Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 305 (19.10.1933)
- Date
- 1933-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30$ — 19. Oktober IM» wb wum Umi ohne Krise Sokolow-Vortvaa kn Grotten NohmhImmmmI * Unter aßen Zeiohen eines besonderen gesellschaftlichen Ereignisses hielt Montag abends im bis aufs letzte Plätzchen gefällten Großen Konzerthaussaal der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow seinen mit Spannung erwarteten Vortrag Ober «Der Zionismus und die Lage der Juden in der Welt». In seiner Eröffnungsansprache konnte der Präsident des Zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum den Vertreter des Bundeskanzleramtes Baron Klötzl, ferner den englischen Gesandten sowie Vertreter des diplomatischen Korps begrüßen. Ueberdies hatten sich die Spitzen des jüdischen Wien, unter ihnen die Präsidenten der Jüdischen Kultusgcrneinde Dr. Desider Friedmann und Dr. Josef Löwenherz sowie der Wiener Oberrabhiner Dr. Dawid Feuchtwang eingefunden.!m Namen des Zionistischen Landesverbandes begrüßte Herr Dr. Oskar Griinbaura den illustren Gast aufs herzlichste. In prägnanten Sätzen umriß Dr. Grünbaum die zionistische Führerpersönlichkeit Sokolows und pries ihn als Vorbild zionistischer Pflichterfüllung. Dr. Grünbaum erinnerte daran, welche Enttäuschungen Herzl vom Judentum seinerzeit erleben mußte und wies darauf hin, wo das Judentum heute stünde, wenn es keine zionistische Organisation, kein jüdisches Palästina gäbe, wohin sich die hunderttausende Juden, die wie Hunde gehetzt werden, flüchten können. Die Zionisten sind wohl keine Minorität, aber sie haben das jüdische Volk dazu gebracht, daß es das geworden ist, was es heute ist. Der Zionismus hat den Juden die einzige Hoffnung gebracht, ohne die das Leben heute unerträglich wäre. Die Juden haben überall für ihr Vaterland Gut und Blut im Kriege geopfert. Trotzdem wagte man es, sie zu verleumden. Die Gleichberechtigung muß nicht nur am Papier, sondern im praktischen Leben verankert sein. Alle unsere Kräfte müssen angespannt werden, um der Lösung der Judenfrage näherzukommen. Diese kann nur im Zionism u s sein. Niemand von uns weiß, wo er morgen seinen Kopf wird hinlegen, seine Kinder wird versorgen können. Wir haben einen schweren Kampf hinter uns. Ein schwerer Kampf steht vor uns. Palästina wurde mit dem Schweiß und Blut unserer Chaluzim aufgebaut. Die größte Judengemeinde der Welt, New York, mit seinen Sei rJjeitmafifdjett&efcfytoerdeft aller Kr! $af>cn ft$ SogakSia&tetten ßanj Ijerborraßenb betoä&rt. 3a^lrctd)c Sanffdjtei&ett übet SCogat bei bereiteten Seihen, bei benen fein anbeteS SJlittel Ijalf. ©3 toitft in $o$em SJlafce als inneres ©ntifeptifum. (Sin ©etfudj überjeußt! Qtt allen Wpotfytm erhält!!#. $r*i3 240. über 2 Millionen Juden bringt uns nicht jenen Hoffnungsschimmer wie das kleine Palästina mit seinen 230.000 Juden. Dr. Grünbaum schloß seine Ansprache mit den Worten: «Die Zionisten sind die Wegbereiter für die jüdische Zukunft. Oeffnen Sie doch Ihre Augen und Ihr Herz und Sie werden sehen: Alle Blicke sind heute auf Palästina gerichtet. Herzls Wort geht in Erfüllung: «Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen!» Doch ich sage: Auch wenn ihr nicht wollt, ist es ein Märchen, das in die Wirklichkeit umgesetzt wird!» In seiner anderthalbstündigen Rede führte Präsident Sokolow, der kurz zuvor zu Vertretern der Wiener Presse hn Rahmen einer Pressekonferenz über die Lage der deutschen Juden gesprochen hatte, ungefähr folgendes aus: Seit dem letzten Prager Zionistenkongreß werde ich immer mit Fragen überschüttet, wie ich das Ergebnis dieses Kongresses beurteile. Es gibt keine guten und keine schlechten Kongresse. Nicht sein Verlauf ist der Maßstab für die Beurteilung. An den Früchten sollt ihr ihn erkennen und beurteilen. Das Kriterium für einen Kongreß und die Lage im Zionismus ist einzig und allein davon abhängig, wie die Lage in Palästina in der abgelaufenen Periode sich gestaltet hat. Und darüber kann man nur eines sagen: Die Lage in Palästina ist eine bessere geworden. Den Fortschritt, auf den wir hinweisen können, haben wir unter Opfern und größten Anstrengungen erreicht. Palästina Ist zu einem Land ohne Krise, ohne Depression, ohne Arbeitslosigkeit geworden und ohne alle anderen zehn Plagen, von denen die übrige Welt betroffen ist. Sokolow will keine Parallele ziehen zwischen Palästina und Oesterreich, zwischen Wien und Jerusalem. Oesterreich, sagte er, befindet sich jetzt leider in einer sehr bedrückten Stimmung, doch hoffe er mit allen Freunden Oesterreichs, daß es diese seine Lage überwinden werde. Sokolow zieht eine Parallele zwischen dem Lande, in dem er lebt, zwischen England und Palästina, London und Jerusalem. Das engfische Imperium — sagt Sokolow — mit seinen großen Aufgaben und Sorgen, befindet sich in einer kritischen Lage. Ungeheure Arbeitslosigkeit und große Defizite dtaraktmtatatefl diese. Die dort kürzlich stattgefundene Weltwirtschaft*- konferenz war ein Trust von Genies. Was an Autorität, Erlahmung und Kompetenz in der Welt vorhanden ist, war anwesend. Das Ergebnis tot bekannt. Die Krise beschränkt sich heute nicht auf England allein. Sie hat alle Dominion« und auch andere Länder und Erdteile erfaßt. Nicht ausgenommen Amerika und Südafrika. Aus dieser allgemeinen Weltwirtschaftsderoute hebt sieh als einziger Lichtstrahl empor ein einziges kleines Land: Palästina. Es klingt wie ein Rätsel, aber es bleibt eine Tatsache: In Palästina gibt es keine Defizite^ sondern einen Ueberschuß bei den Reglernngsefnnahmen, keine Spur von Arbeitslosigkeit, sondern eher einen Mangel an Arbeitskräften, keine Depression, sondern Ihr Gegenteil: Enthusiasmus. Wir können dort eine besondere Lebensfreude bei den Menschen sehen, die einfach darüber glücklich sind, daß sie dorthin gekommen sind und dort leben dürfen, eine Lebensfreude, die ich ln keinem Lande feststellen konnte, nicht einmal ln Amerika zur Zeit seiner großen wirtschaftlichen Glanzperiode. Jenseits jeder parteipolitischen Einstellung kann man das feststeüen. Die Menschen sind dort von einem seltenen Glücksgefühl erfüllt. Sokolow meint, daß die Wurzel der Weltkrise einzig in dem Verlust des gegenseitigen Vertrauens zu suchen tot, das GlücksgefUhl in Palästina sei eine Folge des vorhandenen Vertrauens. Juden und Nichtjuden, die Palästina besucht haben, kommen mit der gleichen begeisternden und begeisterten Stimmung aus dem Lande zurück und bringen die freudige Stimmung mit sich. Unsere Stadt Tel-Awiw hat sich dermaßen entwickelt, daß ich sde bei meinem fetzten Besuch kaum erkennen konnte. Und überall war eine Zufriedenheit festzustellen, die aber nicht Untätigkeit bedeutet,. sondern einen Ansporn zt» weiterer Tätigkeit Aus den Gesprächen mit den Pionieren, den Chaluzim, JOS. J. lillHUUF ttt-Ges. Sporns- und Lagerhaus-flkifenoes. Wien, I., Deutschmeisterplatz Nr. 4 ' Telephon A 1S-5-80 Serie Internationale Transporte Spezialverkehr nach und vom Palästina per mare und per Donau. Auskünfte aller Art über Palästina werden bereitwilligst erteilt Palästina-Zolltarif steht den Parteien zur Verfügung. Vertretung in Palästina: Friedrich Katz, Haifa, P. O. B. 17, Alexander Fried, Jaffa, P. O. B. 171, Tel-Awiw, Geula Street 42. die das wichtigste Element im Aufbau des Landes bilden, war nur eine einzige Beschwerde zu hören: der Wunsch, in ihrem Glücksgefühl nicht alleilt zu seht. Der Wunsch, auch ihre Brüder ins Land kommen zu lassen. Ich habe — sagt Sokolow — verschiedene Länder in aller Welt besucht: Kanada, Südafrika usw. Trotz der blühenden jüdischen und zionistischen Siedlungen in diesem Lande, trotz der großen Hilfsbereitschaft afl dieser Juden war kaum so ein Wunsch zu vernehmen. Die Stimmung in Palästina tot moralischer Natur, weil Palästina eine innere seelische Umstellung des Juden mit sich bringt. In Palästina geschieht etwas mit den Juden, was in keinem anderen Lande möglich wäre. Und dies nicht etwa mit der Jugend allein, die innere Umstellung erfaßt auch die ältere Generation. Dies kommt am klarsten in der Belebung der hebräischen Sprache zum Ausdruck. Unser Ziel in Palästina tot: Die Schaffung eines gesunden, arbeitenden Menschenschlages. Daher die große Rolle des arbeitenden Elements in der ganzen zionistischen Bewegung, daher der ganze tiefe soziale Gehalt in der Aufbauarbeit. Der Zionismus würde auf keine großen Leistungen Hinweisen können, wenn in Palästina nur bedeutende Aerzte, bedeutende Gelehrte wirken würden. Der große französische Phiitooph Henry Bergson — erzählt Sokolow — sagte ihm einmal: «Um du bedeutender jüdischer Philosoph oder Gelehrter zu sein, bedarf es nicht, ln Palästina zn leben. Es hat einen Maimonldes, es hat einen Spinoza und eine ganze Reihe bedeutender Gelehrten gegeben, die nicht auf dem Boden Palästinas gelebt und gewirkt haben. Palästina soll uns den jüdischen Baner geben, der trotz der Emanzipation des Judentums noch —- APOLLO LENt MEPEN0TAML EAKI5T UPET- «EPP RIET OUPTAV Dlllil REMS: DR.ARNOLD FANCK SINC »AU! KOMME* ERODUKTION DER UNIVEIUAI _HEUTE MRA UMÜHRUWO immer für die wirkliche Gleichwertigkeit des jüdischen Volkselements notwendig Ist» Die größte Leistung des Zionismus mußte es daher seht, einen jüdischen Ackerbau-Typus mit der ganzen gesunden Psychologie des Landmannes hervorzubringen. Die wirkliche Gesundheit fehlte früher dem jüdischen Menschen, der nun die Säfte aus den Kräften des eigenen Bodens ziehen soH. Die Wurzeln der neuen hebräischen Kultur liegen tief in den Siedlungen des E m e k t a 1 e s, das der Stolz de* jüdischen Palästina ist. Diese Leistungen haben wir unter den unmöglichsten Opfern zustande gebracht. Juden und Nichtjuden hätten nie daran geglaubt, daß diese malariaverseuchten Gebiete jemals entsumpft werden würden. Niemand wagte davon zu träumen, daß diese Gegenden in blühende Gärten verwandelt werden könnten. Wir haben entsumpft und gebaut auf festen Fundamenten und etwas zustande gebracht, was eine Basis für unser nationales Leben bedeutet. Darauf können wir mit einigem Stolz hinweisen. Das ist es, was auch die Nichtjuden so grenzenlos begeistert und unsere Arbeit bewundern läßt. Prof. Gide kam nach Palästina zur Eröffnung der Hebräischen Universität. Die Feierlichkeiten waren längst vorüber und ich wähnte den Pariser Professor längst dahejm, als ich ihn eines Tages in einer der jüdischen Siedlungen traf. Prof. Gide konnte Palästina nicht verlassen, ohne die Quelle unserer Arbeit, ohne die Schatzkammer unseres nationalen Aufbauwerkes, unsere Siedlungen gründlich kennengelemt zu haben. Und als er nach Paris zurückkehrte, wurde er von den verschiedenen Salons der französischen Metropole bestürmt, Vorträge über Palästina zu halten und das Fazit war — wie Prof. Gide einmal erklärte — daß er von Palästina nicht mehr loskam. Die Ausführungen, die der Lage der deutschen Juden galten, deckten sich im wesentlichen mit den im Rahmen der Pressekonferenz gemachten Ausführungen Sokolows, die wir an anderer Stelle unseres Blattes bringen. Sokolow schloß seinen von wiederholten stürmischen Ovationen unterbrochenen Vortrag mit dem Appell an die Welt, daran zu denken, daß <fle Arbeiten der verschiedenen, vom Völkerbund Initiierten Hilfsaktionen nur dann zu einem Ergebnis führen werden, wenn der Ort gefunden wird, wohin jene Menschen, die über Nacht zu Parias geworden sind, hingehen können. Es gibt keine andere Rettung, nicht für die Juden aus Deutschland und nicht für die Juden anderer Länder, als die Rückkehr der Juden in die historische Heimat Palästina. Sokolow appelliert auch an das Wiener Judentum, die Streitaxt unter sich endlich ruhen zu lassen und sich 1m Zeichen Palästinas zu vereinigen. Dies um so mehr, ab die Juden In einer Zeit leben, in der sie von allen Seiten bekämpft und bedroht werden. «Lernen wir doch— rief Sokolow aus — von unseren Feinden! Wie einig sind diese doch, wenn es gegen uns geht!» Unser Problem ist jetzt ein Wel-tproblem geworden. Man kamt sich über uns nicht-hinwegsetzen. Es tot nicht wie im Jahre 1900, die paar Hundert rumänischen Juden, Togal hilft! Bei rheumatischen, gichtischen Beschwerden sowie verwandten Krankheitserscheimingen liegt eine Stoffwechselstörung infolge fehlerhafter Blutbeschaff emiheit vor. Zur Ausscheidung der schädlichen Bestandteile im Blut ist nun Togal in hervorragender Weise geeignet Togal hemmt die Ansammlung der hamsauren Salze und vermehrt Ihre Ausscheidung. Es ist Pflicht, u Trefferatlleihe zu zeichnen und so zum Aufbau der österreichischen Wirtschaft und zur Beseitigung von Not und Arbeitslosigkeit beizutragen