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Die Stimme · 1933-10-26 · Heft 306 (26.10.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 306 (26.10.1933)
Date
1933-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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OIE STIMME Ar. 308 — 27. Oktober 1933 Sen» « Fßr den Ansban der Handelsbeziehungen Oesterreich-Palästina Ueber Anregung des Handelsministers S t o c k i nger und im Einvernehmen mit den palästinensischen bezw. englischen offiziellen Stellen hat sich in Wien ein Oesterreichisch-palästinensischer Wirtschaftsverband konstituiert, dessen Ziel die Intensivierung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Oesterreich und Palästina ist. Der Üesterreichischpalästinensische Wirtschaftsverband, der die Funktion einer österreichisch-palästinensischen Handelskammer vertritt, hat seinen Sitz Wien, IX., Alserplatz 3, Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Oestereichisch-palästinensischen Wirtschaftsverbandes, Direktor Josef Kremenezky, fand letzten Montag eine Pressekonferenz statt, an der Vertreter der Wiener Tagespresse, der Handelsattache der englischen Gesandtschaft in Wien, Mr. R a w I i n s, sowie Vertreter der maßgebenden wirtschaftlichen Spitzenkörperschaften teilnahmen. In dieser Pressekonferenz vermittelte Prof. Dr. P a n e t h eine Reihe interessanter Informationen über die Möglichkeiten des Ausbaues von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Oesterreich und Palästina. In der Entwicklung des Orients nimmt heute Palästina eine wichtige Stellung ein, und zwar nicht nur als Konsument für den eigenen Bedarf, sondern auch als Handelsplatz für Syrien, Tranajordanien, Aegypten und die sonstigen anschließenden Gebiete. Für den eigenen Bedarf hatte Palästina im Jahre 1932 einen Gesamtimport von zirka 1,120.000 englischen Pfund, das sind derzeit zirka 240 Millionen Schilling. An dieser Wareneinfuhr war das Deutsche Reich mit 775.000 Pfund oder 22 Millionen Schilling, während Oesterreich bloß mit zirka 1,800.000 Schilling beteiligt war. Doch schon das erste Halbjahr 1933 weist einen gesteigerten österreichischen Import nach Palästina im Umfang des österreichischen Gesamtimports, während des abgelaufenen Jahres, also eine Verdoppelung, auf. Dom Werte nach geordnet verteilte sich der palästinensische Import im Jahre 1932 auf nachstehende Artikel: Nahrungsmittel, Getränke und Tabak 1,784.830 Pfund, Rohstoffe und Halbfabrikate 556.966 Pfund, Fertigprodukte 3,910.411 Pfund, andere Waren 1,516.713 Pfund, schließlich Goldmünzeneinfuhr ln der Höhe von 135-501 Pfund, Aus Oesterreich wurden exportiert: Stahl, Draht» waren, Beschläge, Schlösser, Schrauben, Metallwaren, Maschinen, Apparate und Wer!:z::;^?, ferner Textil- und Papierwaren sowie Hut- und Kautschukwaren und Baustoffe. Das Beweisverfahren Jerusalem. Am 18. Oktober vormittags wurde das Verhör im Mordprozeß Arlosoroff wieder mitgenommen. Gleich zu Beginn des Verhörs gab der der Organisierung des Mordes beschuldigte Pührer der Jungrevisionisteo Aba Ach! Meir io erregtem Tone die folgende Erklärung ab: Ich habe bis jetzt allem geduldig zugehört und geschwiegen, aber gegenüber den falschen Aussagen Ascher Hasans und der Ida Assailowa, die mich am Abend des Mordes In Tel-Awlw gesehen haben wollen, kann Ich nicht länger ruhig bleiben und nicht länger schwelgen. Mehrere angesehene Bürger Jerusalems, unter ihnen der Professor an der Universität Nahum Slouicb und das Mitglied des Waid Lcuml Abraham Elmaiah, haben mich an dem gleichen Abend zwischen 6 und 7 Uhr in Jerusalem gesehen. Ich erkläre nochmals: ich war damals nicht in Tel-Awiw, sondern io Jerusalem. Die Bekundungen Hazans und der Assailowa sind falsch. Ich fordere meine Freilassung, mindestens Freilassung gegen Kaution. PoUzelrichter Bodllly wandte gegen die Erklärung Aehi Meirs ein, die Frage, wo er, Achl Meir, sich im Mordabend aufhielt, sei gar nicht so gravierend, da er doch nicht der Teilnahme am Morde selbst, sondern der Organisierung des Mordes beschuldigt sei; die Organisierung aber konnte in Jerusalem vor sich gegangen sein. Es Ist aber wichtig, entgegnet« Ach) Meir, daB die beiden Belastungszeugen, Hazan und die Assailowa, als Lügner entlarvt werden. Ich werde durch Zeugen beweisen, daß ich am 16. Juni ln Jerusalem war. Die Frau Ascher Hazans, in dessen Haus ln Tel- Awiw Stavsky, Achl Meir und die Zeugin Ida Assailowa wohnten, sollte nun Widersprüche aufklären, die sieh in ihren Bekundungen vor dsr Polizei vor Einleitung des Verhörs ergeben haben; Insbesondere hinsichtlich der Zelt, In der sie Achl Meir in seinem Zimmer gesehen haben will. Frau Hazan aagta vor Gericht u. a. aus, ihr Mann habe ihr gegenüber seinen Verdacht hinsichtlich der Verbindung Achl Mefrs mit der Mordtat geäußert, bevor er zur Polizei ging, um ihr seine Wahrnehmungen mitzutellen. Da« Zionistische Lsndsskomitss für Österreich gratuliert Gg. Herrn Dunek Schmid bestens zu seiner Vsrlobung mit Fräulein Sdlka Besaler. Es ist naheliegend, daß bei einer richtigen Organisation des österreichischen Orlentexports nicht nur der Konsum Palästinas, sondern auch dessen Verbrauch als Umschlagplatz wesentlich gesteigert werden kann. Insbesondere wird es eine organisatorische Aufgabe sein, den österreichischen Holzexport — und hier wieder ganz besonders den Export der für den Baubedarf zugerichteten Hölzer — nach Palästina in die Wege zu leiten, ein Plan, für den die österreichische Regierung bereits ihr außerordentliches Interesse und ihre Unterstützung kundgegeben hat. Man verspricht sich davon, wie Präsident Kremenezky ausführte, eine besondere Hebung der darniederliegenden Holzindustrie ln Oesterreich. Der Oesterreichisch-palästinensische Wirtschaftsverband will auch dafür sorgen, den Palästinaexport nach Oesterreich zu fördern, da ja auch hiedurch bei den offiziellen Palästina-Außenhandeissteilen das Interesse für österreichische Produkte gefördert wird. Der Oesamtwarenexport Palästinas betrug im Jahre 1932 zirka 4 Millionen Pfund oder 120 Millionen Schilling und verteilt sich auf nachstehende Artikel: Orangen 1.7 Millionen Pfund, das sind 50 Millionen Schilling oder 70 Prozent des Gesamtwarenexportes. Grapefrüchte 80.000 Pfund, Mandeln 20.000 Pfund, ferner Melonen, Erbsen, Klee, Flachs, Frühgemüse, Bananen, Honig, vegetabilische Oele, Sonnenblumenöl, künstliche Zähne, Chemikalien usw. Weiters besteht derzeit aus Palästina auch ein starker Reiseverkehr nach dem Westen. Da für Oesterreich bereits die natürlichen Voraussetzungen als Reiseziel vorliegen, so wird es bei geschickter Propaganda ein leichtes sein, diesen Reiseverkehr nach Oesterreich zu lenken und auf diese Weise dem österreichischen Fremdenverkehr und dem unsichtbaren Export neue fühlbare Quellen zu erschließen. Die Arbeiten des Oesterreichlsch-palästinensischen Wirtschaftsverbandes für den Ausbau der österreichischpalästinensischen Handelsbeziehungen erfreuen steh auch der besonderen Unterstützung des österreichischen Konsuls in Palästina, mit dem schon vor seiner Abreise nach Palästina über die Tätigkeit des Verbandes Verhandlungen gepflogen wurden. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Levantemesse in Tel-Awlw (vom 26. April bis 20. Mai 1934), die diesmal auch einen selbständigen österreichischen Pavillon haben wird, gewinnen die Arbeiten und Bemühungen dieses Verbandes, der eine gemeinnützige Interessenvertretung darstellt, besondere Bedeutung. An der Beantwortung der Fragen beteiligten sich die Herren Adolf Böhm und Bruno Rabinowitz. im Arloseroff-Prozeß Jerusalem. Nach dem Verhör im Mordprozeß Arlosoroif sollte das Bewdsverfahren geschlossen werden; der Verteidiger Rechtsanwalt Kaisermann stellte aber den Antrag, drei weitere Zeugen zu vernehmen. Daraufhin beschloß das Gericht, sieh bis zum 1. November zu vertagen. Vorher sagte ein junger Arbeiter ausKfer Saba namens Portnol aus, er sei mit dem Beschuldigten Rosenblstt am Freitag Abend, an dem der Mord geschah, zusammen ln Klar Saba gewesen, sie hätten beide erst am Sonnabend morgen« von dem Mord erfahren. Auf Befragen Rosenbtatta bestätigte der Staatsanwalt In» spekor Sohltrlt, er habe die Anzeige gegen Rosenblatt von Frau Rhvka Feigin erhalten. Gegen diese Rlwka Fe lg ln, einst Mitglied de« Britb Trumpeldor, erheben die Revisionisten die ßeschoidgung, sie sei In Bukarest Privatsekretlrln de« bekannten antisemitischen Schriftstellers und früheren Ministers Octavian Go ge gewesen. Sie hätte sich auch sonst nicht angemessen aufgeführt und sei deswegen aus dem Brlth Trumpeldor ausgeschlossen worden. Im August 1441 Ittdlaehe Eta- Wanderer ln Palästina Jerusalem. Nach offiziellen Angaben sind Im Monat August 1933 2513 Personen ln Palästina «Ingewandert, davon waren 2442 Judan* Von den jüdischen Einwanderern gehörten 213 der sogenannten Kapitalistenklasse an (Besitzer von Privatmitteln in Höhe von 1000 Pf¬ und mehr). 122 Personen, die elnwandsrn wollten, wurde die Erlaubnis zur Einreise verweigert, Im Juli 1933 waren unter 2807 Personen 2703 Juden «Ingewandert, von denen 437 der Kapltalistenklass« angehörten. End« d«s Lehrerstrrlki In Palästina Jerusalem. Der Lehrerstreik an den hebräischen Schulen der Jewish Agency ln Palästina, durch den die Wiedereröffnung der Schulen am 1. Oktober hinausgeschoben werden mußte, ist nun b e i g e 1 e g t worden. Dl« Schulen sind am Sonntag, den 15. Oktober, eröffnet worden, die Unterrichtstätigkeit Ist normal, Ein neuer Stadtpark von Tel-Awiw Auf dem neu erworbenen Gelände der Levant Fair soll nach Plänen maßgebender Fachmänner ein großer Stadtgarten angelegt werden, der ein wahrer Riviera-Park zu werden verspricht. Wat «eht im Wiener Misrachi vor? Wir wissen nicht, ob die iit Wien erscheinende Zeitschrift «Misrachi» das offizielle Organ des Wiener Misraehi ist. Allenfalls herrscht hier seit einiger Zeit ein derart rüder Ton, daß man diese Art einer zionistischen Publizistik nicht scharf genug anprangern kann. Wir greifen aus der Nummer dieses Blattes vom 19. Oktober nur Auszüge aus zwei Aufsätzen heraus, um auch vor der breiteren Oeffentlichkeit solcherart Kampfmethoden, die unter dem Mäntelchen zionistischer Berichterstattung segeln, bloßzustellen. , Im Berichte über den Vortrag Sokolows heißt es zum Beispiel: Es fiel allgemein und ungemein auf, daß Sokolow die universellen schlechten Eindrücke, welche die tieftraurigen Vorgänge des Kongresses in der ganzen zivilisierten Welt zurückließen, ein wenig dämpfen wollte, indem er bat, mit dem Urteile bis zum Schlüsse der zweijährigen Funktionsperiode zurückzuhalten. Ein höhnisches Lächeln durchzuckte die Lippen alter Anwesenden, die —• offen gesprochen — enttäuscht das Konzerthaus verließen. Sokolow reiste von Wien nach Polen weiter, wo er seiner linken Exekutive gegenüber eine noch ungünstigere Stimmung als in Wien antreffen wird, Im Gegensätze zu Rabbi Meir Berlin, der in Wien von grenzenlosem Enthusiasmus umgeben sprach. Wird der Präsident der Organisation hier noch glimpflich behandelt, so wird am Mitglied der Exekutive Jizchak Grünbaum geradezu entwürdigend verfahren. So beginnt schon der Bericht über den Aufenthalt dieses Führers in Wien mit einer ganz noblen Einleitung, die da lautet: «Hinaus mit Grünbaum aus der Zionistischen Exekutive!» Weiter heißt es hier: lizchak Grünbaum aus Warschau hat den Vogel abgeschossen! Seine klägliche Rolle am XVIII. Kongreß hat nunmehr die Skandalskrone erhalten. Er, der heute bereits nachweisbar das Unglück der polnischen Zionisten, der Totengräber der großen jüdischen Parlamentsvertretung ist, der Politiker mit den notorischen beiden «linken» rüßen, Jizchak Grünbaum, hat sich wieder, seiner Zunge nicht Herr, ein verwerfliches Bravourstück geleistet. Aus Kreisen der Allgemeinen Zionisten drang zu uns die Nachricht, daß dieser, seinen Kollegen in der Exekutive nur ebenbürtige Mann, als Mitglied einer «Jüdisch sein wollenden» Exekutive, sich textuell folgenden Ausspruch leistet: «Ich bin konfessionslos!» Es tut nichts zum ungeheuerlichen Vorfall, daß dieser «zionistische» Führer, der stets ein Hetzer gegen jedes religiöse Wesen war, zu dieser wortgetreu wiedergegebenen Aeußerung sich nachträglich eine Umschreibung«- rabullstlk mit wenn . . ., dann . . aber . , ., nur •. .,, leistete, daß er nicht einen regelrechten Austritt aus der Judengemeinde, ein Davonlaufen konzedieren wollte, 1 n den Staaten, wo es identisch ist mit dem Austritte aus dem Judentum, die traurige Tatsache bleibt bestehen, daß Qrünbaum sein unwürdiges, unjüdisches Wesen, welches längst offenkundig war, nunmehr auch höchstpersönlich und offiziell entlarvte! Wir sind von der revisionistischen Presse bereits an so manches unverantwortliche Husarenstückchen gewöhnt, glauben jedoch, daß diesem Blatte der religiösen Zlonlnten doch am Ende der Vorrang zufallen wird. Die Mlsrachlsten Wien« werden wohl gut tun, diesem zügellosen Treiben sensationslüsterner Journalisten Einhalt zu tun. Eine solche Brunnenvergiftung schädigt nicht nur den Zionismus, sondern vor allem die jüdische Religiosität, die auf Liebe und Achtung aufgebaut ist, zu deren Verfechtern doch der Mlaradii zählt — trotz seiner Opposition gegen die Exekutive. Dl« Pariser FlUcbtUngsblUszeotrale Hiebt geschlossen Paris. Das Pariser Zentralkomitee für Hilfeleistung an die deutschen Flüchtlinge dementiert kategorisch die Mitteilung des Londoner «Jewish Chronlcle», wonach das Komitee aus Mangel an Mitteln die Hilfstätig' kalt eingestellt und seine Bureaus geschlossen hat Das Komitee erklärt, daß seine Bureaus In vollem Betriebe sind und daß deren Schließung keineswegs erwogen wird. 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