Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 308 (9.11.1933)
- Date
- 1933-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sern 9! J».-"-?1 ■■■ "■ '■>-■!'■ J '."■WHWWMBWM1 Zurückerobern! DIE STIMME ftr. SOS ~ 0. November 19& ■»täcäaf««*: Camillo Kranich ]00 Betten, Zcntvalheu'Jilif, M8nv|jg SHikiirse, §kiveflf}b«ng, Pension ab S Hfianen^u Ottohaus, Postamt Hlrscliwang, N.-Q». MX (2009 Bl) OltOBALS Berg-Restaurint der Raxbihn BK;; K^on'c,,• ^smars^ skivcriPjfiBnf. - wi**«r K.ichC bei misi«»« Kronichs «MtoM und Puinion „Knippenhnf“ sit tÄrvrsÄÄttJSÄ i» Verleihung, öficntlichc Pernsprc«|ui|fcl!c Postflflll Penijpn ab S 10.—. ** Pemion u. Restaur int Crpnlthlwr a® te.r"«ÄÄ?lp:. Reichenau Kroft|«fiiiot Postamt Hillflph. N-Oe. — Pcns.on ab S 10.—. * «** Die Lage In Palästina unverändert ruhli Diesen Notschrei stößt die «R e i c h s p o s t» vom 1. November aus. Sie jammert über die verlorengegangeyf christligjfsoziale Jugend und wiJJ sie wieder aus dem na||0f SSisp^ialistlsehen Lager zurückgewinnen. Wie die «Retahcpost» das anstellt, muß unsere größte Aufmerksamkeit ff* regen. Sie stellt sich selbst ein Wohlverhaltungszeugnis aus, slf beteuert, die Christlichsozialen wären schon Antisemiten gewesen, als es noch gar keine Nationalsozialisten gegeben habe. Der beste Beweis sei der «Verein zur Abwehr des Antisemitismus» in der seligen Friedenszeit gewesen. Wir wurden uns mit den Auslassungen der «Reichspost nicht wejfgf befassen, vvffli) ff pfch yjn eine Intern« Angelegenheit ftef christlichsozialen Ffftej handeln würde. Die «Reichspost» vertritt «bPf Prinzipien! die wlf nicht ryhig hinnejjfnen können. Sif erklärt z. ß„ dgfl wärmster öfterreichiseftff Patriotismus fleh mif dem Wunsfk IlfCh 11pführung des PjymrUß flßU^uß ß§hf gu| vertrag#, lind der ganze Artikel hat gje klare Tendenz: Aufhebung der GleichbpFßghtignng der Juden. Hier sei zunächst festgp§tel|{; Upserp Qieiehbereßhti» gypg steht vielfach leider nur §ffl Papier* Sie wird in dsf nkht in die Tat umgesetzt. Wir wpljpff in dietem Zusammenhänge nicht untersuchen, ob und welche Unterlassungssünden der Juden selbst zum heutigen Zustand geführt haben. Wir beschränken uns auf die Feststellung der Tatsache, daß weder die zahlreichen christljchsozialen Regterwngen no§b die sojtelderookrstisebe Wiener Gemeinde seit dem Bestände der Republik Oesteffeleh Juden angestellt hähpn. Ausgezeichnet qualifizierte Richteramtsanwäfter WUfgjen zur Richterpraxis nicht zugelassen. Zur Zeit der Monarchie wär§ dfte unmöglich gewesen* £§ gibt heute nur!)§§h wenige gyg d@f Zeit der Moflsrehfe stammend# lieh-’ ter und nur mehr wenige jüdische Staatsbeamte» Es gibt jüdischen Staatsanwalt. Ebenso liegen die Verhältnisse beim Notariat, bei der Polizei, der Beamtenschaft des Wiener Magistrats ysw, in frischer Erinnerung ist noch der Vernichtungsfeldzug gegen dje jüdischen Beamten der §ffdit~Anstalt. Ueberail hat der Jude verschlossene Türen gefunden und war*so gezwungen, in die fralsn Berufe zu flüchten. Gerade das aber erregt das Mißfallen der «Reichspost». Und sie macht eine großartige Entdeckung. Die Juden sind an der Numerus elausus-Bewegung reibst schuld* Sie haben sifh in die freien Berufe hineingedrängt. Es ist schwer, hier keifte Satire zu schreiben. Entgegen den Vorschriften der Verfassung, in der auch der Friedensvertrag verankert ist, Wurde v i a f a e 11 für die österreichischen Juden der Numerus n u 11 u 6 ein geführt. Riehtersehaft und Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Staatsbeamtenschaft wer* den judenreln gemacht. Es wäre aueh reizvoll, festzustellen, wiiviel Gesuche von Juden um Bewilligung des Erwerbes von landwirtschaftlichen Grundstücken von den GrundverkphrskomiHissionen aufrecht erledigt werden. Aber das fleht die «Reichspost» nleht weiter an. Sie unterschlägt diese Tatsachen und tut empört darüber, daß eg unter den Anwälten und Aerzten so viele Juden gibt. Sie geht noch weiter und befürwortet Rechtsbesehrftnkungen für die Jüdischen Staatsbürger. Vor einigen Tagen hat die Regierung der Tageszeitung «Der Wiener Tag» erklärt, es sei unrichtig, daß Rechte« beschränkungen für die Juden in Vorbereitung seien. Die «Reichspost* Ist das offizielle Organ der Regierung. Wir empfehlen daher der Regierung die Lektüre dieses Blattes. Der «Reichspost* aber möchten wir sagen, daß sich kürzlich ein Ereignis vollzogen hat, zu dem sich die österreichischen Juden ln einem Ausmaß gedrängt haben, das den jüdischen Prozentsatz in der österreichischen Bevölkerung weit übersteigt. Die «Reichspost» weiß davon und sie hat trotzdem nicht über die Jüdische Vordringlichkeit gezetert. Warum nicht? Well es sich um die — Z e 1 c h n u n g der Trefferanleihe gehandelt hat. Aehnlich vordringlich waren und sind die Juden bei der Werbung für den Fremdenverkehr. Da sind der «Reichspost» die Juden augenscheinlich recht. Sie möge sich eine Statistik aufstelien und sie wird sehen, daß die kleinen Zeichner der Trefferanleihe In einem sehr starken Ausmaße Juden waren. Aber es ist uns War, darüber wird die «Reichspost» keinen Leitartikel schreiben. Für sie gilt der Satz: «Tut nichts, der Jude wird verbrannt», Die «Reichspost» möge zur Kenntnis nehmen: Wir lassen uns nicht verbrennen, weder physisch noch politisch noch wirtschaftlich. Wir sind gute Bürger dieses Staates und wollen als solche behandelt werden. Wir werden von unseren Rechten kein Jota aufgeben und für die faktische DuVchsetzung unserer Rechte zu kämpfen wiesen. Und wir wollen hoffen, daß alle gutgesinnten Christen uns verstehen, fördern und Jeden Kampf überflüssig machen werden. Oesterreich braucht Ruhe. Wir wollen auch hoffen, daß die Regierung endlich einsehen wird, daß uns zur Erhaltung unserer Gemeinden und ihrer Seelsorger, Lehrer und Anstalten ein Beitrag des Bundes ebenso gebührt wie den Katholiken die Kongrua und den Protestanten der ihnen gewährte Bundesbeitrag. Und «um Schlüsse; Wir Juden sind zwar di« paten* Jerusalem, Auch der leiste Freitag, Wochenfeiertag der Moslem*, ist in ganz P*Jästta& ruhig verlaufen. Allgemein wird angenommen, daß die Unruhewegi verebbt ist und daß ftas Uhen überall in seinen normalen Bahnen geht. Du «Sechsuhrabendläuten» (Verkehrssperre) wurde nach Jeru» salfm nunmehr auch in Haifa aufgehoben. An dem Freitag* MiHaggebet in der Omar-Moschee zu Jerusalem nahmen Massen Anher aus den umliegenden Dörfern tail, aber mir ein Kleiner Ten der Moseheebemisher versuchte* eine Kund« gebung zu veranstalten; sie wurden von der Polizei rasch und ohne Mühe vertrieben. Ungeachtet der Streikbeendigungsparole der arabischen Exekutive dauert im Jaffaer Hafen der streik zum Teil noch an, so daß sieben Frachtschifte nleht ausgefaden werden können, Die Zahl der Opfer während der ganzen Unruhewoche hat sich nach genauer Prüfung als bedeutend geringer erwiesen, als anfänglich sogar von den Behörden angenommen wurde« im ganzen wurden während der Unruhewoehe ö Arabor, unter ihnen i Polizist, getötet, 39 Araber wurden schwer verteilt ins Hospital gebricht, 127 Araber erlitten leichtere Verletzungen. Die Polizei zählt 27 verletzte englische und arabische Polizisten. Die offkteUe Mlttelfeng der PaliUtetaaregferuflg, daß eine Reihe Kommunisten wagen aufrührerischer Propaganda im Zusammenhang mH den Unruhen verhaftet wurden, wirft dn eigentümliches Licht auf die Tätigkeit der arabischen Exekutive, die sich sowohl deutschen nationalsozialistischen als auch russischen bolschewistischen Einflüssen zugänglich zeigt. ★ Balfpur-Tag in Palästina ruhig verlaufen Jerusalem, 2. Novembar. Entgegen d«n auf Grund der arabischen Drohungen gehegten Befürchtungen ist der 2. November, der Jahrestag der: Verkündung der Balfour-Deldaration, in Palästina ruhig verlaufen. Nirgendwo im ganzen Lande ist es zu Zwischenfällen gekommen. Am frühen Morgen versuchten Beduinen aus Wadi Hawarith, nach Ttdkarcro zu ziehen; die sich xusammenrottende Menge wund« yoh einem niedrig fliegenden Aeroplon aus zemtreut. Auch der Abend vor dem BajfpupTag ist bin auf einen kleinen Zwischenfall in Jerusalem ruhte verlaufen. Gegen das Polizeilager auf dem Skopus-Berg wurden einige Schüsse abgegeben, die niemanden verletzten, Die Polizei glaubt, daß es sich eher um «inen Mutwillensakt als um einen ernsten Ueberfoll handelt, Nachdem die 700 jüdischen Einwanderer der «Ma r t h a Washington» ausgebootet wurden, landeten weitere 120 jüdische Einwanderer, dis mit dem Dampfer «Theophile Oautier» ln Haifa elngstroffen waren. Nunmehr herrscht auch in Jaffa normalos Leben, tierten Sündenböeke, aber wir Haben es satt, daß man auf uns herumtrampelt und uns dazu noch verhöhnt Wir sind dabei, unsere Jugend zurückzuerobern und sie kommt in hellen Scharen. Unser Rezept ist einfach. Wir führen die Jugend zum Judentum zurück, indem wir ihr die Quellen des Judentums, die hebräische Sprache und Literatur erschließen, sie mit der Geschichte ihres Volkes vertraut machen, sie den Zionismus lehren und körperlich ertüchtigen. Wir kehren uns von den Irrwegen der Assimilation ab, die nachdem der Streik dort beendet wurde. Der Sekretär de* arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadl urwj andefp arabische Führer, die Im Zusammenhang mit den Unruhen in Haft genommen worden waren, sind gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Dip arabischen Zeitungen erscheinen alle, Auch Izzat üarwpza wurde au« der Haft entlassen. ★ lnt«wt«w des „8 Uhr-Abandtllattea“ nniue Erfindung“ Jerusalem. Die Jerusalemer Polizei erklärt auf eine Anfrage über das im Berliner «8 Uhr-Abendblatt» veröffentlichte Teiephongesprich mit dsro Pölteeikomniandanten von Jeru« Mlsm Loofllf (nicht Luks), da« Interview i#i rein« Erfindung- Die Polizei betont, daß die Polizeibehörde sich niemals mit Politik befaßt. ★ Aiübn werden aus Palästina am* gewiesen Jtrusaltm. Das Amtsblatt veröffentlicht wiederum eine Liste von Ausgewiesenen. Von 33 ausgewiesenen p#f* sonep sjnd 28 Araber. ★ Arabischer Streik in Palästina offiziell beendet Jerusalem, % November, (J, T<*A,) Pte arabische Exekutive hat den von ihr proklamierten Generalstreik offiziell für beendet erklärt, nachdem die Streikparole in den letitSIl zwei Tagen ziemlich wenig beachtet wurde. Der normale Zustand ist im ganzen Lande wiederhergestellt. In Amman und im übrigen Transjord&nten herrscht entgegen CUTOpäteehfin Blättermeldungen vollkommene Ruhe. ★ Me Ereignisse io Palästina und dlt Levante-Mess« Die Wieder Vertretung 4er Lev§nte-Me§§e erhielt folgendes Telegramm von der Levant-FgJr aus T § J -- A \y 1 w: «Angesichts der nettesten Ereignisse ln Palästina und der vielfach übertriebenen Auslandsmeldungen informieren wir Sie, daß diese Vorgänge auf Handel tmd Wandel fett Lande gänzfleb ohne Einfluß geblieben sind und daß Ins* besondere «He Vorbereitungen der Messeleltyng planmäßig weltergehen. Wir bitten, die Oeffcnttiehkeit In diesem Sinne aufzuklären.» Z die «Pag» teilt mit; Die Teilnehmer der am 24. Oktob«? von Wien unter Führung des Ing. Seiden abgegangonpn 12. Palästinareise sind nach schöner Seereise auf dem Salondampfer «Thrakl» gesund und wohlgete/unt in Haifa gelandet* In den nächsten Tagen erscheint das von uns heratl«- gegebene modern« Lehrbuch «Hebräisch — leicht gemacht». Subskriptionspreis bis 15. Oktober kartoniert S 6.—. Für Tel-Awiw werden eine gute Wiener Köchin und ein Konditor gesucht. Näheres in unserem Bureau, VI., Capistrangawe 2, nur vormittags. ~nTfTir~TrnTTirmT~n mn nir iniiTi inm um um in iraw «Reichspost» assimiliert sich an hakenkreuzlerlsches — alt venia verbo — Oedankengut. Das unterscheidet uns. Wir wehren uns gegen die Werbemethoden der «Reichs* post». Wie sie die christijchsoziale Jugend zurückerobern will, ist ihre Sache. Aber sie erinnere eich gefälligst an die Bulle Quadragesimo anno. Uns lasse sie aus dem Spielt O* Thto« Star« ii Kohle »Kol« * Anthrazit ■■■■■■ HÖCHSTER aUAUTITEM Basch, iv* Argenfinterslr* 22* Tot* Serie U 42*5*40 MM t m KAISER STR. PC Alserstr. C $ 16 - SJ5 -S20.- ' ■ ■ ■■■MMMMMraraBaKagraarattBaararaoHMMB^ .. Mysteriös« Meldung Ober neue Zertifikate Telegraphisch« Meldung der «Stimme» Paris, 8. November Jabotinski hat in einem geheimen Befehl den Revisionisten und Betharim verboten, Zertifikats von der Zionistischen Exekutive, bezw* PaHstina-Aemtem anzunehmen. Es seien, wird ln diesem Befehl erklärt, Aussichten vorhanden, daß die Betharim, unabhängig von der Zionistischen Exekutive, etwa 1000 Zertifikate erhalten. Zu diesem Zwecke wird die Mobilmachung der BethaHm angeordnet N « Wir registrieren diese mysteriöse Depesche, dk es erklärlich macht, warum die Revisionisten von der Exekutive kerne Zertifikate annehman wollen* Aufzukläran ist, welche Stelle den Revisionisten 1000 Zertifikate zur Verfügung stellt Auf alte Fälle scheint es sich um eine Umgehung der Exekutive und damit tim einen Brach der zionistischen Disziplin zu bandeln.