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Die Stimme · 1933-11-16 · Heft 309 (16.11.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 309 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 309 — 16. November 1933 Zum tragischen Tode Josef Kollers Der vor wenigen Tage« auf so tragische Weise aus tfem Leben geschiedene Chefredakteur-Stellvertreter des «W i e n e r Tag», Josef Koller, hat einem Leben den Schlußstein gesetzt, das weit Uber die engeren Kreise der Wiener Publizistik und seiner Redoiktionsfreunde in jeder Beziehung von stärkster Eigenart war. Mit Chefredakteur Koller ist nicht nur eine Leuchte der jüngeren Generation in der Wiener Publizistik verschwunden, mit Koller ist vor allem ein ganz ungewöhnlicher Mensch mit einem ganz großen Herzen, der für alles Menschliche, für alle lebende Kreatur liebevoll und hilfsbereit immer zur Stelle war, wo Möglichkeit und oft auch Unmöglichkeit, Hilfe zu schaffen, bestand, dahingegangen. Aber wenige wußten, daß diese Zierde der Wiener Presse, dieses große, für alle Bedrängten und Hilfesuchenden, jenseits jeder Konfession, Nation und Partei so warm schlagende Herz das Herz eines Juden war. Ein jüdisches Herz! Koller, der in einer stark assimilierten Atmosphäre lebte lind wenig offizielle Bindung zum Judentum hatte, war Jude durch und durch und blieb zeitlebens ihm innerlich verknüpft. Koller war seiner Weltanschauung nach Weltbürger im reinsten und edelsten Sinne des Wortes, und doch begegnete er allen jüdischen Regungen und Bewegungen mit ausgesprochener Liebe. Er half Juden, er half allen, wo er konnte und oft, wo er auch nicht konnte. Er stand oft ganz allein in einem Kampfe gegen eine ganze Phalanx von Widerständen und verteidigte diese seine jüdische Einstellung, die, wenn man es genau nimmt, eine Lebenslinie bei Koller war. Der zionistischen Bewegung war er im Grunde seiner Seele ein treuer und ergebener Freund und Helfer. Mit ihr verknüpfte ihn auch das Band frühester Jugend, ln seiner Studentenzeit gehörte Koller eher zionistischen Verbindung an. Diesem Jugendideal bewahrte er auch trotz geänderter Lebens- und Wirkungsstätte seine warme, tätige Liebe. Die Genialität Kollers in dem rein journalistischen Reaktionsvermögen auf Tagesgeschehnisse, seine geistige Konzeption und sein Sinn für historische Zusammenhänge kamen auch ganz klar in seiner Stellung zur Judenfrage zum Ausdruck. Koller war nicht nur ein aufrechter Journalist schlechthin, aufrecht und mutig behandelte er auch direkt und indirekt durch starke Förderung zionistischer Publizistik in jedem ihm nur möglichen Rahmen alle Fragen, die das moderne Judentum betreffen. Ecce homo! Josef Koller war die Personifikation der Güte, einer Güte, die zur Katastrophe führte. Diese Güte war jüdisch. Unzählige Palästina-Hilfesuchende wandten sich an diesen Menschen, oft Unmögliches verlangend, oft die allerkleinsten Dinge erbittend. Koller hatte für alles und für jeden ein Ohr. Und wenn seine Hilfsmittel veisagten, so war es der Optimismus, so war der Rat, der vom Herzen kam, so war es das Fluidum, das von dieser bestrrickenden Persönlichkeit ausging und von dem jeder, der in seine Nähe kam, fasziniert werden mußte, das Trost spendete. Nur die, die ihn kannten, vermögen zu ermessen, was den Menschen, fernen und nahen, in Koller verloren gegangen ist. Koller war in seinem Leben von unerhörtester geistiger Treffsicherheit, überwältigend seine Fähigkeit, zu allem eine klare Stellung zu beziehen. Eine Treffsicherheit, die sich tragischerweise auch bei seinem so gut gezielten Schläfenschuß am Rande des Wienerwaldes offenbarte. Die Wiener Publizistik betrauert in Koller eine ihrer strahlendsten Leuchten, seine Angehörigen einen liebevollen Menschen, das von ihm so abgöttisch geliebte Kind einen von unendlicher Liebe erfüllten und fürsorglichen Vater, seine Freunde und Bekannten einen von bis zur Selbstaufopferung reichender Hilfsbereitschaft erfüllten Kollegen, die sozialen Einrichtungen der Wiener Presse verlieren in ihm einen ihrer wärmsten Initiatoren Und nicht zuletzt trauert um seinen großen Förderer und väterlichen Freund Dr. Jakob Rosenthal. Lord Melcbett nach wie vor für Boykott London. In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter führte Lord Melchett ungefähr aus: Wenn man mich fragt, ob ich meine Meinung, betrefiend den Boykott deutscher Waren und Dienste, geändert habe, so ist meine Antwort ein glattes und nachdrückliches «N e i n». Der Boykott ist nicht nur unsere schärfste, sondern auch unsere einzige Waffe, die wir gegen den nationalsozialistischen Angriff auf das Judentum anwenden können. Was wir brauchen, sind nicht leidenschaftliche Kundgebungen und offizielle Proklamationen, sondern eine durch organisierte Boykottbewegung, die, ich hoffe es, nun geschaffen werden wird. Lord Melchett gab seiner Genugtuung über die Erklärung Philip Guedailas Ausdruck, daß der Jewis.'i Representative Council zur Organisierung des antideutsch:: Boykotts nicht ein Rivale des Jewlsh Board of Deputier sein wÜL Ich holfe aufrichtig, schloß Lord Melchett, daß die neugeschaffene Organisation ihre Aufgabe wirksam wird erfüllen können, unterstützt von jedem Juden, dem seine Ehre mehr gilt als sein Elgenlr.tcresse. Admiral Sir Roger Ifeves rühmt tOdtsdie Ir (Mitkämpfer London. Auf dem Horse Guards Paradefeld /u London nahm der Admfral der englischen Kriegsflotte Sir Roger Keyes eine Parade über 4500 jüdische Frontkämpfer aus London und der Provinz ab. Nach einem von Chief Rabbi Dr. J. H. H e r t z und dem rangältesten jüdischen Feldkapian der englischen Armee Rabbi G o 11 o p zelebrierten Gedächtnisgottesdienst für die jüdischen Gefallenen des Weltkrieges defilierten die unter dem Kommando von Oberst J. H. L e v e y stehenden jüdischen Frontkämpfer vor Admiral Roger Keyes. Die Abteilungen marschierten sodann zum Grabe des Unbekannten Soldaten, wo durch Leutnant Keysor und Jack White ein Kranz im Namen der jüdischen Kriegsteilnehmer niedergelegt wurde. Abends fand in der Albert Hall ein kameradschaftliches Treffen statt, bei dem der Schatzmeister der britischen Legion Major J. b. Brunei Cohen den Vorsitz führte. Nach Verlesung eines Telegramms, das der König auf eine Begrüßung der jüdischen Frontkämpfer gesandt hatte, hielt Admiral Sir Roger Keyes eine Ansprache, in der er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, an einer so machtvollen Kundgebung der Treue und Kameradschaft jüdischer Frontsoldaten in einem Augenblick teilnehmen zu können, da viele von deren Glaubensgenossen schwere Zeiten durch zumach an haben. Die vielen Auszeichnungen, die er bei der Parade an der Brust der jüdischen Frontkämpfer gesehen habe, hätten Ihm aufs neue den Beweis gegeben, daß den Juden hoher Kampfgeist innewohnt. Nach dem Admiral sprach Lord Melchett, der u. a. erklärte, nur der sei etwas wert, der sich zum eigenen Wesen bekenne. Darauf ergebe sich die Antwort auf die mitunter auftauchende Frage, ob man gleichzeitig ein guter Jude und ein guter Engländer sein könne. Der Jude, der sich selbst nicht treu ist, werde auch sonst nicht Treue beweisen. Der gute Jude aber werde stets auch ein guter Engländer sein. Die Anerkennung, die der Admiral dem jüdischen Kampfgeist gezollt habe, erfülle die jüdischen Frontkämpfer mit Stolz. Es sei erhebend, diese Versammlung zu erleben, die eine Kundgebung der Treue sowohl gegenüber England als auch gegenüber der eigenen Rasse sei. Der Festgottesdienst und die Ansprachen beim Kameradschaftstreffen wurden durch den englischen Rundfunk übertragen. l\ M Strenge Maßnahmen gegen „illegale Tonristeneinwanderung“ London. Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e- Lister kündigte im Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage von Captain Peter MacDonald strenge Maßnahmen gegen illegale Einwanderung in Palästina an. Es gibt, sagte der Minister, zwei Kategorien von Einwanderern, die ohne Erlaubnis nach Palästina kommen: 1. Personen, die die Grenze ohne Erlaubnis überschreiten, und 2. Personen, denen als Reisenden ein Aufenthalt bis zu zwölf Monaten gestattet wurde und die nach Erlöschen des Aufenthaltsrechtcs im Lande verbleiben. Die Zahl der zur ersten Kategorie gehörenden Personen ist verhältnismäßig gering und wird durch Maßnahmen, die die Palästina-Regierung an der Grenze ln Zusammenarbeit mit den französischen Behörden in Syrien trifft, noch weiter herabgedrückt Bezüglich der zweiten Kategorie, die, wie festgestellt wurde, eine beträchtliche Zahl von Personen betrifft, hat der Cafe Kreindler (ehern. Guth) II., Hollandstraße 14 empfiehlt sein nach vollkommener Renovierung aut das beste eingerlcntete Kaf eehaus, wo bei mäßigen Preisen und aufmerksamster Bedienung den geehrten Gästen nur beste Qualitäten verabreicht weiden. High Commlssiouer mit meiner Zustimmung vor kurzem folgende vorbeugende Maßnahme beschlossen: 1. Ein besonderer Beamtenstab wird mH der Durchführung genauer Erhebungen, betreffend die Zahl der als Touristen Ins Land kommenden und dort illegal verbleibenden Personen beauftragt 2. Einem geschulten Beamten wird die Organisierung eines Ueberwachungsdienstes zur Kontrolle der Fremden, von denen angenommen werden kann, daß sie dauernd im Lande zu bleiben beabsichtigen, und zur Ausfindigmachung von Personen, die ohne Visum eingereist sind, übertragen. 3. Besondere Maßnahmen werden ergriffen werden, um Personen, die Touristen* oder Transitvisa für Palästina erhalten, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich im Lande nicht nledertassen, keine Arbeit annehmen und keine Arbeitsgelegenheit suchen dürfen. 4. Die britischen Konsular- und Paßkantrollbeamten bestimmter Länder werden die Instruktionen erhalten, von <£sn Reisenden m'.t Ausnahme derjenigen, die I. Klasse Die wirklich billige Schuft* quelle tinfffn -Sie hei »DU-HO« (Inh Dauid Horowitz) Wien. II. lahurdralSe Nr Uh wmmmmmmmmmmmmmm Ecke ihedlet\trn#e Qualitätswaren %u üujtersl billigen Preisen. Bel Beratung au] die »Stimmern 9 Proxent Rabatt reisen, die Hinterlegung von 60 Pfund in bar als Kaution oder eine entsprechende Garantie einer angesehenen Bank oder einer anderen Institution zu verlangen. 5. Künftighin werden Personen, die bloße Nansen-Pässe oder gleichartige Personaldokumente haben, nur in Aus* nahmefäülen Visa erhalten. Ich möchte hinzufügen, daß die Berechnung der Halbjahrsquote für Arbeitereinwanderung auf der Basis der Aufnahmefähigkeit des Landes erfolgt. Der High Commlssloner hat betont, daß er bei seiner Entscheidung den Faktor der unerlaubten Einwanderung mit berücksichtigt hat. Man wird bald einseben, daß die Herabdrückung der unerlaubten Einwanderung auf ein Minimum im Interesse aller liegt. Die Zahl der zuzulassenden Einwanderer muß von der Aufnahmefähigkeit des Landes abhängig sein, und diese zu beurteilen ist Sache des High Commlssloner. Sonntag-, 19. November, 8Uhr abends, Hotel Continental, II., Taborstraße 4, E nziger Lieder- und.-Abend I Hilda Dnlltzkala Htfoll Lelbovlc! An Bord der «Thraki», 2. November 1933. An die Pag, Ges. m. b. H., Wienl Die Teilnehmer der 12. Reise nach Palästina, haben hiemit das Vergnügen, Ihnen nachfolgende Mitteilung zukommen zu lassen. Wir gestatten uns, Ihnen vor allem zu sagen, daß wir dank Ihren umsichtigen Vorbereitungen mit der Abwicklung der Reise sehr zufrieden waren. Insbesondere müssen wir unserem Reiseleiter, dem Herrn Ing, Rudolf Seiden unseren Dank und unsere volle Anerkennung für seine mühevolle, aufopfernde und erfolgreiche Tätigkeit und Sorge um uns aussprechen. Ihren Bemühungen haben wir es zu verdanken, daß wir in einem ganz modernen bequemen Waggon, durchgehend bis Saloniki, Wien verlassen konnten. Die Verköstigung im Speisewagen entsprach unserem Appetit. An den diversen Grenzen passierten wir ohne jegliche Schwierigkeiten, ln Saloniki erwartete uns ein gut vorbereitetes sauberes Quartier, so daß wir am folgend n Tag ausgeruht und munter die Stadt besichtigen konnten, nicht ohne mit gutem Frühstück und Mittagessen gestärkt worden zu sein. Der Gepäckssorgen durch Ihre Vorbereitungen enthob, n, konnten wir ordnungsgemäß um 6 Uhr abends an Bord der «Thrakb gehen. Die Unterbringung daselbst in überraschend reinen, ganz neu adaptierten 4-Bett-Außenbordkabinen 2. Klasse war allen eine Freude. Die Verpflegung hat während dr ganzen Reise das in Ihrem Prospekt Versprochene gehalten, so daß, begünstigt durch das herrlichste Wetter, alle Te'lnehmer froh und frisch dem Bordleben und Faulenzen frönen konnten. D‘e in allen Häfen, die wir anliefen, möglich gewesene Besichtigung durch längeren Aufenthalt brachte gute Abwechslung und unvergeßliche E ndrücke in unser dolce far niente. Wir wünschen ihnen, daß Sie auch in Hinkunft noch viele ebenso gelungene Reisen durchzuführtn in der Lage sein sollen. (Unterschrieben von sämtlichen Tednehmern der 12. Pag-Palästina-Reise.) Die nächste Pag-Palästinareise geht Dienstag, den 28. November 1933, von Wien ab. Auskünfte und Prospekte bei der Pag, Wien, VI., Capistran?asse2

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