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Die Stimme · 1933-11-03 · Heft 307 (3.11.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 307 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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OIE STIMME 8Wfrl /» KA15ER5TR 123 K Alses STR. 6 S 16 - S18 - S 20. Tote und zahlreiche Verletzte blieben auf dem Platze. Bald »ber versuchten die Demonstranten, sich wieder zu sammeln und gegen die Polizei vorzustürmen. Bei diesen Zusammen* stößc'i gab es wiederum einige Tote und mehrere Verletzte. Gegen 2 Uhr nachmittags war die Polizei vollkommen Herr der Lage, die Straßen und Plätze waren von Demonstranten gesäubert. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Der erste halbamtliche Bericht lautet dahin, daß während der Zusammenstöße drei Demonstranten und vier Polizisten, zwei englische und zwei arabische, getötet und etwa 100 Araber, sowie zehn arabische und zehn englische Polizisten mehr oder weniger schwer verletzt wurden. In dem Bericht wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Polizei erst dann von der Waffe Gebrauch machte, als aus der Mitte der Demonstranten auf sie geschossen wurde und arabische Polizisten getötet oder verletzt wurden. In den späteren Nachmittagsstunden waren Gerüchte verbreitet, daß mehr als 20 Tote auf beiden Seiten gezählt wurden. In Tel-Awiw herrschte während des ganzen Tages vollkommene Ruhe, die Bevölkerung ging ihrer normalen Beschäftigung nach. DeshaSb überraschte es, als in den Nachmittagsstumien verkündet wurde, daß ebenso wie über Jaffa auch über Tel-Awiw der Belagerungszustand verhängt wurde. Doch heißt es in einer offiziösen Mitteilung, daß Tel-Awiw in keiner Weise gefährdet Ist, da die Polizei vollkommen Herrin der Lage sei. ln der Mitteilung wird ausdrücklich hervorgehoben, daß auf Inanspruchnahme von militärischen Kräften verzichtet werden konnte und daß auch weiterhin infolge der polizeilichen Vorkehrungen die Ruhe sowohl in Jaffa als auch in allen anderen Gegenden Palästinas gesichert sei. Das Regiertingsgebäude wird von mehr als 100 Polizeibeamten, die mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüstet sind, bewacht. Im Straßenverkehr wird die Kontrolle der; Passanten scharf gehandhabt. Nach Jaffa kommende Automobile und Fuhrwerke werden genau nach Waffen durchsucht, auch alle zu Fuß nach Jaffa von außerhalb kommenden Araber müssen tfefa diese Kontrolle getanen lassen. In den Nachmittagsstunden des Freitag waren fast ale arabischen Geschäfte in Jaffa geschlossen. Die Vorgänge am Prtttag in Jaffa haben auf die ge* samte Einwohnerschaft von Palästina konsternierend gewirkt Seitens der Regierungskreise insbesondere werden die Arrangeure der Demonstration scharf getadelt, weil sie ungeachtet der entschiedenen Warnungen der Behörden dennoch die von ihnen fanatisierten Massen in eine solche Gefahr brachten und verbrecherischen Elementen Gelegenheit gaben, durch schwere Provokationen ein Blutvergießen herbeizuführen. In jüdischen Kreisen führt man das Vorgehen der Arrangeure darauf zurück, daß diese an die Zeit des Herbstes 1929 dachten, da man die Anführer der damaligen Revolte unter der Regierung des High Commissioner Chancellor bei allen papierenen Warnungen dennoch eine, Zeltlang gewähren ließ. Anscheinend glaubten die Anführer In Jaffa, daß die Polizei auch diesmal mit ihrer Warnung nicht Emst machen werde. Die Jaffaer Revolte sd somit ein später Reflex der unaufrichtigen und schwächlich lavierenden Politik des Chancellor-Regimes. l?ttD08'7MD lMO Am 21. November beginnt die Ziehung erster Klasse der 30. Österreichischen Kiassemoiterie Bestellen Sie Ihre Lose noch heute bei Ludwin Frledmann WIEN 1., SALZORIES 12 Lospreise pro Klasse: V. S 6--, V* S 12--, V. S 24* Vi S 48*—• Bei jeder Ziehung sieht man, Es spielt sich gut bei Friedmann _ »Ht m —3. Noveikbef 1» .—.. haften, Im Bedarfsfall den Ananahmesflitand to Ihren Oebteten zu Verhänget. Oie iUdiache Wetthilfskonfereitz in London London, 90. Oktober. Die große jüdische Hilfskonferenz in London, die sich mit der Frage der konstruktiven Hilfeleistung für die deutschen Juden beschäftigen soll, wurde am Sonntag eröffnet. Neville Laski hielt die Eröffnungsrede. Im Namen der Alliance Israälite sprach Silvain Levi, für das American Jewish Committee Mr» Strauß, Leo M o t z k i n für die «[Delegation Juivesv sowie die Vertreter einer Reihe weiterer Organisationen. Auch Dr. Weiztnann hielt eine Ansprache, die wir untenstehend bringen. Als Obmann des englischen Hilfskomitees sprach D’Avigdor Q o 1 d s m 1 d. Aus der Eröffnungsrede des Vorsitzenden ist besonder* hervorzuheben, daß er erklärte, die Konferenz solle ausschließlich der Frage der konstruktiven Hilfe dienen. Es sei eine weitere wichtige Aufgabe der nächsten Zukunft, zu dem neugeschaffenen Hochkommissar für Flüchtlingshilfe die erforderlichen Beziehungen herzustellen. Neville Laski teilte ferner mit, daß bisher insgesamt 525.000 englische Pfund als Hilfsfonds für deutsche Juden gesammelt worden sind; hiervon wurden aufgebracht in England 195.000 Pfund, in den Vereinigten Staaten 150.000 Pfund, in Südafrika 40.000 Pfund, in der Tschechoslowakei 28.000 Pfund in Holland 25.000 Pfund, in Aegypten 18.000 Pfund, in den übrigen Ländern 69.000 Pfund. Der Vorsitzende entwickelte ein Arbeitsprogramm für die Zukunft und betonte, daß ins^ besondere die völlig mittellosen Auswanderer untergebracht werden müssen, daß die Auswanderung in geregelte Bahnen zu lenken sei und daß die jüdischen Gemeinden in Deutschland der Hilfe bedürften. Es wurden eine Reihe von Komitees eingesetzt, darunter auch ein Palästina-Komitee. Als Ziel der gesamten Aktion wird die Aufbringung einer Summe von zwei Millionen Pfund betrachtet. In gut informiertet Kreisen rechnet man damit, daß etwa die Hälfte der vorhandenen Mittel für die Ueberführung deutscher Juden nach Palästina und ihre Ansiedlung im Lande verwandt werden wird. Es herrscht Uebereinstimmung darüber, daß Palästina den wesentlichen Teil der konstruktiven Hilfe für die deut sehen Juden übernehmen muß. Dr. Welsmann über die Oer High Commissioner verbietet die Jaffaer Protestkundgebung Jerusalem. Der Distriktskommissär für Südpalästina, Robert Crosbie, hatte noch am 27. Oktober den geplanten arabischen Proteststreik gegen jüdische Einwanderung und Bodenverkauf an Juden verboten. Die Mitglieder der arabischen Exekutive begaben sich daraufhin zum High Commissioner S!r Arthur Waucjiope nach Jerusalem und ersuchten ihn um Aufhebung des Verbots. Der High Commissioner lehnte aber dieses Ersuchen strikte ab und schärfte den arabischen Führern ein, daß sie die arabische Jugend, deren Führer erklärt haben, trotz des Verbotes den Streik und die Kundgebung durchführen zu wollen, vor unbedachten Schritten warnen müssen, da die Polizei in voller Bereitschaft sei und Instruktionen habe, gegen jeden Versuch einer Ruhestörung mit aller Schärfe vorzugehen. Im übrigen hänge die Einwanderung von der wirtschaftlichen Absorptionsfähigkeit des Landes ab. Die Mitglieder der arabischen Exekutive und die Führer der älteren arabischen Generation bemühten sich nun, die jüngeren Führer der Streikbewegung zu veranlassen, den Streik abzusagen und sich mit einer Kundgebung in der Moschee und mit der Ausgabe eines Protestmemorandums zu begnügen. In der Stadthalie von Tel-Awiw erklärte der Präsident des Waad Leumi, Ben Zwi, es bestehe für die Juden kein Grund zur Beunruhigung. ¥ Nicht nur in englischen, sondern auch in weiten arabischen Kreisen Palästinas äußert man Erbitterung und scharfe Verurteilung über die Urheber der blutigen Abenteuer, die das Volk durch Uebertrelbungen verführten und es nutzlos opferten. Die Zahl der Toten und Verletzten bei allen Kämpfen steht noch nicht fest. Die Korrespondenten der Londoner Presse nehmen an, daß insgesamt 37 Personen, unter ihnen zwei arabische Polizisten, getötet und daß 18 britische Polizisten und 25 arabische Polizisten sowie 180 Araber verletzt worden sind. Von den englischen Polizisten sind drei, von den arabischen Demonstranten 30 ernstlich verletzt. Mehrere bekannte Araber sind unter den Verletzten, der berüchtigte Soheich El Muzaffar, einer der Arrangeure des Judenmassakers von 1922, liegt in bedenklichem Zustand darnieder. Man glaubt, daß alie Rädelsführer verhaftet sind, unter ihnen Jamal Hussein!, Vetter der Jerusalemer Mufti und früherer Sekretär der arabischen Exekutive, sowie die Mitglieder der Exekutive Izzat Darawaza und Said El-Khalali, ferner ein Führer der arabischen Jugend Jacon G. Hussein. Schon früher wurde der Advokat Auid Bey Abdul Hadi, Führer des extremistischen Flügels ln der arabischen Exekutive, verhaftet. Es ist keine Rede davon, daß die jüdische Einwanderung unterbrochen werden soll. Am 29. Oktober landeten in Haifa 75 jüdische Einwanderer, die mit dem Dampfer «Vienna» etog&roffen waren. Ebenso liefen die in Cypem aufgehaUenen Dampfer «Polonia» und «Martha Washington» am 31. Oktober in Palästina an. Alle bisher verhafteten Urheber der Demonstrationen, unter ihnen Mitglieder der arabischen Exekutive, werden vorläufig mindestens 15 Tage in Untersuchungshaft behalten. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat von der Londoner Regierung weitgehende Vollmachten erhalten, kraft derer er verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt hat. Oeflentliche Demonstrationen sind strengstens verboten. Die ßisirilctskommissäre haben Vollmacht er- Eröffnung des Haifaer Hafens Jerusa 1 era, 31. Oktober. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope vollzog am 31. Oktober programmgemäß die Eröffnung des Hafens in Haifa, der einer der bedeutendsten Häfen im Nahen Osten sein wird. Die Rolle der deutschen Hakenkreuzler bei den Palästina-“ Paris, 30. Oktober. Eine Havas-Meldung aus Jerusalem verzeichnet die Annahme, daß die Unruhen auf nationalsozialistische Elemente zurückzuführen seien, die in letzter Zeit ln Palästina eingetroffen sind. Die Behörden hätten untrügliche Beweise dafür, daß zwischen den arabischen Führern und den Nationalsozialisten, deren Anwesenheit auf einigen Großgrundbesitzen In der Nähe der syrischen Grenze festgestellt wurde, Beziehungen bestehen. Der ehemalige Präsident der Jewish Agency und Leiter der Aktion der Agency zur Afrtsledlung deutscher Juden In Palästina Dr. Chalm Welz mann kam Im Verlauf seiner Ansprache auf der Londoner Hilfskonferenz auch auf die letzten Ereignisse In Palästina zu sprechen. - «Wir müssen unsere tiefe Trauer darüber aussprechen», sagte Dr. W e 1 z m a n n, «daß die Entwicklung des Landes durch die gegenwärtigen Demonstrationen unterbrochen wird, die keine Rechtfertigung ln der Wirklichkeit des palästinensischen Lebens haben. Die Regierung hat die Immigration überaus vorsichtig behandelt. Palästina wird nicht von unerwünschten Einwanderern „überschwemmt", sondern es hat sich unter dem Eäifluß der Immigration entwickelt und ln unvergleichlicher Weise einen wirtschaftlichen Aufschwung genommen, der Juden und Arabern in gleicher Weise zugute kommt. Wir haben einen Beweis hierfür darin, daß die Zahl der arabischen Bewohner gerade In den Bezirken gestiegen ist, in denen die jüdischen Kolonien sich entwickelt haben. Wir müssen hoffen, daß Araber und Juden zu einer Verständigung gelangen, um ein gt meinsames Land (commoii country) durch gemeinsame Arbeit (cooperation) aufzubauen.» * Da\ Desidea* Ftiedsssatm auf der Londoner WeltSiilSskonferenz Als Vertreter der österreichischen Judenschaft und der Wiener Kultusgemeinde nimmt Präsident Doktor Desider Friedmann an der letzten Sonntag ln London eröffneten Tagung der «Wclthllfskonfcrenz zugunsten deutscher Flüchtlinge» teil. PaSäsffina-AbiellwiMi JOSEF POPPER Internationale Transporte, Wien, 11., Taborstr. 22. Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie. In Palästina: The Levant Bonded Warenhouses Co. Ltd., rwnp wnxto nm»n mann Haifa, Telephon 346^Jaffa, Telephon 36 *?CS W Spezial-Warentransporte, Uebersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. luden, gmaH! BK DM» lohn DKM il Han» 20N M! Erbpacbbms ad Keren Kajemeth-Boden ihrn 2’1. Pfund I D0D

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