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Die Stimme · 1933-10-19 · Heft 305 (19.10.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 305 (19.10.1933)
Date
1933-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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tff. 305 — 10. Oktober 1033 i3ig stimme Seife 7; Bilder der JüJlMten Frau FRAUENBEILAOE DER »STIMME" Soi«lM«war«^xrSBSRTM^^T«<HRO,",*,™,,,",,,™,,^™TTw«aa»(Io _hummbb 2 Das Land wartet aut Menschen Von Helene Hanna Man geht durch die Straßen von Tel-Awfw und spürt den heftigen, ein wenig atemraubenden Pulssehtag die« scr mit tropischer Lebenskraft aufblühenden Stadt In den letzten paar Wochen, In denen jedes Schiff Hunderte von neuen Einwanderern in den Hafen gebracht hat, ist hier alles noch lebendiger, noch lauter und gedrängter geworden: die Straßen voller Menschen und Fahrzeuge. Wieder neue Läden mit den mannigfaltigsten europäischen Luxuswaren. Neue große Hotels, Kaffees, Kinos. An jedem Haustor ein Gewirr von neuen Firmenschildern: wieder eine Anzahl deutscher Aerzte, Anwälte, Agenten für die verschiedenartigsten Unternehmungen der Welt Neue Kliniken, neue Apotheken, neue Schönheitssinns, einer Menge großer und kleiner Industrieunternehmungen — die meisten mit deutschen Inhabernamen. Am Strand ein Durcheinander von Radios, Lautsprechern, Ausrufern und Menschen, von der kinderreichen orientalischen Familie bis zur Strandschönheit in letzter europäischer Eleganz. Dazu in der Stadt das Geschrei der Reklameschiider, -lichter, -ausrufer und ein ununterbrochenes Baugetriebe in den längst schon vollgebauten Straßen. Und während die Häuser bereits übereinander wachsen, während die Wohnungspreise in jäher Kurve ansteigen, drängen sich im Auskunftsbureau für deutsche Einwandervi die soeben von den Schiffen Gelandeten und wollen wissen, wie auch sie sich noch in diese Stadt hineinpressen können: noch ein Arzt, noch ein Unternehmer, noch ein Buchhalter oder eine Stenotypistin, Man bewundert die Lebenskraft dieser Stadt, aber man hat doch ein Gefühl der Bangigkeit angesichts dieses brodelnden Stadtlebens, angesichts dieser täglich und stündlich sich ausdehnenden Imitation einer europäischen Großstadt Man ist froh und dankbar, daß man den Verfolgten, die im ffldischen Lande Zuflucht suchen, diese Zuflucht bieten kann; aber verbürgt diese jäh aus dem DUnensande aufgeschossene Stadt all denen, die ihr vertrauensvoll nahen, auch wirklich Ruhe und Sicherheit? Wird die Dynamik dieser Stadt e»* gänzt durch die für ein Volk unerläßliche Statik des einfachen ländlichen Lebens? Breitet sich hinter den Straßen genügend Hinterland aus, das fähig ist, sie mit den Notwendigkeiten zu versorgen und einen Teil des hier Produzierten aufzunehmen? Ist die palästinensische Stadt ein unförmiger Wasserkopf auf einem unentwickelten Körper, oder zieht sie ihre Kraft aus dem blühenden Leibe eine« ausgedehnten Landes? Sehnsucht, diese Frage zu lösen, treibt uns aus den Straßen der Stadt hinaus. Auf den betonierten Landstraßen, die zu den Siedlungen von Judaea und Scharon führen, spürt man noch deutlich den Pulsschlag der Stadt. Das sind alles Verbindungsstraßen, Handelsstraßen zur Stadt, der Autos, Lastautomobile, Lorries, Boten fortwährend neue Menschen, Lasten, Nachrichten zuführen. Ein ununterbrochener Omnibusdienst macht die Kolonien zu Vorstädten, zu eng mit ihr verbundenen Gliedern der Stadt, Das wirtschaftliche, das geistige Gesicht der kleinen Großstadt spiegelt •Ich kaum verändert in den Kolonien von Judäa und Scharon. Auch sie stehen vorwiegend im Zeichen des Handels, wenn es auch mehr ein Handel mit Orangen und anderen Früchten des Landes, als mit Industrieprodukten ist, und ln dieser Konzentration auf den Handel steckt die gleiche Unruhe, Expansion, Abwendung von der Natur wie Im Handel der Stadt Auch diese Pflanzungssiedlungen sind voll gepackt mit Häusern und Menschen; auch hier sieht man sich bang nach dem Hinterlande um, das all dieser Dynamik eine beruhigende Statik gegenübcrstdlt und einer neuen Generation neuen Raum zum Atmen bietet Und endlich verebbt das fieberhafte Leben der Stadt und ihrer Ausläufer, der Pflanzungssiedlungen, und — anfangs besät mit arabischen Dörfern, einer arabischen Kleinstadt, dann Immer einsamer und Jungfräulicher — liegt der Leib des Landes, die einsame Erde vor uns. Wir sind eingedrungen in den Wadi Chawareth, das Gebiet von Uber 30.000 Dunam, das sich vom Meercsstrande aus bis in das Herz der Scharonebene hinein erstreckt. Hier endlich ist Ruhe, Welte, reine Luft. Soweit das' Auge sieht, Boden, der eben erst vom Jüdischen Pflug aufgebrochen wird. Die Siedlungen, die hier und da aus dem Boden aufwachsen, stören nicht die Stille, sondern fügen sich ihr harmonisch ein: Siedlungen JüdUcher Landarbeiter, die den Boden urbar machen, Thon (Jerusalem) Ihn mit Röhren wie mit Adern durchziehen, durch die das Wasser rinnen und die spröde Erde zum Blühen bringen wird; Arbeiter, welche die Ufer des Wadi, des Flusses, der durch die Ebene hinkriecht, entsumpfen, neues Land gewinnend und dem Fieber seinen Nährboden entziehend, ln diesen Siedlungen, die jetzt eine nach der anderen schnell aufwachsen, bereiten junge, kräftige Menschen diese neue Erde für viele künftige Siedler vor, legen Pflanzungen an, Gemüsegärten, Vieh- und Hühnerställe, bauen Häuser und Baracken. Das rege Leben, das in diesen kleinen Siedlungen herrscht, erinnert an die Zeit, als das zweite Siedlungsgebiet des Landes, der Emek Jesreel, erschlossen wurde, als man Ain Charod, Tel Josef, Nahalai baute und die der Wüste abgerungene Erde zu hoher Blüte brachte. Auch im Emek war es allein das Werk des jüdischen Arbeiters, das dem jüdischen Volke ein großes Siedlungsgebiet erschloß, und auch In Wadi Chawareth Ist es der Arbeiter, der die Mühe der ersten Erschließung, den Kampf gegen die Malaria und gegen die Uebergriffe der allmählich aus dieser Gegend verschwindenden Araber auf sich genommen hat. Er ist es», der dieses Land vorbereitet für die neuen Einwanderer, die — fliehend au? Ländern, in denen ihre Existenz unmöglich geworden ist — hier Lebensraum und einen neuen Lebensinhalt suchen; er ist es, der als Siedler auf seinem eigenen Stückchen Land diesen Neuen ein Sicherheit bietender Nachbar und Wegweiser bei der Arbeit und Gewöhnung an das Land werden soll. Montag, den 9, d. M., wurde die diesjährige Generalversammlung der Wlzo Oesterreichs (Organisation zionistischer Frauen) unter überaus starker Beteiligung ihrer Mitglieder sowie der Jung wlzo (Z. M. V, «Mirjam») eröffnet. Die Präsidentin, Frau Dr. Sophie Löwenherz, begrüßte, lebhaft akktamiert, die zahlreich Erschienenen, darunter Frau Erna Pollik aJs Vertreterin der Wizo- Gruppe in Linz, Frau Medizinalrat Dr. K r ü g e r, die Leiterin des gewerblichen Mädchenlntemats Dr. Krüger-Heim, Dr. Paul Berger als Vizepräsident des Landeskomitees, Dr. Ch. Tartakower als Leiter des K. K. L. ln Oesterreich und viele andere. Frau Dr. Löwenherz betonte, daß in den folgenden Tätigkeitsberichten über das Jahr 5693 nicht die Namen der einzelnen Mitarbeiterinnen genannt würden, da wir alle nur um der Idee und nicht um der «Ehre» willen gedient hätten, Ehe die Präsidentin den einzelnen Referentlnnen das Wort erteilte, begrüßte Dr. Berger die Generalversammlung namens des Landeskomltees auf das herzlichste und beglückwünschte die Wizo zu Ihren beiden hervorstechendsten Leistungen: daß sie der jüdischen Frau die richtige Selbsteinschätzung gegeben und daß 6ie die Frau in Palästina zu wertvoller Arbeit ertüchtigt habe, Nun folgte der überaus gehaltvolle Tätigkeitsbericht des Sekretariates, den Frau Dr. Amalie Kantor sehr interessant zu gestalten wußte. Referentin ging von den bedeutenden Ergebnissen der Wizo-Konferenz in Prag aus, die — trotz mancher Meinungsverschiedenheit —• eine gedeihliche Zusammenarbeit aller Wizo-Frauen für ihr großes, konstruktives Werk gezeitigt hat, und erwähnte die für die österreichische Wlzo besonders erfreuliche Tatsache, daß die Wiener Delegation auf der Konferenz eine bedeutende Rolle gespielt hat, vor allem aber, daß die Präsidentin der hiesigen Föderation zu einem Mitglied der Weltexekutive gewählt wurde. Zu dem Berichtsjahr übergehend, stellte die Referentin fest, daß dieses trotz der ungünstigen Zeitverhältnlsse ein zufriedenstellendes gewesen ist und daß in manchen Bezirksgruppen die Arbeit neuorganisiert werden konnte, besonders erfolgreich Im XIII. und XVI. Bezirk. Auoh der Kontakt mit der Provinz, besonders mit den Städten Linz und Salzburg, war reger als ln früherer Zelt, nicht zuletzt dank den Besuchen einiger Frauen der Wiener Leitung in diesen Städten, Aus der Reihe der wirksamen Kultur- So hat es der KerenKajemeth geplant, als er das große, heute noch lange nicht genug gewürdigte Werk unternahm, den Boden von Wadi Chawareth unter gewaltigen Opfern zu erwerben und damit neuen Raum für die Expansion der jüdischen Einwanderung zu schaffen, den Städten und ihren Ausläufern, den Pflanzungskolonien das unerläßliche Hinterland zu geben. Um dieser neuen Einwanderer willen, die in den Städten und alten Kolonien bald keinen Lebensraum mehr finden werden, führte der Jüdische Nationalfonds die Erwerbung dieses Gebietes im letzten Augenblick, ln dem diese noch möglich war, durch. Um ihretwillen will der Keren Hajessod den Arbeitergruppen dieses Gebietes die Möglichkeit zu einer möglichst schnellen Erschließung geben. Aber nun zeigt sich das Sonderbare: die Neuen bleiben aus. Sie drängen sich in den Städten aneinander — noch ein Arzt, noch ein Bauunternehmer, noch eine Kindergärtnerin, noch ein Importeur ausländischer Waren — tragen dazu bei, die Hast und Unruhe der Städte bis zur Fieberhitze zu bringen, tragen dazu bei, das Gebilde einer Großstadt ohne Hinterland fast bedrohlich zu machen. Und draußen wartet das Land auf Siedler und Arbeitskräfte; in den Siedlungen des Emek verfault die Frucht am Stamm, weil es an Händen fehlt, die sie pflücken; im Wadi Chawareth schreitet die Erschließung des Landes langsamer vorwärts als man hoffte. Während In den Städten von Tag zu Tag das Unternehmertum und gleichzeitig das Proletariat zunimmt, das in krassem Gegensatz zur Idee des Zionismus, der Idee einer Wiedergeburt des jüdischen Volkes, steht, während hier eine baldige Ueberfüllung der verschiedenen Berufe droht, setht das schöne, stille Land und wartet auf Menschen, die es erschließen sollen. vorträge erwähnte die Referentin Irma Singer «Die zweite Generation ln Erez Israel», Dr. Josef Löwenberz «Die Frau und die jüdische Gemeinde», Dr. Martha H o f m a n n «Arthur Schnitzlers jüdische Persönlichkeit», Dr. Luise Farchy «Makkabäer ln Geschichte und Legende», Dr. David Rothblum «BlaHk, der nationale Dichter», Dr. Z. Pfnketstetn «Max Nordaus tragische Sendung», Adolf Böhm «Ueber den jetzigen Stand des K. K. L.», Dr. Susann« Müntz «Mütter und Töchter», Dr. H. Torczyner (Jerusalem) »Die neue deutsche Bibel», Prof. Dr, Oskar Strnad «Bühne und Film». In größerem Rahmen fand eine Vorlesung des Dichters Arnold Zweig aus seinem Werk «De Vriendt kehrt heim* mit einleitenden Worten des Autors über seine Palästina- Reise statt. Aus dem Gebiete der praktischen Arbeit wurde die Palästina-Beratungsstelle für Frauen und Mädchen erwähnt, welche allwöchentlich einen außergewöhnlichen Andrang von Ratsuchenden zu bewältigen hatte. Ferner die Chaluz-Fflrsorge, dank welcher eine Anzahl von Chaluzlm und ChaJuzoth teilweise oder ganz mit allem Nötigem für die Allah (sogar mit Reisegeld) versehen wurden; von großem Erfolg begleitet war die Errichtung von Hauswirtschaft«- und Kochkursen im Rahmen des Dr. Krüger-Heims, besonders dank der tätigen Mithilfe von dessen Leiterin. Dort wurden viele Mädchen und Frauen für Palästina vorbereitet, ebenso durch Hebräischkurse. Die Wizo hat ihre Verpflichtungen sowohl der Londoner Zentrale als auch der Zionistischen Landesorganisation und dem K. K. L. gegenüber vollauf erfüllt, wie auch aus den nunmehr folgenden, von der Schatzmeisterin Frau Sabine Weiß und der Keren Hanaschim-Referentin, Frau Dr. Ada Kestenbaum, erstatteten Finanzberichten hervorging. Die österreichische Wizo schloß ihr letztes Arbeitsjahr mit einem nicht ganz unbedeutenden Saldo ab. Ebenso zufrieden- Kapitalisten werden eingeladen, sich an der Gründung eines erfolgsicheren, hoehrcntablen Unternehmens in Palästina zu beteiligen. Anfragen unter «Sichere Zuinmit* befördert die Administration. - «'f1 wmmmnmnmn-m-1 i Glänzender Verlauf der Generalversammlung der Wizo Oesterreichs Krankenschutz Allg. Kranken-Vcrs.-Anstalt, Wien, L, Bösendorferstr. 1 Bel freier Aerztewahl — gegen niedrige Prämien — eine Krankenversicherung!

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