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Die Stimme · 1933-11-09 · Heft 308 (9.11.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 308 (9.11.1933)
Date
1933-11-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 308 —9. November 393S DTE STIMM* Gelte 3 u 4 D ■e jüdische WelUilllsIconf onvereni Die Ergebnisse der Londoner Weittilirskonferenz Von Dr. Deslder Friedmann, Präsident der Wiener Kultusgemeind 2 (Aus einem Gespräch.) Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann nahm als Vertreter der österreichischen Judenschaft an den Beratungen der Jüdischen Welthilfskonferenz in London teil. Die Bedeutung dieser Hilfskonferenz liegt nicht zuletzt auch darin, daß sie trotz der Kürze der Zeit, die für ihre Vorbereitung zur Verfügung stand, eine Vertretung der Juden aus aller Welt war. Sehr viele von den Delegierten, die nach London kamen, kannten nicht das Ziel dieser Konferenz. Viele glaubten vielmehr, daß diese Reliefkonferenz ganz andere Zwecke, insbesondere politischer Natur, verfolge. Auch von zionistischer Seite waren Bedenken vorhanden, daß die Konferenz eine Institution darstelle, die in der Behandlung der Judenfrage den Rang und die Bedeutung der zionistischen internationalen Tagungen streitig machen könnte. Hiezu kam noch die Zusammensetzung der Konferenz, die zu 70 Prozent aus englischen Juden und bloß 30 Prozent von Juden aus anderen Ländern bestand. Und man plante denn auch, diese Tatsache gleich zu Beginn der Konferenz zur Sprache zu bringen und aufzurollen, um so eine Regelung des Stimmverhältnisses herbeizuführen. Jedoch schon nach den Eröffnungsreden des ersten Abends hatte man den bestimmten Eindruck, daß diese Konferenz einzig und allein dem Zwecke, die deutsche Judenhilfe zu organisieren, dienen wolle und daß das englische Judentum nicht im entferntesten den Ehrgeiz hatte, die Konferenz kraft seiner Stimmenmajorität etwa zu majorisieren. Die Konferenz in London vereinigte alle Richtungen des zeitgenössischen Judentums, Zionisten, liberale und orthodoxe Juden, hatten sich hier vereinigt, um durch gemeinsame Arbeit den einheitlichen Willen des jüdischen Volkes zum Ausdruck zu bringen und den deutschen Juden zu helfen. Es war ein erhebendes Gefühl, wie alle Gruppen jenseits jeder weltanschaulichen Trennung von einem einzigen Wunsche beseelt waren, Hilfsarbeit zu leisten, ein Gefühl, das für die Stärke und Energie zeugt, die fetzten Endes ln diesem Volke wurzelt, wenn es sich darum handelt, Solidarität für einen bedrängten Teil zu bekunden. Alle Beschlüsse der Konferenz wurden einstimmig gefaßt. Wiewohl die Konferenz jede politische Debatte bewußt vermied, stand doch die deutsche Judenfrage, nicht nur was die konstruktive Hilfe für die deutschen Flüchtlinge anbetrifft, im Hintergrund der ganzen Konferenz. Denn man darf nicht vergessen, daß n u r e i n Achtel der deutschen Juden Deutschland verlassen hat. Sieben Achtel leben noch unter den drückenden Verhältnissen im Reiche. Darüber hinaus beschäftigte sich die Konferenz, der eine Reihe von Berichten über die Lage der Juden in aller Welt Vorlagen, mit der gesamtjüdischen Situation. Aus den Berichten ist viel Trauriges zu entnehmen. In einer Reihe von Ländern, in denen bis vor kurzem vom Antisemitismus nichts bekannt war, so in Frankreich, Amerika, in Südafrika und in der Schweiz, ist ein Erstarken der antisemitischen Bewegung festzustellen. Insbesondere zeigten sich die Vertreter der demokratischen Schweiz über die antisemitische Infektion ihres Landes sehr deprimiert. Aus allen Berichten spricht die geradezu katastrophale wirtschaftliche Verschlechterung der Juden. Eine einzige rühmliche Ausnahme bildet das englische Judentum. Die rasche Einberufung der Londoner Hilfskonferenz erschien auch dadurch besonders notwendig, um jenen Flüchtlingshilfskomitees, die heute am Rande ihrer Leistungsfähigkeit stehen (Frankreich), die Mittel herbeizuschaffen. Eine weitere Aufgabe der Konferenz bestand bekanntlich auch darin, die jüdischen Vertreter im Verwaltungsrat des vom Völkerbund beschlossenen Flüchtlingskommissariats zu bestimmen. Insgesamt sollen 8 jüdische Delegierte entsendet werden. Den jüdischen Organisationen Composs Tours NEW YORK WIEN PARIS IX., Spitalgasse 3 Nächste Palästinareise 19. Dezember 1933 Auskünfte und Anmeldungen: Wien, IX., Spitalgasse 3 Telephon B 42-5-38 wurde ein Zusammenarbeiten mit dem Flüchtlingskommissär, dem Amerikaner James G. MacDonald empfohlen. MacDonald steht besonders dem «American Jewish Comittee» nahe. Prof. W e i z m a n n sowie Norman B ent wich sind beauftragt worden, den Flüchtlingskommissär über dessen nächste Pläne zu interviewen. Die bedeutendsten Beschlüsse der Konferenz sind: Die Einsetzung eines aus den Vertretern der 45 Organisationen, die die Konferenz beschickt haben, zu bildenden «Großen R a t e s f ü r H i 1 f e» für die deutschen Juden. Ferner wurde ein Vollzugsausschuß eingesetzt, dem Vertreter der Jewish Agency sowie die der bedeutendsten jüdischen Organisationen Europas und Amerikas angehören. Ueberdies wird in London ein Hauptbureau eröffnet, dessen Aufgabe es sein wird, alle zur Besserung der Lage der deutschen Juden ausgearbeiteten Pläne zu überprüfen und eigene Vorschläge auszuarbeiten. Ferner wurde die Schaffung eines Verbindungsamtes beschlossen, das einen dauernden Kontakt zwischen den einzelnen jüdischen Organisationen ermöglichen soll. Die Einwanderungskommission hat der Hiifskonferenz empfohlen, eine ständige Kommission für Wanderungsfragen einzusetzen, an deren Spitze ein Engländer stehen wird und in der die bedeutendsten jüdischen Auswanderergesellschaften vertreten sein werden. Die Hauptaufgabe dieser Kommission, deren Sitz in London ist, wird die Regelung der Auswanderung jüdischer Emigranten aus Deutschland sein. Im Wanderungsamt ist auch Oesterreich durch einen Delegierten vertreten. Im Mittelpunkt der Wanderungsbewegung steht natürlich Palästina, das von der Konferenz als das bedeutendste Aufnahmsland für deutsche Emigranten anerkannt wurde. Es wurde beschlossen, die größten Anstrengungen für eine umfangreiche Kolonisierung deutscher Juden in Palästina zu PALÄSTINA mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-J aff des llovd -Trieslisio Abfahrten j*eden Mittwoch um 13 Uhr ferner Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe — Höchster Komfort AusKOnite: Lloyd Trios», Ulfen. I.. merring 8 Tel, U 47-5-60 unternehmen. (Wir veröffentlichen die diesbezüglichen Resolutionen an anderer Stelle unseres Blattes. Die Red.) Alles in allem hat diese Jüdische Welthilfskonferenz innerhalb kürzester Zeit einen großen Aufgabenkreis erfüllt. Es wurde wenig-debattiert — die Konferenz gliederte sich bekanntlich unmittelbar nach dem Eröffnungsabend sofort in Kommissionen, die hinter geschlossenen Türen tagten —, aber um soviel mehr und intensiver gearbeitet Dr. Jakob Rosenthal ★ ★ ★ Die Beschlüsse der Konferenz London. Die Jüdische Hilfskonferenz ln London hat in Ihrer am 1. November abgehaltenen Schlußsitzung die Einsetzung eines aus den Vertretern der 45 Organisationen, die die Konferenz beschickt haben, zu bildenden Großen Rats Sur Hilfe und Aufbau beschlossen. Außerdem wird ein Vollzugsausschuß eingesetzt, dem Vertreter der Jewish Agency for Palestine sowie sowohl die ranne uon s 500.000 - Gescnatieteiie Leonhard Lewin gewonnen! Bei der soeben beendeten Ziehung der 29. österr. Klassenlotterie fielen die Prämie von S 500.000. und der Haupttreffer von S 300.000.— auf Lose, die bei der Geschäftsstelle Leonhard Lewin, Wien, I., Wollzeile 27, verkauft wurden. Beziehen auch Sie Ihre Klassenlose bei der «Glücksecke in der Wollzeile»! Gassenladen von 8 bis 6 Uhr geöffnet. Telephon Nr. R 29-3-82. Schriftliche Bestellungen mit Korrespondenzkarte. Vs S 6. - 14 S 12.— 1/2 S 24.— Vi S 48.- der Organisationen angehören werden, die die Konferenz einberufen haben, nämlich des Joint Foreign Committee, der AUiance Israeltte Universelle, des American Jewish Congress, des American Jewish Committee und des Comlte des D616gatlons Julves. In London wird ein Hauptbureau eröffnet, das die Aufgabe haben soll, alle zur Erleichterung der Lage der deutschen Juden bestimmten Pläne zu prüfen und eigene Vorschläge für Hilfe und Aufbau auszuarbeiten. ln der von der Vollversammlung der Konferenz einstimmig gehißten Resolution, betreffend die Einsetzung des Großen Rates und des Vollzugsausschusses heißt es, daß es den einzelnen Länderkomitees freistehen soll, die bei ihnen einfließenden Gelder ganz oder zum Tefl dem Vollzugsausschuß zu überweisen. Diejenigen Komitees, die eine Zentralisierung der Geldverteilung nicht wünschen, werden aufgefordert, vor der Festsetzung von Zuwendungen den Rat des Vollzugsausschusses einzuholen und Ratschläge dieses Ausschusses, betreffend ihre finanzielle Beteiligung an der Durchführung bestimmter, von ihm emfohlener Aktionen zu berücksichtigen. Zum Zweck der so angestrebten Koordinierung sollen die Länderkomitees den Vollzugsausschuß über ihre Maßnahmen zur Geldaufbringung, den jeweiligen Stand ihrer Finanzen und die Art der Verwendung der von Ihnen gesammelten Gelder auf dem laufenden halten. Die Konferenz hat ferner beschlossen, a) daß der Große Rat aus Vertretern aller an der Konferenz teilnehmenden Organisationen bestehe und das Recht der Kooptlerung erhalten soll; b) daß der Vollzugsausschuß aus Vertretern der Einberufer der Konferenz gemeinsam mit Vertretern der Jewish Agency gebildet werden soll; c) daß die Organisationen, die die Konferenz einberufen haben, den endgültigen Aufgabenkreis des Großen Rates und des Vollzugsausschusses festsetzen sollen. Auf Grund eines Vorschlages des Unterkomitees hat die Hiifskonferenz die Schaffung eines Verbindungsamtes beschlossen, das einen dauernden Kontakt zwischen den einzelnen Organisationen ermöglichen soll. Die betreffende Resolution lautet: «Der Vorsitzende des Joint Foreign Committee erklärte, dem Committee sei ein Vorschlag unterbreitet worden, ein Amt zur Herstellung einer Verbindung zwischen den mit der deutsch-jüdischen Frage sich beschäftigenden jüdischen Organisationen zu schaffen. Die Unterkommission empfiehlt, daß der Vorsitzende des Joint Foreign Committee aufgefordert werde, Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Planes auf der Basis zu treffen, daß das Verbindungsamt eine rein beratende Funktion ausübe; die Kommission bringt die feste Hoffnung zum Ausdruck, daß jede Organisation, sobald es zur Errichtung des Amtes kommen wird, mit diesem in vollstem Maße Zusammenarbeiten wird.» Die Konferenz faßte einstimmig den Beschluß, der englischen Regierung vorzuschlagen, sie möge Viscount Cecil of Chelvood einiaden, als Vertreter der englischen Regierung in den Verwaltungsrat der vom Völkerbund initiierten internationalen Hilfsaktion für die Emigranten aus Deutschland einzutreten. Ferner wurden die jüdischen Verbände und Gemeinschaften aller Länder aufgefordert, mit dem vom Völkerbund eingesetzten Oberkommissar für EmigrantenhiKe zusammen zu arbeiten. Anerkennung für die Haltung und die Leistungen der deutschen Judenheit in einer besonderen Resolution gab die Londoner Hilfskonferenz ihrer Bewunderung für die mutige Haltung, di« die Judenheit Deutschlands angesichts der über sie gekorn menen Prüfung bewiesen habe, sowie für die großen Leistungen Ausdruck, die ihre Organisationen unter so schweren Umständen vollbracht hätten. 31532332483291534823483153313253324832

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