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Die Stimme · 1933-11-03 · Heft 307 (3.11.1933) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 307 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Om STIMME Seite 8 Nr. 307 — 3. November 1933 Kapitals gehorcht und möglichst unmittelbare Re-r'aVIität sucht. Darum wird auch in Hinkunft des Kapital der nationalen Fonds die kolonisatorische P i o n i e r- und Erseht icßungs arbeit, die Ansiedlung nichtkapitalistischer Elemente aus dem Arbeiter- und kleinen Mittelstände zu besorgen haben. Die beiden Fonds haben sich nun zu einer schaffenden Ansicdlungstat zusammengeschlossen, um wieder n ationale Kolonisation in ein neu zu erschließendes Gebiet vorwärtszutragen. Den Betrag von 100000 Pfund gilt es fürs erste zu beschaffen. Mifal Arlosoroff ist eine Aktion, die u nbe schadet der regelmäßigen Beitragsleistung für die Fonds zu geschehen hat. Ein außerordentliches Opfer m außerordentlicher Zeit zugunsten eines Werkes, das in alle Ewigkeit den Namen des jüdischen Märtyrers tragen soll, den ruchlose Mörderhänd seinem Werk entrissen hat. ' Alle Zionisten, alle Freunde des jüdischen Palästina sind aufgerufen — als Gebtr und als Sammler! Wenn die Aktion gelingen soll, für deren Durchführung .die nächsten Wochen in Betracht kommen, müssen sich mehrere hundert Menschen willig in den Dienst der Sache stellen, um durch gemeinsame Anstrengung mehrere Tausende zu erfassen. Die übertriebene Parteiendifferenzierung hat bei allen einsichtsvollen Zionisten den Wunsch nach Vereinheitlichung gezeitigt. Diese Einheit soll zunächst eine Einheit im Werke sein und ihr nähert man sich am sichersten, wenn unfruchtbare Kritik und Diskussion abgelöst wird durch werktätige Arbeit, welche m diesem Falle selbst schon etwas von dem Duft der Heimatsscholle an sich trägt Die feindlichen Kundgebungen der Araber ln den letzten Tagen müssen für uns alle den stärksten Impuls bedeuten, das Tempo unserer Arbeit zu verstärken und unsere Position in Palästina zu verbreitern. Möge der ernste Moment ein Geschlecht finden, das sich seiner zionistischen Pflichten bewußt ist! Arthur F r e u d. Oie Durchführung der Aktion Das Komitee zur Führung des Mifal Arlosoroff wurde in Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Organisation Nah um Sokolow konstituiert. Die Aktion wird von den beiden nationalen Fonds Keren Hajessod und Keren Kajemeth durchgeführt, demgemäß wurden auch die Präsidenten der beiden Fonds Adolf Böhm und Dr. Fr. Ekstein zu Vorsitzenden dieses Aktionskomitees gewählt. Die eigentliche Leitung der Aktion haben Prof.. A. F r e u d und Dr. Ch. T a:r takower in Händen., Es .handelt sich also um eine von beiden zentralen Fonds gemeinsam durchgeführte außerordentliche Aktion mit dem Ziele: Neukolonisation durch die Zionistische Organisation. Dem Arbeitsausschuß gehören führende Personen der beiden Fonds sowie Vertreter verschiedener zionistischer Gruppen an. Die Aktion soll raschest, und zwar während des November durchgeführt werden. Das Komitee hat sich mit den zionistischen Föderationen, Gruppen und Sektionen in Verbindung gesetzt Arbeitsbesprechungen fanden bereits statt mit den Zionistischen Sektionen ui., iv/v., vi./vii., vin./ix., x, xiii-;, xvm, xx., ferner dem Verband radikaler Zionisten, Ichud, Wizo und Mirjam. Bei diesen Besprechungen, bei denen entweder in Vollversammlungen oder in Ausschüssen über die Ziele und die Art der Durchführung der. Aktion eingehend berichtet wurde, wurden Kommissionen eingesetzt, Welche die Verantwortung für die von den betreffenden Gruppen avifzubringenden Kontingente tragen. Auch die P r o v i n z ist bereits entsprechend instruiert worden. . Die Aktion soll derart durch geführt werden, daß, beginnend mit dem Präsidenten, jedes üruppenmitglied verpflichtet sein soll, mittels des offiziellen Sammelbogens einen Teilbetrag des Kontingentes aufzubringen. Als Grundsatz wurde überall vereinbart: als m i n d e s t e Eigenleistung ein Tagesvcrdienst, als Aufbringungsziel ein entsprechender Teil des Gruppenkontingents. Ztjr Durchführung der Aktion werden ferner Branchcnkomitces (Aerzte, Rechtsanwälte, usw.) eingesetzt. Mussolini gegen die deutsche Rassentheorie Rom. Der italienische Ministerpräsident Mussolim, der schon wiederholt scharf den Antisemitismus abgelehnt und den italienischen Faschismus nicht als Exportartikel bezeichnet hat, hielt letzten Sonntag in Florenz vor 33.000 Schwarz« tjemden eine Rede, die sich deutlich mit einem polemischen Charakter gegen den deutschen Rassenwahn richtete und deren Sinn im gegenwärtigen politischen Moment von besonderer Wichtigkeit ist. Er erklärte u. a. in klarer und lapidarer Weise, die lateinische und Mittelmeerrasse sei in ihrer Form feststehend und zugleich universal. Damit entrückte Mussolini das sogenannte Rasseproblem dem materialistischen und ungeistigen Begriff einer germanischen Sonder- und Herrenrasse, wie ihn die Nationalsozialisten aufstellten, und stellte ihn auf den geistigen Boden. Als geistiger Begriff schließt sich die lateinische, und Mittelmee.rrasse nicht gegen das Andersartige und Fremde ab, Sic sei Im Gegenteil stark genug und fähig, sogar fremdes Blut aufzunehmen und auch die Juden zu «MimiUereifc Ovtbuma in der J&ideitfratie Die Diskriminierung der Juden in Deutschland hat eine Flut von Tendenzliteratur hervorgebracht, die naturgemäß nichts zur Feststellung objektiver Tatbestände und noch weniger eine gerechte Lösung der Judenfrage auizeigen kann. Nun ist dieser Tage im Wiener Reintold-Ver- 1 a g ein Buch erschienen, das den bezeichnenden Titel «Ordnung in der Judenfrage» führt. Es enthält eine Abhandlung vom ehemaligen Bundesminister D r. Emmerich Czermak: «Verständigung mit dem Judentum?» und eine Abhandlung des Zionisten Dr. Oskar Karbach: «Wende der staatlichen Judenpolitik.» Die Abhandlung D r. Czermaks, die sich durch ihre klare, flüssige Sprache auszcichnet, ist zweifellos das Ergebnis eingehender historischer und soziologischer Studien. Der Autor, von dem es noch vor wenigen Monaten, zurZeit seiner Amtstätigkeit, manchmal schien, als ob er in das politische Fahrwasser des Nationalsozialismus abschwenken wolle, wendet sich an Juden und Christen. Er zeigt das Bestreben, eine Verständigung mit dem Judentum anzubahnen. An manchen Stellen allerdings glaubt man einen Rückfall in die ausgefahrenen Geleise antisemitischer Tendenzliteratur zu bemerken. So lesen wir z. B. auf S. 37: «Mehr als alle übrigen Völker betonen die Juden das unbedingte Bedürfnis nach einer leicht erreichbaren und für alle zwischenvülkischen Belange verwertbaren Weltsprache. Es ist keineswegs sicher, daß dem Judentum mit der Verbreitung dieser Welthil.ssprache (Esperanto) die Erreichung eines anderen politischen Zieles vor Augen schwebt, wie Hitler glaubt.» * Hier scheint ein entfernter Glaube an die Echtheit der «Protokolle der Weisen von Zion», dieser dreisten und plumpen Fälschung durchzuschimmern und das Märchen von der «Weltherrschaft Alljudas», einen Niederschlag gefunden zu haben. Aber gerade jetzt erleben wir doch einen Zeitpunkt, in welchem diese mysteriöse Weltmacht in die Erscheinung treten müßte. Trotzdem sind wir seit vielen Monaten Zeugen einer entsetzlichen Judenverfolgung in Deutschland. Wo bleibt da die Weltmacht Alljudas? Im allgemeinen muß jedoch anerkannt werden, daß Dr. Czennak eine bemerkenswerte Arbeit geliefert hat. Er erkennt klar, wenn auch manche Uebertreibungen zu merken sind, den falschen Weg der Assimilation mit allen seiwirkt rasch und sicher bei Rheumatischen Gichtischen I Beschwerden. Kopfschmerzen. Erkältungskrank-! ] helfen. Ober 6000 Ärztegutachten! Togal schei- | det die Harnsäure aus. geht daher direkt zur Wurzel des Obels. Fragen Sic Ihren Arzt. nen verheerenden Folgen für das Judentum und die anderen Völker. Und Czermak kommt folgerichtig zum Schlüsse, daß nur der Zionismus den richtigen Weg in die Zukunft weist. Czermak irrt aber, wenn er meint, daß für die nicht nach Palästina auswandernden Juden «zumindest für die restliche Dauer ihres Aufenthaltes ein wirklich brauchbares Recht geschaffen werden» soll (S. 58). Palästina, zumindest in seinen heutigen Grenzen, kann nicht 17,000.000 Juden aufttehmen. Die Juden, die nicht auswandern, müssen die Gleichberechtigung dauernd erhalten. Mit der Judenfrage ist die Frage aller Minoritäten aufgerollt, also auch die der deutschen Minoritäten in vielen Staaten. Es darf nicht übersehen werden, daß mehr als ein Drittel sämtlicher Deutscher nicht in den Grenzen des Deutschen Reiches lebt und ungefähr ein Viertel aller Deutschen auch bei der weilestgespannten nationalen Expansion niemals mit dem Deutschen Reiche vereinigt werden kann. Nach deutschen Angaben gibt es in der ganzen Welt 94,428.420 Deutsche. Davon l.ben nur 63,225.000 innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, also 31,203.420 außerhalb der Reichsgrenze. Außerhalb des Deutschen Reiches lebt daher die doppelte Zahl Deutscher, als es Juden auf der ganzen Welt gibt. Wenn man daher von zwei Nationen sprechen .kann, daß sie in der ganzen Welt verstreut sind, so gilt dies von den Deutschen und den Juden. Czermak gibt unumwunden zu, daß er sich «in dem für Uneingeweihte fast unentwirrbaren Durcheinander der verschiedensten Meinungen und Bestrebungen» (S. 57) innerhalb der zionistischen Organisation schwer zurechtfindet. Er kommt so zur irrigen Meinung, daß Jabotlnzkys Partei «als die gesündeste und als die zu einer entscheidenden Tat einzig befähigte» zu bezeichnen ist. Außerordentlich treffend charakterisiert Czermak die Assimilation unserer Tage: «Umsonst bemüht sich immer noch geschäftiges Assimilantentum, die Existenz der Judenfrage zu bestreiten. Mit der beharrlichen Versicherung, in Oesterreich gebe es keine Judenfrage, ist aber weder den Juden noch dem Vaterlande gedient. Das österreichische Judentum erkennt wohl in seiner großen Mehrheit die Aktualität des Problems und weiß, daß ein Hinausschieben der Behandlung die Situation nicht erle’chtern kann. Je weniger Geschrei und Aufregung, desto ordentlicher und besser die Lösung.» (S. 62 f.) Nichts dokumentiert besser die Richtigkeit dieser Auffassung als eine Kritik Czermaks in der «Wahrheit», vom 27. Oktober 1933, dem Organ der Assimilation in Oester* reich, die sich «Union österreichischer Juden» nennt. Was sich diese Organisation, die das Judentum in Oesterreich von Niederlage zu Niederlage geführt hat, so ziemlich durch alle politischen Wasser geschwommen fet, im Vorjahre ein ommmmmmmmummmmmtammmmmmmmmmmmmmmmmm Die jüdische Weltorganisation für Palästinareisen hat ihr Wiener Bureau eröffnet. Vertretung sämtlicher Schiffahrtslinien, ausgebaute Reiseorganisation in Erez Israel. Einzel- und Gesellschaftsreisen. Wien, I., Kohlmarkt 8. Telephon U 26-4-22. REISEBUREAU CllY DR. J.R KÖRNER Wahlbündnis mit den «Werktätigen Juden» von Dannebergs Gnaden im Wahlkampf um die Kultusgemeinde geschlossen hat, diesmal geleistet hat, soll hier festgenagelt werden. Wir lesen da unter der Ueberschrift: «Das dringendste Bedürfnis»: «Was ist das dringendste Bedürfnis dieser von den Fieberschauern einer noch nie in solch gigantischem Umfang dagewesenen Wirtschaftskrise geschüttelten Welt? Antwort: Die Lösung der Judenfrage. Wer’s nicht glaubt, greife nach einem Buche, das dieser Tage herausgekommen ist und in dem zwei Männer von scheinbar extremsten politischen Ausgangspunkten zu demselben, in obiger ' Antwort liegenden Ziele gelangen. Der eine ist der christlichsoziale Minister a. D. Czermak, der andere der Jüdischnationale Dr. K a r b a c h.» Da kann man nur sagen: Nichts gelernt und alles vergessen! Wir Zionisten sind zu jeder ehrlichen Auseinandersetzung bereit. Auch wir wollen Ordnung in der Judenfrage und das heißt: Palästina als Judenstaat und ein freies, gleichberechtigtes Judentum in der Galuth. Die Abhandlung Karbachs ist korrekt und von bezwingender Logik. Sie ist das politische Glaubensbekenntnis eines aufrechten Zionisten, der gewohnt ist, mit offenem Visier zu kämpfen. Wir unterschreiben was Karbach sagt Mit seinen Ansichten haben nicht wir uns auseinanderzusetzen. Das Wort haben die Nichtüden und unsere Assimilanten. Karbachs Schlußwort sollte allenfalls beherzigt werden: «Wer sohin eine Reform der Judenfrage im Sinne der Dissimilation vorschlägt, sieht eine doppelte Aufgabe klar vor sich: Den Willen des Staatsvol-kes auf einen Kurs der Förderung positiv-jüdischer Bestrebungen eindeutig festzulegen und gleichzeitig dem jüdischen Element das zu deren Erfolg unbedingt nötige — erhöhte — Sicherheitsgefühl zu geben, daß das Endziel dieser Reform seine dauernde, gefestigte, gleichberechtigte Einordnung in den Staat und nicht den Beginn seiner Vernichtung bedeutet. Diese Aufgabe ist schwer, aber heute nicht mehr unmöglich. Sie erfordert einen Staatsmann, nicht einen Gesetzgeber. Auch dort, wo keine völkerrechtlichen Bindungen eine-Ausnahmsgesetzgebung gegen die Juden verhindern, kann sie nie eine neue lebendige Entwicklung schaffen. Das kann nur in einer neuen, remen Athmosphäre einer Uebereinkunft beider ßevölkerungsteile gelingen, die auf eine freiwillige und friedliche Dissimilation auf der Basis der Gleichberechtigung gerichtet ist. Und sie wird um so leichter dort zustande kommen, wo dieser Weg gleichzeitig die Resultierende der divergierenden KräAe ist.» . Ordnung in der Juden frage! Diese Losung kommt von\ jüdischer und nichtjüdischer Seite. Wir Zionisten sind zur bevorstehenden Auseinandersetzung bereit und ideologisch gerüstet. Lassen wir die Assimilanten beiseite! Sie mögen über eine neue politische Maskerade nachdenken. Von ilinen gilt, was Karbach treffend sagt, daß sie in ihrer Befürchtung verharren, daß die Dissimilation das wichtigste Hilfsmittel einer Entrechtung ist, die zur Katastrophe führt: «Sie können heute gar nicht anders, als jeden Schritt zur Diss'milation hin als einen Vorläufer dieser Kata- ■■■■■■BMaHaBBnHMBnH Frau Miele Soltr gibt im eigenen Namen, sowie im Namen ihrer Kinder Hans und Rafael die Nachricht vom Hinscheiden ihres unvergeßlichen Gatten und Vaters der Dienstag, am 31. Oktober d. J., nach kurzem, schweren Leiden im 51. Lebensjahre verschieden ist. Die Beisetzung hat am 2. November in Wien stattgefunden.

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