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Die Stimme · 1933-11-03 · Heft 307 (3.11.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 307 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 307 — 3. November t§33 Sette? DTE STIMM? IMMMMaMMMH WtetfLejuLet Zhe&-J4Kae& f Pi* nt« idwlwle — iwtd wm wtltol von unserem Korrespondenten Cts. Haller (Tel-Awiw) Dieser Bericht unseres Palästina-Korrespondenten wurde am Vorabend der Unruhen geschrieben. (Die Red.) Die palästinensische Regierung hat für die Einwanderurtgspcriode Oktober 1933—März 1934 eine Schedule von 5500 Zertifikaten bewilligt, wovon die bisher auf Konto dieses Kontingents vorausgegebenen 2000 Zertifikate in Abzug gebracht werden sollen. Das bedeutet nicht viel mehr als den fünften Teil der Einlaßforderung, die die Jewish-Agency auf Grund von sorgfältig aufgestellten Zahlen stellte und deren Berechtigung in täglich sich mehrenden wirtschaftlichen Tatsachen neu belegt wird. Diese Entscheidung enttäuschte auch die Vorsichtigsten und die Pessimisten unter uns, die, mit der bisherigen schablonenhaften Gewohnheit der Halbierung auch noch so begründeter jüdischer Aufstellungen rechnend, doch nicht wertiger als zehntausend Zertifikate erwartet hatten. Die ganze Lage im Lande auf der einen und die in der jüdischen Welt auf der anderen Seite, rechtfertigteeine solche bescheidene Annahme. Der Schlag, den die Regierung der zionistischen Organisation und dem Lande damit versetzte, ist vielleicht der schwerste, den wir bisher von ihrer Seite etfähren haben. Die Zurückziehung der 1500 Zertifikate im Jahre 1930, so sehr ihr politischer Antrieb jedermann klar war, fiel in eine Zeit w'rtschaftlichcn Stillstandes und konnte noch irgendeine verschämte Begründung vertragen. Heute befindet sich das Land in einer Periode dynamischen Vordringens und wirtschaftlicher Ausweitung. Auf dem Lande und in der städtischen Wirtschaft entstehen immer neue Unternehmungen, die alten erfahren eine beständige Vergrößerung und sie rufen alle nach Arbeitshänden. Wenn in dem Wellengänge der wirtschaftlichen Entwicklung auf ihren Höhepunkten ebenso wie in ihren Tiefen künstliche Bremsen vorgelegt werden, so äußert sich darin eine so klare Tendenz, daß ihre Verdeckung mit keinen allgemeinen Formeln mehr gelingen kann. per seit Monaten hörbare Schrei nach einer vermehrten Zvführung von Arbeitskräften macht alle umständlichen Begründungen und Denkschriften überflüssig. Der jüdischen Wirtschaft droht durch den heutigen unnatürlichen Zustand eine zunehmende Entfremdung der jüdischen Arbeit. Der Scharon war noch vor Monaten ein Zentrum reiner jüdischer Arbeit. Heute ist er es nicht mehr! Immer mehr leisten sich jüdische Wirtschaften den Seitensprung der Beschäftigung von Arabern. Das gleiche geschieht in vielen anderen Punkten. Die Besitzer der Wirtschaften wenden sich an die Histadruth um Zuweisung von Arbeitern und sie kann sie oft und oft nicht gewähren. Es gibt treue Zionisten, die die Arbeiten auf die nächste Saison verschieben, aber andere wählen den bequemen und Im stillen vielleicht begrüßten, weil billigeren Weg. Oft liegt Not vor, oft aber ein Zustand, der dem des Gelegenheitsdiebcs entspricht. Wird dieser nicht rechtzeitig unterbunden, so befinden wir uns im Anfang einer Gefahr, die an die Wurzel unseres ganzen Werkes geht. Doch nicht nur die jüdische Wirtschaft braucht mehr Arbeiter. Auch bei der Regierungswirtschaft ist dies der Fall. Sie führt ln immer vergrößertem Umfang öffentliche Arbeiten aus. Um einen angemessenen jüdischen Anteil an diesen Arbeiten, die die Regierung aus ihren, zu so großem Teil aus jüdischen Quellen fließenden Einnahmen bezahlt, führen wir seil Jahren einen harten Kampf. Dieser Punkt nahm auch eine deutliche Stelle im Macdonald-Brief an Dr. Weizmann ein, in der dieses Recht nach Maßgabe der jüdischen Leistungen an die Landesfinanzen festgelegt wird. Vor wenigen Monaten bestimmte die Regierung endlich, das 33 Prozent df r für alle öffentlichen Arbeiten bestimmten Aufwendungen der Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu widmen sind. Man stelle sich aber die heutige groteske Lage vor: wir haben endlich das Recht, aber nicht die Arbeiter, weil die Regierung sie nicht ins Land läßt . . .! Für Jjedcs Zehntausend, das wir brauchen, bewilligt die Regierung tausend. Daß wir sie brauchen, dafür gibt es auch indirekte, Volkswirtschaft! ch untrügliche Beweise. Die Kosten der Lebenshaltung steigen ständ'.,. Auch die Löhne, auf manchen Gebieten bis ms ungebührliche. Das jüdische Aufbauwerk, einschließlich der verantwortlichen Arbciterkrelse, hat an einer solchen Entwicklung kein Interesse. Es soll ein ständiger Ausgleich der Kräfte stattfinden und der kann nur durch einen ständigen Zufluß neuer Kräfte erfolgen. Die Mieten steigen ins Ungemessene, weit nicht schneit genug gebaut werden kann. Die Folgen dieser Entwicklung machen sich an bestimmten Stetlen des Landes selbstverständlich auch be* den Arabern bemerkbar. Die freie E*n—derung genügender neuer Kräfte würde auf allen Gebieten ausglochcnd und in der Richtung einer natürlichen Ausweitung der Wittschaft und ihrer weiteren Aufnahmefähigkeit wirken. Aber die Regierung sagt nein, weil einige arabische Führer nein sagen. Die breite Masse des arabischen Volkes ist an diesem Nein nicht interessiert, das haben uns manche politischen Ereignisse während des letzten Jahres klar bewiesen. Seit einiger Zeit ist eine neue systematische Hetze gegen die jüdische Einwanderung im Gange. Die Führer suchen wieder einmal einen künstlichen «Volkszorn» zu entfachen, der der wahren Stimmung im Volke so wenig entspricht. Die Regierung aber fiel darauf prompt hinein. Die mit allen Mitteln herbeigeführte kürzliche Demonstration von 2000 bis 3000 Menschen in Jerusalem zu unterbinden, war ein Gebot der öffentlichen Sicherheit und der Wahrung der eigenen Autorität, da ein allgemeines Demonstrationsverbot besteht. Aber die «Beruhigung» auf jüdische Kosten ließ sie auf dem Fuße folgen. Die verschlungenen Wege der Jerusalemer Regierungssphäre, die bei uns eine Geschichte haben, sind offenbar das Bestehende in der Flucht der Erscheinungen. Die arabische Demonstration fand am Freitag statt, zwei Tage vor der Rückkehr des High. Kommissioners von seinem Urlaub ins Land. Er fand die von Arabern eingereichte Denkschrift gegen die jüdische Alijah vor. Am nächsten Samstag fand in Nablus ein Pferderennen statt, dem er beiwohnte. Bei dem bei dieser Gelegenheit stattfindenden Tee, wiesen die arabischen Gastgeber auf die im Volke herrschende angebliche Unruhe über die «Ueberflutung des Landes mit jüdischen Einwanderern» und auf die angeblichen Gefahren, die seiner Zukunft daraus drohen, hin. Sir Arthur Waukhop erklärte, das, was ihn in letzter Zeit besonders beschäftige, sei die ungesetzliche Einwanderung, denn er habe erkannt, daß diese die gesetzlich erlaubte Ubersteige. Er kündigte neue Maßnahmen im Laufe der nächsten vierzehn Tage an und er hoffe, daß dadurch der ungesetzlichen Einwanderung nach Möglichkeit Einhalt geboten werden würde. Er habe in der eingereichten Denkschrift manche Punkte gefunden, die einer genauen Behandlung wert seien und er habe die Denkschrift an die zuständigen Stellen weitergeleitet Zum Schluß suchte der Oberkommissär über ihre Zukunft im Lande zu beruhigen und sagte, daß ein so kluges und fähiges Volk wie das arabische trotz aller bestehenden Schwierigkeiten wegen seiner Zukunft keine Bedenken zu hegen brauche. Das war am Samstag und am nächsten Sonntag wurde bekannt, daß die Polizei plötzlich in einem Tel-Awiwer Hotel erschien und die dort angetroffenen Touristen auf die Legalität ihres Aufenthaltes im Lande untersuchte. Diese an die finsterste zaristisch-russische Polizeipraxis gegen die Juden des «Ansiedlungsrayons» gemahnende «Aushebung» geschah durch die Organe eines führenden Kulturvolkes im Lande der «Jüdischnationalen Heimstätte», in das der Jude nicht etwa aus Duldung, sondern kraft international verbrieften Rechtes kommt. Auch sonst herrscht ein scharfer Wind gegen die sogenannten Unlegalen. Aber nur gegen die Judenl Denn es besteht die bemerkenswerte Tatsache einer konstanten ungehinderten Einwanderung von Aarabem und Beduinen aus Transjordanien und dem Hauran nach dem Verdienst und Arbeit bietenden Palästina. Die große politische Aktion der Regierung lat nur gegen die Juden gerichtet. Die Landungskommission kontrolliert die Einwanderer auf den eintreffenden Schiffen mit rigoroser Strenge und sie verweigert unnachsichtlich die Landung von Personen, gegen die die Beamten den leisesten Verdacht hegen, daß sie sich «widerrechtlich» im Lande der Jüdischen Heimstätte niederzulassen, die Absicht haben. Die palästinensische jüdische Presse weist immer wieder an Hand reicher Zahlen und Tatsachen darauf hin, daß der jüdische Aufbau auch die arabische Wirtschaft ln den Strom seines Aufschwunges mitreißt. Wo jüdische Arbeitszentren bestehen, entwickeln sich auch die Araber, und wo die Juden in einem weiteren Umkreis fehlen, da ist Stagnation und sogar Verfall. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß bei dem oben angeführten Empfang in Nablus ein arabischer Kaufmann vor dem Oberkommissär Klage führte, daß Nahlus jahrjährlich um einige Tausend Einwohner abnehme und daß «die Stadt mit schnellen Schritten dem völligen Verfall entgegengehe.» Und das in einer Zeit beständigen Wachstums von Jaffa und Haifa und anderer arabischer Sicdlungspunkte, die irgendwie im Bereich der jüdischen Einwanderung liegen. Dafür aber ist Nablus judenrein. Gerade Während der letzten Jahre verstärkter jüdischer Einwanderung hat der arabische Besitz von Orangengärten und anderen Üb6tpflanzungen sehr stark zugenommen. Die Araber verbesserten und intensivierten ihre Wirtschaften, sie entdeckten, dem jüdischen Beispiel folgend, neue Wasserquellen. Es ist jetzt eine regelmäßige Erscheinung, daß Araber ihre Arbeitsplätze verlassen und sich auf dem Dorfe dem Anbau von Gemüsen und anderer Produkte zuwenden, wofür sie einen reichen und immer wachsenden Markt infolge der jüdischen Einwanderung finden. Die jüdische Arbeit rettete das Land vor Hunger und Verkümmerung, was die Lage in Transjordanien und großer Teile Syriens beweist. Aber diese breite Beweisführung ist ja heute im Grunde überflüssig. Es fällt sogar der arabischen Bevölkerung schwer, diese Tatsachen zu verkennen. Die «wirtschaftliche Fassungskraft des Landes» als Maßstab für die jedesmalige Bestimmung der Zertifikat-Kontingente diente, so lange sie dienen konnte. Heute geht dies nicht mehr an. Auch die Regierung leugnet heute nicht die objektive Lage der Tatsachen, Es sind rein politische Beweggründe, die offen maßgebend geworden sind. Wir aber müssen endlich die Frage der Alijah, mit der unser ganzes Werk steht und fällt, aus der Jerusalemer Verhandlungsstube heraus vor ein weiteres Forum bringen. Der Grad unserer Arbeit im Lande ist dem Stadium entwachsen, in dem die Frage von 2000 oder 3000 Zertifikaten eine Rolle spielte. Wir haben zwei Menschenalter lang auf das Eintreffen des Zeitpunktes gewartet, in dem der jüdischen Heimstätte ein Ausmaß gegeben werden kann, dem die Bedeutung einer wirklichen Hilfe für das jüdische Volk zukommen soll. Wir müssen fragen, welches die wirkliche Sprache Englands ist, ob die in London, die sich für das jüdische Schicksal interessiert, oder die in Jerusalem, die helmatsuchende Juden als unlegal verfolgt und deren Zertifikatspolitik in dem Entwicklungsstadium, zu dem die Jüdische Arbeit und die Jüdischen Opfer das Land endlich gebracht hat, einer Schließung der Grenzen praktisch gleichkommt. Die Frage der jüdischen Einwanderung nach Palästina muß auf eine neue Grundlage gestellt werden und wir können keinen geeigneteren Zeitpunkt für diese Aktion finden, als den gegenwärtigen. Die Mandatarmacht ist verpflichtet, die Errichtung der Jüdischen Heimstätte in jeder Weise zu erleichtern und zu fördern. Die heutige Praxis läuft auf Hemmung und damit Zerstörung unserer ungeheuren Opfer und Anstrengungen hinaus, die wir jahrzehntelang geleistet haben. Denn bringen wir nicht die Juden ins Land, so haben wir nicht für uns geschafft. Wir werden eine neue Heimstätte für die Beduinen der Nachbarländer geschaffen haben aber nicht für das jüdische Volk. Das Kulturbudget von Tel-Awiw Tel-Awiw. Laut dem kürzlich veröffentlichten Bericht über das abgelaufene Budgetjahr hat die Stadt Tel-Awiw 100.453 Pfund für Öffentlichen Unterricht ausgegeben; sie erhielt 103 Schulen mit 15.380 Schülern und 570 Lehrern. Daneben bestanden mehrere Privatschulzirkel. — Es bestehen in Tel-Awiw ungefähr 100 Synagogen und Betstuben und gegen 70 Minyanim, die während der letzten hohen Feiertage außerordentlich stark besucht waren und über 75 Prozent aller erwachsenen Einwohner der Stadt aufnahmen. uiePAG ab WIEN 28. Novembcv «955 Infolge der Unruhen in Palästina wurde die Abi eise von Wien vom Ul. auf den 28. November verschoben. z» Saloniki Volo P.rfius Alexandrien Port Said falfa Haifa Beyrouth Tripolis Cypem Rhodos Piräus Volo Saloniki D-Zug t Speisewagen / Hotel / Auto t üepäcktransport / 2- bis dbettige Außenbord-Kabinen / gute Verpflegung Tagsüber Aufenthalt in d. Mittelmeer - Hafenstädten Zusammen ab Wien bei Rückfahrt kann in Palästina wöchentlich innerhalb von 90 Tagen angetreten werdenl Die bequemste, genußreichste und billigste Palästina-Reise; Prospekte durch > 30 „PAG" reglstr. Oan. m. b. H. 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