Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 307 (3.11.1933)
- Date
- 1933-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die heutige Nummer ist 12 Seiten stark! EnctMint Jeden Donnerstag Redaktion und Administration: Wien, 1. Bez., Kärntnerstraße Nr. 28, Telephon R-27-4-85 Redaktionseohluß: Dienetag abends Bezugsbedingungen: Monatl. S 1.&ü, vierteljährlich 8 420, ganzjährig S 16.— Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei viertelj. Ko 24.— Jugoslawien viertelj. Dinar 40.—, Polen viertelj. Zloty 6,90, Ungarn viertelj. Pengö 4.2b, Rumänien viertelj. Lei 120.—, Übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postsoheck-Kontl: Oesterreich Nr. D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500230, Jugoslawien Nr. 40279. In Deutschland verboten V. b. b. Preis einer Nummer 35? JÜDISCHE ZEITUNG 6e Jahrgang Wien, Freitag, 3. November 1933 (14* March. 3694) Nummer 307 Die Unruhen in Palästina Jerusalem. Der Jüdischen Telegrapfien-Agentur wird seitens der Regierung offiziell mitgeteilt, daß die Meldung über Verhängung des Belagerungszustandes über Jaffa und Tel-Awiw unrichtig ist; wahr ist mir, daß in diesen beiden Städten sowie in Haifa das sogenannte «Sechsuhrabend-Läuten» verkündet wurde, d. h., daß ab 6 Uhr abends keine Person, die nicht im Besitze eines besonderen Passierscheines ist, die Straße betreten darf. Die am 28. Oktober ln Jaffa stattgefundene Beerdigung der während des versuchten Sturmes auf das Regierungsgebäude getöteten Moslems verlief ohne Störung. Ein beunruhigendes Moment bleibt aber, daß unter den Arabern übertriebene Gerüchte über die Zahl der Getöteten und die Umstände der Zusammenstöße mit der Polizei verbreitet werden. Infolgedessen kam es auch am 28. Oktober morgens zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Straßenmob, wobei die Polizei in die Luft feuerte, so daß der Mob auseinanderstob. Es gab hierbei keine Toten und Verwundeten. Die Ordnung in Jaffa Ist vollkommen hergestellt. Von zuständiger Seite wird darauf hingewiesen, daß in einem Teil der Auslandspresse übertriebene Nach richten über die Vorgänge in Jaffa verbreitet werden, die von 40 und mehr Toten sprechen. Im ganzen aber wurden ln Jaffa 10 Demonstranten und vier Polizisten tödlich verletzt Es bestätigt sich, daß etwa 100 Demonstranten, sowie 10 englische und 20 arabische Polizisten verletzt worden sind. Den verwundeten britischen Polizeioffizieren Faraday und Sigrist wurde durch eine aus Tel-Awiw herbeigeholte Ambulanz des Roten Magen David erste Hilfe geleistet mehrere andere Verwundete fanden im Hadassa-Hospital in Tel* Awlw Aufnahme. Unter den verwundeten Arabern befindet sich auch der arabische Nationalistenführer Dschemal Hussein!. Mehrere Mitglieder der arabischen Exekutive, unter ihnen der Generalsekretär Auni Bey Abdul Hadi, wurden verhaftet ★ Am Samstag, den 28. Oktober, morgens, fanden in Haifa und Jerusalem Zusammenstöße zwischen arabischen Demonstranten und Polizei statt In verhältnismäßig kurzer Zeit konnte die Ruhe wlederhergestellt werden, ohne daß militärische Kräfte oder Luftstreitkräite eingesetzt werden mußten. Der in Jerusalem am Freitag proklamierte Generalstreik der Araber wurde am Samstag fortgesetzt. Arabertrupps sammelten sich um das Haus des Präsidenten der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha; sie wurden von der Polizei zerstreut. Ein Arabertrupp griff eine Polizeistation an, bei der Abwehr wurde ein Angreifer erschossen. Die arabischen Geschäfte sind geschlossen. Autobusse verkehren nicht. Zu Angriffen auf Juden oder jüdisches Eigentum ist es nirgends gekommen. ln Tel-Awiw herrscht vollkommene Ruhe, nur ist die Verbindung mit Jaffa und damit mit Jerusalem — die Straße Tel-Awiw—Jerusalem führt über Jaffa — unterbrochen. Am Sonntag, den 29. Oktober, erneuerten sich die Unruhen in Jerusalem. Nach dem Mittagsgebet in den Moscheen sammelte sich eine arabische Menge vor dem Jaffa-Tor und versuchte, den dort gezogenen Polizeikordon zu durchbrechen. Die Polizei hieb zunächst mit Gummiknüppeln auf die Menge ein und, als ein Teil derselben sich wieder sammelte, machte sie von der Schußwaffe Gebrauch, woraufhin die Menge auseinanderstob. Vorher schon hatte der Pöbel einen jüdischen Laden mit Steinen beworfen und wjüd’sche Geschäftsinhaber gezwungen, ihre Geschäfte zu schließen. Am Sonntag nachmittags waren alte Geschäfte in Jerusalem geschlossen. Englische Beaipte und in Palästina ansässige englische Staatsbürger haben sich in Jerusalem, Haifa und ln anderen Orten der Polizei zur Verfügung gestellt, sie wurden als Polizisten eingekleidet und versehen nun den Ordnungsdienst. Alle Eingänge zur Jerusalemer Altstadt werden von Truppen kontrolliert. In allen strategisch wichtigen Punkten Palästinas befinden sich Truppen in Bereitschaft, haben aber bis jetzt nirgends eingreifen müssen. Nazareth, Safed und das Nordgebiet des Genezareth-Sees stehen unter verstärktem Schutz. In Haifa begannen die Unruhen damit, daß die Moslems in der größten Moschee der Stadt eine Versammlung abhielten, woraufhin ein großes Polizeiaufgebot den Platz vor der Moschee besetzte und keine geschlossene Demonstration zuließ. Von auswärts eingetroffene Agitatoren wiegelten die Polizei auf. Als sich die Demonstranten nach einer in die Luft abgegebenen blinden Salve nicht zerstreuten, war die Polizei genötigt, scharf zu schießen, hierbei wurden einige Demonstranten verletzt. Später griffen etwa 2000 Araber ein Polizeiquartier am Bahnübergang in Haifa an, sie konnten schnell auseinandergetrieben werden, ln arabischen Vierteln wohnende jüdische Familien begaben sich in die rein jüdischen Wohnviertel im Gebiet der Haifa Du :hi. In der Stadt selbst kam es zu vereinzelten Zusammenstößen, doch wurde bald die Ruhe wiederhergestellt. Der einzige Zwischenfall, bei dem Juden in Mitleidenschaft gezogen wurden,.ereignete sich in Haifa am Samstag morgens. Der Autobus einer jüdischen Gesellschaft geriet in die demonstrierende Menge. Ein arabischer Trupp, der Gefangene aus den Händen der Polizei zu befreien versuchte, griff hierbei auch die Insassen des Autobusses an, wobei einige derselben Verletzungen erlitten und ins Hospital gebracht werden mußten. In Hebron und in Safed ist die Lage gespannt. Zu Unruhen ist es aber nicht gekommen, ln Safed ist die Verwaltung ln militärische Hände übergegangen. In Nablus wurde die Polizei am Samstag von der demonstrierenden Menge angegriffen und machte von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Verwundete — nach einer noch unbestätigten Meldung auch einige Tote — blieben auf dem Platze. NACH PALÄSTINA mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des Lloyd-Tr lest Ino Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr ferner Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe — Höchster Komfort AuskOnite: Lloyd Triesiino. Wien. i„ Karntnerring 6 Tel, R 47-5-60 ¥ + * Eine Kundgebung der Jewish Agency Jerusalem. Die Jewish Agency erließ eine Kundgebung, in der mitgeteilt wird, daß in ganz Palästina Juden von den Unruhen nicht betroffen sind. Die Jewish Agency stehe in dauerndem Kontakt mit allen in Betracht kommenden Zentralstellen. Die Lage sei immer noch eine gespannte, aber die jüdische Bevölkerung bewahrt ihre Ruhe und geht ihrer normalen Beschäftigung nach. — . ——WWW——WO—I ■■■!■ 1 Arabische Revolte ln Jaffa niedergeschlagen Jaffa. Der 27. Oktober ist ln Jaffa denn doch weit blutiger verlaufen, als man es sich noch am Morgen dieses Tages vorgestellt hatte. Obwohl die Regierung die für diesen Tag in Jaffa angesagte Demonstration gegen jüdische Einwanderung und Bodenkauf an Juden verboten hatte und die strikte Warnung, namentlich an das jüngere arabische Element, erließ, daß jeder Versuch, die Kundgebung abzuhalten oder sonst Ruhe und Ordnung zu stören, von der durch Zuzug von außen verstärkten Polizei sofort unterdrückt werden wird, haben sich dennoch ln den Vormittagsstunden des Freitag an vielen Stellen des Stadtzentrums, namentlich vor dem Regierungsgebäude, tausende Araber angesammelt, die den Befehlen der Polizei, ruhig auseinander zu gehen, nicht gehorchten. Gegen 12.30 Uhr mittags waren vor dem Regierungs« gebäude etwa 10.000 arabische Demonstranten versammelt. Die Lage wurde bedrohlich, doch machte die Polizei zunächst von der Waffe nicht Gebrauch. Plötzlich begannen Töle der Demonstranten gegen das Regierungsgebäude vorzudringen, nachdem sie die vor dem Gebäude aufgestellten Stacheldrahtverhaue durchschnitten hatten. Aus der Mitte der Demonstranten fielen Schüsse, durch die ein arabischer Polizist getötet und einige andere Polizisten verletzt wurden. In diesem Augenblick wurde vom Kommando der Polizei Befehl zum Feuern gegeben. Die Menge stob auseinander, eine Anzahl Rasiere Dich gut und billig „Thvee Stars“ Kohle Kokt •Anlhrazif HÖCHSTER OIIAUTXTEH Bosch, IV« Ataenflniertfr« *2. Tel« Serie U 4T-S-40 oesierrelchisches Fahrikaf Ueberall erhältlich