6i dgh «KA/flft Seit Jahren macht es sich die J u n g - W1 z o*- «M i rj a m» zur Aufgabe, jüdische Kunst zu pflegen und in weiten jüdischen Kreisen bekannt zu machen. Dieser Absicht diente auch der am 4. d. M. in den Kunstspielen «P a n» stattgefundene Abend jüdischer Kunst, der ein zahlreiches und interessiertes Publikum vereinigte. Die Darbietungen wurden durch eine Szene aus Ernst Hardts «Salomo» eingeleitet, die von emigrierten deutschen Schauspielern unter der Regie Erich Manns dargestellt wurde und in packender Weise Salomo als Richter zeichnet Joachim Stutschewsky brachte in gewohnter, künstlerisch hervorragender Weise Celiovorträge aus dem Gebiete jüdischer Musik zu Gehör. Ihn begleitete formvollendet Robert Spitz. Daran schlossen sich Tanz^orjührungen von Gertrud Kraus, die Eindrücke aus dem Leben des neuen Palästina und dem Leben der Ostjuden gestalteten. Der zweite Teil des Abends brachte eine Szenenfolge «Das jüdische-Lied im Bi 1 de». Einige dieser Szenenfolgen wurden schon einigemal von der Jung-Wizo* «Mirjam»., mit großem Erfolg aufgeführt, so daß sie auch diesmal wieder, einem allgemeinen Wunsch entsprechend, mit Artur Hoff als bewährtem Regisseur, geboten wurden. Die jugendlichen Mitwirkenden gaben ihr Bestes», um die Vorträge sowohl ernsten als auch heiteren Charakters zur vollen Wirkung zu bringen. Der Abend verlief außerordentlich harmonisch und vermittelte ein anschauliches Bild jüdischen Kunstschaffens. Besonderer Dank gebührt der «I k a» für das Arrangement und die Zusammenstellung des Programms. JW in. dal Todtsfatin Ein Paramotmt-Tonfflm Ein amerikanischer S e n sa t i o n s f i 1 m, aber einer der besten, die wir in der letzten Zeit zu sehen bekamen. Spannend und gut gespielt hält er das Publikum vom ersten bis zum letzten Augenblick in Spannung. New York wird durch geheimnisvolle Raubüberfälle auf Bankboten schon seit Wochen in Atem gehalten. Ein Börsenmakler, der sich weigerte, gestohlene Aktien zu kaufen, wird ermordet und sein Sohn, selbst ein ehemaliger Verbrecher, beschließt, seinen Mörder zu finden. Wie er das tut, bildet die spannende und witzige Handlung. Georges Raft und Nancy C a r o 11 spielen die Hauptrollen und werden dem guten Rufe, den diese beiden Künstler genießen, vollauf gerecht. Der Film läuft englisch, ist jedoch sehr gut mit deutschen Titeln versehen. Also ein Film, der wirklich sehenswert ist und jedem einen angenehmen Abend verschaffen kann. Die Zionistische Bezifkssefction Leopold S t and der Klub «Eres Israel» veranstaltetet am Safttsiigt den 11. d. M., den zweiten diesjährigen literarisehMttusifckftlchen Abend. Dem zahlreich erschienenen Publikum — der jSasI war dicht gefüllt — wurde ein Programm geboten, das!a jeder Hinsicht als erstklassig bezeichnet werden muß. H. G o I d s t e i n brachte am Flügel eine Reiht, von Paraphrasen über jüdische Motive und auch JaZZstücke in meisterhafter Weise zu Gehör. Dr. K. Ritter, am Klavier von Kapellmeister B e r e n s sekundiert, trug ein melodramatisches jüdisches Porträt vor und erntete lebhaften BeifalL Leo Wiesalberg zeichnete sich als Conferencier aus. Der zweite Teil brachte den Höhepunkt Die Theatergruppe der Sektion und des Klubs spielte den Einakter «Socken» von Scholem Atejchem. Um es vorweg zu nehmen: Die Darbietungen waren ausgezeichnet. Jizchak Herzberg hatte die dramaturgische Bearbeitung Scholem Aiejchems Novelle «Restaurants» besorgt und das Stück auch überaus glücklich und geschickt in Szene gesetzt. Die Aufführung zeigte künstlerisches Niveau und kulCfvierten Geschmack, woran nicht zuletzt Fritz Bauer großen Anteil hatte, der die geradezu bühnenreifen Kulissen verfertigt hatte. Ein besonderes Lob gebührt den Künstlern, die frei von jeder Uebertreibung ganz nach den Intentionen des Spielleiters Herzberg agierte. Mit schwungvollem Elan ging alles wie aus einem Guß, hier schien keine Dilettantentruppe, sondern, ein echtes BerufskUnstlerensemble zu. spielen. * Die Damen Else Reich und Helios, die Herren Dunek S c h m i d, Markus G e 1 b a n d, Wolf Weinberg, Bernhard Frisch mann, Hermann Engel und Juda Fechter trugen mit ihren hervorragenden Leistungen zum Gelingen des Abends bei. Wehs. XahUWQM." tiflütk am Dienstag, den 21. November im Theatersaal des Volksbildungshauses, V., Stöbergasw 13/1$ um Uhr abends Ossip Dymows «Der Sänger seiner Trauer» in der Inszenierung von Elias Juba 1. Die Dekorationen und Kostüme stammen von Hedy Schick, die Musik von Kurt Pah len; die Tänze hat Gertrud Kraus einstudiert. Restliche Karten m der Buchhandlung L ä n y i, L, Kärtnerstraße, und m der Buchhandlung A. Löwit-Mejstrik, 1., Wollzeile 6/8. Jüdischer Lieder- und Viotln-Abend Hilda QuTltzkaja— Adolf Lelbovlci. Sonntag, den 19. November 1933, 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, wird sich dem jüdischen, kunstsinnigen Publikum Gelegenheit bieten, die Meisterin des jüdischen Liedes, Hilda D uH t zk aj a, und den Geigenvirtuosen L e i b o v i c i zu bewundern. Hilda Dulitzkaja, die beste und markanteste Repräsentantin n des jüdischen Liedes, bringt eine Reihe neuer, noch nicht In ™ Wien gesungener Volkslieder. Jttdische Kunststelle IL, Aspernbrückengasse 2 Telephon R 48-2-91 Bureau: 9 bis 19 Uhr Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten in folgende Theater zur Verfügung: Staatstheater, Deutsches Volkstheater, Scala, Kammerspiele, Komödie, Moulin Rouge, Theater a. d. Wien, Theater i d. Josefstadt (nur Samstag nachmittags), Bürgertheat:r («Eine Frau, die weiß, was sie will», «Der liebe Augustin»). Konzerte: Düsolina Giannini, 24. November, Gr. Musikvereinssaal: Hairgun, jüdisoher Männerchor aus Deutschland, 21. November Gr. Konzerthaussaal; Dulitzkäja-Leibovici, 19. November, 8 Uhr, Festsaal HoteJ^Continental; Richard Tauber, 12. Dezember, Gr. Konzerthaussaal; Moritz Rosenthal, 7. Dezember, Gr. Musikvereinssaal; Erica Morini, 5. Dezember. Gr. Konzerthaussaal. Führungen: Sonntag, 26. November, %U Uhr, Kunsthistorisches Museum (Antike). Leitung: Dr. Oskar Rosenfeld. Photokurs: Beginn des neuen Kurses: Dienstag, den 21. November, %8 Uhr, 1., Jordangasse 7 (Mirjam-Heim). Acht Abende S 2.—. Gymnastikkurs: Leitung: Marie Trintscher-Sternschein, VII., Wickenburggasse 26, zweimal wöchentlich, per Monat S 7.50. Anmeldungen zu den Kursen in der Kunststelle. Wir machen unsere gesch. Leser auf das Inserat der Elektro-Radio-Material-Firma J. Hahn, IX., Wasagasse 12, aufmerksam. Die Firma Hahn hat sich bereit erklärt, 5 Prozent vom jeweiligen Kaiufbetrag an jüdische Institutionen, je nach Wahl des Käufers, abzuführen. Vor Erkältungskrankheiten schützt man sich mit gutem Erfolg durch Togaltabletten, sofern man Togal rechtzeitig nimmt. Togal löst die Harnsäure, das Selbstgift des menschlichen Körpers, wodurch ebenso räsche wie oft dauernde Wirkung erzielt wird. Sie bekommen Togal in jeder Apotheke. JÜDISCHE ILLUSTRIERTE ZEITUNG «Die Welt» ist die einzige jüdische illustrierte Zeitung Mitteleuropas und erscheint vierzehntägig im Großformat und bringt in reichhaitiger Folge Bilder aus aller Welt, Romane, Feuilletons, aktuelle Nachrichten, eine große illustrierte Sportrubrik u. v. a. IAHRESABONNEMENT: Oesterreich S15 —, Tschechoslowakei Kc 50«—, übriges Ausland Kc 6o*— Abonnenten- und Inseraten-Akquisiteure überall gesucht PROBENUMMERN GRATIS 1 Tcvloi: Brttnn. Narar«lniraae Mr. S (C. S. «.) 4 k