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Die Stimme · 1933-11-03 · Heft 307 (3.11.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 307 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sefte 9 tote STIMME Htr. W — 9. November 19$$ \ ’:y; / LITERATUR Sie jlais&wehieiunduitg. Vxht 25a. J. ioMiC&oK (Xahii&ad) Zum 100. (jäßtuKtita} vom. jtöfKtd HoJUt. Jüdische Nobel-Preisträger Der 100. Geburtstag von Alfred Nobel fiel auf den 21. Oktober. Bekanntlich ist der schwedische Ingenieur Alfred Nobel der Erfinder des Dynamits, das einerseits umwälzende technische Neuerungen wie auf dem Gebiete des Verkehrswesens ermöglichte, andererseits aber auch die furchtbare folgenschwere Entwicklung der modernen artilleristischen Kriegstechnik mit sich brachte. Als Alfred Nobel 1896 starb, hinterließ er ein Vermögen von rund 50 Millionen Franken, aus dessen jährlichen Zinserträgnissen seit 1901 die wichtigsten physikalischen, chemischen, medizinischen Entdeckungen, Erfindungen und Forschungen, bedeutsame literarische und geisteswissenschaftliche Schriften und ein nachhaltiges Wirken für den Frieden von der Stockholmer Akademie der Wissenschaften und der norwegischen Storfing preisgekrönt werden. Auch zahlreiche Juden haben Nobelpreise erhalten. Von den insgesamt rund 145 Nobelpreisträgern sind 15 Juden and vier Halbjuden aus Mischehen. Es sind dies: Tobias Ass c r, gcb. 1838 in Amsterdam, gest. 1913 im Haag, Friedenspreis 1911. Robert Bar any, geb. 1876 in Wien, Nobelpreis für Medizin 1914. Henri Bergson, geb. 1859 in Paris, Nobelpreis der Literatur 1927 für seine philosophischen Werke. Paul Ehrlich, geb. 1854 in Strehlen (Schlesien), gest. 1925, Nobelpreis für Medizin 1908. Albert Einstein, geb. 1879 in Ulm, Nobelpreis für Physik 1921. James Franck, geb. 1882 in Hamburg, Nobelpreis für Physik 1925 für seine Atomtheorie. Alfred H. Fried, gcb. 1864 in Wien, gest. 1921, Nobelpreis für den Frieden 1911. Gustav Hertz, geb. 1887 in Hamburg, Nobelpreis für Physik 1925 für seine Eleklronenthcorie. Karl Landsteiner, geb. 1868 in Wien, Nobelpreis für Medizin 1930 für seine Blutkör per theoric. Gabriel Li pp mann, geb. 1845 in llallerich (Luxemburg), gest. 1921, Nobelpreis für Physik 1908 für seine Untersuchungen auf dem Gebiete der Farbenphotographie. Otto Mcy erhoff, gcb. 1884 in Hannover, Nobelpreis für Medizin 1922. Albert Abraham Michelson, geb. 1852 in Strelno (Preußen), gest. 1931 in Pasadena, Nobelpreis für Physik 1907 für seine Untersuchungen auf dem Gebiete der Spektroskopie. Otto Wallach, gcb. 1847 in Königsberg, gest. 1920, Nobelpreis für Chemie 1910. Richard Willst all er, geb. 1872 in Karlsruhe, Nobelpreis 1915 für Chemie. Fritz Haber (getauft), Chemiepreis 1918. Adolf von Baeyer (Mutter Jüdin), 1835—1917, Chemiepreis 1905. Niels Bohr (Mutter Jüdin), geb. 1858, Physikpreis 1922, Elias Metschnikoff (Mutter Jüdin), 1841—1916, Medizinpreis 1908. Paul llcyse (Mutter Jüdin), 1830—1914, Literaturpreis 1910. Aus dieser Aufstellung ergibt sich, daß die meisten jüdischen Nobelpreisträger aus Deutschland und Oesterreich stammen. Die prozentuale Beteiligung der Juden am Nobelpreis (ca. 14 Prozent), ist bedeutend größer als ihre Verhältniszahl zur Kullurbcvölkcrung der Welt, die nur etwa ein Prozent beträgt. «Sacher und Künder», Vortragszyklus von Dr. Martha Hofmann. Der nächste Vortrag: «Lew Nikolajewitsch: Tolstois Lf,bcn und Werk» findet Dienstag, den 7. November 1333, in Wien, IX., Frcihcitsplatz 13, punkt ß Uhr abends, Statt. Teliphonischc Anmeldung A 27-G G8. Das Palästina- Informationsbuch 3. Auflas« soeben erschienen kundigen Kritik: MsleBllCÖSIISirAFl! (I Präzise Beantwortung alter Fragen Uber Palästina- I Verwaltung, Steuer, Hecht, Zoll, Verkehr, Touristik, I Einwanderung* ‘Stimmungen, Existenzmöglichkeiten. I Zionismus. — Führer durch das Land. — Hebräisches | Vokabularium in Lateinschrift. 120 Oktavseiten Tatsachen und Zittern! Elm Landkarte, im intand 8 4.20 im Ausland M 2 50. Schw. Fr. 3.—, Pengfl 4— Zloty 5 Kc 20 - - Dinar 45.— bei Voraustthlung, in’c!us. I orto, erhältlich bei: DiflO r. #. m. D. H. urMu Wien, tu., iwfttrilir filrui s Dr. Ignaz Z o! I s c h a n, der bekannte Anthropologe, der mit seinem 1910 erschienenen Werk «Das Rassenproblem» sich einen internationalen Ruf erworben hat, hat jetzt eine Denkschrift «Aktionsplan gegen den wissenschaftlichen Antisemitismus» veröffentlicht, die er führenden Persönlichkeiten und Organisationen des Judentums übersandte. Im Zusammenhang mit dieser Aktion stellt uns Herr Dr. Z o 11 s c h a n den folgenden Beitrag zur Verfügung. Red. Rassenfeindschaft und Rassenhaß sind alt; die Rassenideologie jedoch »st eine Sache unseres Zeitalters. Die Rassenideologie mit wissenschaftlichem oder pseudowissenschaftlichem Unterbau besteht seit ungefähr einem halben Jahrhundert. Der erste Autor, der als Gelehrter und Denker größeren Formats die Judenfrage als reine Rassenfrage autfaßte, ohne sie allerdings damals auch schon durch exakt anthropologisches Material naturwissenschaftlich fundieren zu können, war Eugen D u e h r i n g. Mit ihm beginnt der eigentliche Herd der gefährlichen rassenantisemitisohen Agitation sich in dem Kreise der Universitätsjugend festzusetzen, und zwar war es in der Folge hauptsächlich der für nationale Dinge besonders empfindliche Boden der Wiener Universität, wo die durch Schönerer und Wolf betriebene Agitation gefühlsmäßig und ideologisch als Vorläufer der gegenwärtig Deutschland beherrschenden Richtung zu erkennen ist. Nun begann um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Anthropologie auch als Anthropometrie. Während man bis dahin die großen Menschheitsgruppen nur roh nach der Verschiedenheit der Hautfarbe tingeteilt0hatte, fand man jetzt — später noch viel weiter ausgestaltete — zuverlässige Methoden, alles durch exaikte Messungen zu bestimmen. Für die Relationen in den Größen- und Formverhältnissen der verschiedensten Organe wurden präzise Systeme angegeben. Ein weiterer Fortschritt der Naturwissenschaft kam hinzu: Die Auffindung der Gesetze der Vererblichkeit. Ohne genau darauf einzugeheri, ergibt sich schon aus diesen Tatsachen allein, daß damitder Anschein hervorgerufen wurde, die Rassenfrage werde damit aus der Sphäre des gefühlsmäßigen Empfindens, des politischen Wollens und des philosophischen Spekulierens in diejenige der naturwissenschaftlich gesicherten Tatsachenwelt erhoben. Dazu aber kamen weitere historische und urgeschichtlicfoe Forschungen sowie soziologische Studien über die Verhältnisse der Gegenwart, welche diese Ideenwelt noch zu bestätigen schienen. Und daraus entwickelte sich ein anscheinend ganz geschlossener Bau von Argumenten, ein wissenschaftlich gesichert erscheinendes, tragfähiges, zu politischen Folgerungen weitgehender Art, berechtigendes Fundament der Rassenideologie. Und weil es eine Ideologie ist, etwas mit Ideen und Idealen Zusammenhängendes, sind die dem wirklichen Leben am wenigsten verwandten, aber Ideenkonstruktionen immer weitgeöffneten Studenten und die aus der Studentenschaft hervorgegangenen Angehörigen der freien Berufe und der Beamtenschaft die überzeugtesten Anhänger und fanatischsten Agitatoren dieser Bewegung geworden. Die Xenophobie, der Haß gegen die Fremden, ist damit auf einmal etwas ganz anderes- Er ist aus der Sphäre des Wollens ln die der Notwendigkeit enhoben. Der Rassengegensatz hat damit die Bedeutung einer naturwissenschaftlichen Doktrin und eines tieferen metaphysischen Sinnes erhalten. Die Gerechtigkeit gebietet, zuzugeben, daß Rassenverachtung und Heranziehung der Anthropometrie zum Zwecke der Diskriminierung ’ verschiedener Blutähigchörigkcit auch vielen jener Völker nicht fremd ist, die heute im Namen verletzter Humanität gegen die kulturelle Barbarei in Deutschland protestieren, und daß ihr Verhalten sogar oft genug als besonders unrühmlich hervorgehoben wurde. Das Verhalten der Engländer gegen irgendwie gefärbte Haut ist sprichwörtlich, und die Ungerechtigkeit der Amerikaner gegen die Neger in ihrem eigenen Lande ist bekannt. Jedoch wenn einerseits schon diese Ungerechtigkeiten das Gewissen der Welt von Zeit zu Zeit erschütterten, so muß andererseits wieder festgehalten werden, daß diese Ungerechtigkeiten nur gesellschaf lieber Natur sind und daß nur in den extremen Fällen manchmal auch eine parteiliche Anwendung der bestehenden Gesetze erfolgt. Nie aber seit der Aufhebung der Sklaverei und in ke nein Lande besteht eine schon durch das Gesetz selbst gebotene Entrechtung der Angehörigen fremden Blutes, sofern sie Angehörige* des gleichen Staates sind. Sic leben gesellschaftlich geächtet, und es ergeben sich daraus unertägliche Zustände, die soziale Mauer ist unübersteigiieh. Aber eine ungleiche Behandlung vor dem Gesetz kann nur erfolgen unter Verletzung des Gesetze«. Erst jetzt im Deutschen Reich ist erstmalig in der Gegenwart die Ungleichheit vor dem Ucectz, die Unglcichhe:t des Gesetzes geschaffen worden. Keinem Negcrlcind in der amerikanischen Union ist es verwehrt« Mittelschule und Universität zu besuchen; in beliebiger Zahl können sie überall Aerzte, Advokaten und Professoren werden. Man kann sich in der Eisenbahn und im Restaurant von ihnen entfernt halten, man kann sie gesellschaftlich in welchem Grade immer meiden, es handelt sich dabei jedoch stets nur um das summierte freie Handeln der einzelnen. Der Staat; das Gesetz kennt keinen Unterschied. Es ist das Privileg de« modernen Deutschland, die Juden samt und sonders unter Gesetze zu stellen, welche größere Parias aus ihnen machen würden, als es die Abkömmlinge der amerikanischen Negersklaven sind. Zwar haben die Amerikaner besondere Gesetze geschaffen bezüglich fremder Rassen, soweit es deren Einwanderung in die Union betrifft. Sind sie aber einmal im Lande, so besteht Gleichhet vor dem Gesetz, ohne Unterschied der Rasse. Daß aber eine Minorität von 8000 bis 10.000 mit Hilfe einer Kartenhauskonstruktion pseudowissenschaftlicher Argumente zu einer Gefahr gestempelt wird, vor de» umgekehrt die überwältigende Mehrheit des einheimischen Volkes erliegen muß, eine solche Behauptung läßt rieh durch kein Beispiel irgendeines Landes, irgendeine« anderen Volkes rechtfertigen. Und noch weit darüber hinaus ist der Fall vollkommen singulär, daß jenseits von gesellschaftlicher und politischer Entmachtung und von gesetzlicher Entrechtung ein Volk, eine Rasse auch noch im Namen der Wissenschaft dazu verdammt wird, die universitätsamtliche Feststellung auf sich zu nehmen, sie sei tief Inferior. Den ganzen systematischen Aufbau in einem Aufsatz nur zu skizzieren, wäre unmöglich. Nur soviel soll doch mit allem Nachdruck auch hier gesagt sein, daß es nachweisbar unwahr ist, daß auch nur eine von den wichtigen tragenden Prämissen dieses Gebäudes von Schlußfolgerungen absolut zweifelsfrei und unangefochten wirklich gesicherter Besitz der Wissenschaft ist. Weder auf dem Gebiete der Anthro-, pologe noch auf dem der Biologie besteht in den Haupt-' punkten irgend welche Einheitlichkeit der Ansichten bei der unparteilichen Wissenschaft. Nichtsdestoweniger aber wird \ mit dem Tone der vollsten Sicherheit ausgesprochen, daß alle Kulturkeime in allen Ländern, insbesondere alles, was produktiv und schöpferisch ist, der germanischen Rasse zu verdanken sei. Dadurch entsteht von vornherein die These von der Un gleich wertigkeit der menschlichen Rassen, wie sie erstmalig von Gobineau formtf* liert wurde, und die Einteilung in hochwertige und Inferiore Völker. Allein hochwertig sind demnach nur die Arier oder, anthropologisch richtiger gesprochen, die Germanen. Diese Theorie hat heute »m deutschen Sprachgebiet und darüber hinaus weitgehende Verbreitung gefunden. Aber die in Deutschland selbst jetzt herrschend gewordene Richtung hat hier noch einen neuen Gegensatz hinzugefügt. Von der jüdischen Rasse nämlich behauptet sie, daß die Juden, die ja nicht als reine Rasse, sondern als Rasscngemisd» aus heterogenen Elementen anzusprechen wären, nicht nur minderwertig, sondern gegen-wertig seien. Sie behauptet, daß die Juden deshalb aus immanenter Rassennotwendigkeit heraus, selbst guten Willen vorausgesetzt, gar nicht anders können, als das Verderben der anderen herbeizuftihren. Sie seien der Antitypus alles Schöpferischen, Wertvollen, Werterhaltenden, der Zersetzung»- und Fäulnlskeim und der konzentrierteste Giftstoff, den es für die Kulturwelt nur geben könne. Weil dies für unser Thema besonders bezeichnend ist, wollen wir einen Terminus der Vererbungstheorie eigens besprechen: Die Gesetze der Vererbung zeigen, daß jede Pflanze und Tierspezies im gewissen Grade verändert werden bann- Durch Mangel an Nahrung und an Sonne entsteht ein Kümmertypus, Krankihdt kann wesentliche Veränderungen herbeiführen; die Altersstufe, die Verschiedenheit des Klimas kann die äußeren Formen scheinbar umwandeln. Aber mit der Rückkehr zu den ursprünglichen Bedingungen kehrt auch der Urtypus wieder. Und selbst wenn während des ganzen Lebens die äußere Erscheinung eine andere war, die nächste Generation zeigt wieder den ursprünglichen Typ. Und diese Urform ist eben diejenige, welche durch die ganzen Generationsfolgen hindurch die gleiche bleibt. Weil also diese stets wiederkehrendc Urform immer die gleiche bleibt, also den reinen Gattungscharaktcr repräsentiert, nennt man diese Grundform der Gattung den Geno* typus. Gcnos heißt Gattung. Gen, Generation, Genius: da« hängt alles mit dein gleichen Wortstamm zusammen. Im Gegensatz dazu wird die vorübergehende Erscheinungsform (Phänomen-Erscheinung) Phänotypus genannt Und diese Gegenüberstellungsmögtichkeit des Phünotyput und des Genotypus einer Pflanze oder eines Tieres ist eine bedeutsame Errungenschaft: Auch in der menschlichen Rassenlehre geht das Streben dahin, für jedes Volk den eigentlichen Genotypus zu finden und gegen den Genotypus anderer abzugrenzen. Man bemüht sich abzusehen von allem, was nur durch den Zufall der Situation auf das körperliche und seelische Bild, in dem wir Menschen und Gruppen sehen, eingewirkt hat. Man bemüht sich zu abstrahieren von der zufälligen flüchtigen Erscheinung, von allem Phänotypischen, auch wenn diese Ef» i Jh *

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