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Die Stimme · 1933-10-19 · Heft 305 (19.10.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 305 (19.10.1933)
Date
1933-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette * DTE STIMME ttr. 305 — 19. Oktober 1933 es sind 70.000 Juden. Die sind hier gegenwärtig und sind überall gegenwärtig. Diese Bestätigung der zionistischen Doktrin, wie sie uns durch die Entwicklung Palästinas gegeben worden ist» kann nicht sd acte gelegt werden. Sokoiows Appell fflr den «Miphal Arloeoroff» Zum Schluß seiner Rede richtet Sokoiow noch einmal einen dringenden und warmen Appell an die Wiener Judenschaft, Jenseits aller Parteien, mH der Aktion für den «Miphal Arlosoroff» nun auch in Wien energisch zu beginnen. «Der Betrag von 100.000 Pfund, den wir fürs erste aufbringen sollen,* sagte Sokoiow, «stellt nur ein Minimum dar und mit diesem Aufrut wenden wir uns an die ganze Weit. Das Sprichwort „Der Altar selbst bringt keine Opfer*' gilt ln diesem Falle nicht, denn Palästina hat wirklich schon große Opfer für den Miphal Arlosoroff gebracht, so daß es als Vorbild für die anderen gelten kann, zumal es die Pioniere unseres Werkes, die jüdischen Arbeiter sind, denen es schon bisher gelungen ist, allein und aus sich heraus 10,000 Pfund aufzubringen. Nun wenden wir uns mit diesem neuen Aufruf an die J ud e n in aller Welt. Wir haben einen bestimmten Boden in Aussicht genommen, und es besteht jetzt die Möglichkeit, unseren Bodenbesitz in Palästina zu vergrößern. Nichts iet für mich schmerzlicher als die Diskrepanz zwischen der ZaW der Zertifikate, die wir verteilen können und der gewaltigen Anforderung nach Zertifikaten, welche jetzt an uns heranstürmt. Darum muß man verstehen, was heute die Perspektive einer neuen Kolonisation bedeutet.* * Wir müssen nach Erez Israel hinein und wir werden hinein. Ich habe an die Welt von Prag aus einen Ruf gerichtet, dieser Ruf iet beantwortet worden» Man hat gehört in der Welt, was wir verlangen, und man hat angefangen, sich mit uns zu beschäftigen. Glauben Sie nicht, daß das was in Genf beschlossen worden ist, das Ende einer Arbeit ist, nein, es ist der Anfang einer Arbeit ich habe den Anfang meiner Antwort auf meine Rede in Prag aus Genf gehört. Ich war nicht in Genf, aber in einem anderen Ort, der mit Genf in Verbindung gestanden ist, in Topolcanky. Ea gilt, heute mit aller Kraft und Energie dafür zu sorgen und zu arbeiten! Die Heimat dem heimatlosen Volk zu schaffen. Wirsind — schließt Sokoiow — nicht ieotiert Wir haben Freunde in alter Welt, die uns ehrlich helfen wollen. Die zivittsierie Welt Ist mit uns. Gott ist mit uns, und wir wollen selbst mit ans sein. Sokoiow wurden nach Schluß langanhaltende Ovationen bereitet, * Ein stimmungsvoll gebrachter Orgelvortrag der Hatikwah durch Professor Nahum ZwiEhrlich — von dem zweitsusendköpfigen Publikum stehend angehört — beschloß den großen zionistischen Abend. Presseempfang bei Sokoiow Sokoiow zur deutschen Judenfrage fm Rahmen einer im Hotel A6toria veranstalteten Pressekonferenz sprach der Präsident der Jewiah Agency, Nahum Sokoiow, Über die deutsche Judenfrage. Einleitend beschäftigte sich Präsident Sokoiow sehr ausführlich mit den Minderheitsprinzipien, wie sie seit der Pariser Friedenskonferenz in den verschiedenen Verfassungen einzelner Länder verankert sind. Die Verankerung von Minderheitsrechten und internationalen Verträgen war in erster Linie da« Verdienet des Comitee des Delegations Juife — deren Führer bekanntlich Nahum Sokoiow war — und der jüdischamerikanischen Freunde Wilsons, die in einem Memorandum an die Friedenskonferenz den Schutz der nationalen Minderheiten forderten. Bekannt ist das historische Dokument Clemenceaus, das die Gewährung der nationalen Rechte an den polnischen Staat von der Anerkennung des Minoritätenprinzips abhängig machte, Wi« überhaupt — sagt Sokoiow — der Völkerbund eine Schöpfung für die schwachen und unterdrückten Nationen war. in seiner ganzen moralischen Struktur nimmt das Minonitätenprobtem im Völkerbund einen großen Platz ein. Es wir für die Juden von Anfang an klar, daß sie sich um eine moralische Intervention der Staaten in der deutschen Judenfrage bemühen müssen. Die Geschichte des vorigen Jahrhunderts zeigt eine Kette von Interventionen. Es genügt, hier nur an die Intervention Bismarcks nach dem Berliner Kongreß im Jahre 1878/79 in Rumänien zu erinnern. Unsere Bemühungen waren auf eine moralische Intervention gerichtet, die mit aller Loyalität den deutschen Reglerungskreisen di« Unmöglichkeit vor Augen führen sollte, daß es mit einer solchen Behandlung von Bürgern, wi* sic den deutschen Juden zuteil wird, einfach in einem europäischen gesitteten Staat nicht weitergehe. Die westeuropäischen Staaten haben ja auch ln grandioser Weise darauf reagiert Das englieche Parlament bat die deutschen Judenverfolgungen aufs schärfste gebrandmarkt, mutige und von höchstem Sympathiegefühl für die bedrängten deutschen Juden erfüllte Reden hörte man wochenlang im House of Commons. Nicht weniger bedeutungsvoll waren die Kundgebungen des Londoner Erzbischofs. Kirche, Parlament und Wissenschaft, diese sogar mit einer Leidenschaft, die wir bei Akademikern höchst selten anzutreffen gewohnt sind, haben einmütig die deutschen Judenverfolgungen abgelehnt Doch praktische konkrete Hilfe konnten auch diese Kundgebungen nicht bringen. Pür die Juden war nur der Völkerbund Die wirklich billig« Schuh» quelle finden Ste hei »DA-HO« (Inh David Horowitz) WianlL ‘1 ahtmhuft^Ni^lb Ecke Gredlerstrafte Quatlläiewaren xu äußere* billigen Pr «Isen. Bei Berufung auf die »Stimme* 9 Peexeni Rabatt zuständig, der auf Grund der Minorltätenprtozfpfen sieh mit der Frage beschäftigen konnte. Wir Juden selbst taten zur Linderung der Not der Jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, die heute die Zahl 70.000 erreicht haben mag, das möglichste. 200.000 Pfund sind bis jetzt gesammelt worden, sie sind aber auch bereits erschöpft. Holland und Frankreich, die die deutschen Flüchtlinge mit einer unerhörten Begeisterung als neue Hugenotten bei sich begrüßten, sowie England haben eine Anzahl Flüchtlinge zu vorübergehendem Aufenthalt aufgenommen. Eine Lösung für große Teile dieser Juden bildet aber doch nur Palästina. Wir hatten Gelegenheit erzählt Sokodow —, jene Flüchtlinge zu sehen, die vor russischen Pogromen vor zwei und «frei Jahrzehnten flüchten mußten. Es waren damals etwa 100.000 Menschen, die eich In Bredy zusammenfanden. Alle diese waren von einem GefüM der Panik erfaßt und Angst starrte aus ihren Augen. Die deutschen Juden sind von anderem Holz geschnitten. Sie Hatten die höchsten Stellungen im Lande inne, und ee mußte schon ein ganz schweres Schlksal sein, das de zur Auswanderung zwang. Sie verließen ihre Heimat, in der sie vielleicht so lange, wie so mancher bodenständige Deutsche, lebten und wirkten, nur schweren Herzens, Der Boykott In Deutschland gegen Juden geht weiter. Und es ist oft eine Frage, welcher Tod vorzuziehen ist: Pogromtod, der schnell, oder der Hungertod, der langsam eintritt Und Hungertod bedeutet es, wen« man dem Rechtsanwalt die Klientel nimmt, dem Hochschullehrer die Kanzel und dem Arzt das Recht der Praxisausflbung und dem Kaufmann das Recht des freien Wettbewerbes. Trotzdem will Sokoiow kein pessimistisches Horoskop ln die politische Zukunft der deutschen Juden stellen. Trotzdem hofft Sokoiow, daß es poUtisdh gelingen wird, Deutschland zu veranlassen, den Kurs ln bezug auf seine Judenpolitik zu ändern. Sokoiow schließt, indem er als Hauptprogramm seiner zionistischen Politik zwei Punkte bezeichnet: Erstens einen Appell an das jüdische Volk, und zweitens einen Appell an die Welt, Das Jüdisch« Volk jenseits aller Parteien — es gab eine Zeit, da den1 deutschen Juden Berlin-Jerusalem und Potsdam-Zion bedeuteten — muß erkennen, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, all seine Kräfte dem Aufbau Palästinas zu widmen, damit die jüdische Heimstätte Imstande sei, der jüdischen Not abzuhelfen. Der zweite Appell richtet sich an die Welt, ln der di’e Juden — wie Sokoiow mit Genugtuung feststeift —• eine ganze Reihe von Freunden besitzen, sie in Ihrem Kampf um die Rettung der Rechte und um den Schutz der Emanzipation der Juden in Deutschland und in aller Welt zu unterstützen. Für das Deutschland eines R a t h e n a u, eines E b e r t h und eines Stresemann empfinden die Juden nach wie vor Sympathien. Aber Präsident Sokoiow unterstrich auch ganz besonders, daß die Juden der Welt nichts gegen Deutschland von heute unternehmen wollen. Es handelt sich uns nur darum, die Rechte der deutschen Juden zu schützen. Zum Schluß appelliert Präsident Sokoiow an die Vertreter der Wiener Presse, als insbesondere an die der jüdischen, i-n ihrer publizistischen Arbeit jener bedeutenden Aktion Augenmerk zu schenken, die jetzt von der Zionistischen Exekutive in Angriff genommen wird: Es ist die Gründung einet neuen Pond« zu kolonisatorischen Zweckken in der Höhe von 100.000 Pfund, der dem Andenken des so tragisch umgekommenen zionistischen Führers Doktor Chaim Arlosoroff gewidmet sein soU R. Sokoiow am Grabe Herz's Lebten Sohn tag fand der traditionelle Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Herz!« statt Wegen des herrschenden Aufmarschverbotes war der diesjährige Grabgang am Todestage des zionistischen Führers auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden. Die Beteiligung war trotzdem auch diesmal eine starke. Weber 3000 Zionisten hatten sich eingefunden. Der diesmalige Grabgang, der wegen des erwähnten Verbots keinen geschlossenen Zug früherer Jahre aufwies, erhielt sein Gepräge durch die Anwesenheit des Präsidenten der Jüdischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokoiow, der mit seinen beiden Töchtern vom Semmering zur Teilnahme am Grabgang nach Wien gekommen war. Man sah ferner alle zionistischen Organisationen Oesterreichs mit dem Zionistischen Landeskomitee an der Spitze, Vertreter der Kultusgemeinde, eine große Anzahl zionistischer Hochschüler, ferner Vertreter jüdischer Sport- und Turnvereine und zahlreiche Mitglieder der zionistischen Jugendverbände. Gegen 10 Uhr vormittags betraten die Ersten den Friedhof und erst gegen 1 Uhr verließen die Letzten den Gottesacker. Ueber zwei Stunden lang defilierten die Wiener Zionisten in weihevoller Stille an dem Grabe ihres großen Führers am Döblinger Friedhof vorbei. Die Ehrenwache am Grabe hielten Mitglieder der Jüdischen Selbstschutzorganisation «H a g a n a h*. Diese war es auch, die für dl« mustergültige Ordnung während des ganzen Grabganges sorgte. Der Verlauf des diesjährigen Grabganges war wie immer ein würdiger und vollständig ruhiger. Die Polizei, di« all« Sicherheitevorkehrungen getroffen hatte, fand keinen Anlaß, einzuschreiten. Die Österreichischen Joden und die „Vaterländische rronl“ Die Leitung der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs übermittelt uns folgenu? Erklärung: An die Leitung c er jüdischen Volkspartei Oesterreichs wurde von verschie::;:v;r Seite die Anfrage gerichtet, wie die Jüdische Volkapartei zur «Vaterländischen Front» steht und ob sie den Juden den Eintritt in die «Vaterländische .Front» empfiehlt Hierauf sei erwidert, daß die Jüdische Volkspartei die auf Erhaltung eines unabhängigen Oesterreichs und auf Unterstützung der Regierung Dollfuß-Fey gerichteten Be* Strebungen der «Vaterländischen Front» durchaus billigt, selbst bereit ist der «Vaterländischen Front» Jede Unter* Stützung angedeihen zu lassen und allen Juden die Unter* Stützung der «Vaterländischen Front» ans Herz legt Nach reiflicher Prüfung aller Umstände ist jedoch die Leitung der Volkspartei nicht ln der Lage, den österreichischen Juden den Eintritt ln die «Vaterländische Front» zu empfehlen, da dieaa Vereinigung, wie atia ihren Eminzlationen hervor* geht auf deutsch «christlicher Grundlage steht Der Eintritt von Juden in eine solche Organisation könnte weder der Organisation noch den Juden Förderlich sein, im Oegenteil er könnte nur zu Unstimmigkeiten führen und das gute Verhältnis zwischen der «Vaterländischen Front» upd der österreichischen Judenschaft stören. Der innige Wunsch, dieses Verhältnis gut zu gestalten und gut zu erhalten, veranlaßt die Jüdische Volkspartei zu der hier gekennzeleh* neten Stellungnahme. Die 6. Gesellschaftsreise des Rslsebureaus «CompaBS Tours» geht am 1. November von Wien ab. Die großen Erfolge, die das weltbekannte Luxus-Motorschiff «V u l c a n i #» bei seinen zwei Sonderfahrten nach Palästina zu Ostern und zu Schewuoth erzielt hat, veranlassen die Cosulich Line, nunmehr wieder eine Sonderfahrt mit diesem, sonst auf der Strecke Triest—New York verkehrenden Schiff zu veranstalten. Dem Reisebureau «Compass Tours* ist es gelungen, wie bei den früheren Sonderfahrten aut diesem modernen, mit allen Bequemlichkeiten ausgestatteten Schiff eine Anzahl von Kabinen In der 2. und 3. Klasse zu reservieren. Bei dieser Reise wird wieder die Gelegenheit geboten, die Wiegestätte unserer Zivilisation: Rom, Athen, Jerusalem und Kairo, zu besuchen. Da dem Reiaebureau «Compass» Tours» eine beschränkte Anzahl von Kabinen in der 2. und 3. Klasse zur Verfügung stehen wird, wird eheste Anmeldüng empfohlen. Nach soeben eingelangter telegraphischer Nachricht sind alle Teilnehmer der Rosch-Haschanah-Gesdlscaftsreise des Reisebureaus «Compass Tour?» wohlbehalten in Palästina gelandet. Beh. konz. Realbüro ING. M. Kaut und Verkauf von Realitäten, Hypotluken 1., 11. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenla dite, üebäudevetwaltung Büro: Franz Josefs-Kai 11 Tel. R-25- -44 Wohnung: 2., Vorgartenstr, 150, Tel. R-41-8-88 D07D

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