Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 306 (26.10.1933)
- Date
- 1933-10-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife f m-; f . .4 ' o \ -i -0. I* “I; n . DIE STIMME Minister Czermak Ober die Judenfraae Das nationalsozialistische Deutschland, das eine bisher einzig dastehende Umwälzung in der Behandlung der Juden brachte, hat die Judenfrage in den Mittelpunkt der Diskus« slon der europäischen Staaten gebracht. Wiewohl die verantwortlichen reichsdeutschen Stellen wiederholt eine geseftt* liehe Regelung der Judenfrage in Deutschland in Aussicht stellten, ist bis heute eine solche nicht durchgcführt worden. Int Zeichen der deutschen Judentragödie standen der Prager Zionistenkongreß, der Kongreß der nationalen Minderheiten in Bern und schließlich die letzte Völkerbundversammlung ln Genf. Sollen die Juden Deutschlands nach den Prinzipien der nationalsozialistischen Rassentheorie ©der nach den Grundsätzen des Minderheltenrtchtes behandelt werden, soll Asslmilierung oder Desslmilienmg, Eingliederung oder Ausgtiederur.g für die jüdische Zukunft maßgebend sein — das war und ist die Frage. Auch in Oesterreich ist In letzter Zelt das Judenproblem wieder hervorgetreten. Teils hörte man die alte Forderung nach dem Numerus clausus, teils wurde die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden als unantastbar hingestellt und teils wurde die Lösung der Judenfrage auch in Oesterreich darin erblickt, daß die Juden als nationale Minderheit, mit allen Minoritätsrechten ausgestattet, zu betrachten seien. In diesen für die Jaden ungemein schweren Tagen erschien im Rcinhold-Verlag ein Buch, das schon durch die Namen der Autoren besonderem Interesse begegnen dürfte. Das Buch betitelt sich «Ordnung in der Judenfrage» und seine Autoren sind der ehemalige christlichsoziale Unterrichtsmlnistff Doktor Emmerich Czermak und der jüdltch-natlbnale Schriftsteller Dr. Oskar Kafbach. Doktof Czermak, der bedeutende Führer des SudeUndeutsehtums in Oesterreich, ist Referent für jüdische- Angelegenheiten bei der christUchscaialen Partei. Als Untefrlchtsmlrttoter war er bemüht, zusammen mit dem jetzt in den Ruhestand versetzten gewesenen Prof. Glelspach, das rassische Studentenrecht an der Wiener Universität einzuführen. Doktor Karbach, der jüdisch-nationale Schriftsteller, der an der Gründung der jüdischen Völkerbundliga in Oesterreich beteiligt war, hat schon vor zwölf Jahren in seiner veröffentlichten «Theorie der Assintllation» die heutigen Verhältnisse vorausgesagt. Was wohl das Interessanteste, aber vom zionistlachen Gesichtspunkt aus durchaus nicht merkwürdig ercheint, lat, daß beide Verfasser, der katholische Deutsch« und der nationale Jude, sich in einer Gf tifidaut* fassung begegnen. Beide verlangen sie eine Form der Regelung im Sinne der Verständigung von Volk zu Volk und beide wenden sich gegen gewisse Formen der Assimilation. Beiden geht es um die offene Klarlegung der Judenfrage. Sie nehmen die Judenfrage als politische Frage, übersehen aber dabei keineswegs deren religiöse Verankerung. Mit Erlaubnis des Verlages sind wir In der Lage, in der nächsten Nummer der «Stimme» einen Abdruck aus dieser geradezu sensationellen Schrift über die Judenfrage zu veröffentlichen.' wwmMinti’JBS. :&mz2Eaasm JnMoykott in Deutschland geht weiter Berlin. Ungeachtet der Verordnung des Innen- und des Arbeitsministers, den antijüdisefaen Boykott nicht mehr öffentlich zu propagieren, geht die antijüdische Boykottpropaganda in verschiedenen Formen weiter. Gegenwärtig wird eine strenge Kontrolle aller jener Finnen durchgeführt, die sich das Recht erworben haben, die Aufschrift «Deutsches Unternehmen» anzubringen, daraufhin, ob wirklich alle Firmeninhaber arischer Abstammung sind. Es soll verhütet werden, daß Nichtarier, auch wenn sie deutsche Staatsbürger sind, durch Aushängen des Schildes «Deutsches Unternehmen» die Kunden täuschen. In Berlin sind Juden vom Markthandel ausgeschlossen, da Stände auf den Märkten und in den Markthallen jetzt ausschließlich an Mitglieder der nationalsozialistischen Partei vergeben werden. Die «Mainzer Tageszeitung» veröffentlicht eine Mitteilung des Führers der nationalsozialistischen Betriebsorganisation Bürkel, die eine deutliche Spitze gegen die Verordnung des Wirtschaftsministeriums, betreffend Einstellung des antijüdischen Boykotts trägt. Bürkel erklärt, Boykott gegen Juden habe von je einen wesentlichen Programmpunkt der NSDAP gebildet. Für uns alte Nationalsozialisten, erklärt Bürkel weiter, sind Kundgebungen gewisser Nazibonzen gegen Judenboykott bedeutungslos. Für uns gilt nach wie vor das vom Führer geschaffene Programm. Nach langem Zögern hat sich der «Völkische Beobachter» endlich entschlossen, auch seinerseits die Anti- Boykottorder des Innen- und des Arbeitsministers abzudrucken; er tut dies ohne Kommentar. Der Nationalsozialistische Aerztebund, Gau Hessen- Nassau, macht es seinen Mitgliedern zur Pflicht, den Aufdruck «Deutscher Arzt» an! ihrem Arztschild anzubringen. Zum Jahrmarkt in Bad Tölz am 8. und 9. Oktober wurden auf amtliche Anweisung des Stadtrates jüdische Händler nicht zugelassen. Die Polizeidirektion and der Stadtrat von München haben für die Dauer des Oktoberfestes u. a. bestimmt: Personen jüdischer Abstammung werden zum Oktoberfest für den Verkauf von Waren, die Verabreichung von Speisen und Getränken sowie für die Veranstaltung von Lustbarkeiten nicht zugelassen. Dieser Ausschluß erstreckt sich auch auf die Beschäftigung von Personen jüdischer Abstammung als Stellvertreter, Angestellte, Mitarbeiter, Artisten, Gehilfen oder Mitspieler. ★ ★ ★ Tausonde Juden sollen ausgebürgert werden Berlin. Vom preußischen Innenministerium erging an sämtliche Polizeibehörden die Aufforderung, alle Schritte zur sofortigen Rückgängigmachung der seit 1918 vollzogenen Einbürgerungen von Nichtdeutschstämmigen einzuleiten. Von dieser Maßnahme sind einige tausend Juden betroffen; darunter befinden sich Familien, die schon seit Jahrzehnten ln Deutschland ansässig sind, ihre Einbürgerung aber erst nach 1918 vollzogen haben. Da die Betroffenen anläßlich ihrer deutschen Einbürgerung Ihre frühere Staatsbürgerschaft verloren hatten, die sie nur ln den wenigsten Fällen wieder erwerben können, entsteht hier eine neue Art von Staatenlosen, für die der Völkerbund wohl eine Regelung wird treffen müssen. Eine Anti-Hitler-Woche der Juden in Polen Warschau. Die Leitung des jüdischen Anti-Hitler- Komitees hat gemeinsam mit dem Komitee zur Durchführung des antideutschen wirtschaftlichen Boykotts beschlossen, für den Beginn des November eine Antl-Hltler-Woche zu proklamieren. In der Woche sollen Gelder für die notleidenden deutsch-jüdischen Flüchtlinge gesammelt und eine straffere Organisierung des Boykotts durchgeführt werden. Das Zentralkomitee zur Durchführung des anti-deutschen Boykotts arbeitet Hand ln Hand mit den großen industriellen Unternehmungen In Polen, die sich unter Opfern bereit erklären, den Weisungen des Boykottkomitees zu folgen, um den Inlandsmarkt schnell zu befriedigen und deutsche Waren entbehrlich zu machen. Was nicht schnell und billig genug im Lande hergestellt werden kann, wird aus Frankreich, Belgien und der Schweiz bezogen. Aul diese Weise wird erreicht, daß zahlreiche Firmen ihre ln Deutschland gemachten Bestellungen zurückrufen oder bereits eingetroffene Waren zurücksenden können. Die Waren aus Westeuropa werden möglichst nicht über Deutschland, tondem über den Hafen Gdynia geführt. Auch die Zusammenarbeit mit den ausländischen Boykottkomitees macht sehr gute Fortschritte. So hat das Antwerpener Komitee um schleunige Bekanntmachung von Bezugsquellen für polnisches Roggenmehl ersucht, damit man ln Belgien das deutsche Roggenmehl, mit dem das Land überschüttet wird, entbehren kann. ★ Auch die kanadische Geschäftswelt für antideutschen Boykott Montreal. Die Aktionäre der Importgeseflschaft «Kleidcr-Kredit» mit 110 Läden und einem Jahresumsatz von vielen Millionen Dollar haben zum Protest gegen die Judenverfolgungen ln Deutschland den Boykott aller aus Deutschland kommenden Waren beschlossen. Schwedischer Kronprinz und Selma Lagerlöf für die vertriebenen deutschen Gelehrten Stockholm. 200 hervorragende schwedische Persönlichkeiten, mit dem Kronprinzen Wilhelm, Prinzen 1fr. 306 — 27. Oktober 1938 Voraus muß man denken, sich sichern — versichern 3hönix Allgomolne Verslchcrungs-Goi Wien IX. Bqz.i Alaerplata Nr. 1 Trefferanleihe - Zeichnung der Israelitischen Kultusgentelnde Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien hat beschlossen, «Oesterrelchlsche TrefferanitIhe» im Betrage von 140.000 Schilling für die Israel. Kultusgemeinde Wien zu zeichnen. Ueberdles wurden die unter Aufsicht der Israel. Kultusgemeinde stehenden konfessionellen Vereine und Institutionen aufgefordert, ln größtmöglichstem Umfange sich an der Anleihezeichnung für die einzelnen Institutionen zu beteiligen und es wurde Im Kreise der Ge* meindemitgiieder für die Araleihezeichr.ung in weitgehendstem Maße Propaganda gemacht. Eugen, Selma Lagerlöf und zahlreichen Universitätsprofessoren und Schriftstellern ah der Spitze, haben sich zu einem Komitee für Hilfe an die aus Deutschland vertriebenen Intellektuellen vereinigt und erlassen einen Aufruf an die schwedische Oeffentlichkeit zu werktätiger Mitarbeit an dem Hilfswerk für diese Flüchtlinge, denen es im Interesse der europäischen Kultur ermöglicht werden müsse, ihr Lebenswerk fortzusetzen. Nur noch 1500 jüdische Flüchtlinge in England London. In den «Times» veröffentlicht der Vorsitzende des Hilfskomitees für die jüdischen Flüchtlinge Otto Schiff einen Artikel, aus dem hervorgeht, daß die Zahl der in England weilenden jüdischen Flüchtlinge von 2500 zur Zeit des Anfangs des neuen Regimes in Deutschland auf 1500 heute gesunken ist. Vielen Flüchtlingen wurde die Weiterreise nach Palästina und nach anderen überseeischen Ländern ermöglicht. Die Mehrzahl der im Lande Gebliebenen hat heue Unternehmungen und d am i t A r b e i tsm Ö gl ichke i t e n für englische Arbeiter und Angestellte geschaffen* Schiff tritt mit seiner Darstellung den in letzter Zeit in einem Teil der englischen Presse gegen die Flüchtlinge erhobenen Vorwürfen, daß sie eine wirtschaftliche Belastung für England darstellen, entgegen. Auch weist Schiff die gegen Flüchtlinge wegen ihrer politischen Gesinnung erhobenen Vorwürfe zurück und erklärt es als Grundsatz des Hilfskomitees, die Interessen Englands überall da voranzustellen, wo diese mit Interessen von Flüchtlingen ln Konflikt geraten sollten. Heldengedenkfeier der Hidlschen Frontsoldaten In England Am 5. November wird ln London die Heldengedenkfeier der ehemaligen jüdischen Frontsoldaten Englands stattfinden. Zu dieser Feier werden jüdische Frontsoldaten aus allen Teilen Englands Zusammenkommen. Aus der Provinz allein werden 1 5 00 Mann erwartet. Nach der Heldengedenkfeier wird in der König Albert Hall ein Tee veranstaltet, bei dem u. a. der Admiral der Flotte, Sir Roger K e y e s, der Oberrabbiner von England Dr. Hertz, Neville L a s k i, Lord M e I c h e 11 und andere sprechen werden. Hundert Hebrälsch-Kurse in Berlin Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung hat soeben den 100. Kurs zur Erlernung der hebräischen Sprache eröffnet. Die Kurse werden hauptsächlich von jenen Erwachsenen und Jugendlichen frequentiert, die nach Palästina gehen wollen. Palästina-Abtelluna JOSEF POPPER Internationale Transporte, Wien, II., Taborstr. 22. Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie. In Palästina: The Leva’nt Bonded Warenhouaes Co. Ltd., »"in ronp ’jonD1? nman mann Haifa, Telephon 346^HSVIJa^a» Telephon 36 Spezial-Warentransporte, Uebersledlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. lud« merket ad t 4 Dunam Boden kostet in Haifa 2000 PfundI Erbpachtein« auf Keren Kajemeth-Boden Jährlich 27» Pfund I ii ^44186