Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 305 (19.10.1933)
- Date
- 1933-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SHfe f DIE STIMME Nr. 305 — 19. Oktober 1933 -T Das Gebot der Stunde Von Adolf Böhm, Wien «Die Juden befinden sich in einem Belagerungszustand», sagte kürzlich S o k o 1 o w in einem Gespräch. ln einem solchen Zustand gibt es keine höhere Pflicht als die der Einigkeit. Wir besitzen in Oesterreich keine Organisation der Juden. Es gibt nicht einmal eine Zusammenfassung der Zionisten zwecks Durchführung gemeinsamer Aktionen. Sie sind in eine Menge von Gruppen gespalten, was an und für sich historisch und sachlich begreiflich und vielleicht notwendig ist. Aber noch wichtiger ist die Integra t i o n d e r K r fl f t e, an der es bisher vollkommen gemangelt hat. Diese ist nötig wegen der unaufschiebbaren Aufgaben, die s o f o r t gelöst werden müssen. Nach außen: Schaffung einer jüdischen Vertretung, nach innen: Aufbau und Ausbau von Presse, Schulwesen, Berufsumschichtung, Zentralisierung und Reform der wirtschaftlichen und sozialen Institutionen u. a. m. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren. Wohlverstanden: Hier wird nicht einer Einigung oder einem faulen Frieden unter den verschiedenen zionistischen Parteien das Wort geredet in bezug auf die eigentlichen zionistischen Aufgaben (Palästina- Politik usw.). Sondern hier wird eine Zusammenarbeit fürbestimmte posltiveAufgaben, die von allen Zionisten als nötig angesehen werden, verlangt. Die technische Durchführung kann daher so einfach als nur irgend denkbar geschehen. Es brauchen keine Verhandlungen Uber die Einigung in rein zionistischen Angelegenheiten geführt zu werden. Es ist nichts zu sprechen über die programmatischen Verschiedenheiten der einzelnen Parteien, sondern diese delegieren je einen oder 2 Vertreter in ein Arbeitskomitee. Den Vorsitz kann, wenn es allen recht ist, der Präsident des Landeskomitees führen oder ein allen genehmer anderer Zionist. Diese Vereinigung soll eben nicht durchgeführt werden in irgendwelchen im zionistischen Organisationsstatut vorgesehenen Formen, was nur neue Reibungen verursachen würde, sondern eine freiwillig ad hoc gebildete Gemeinschaft zur Durchführung positiver Aufgaben darstellen. Unter diesen sind auch die Verhandlungen mit den Nichtzionisten von großer Wichtigkeit, um zu einem gemeinsamen Vorgehen in allen Fragen zu gelangen, die sämtliche Juden Oesterreichs angehen. ' ~ Diesen Vorschlag habe Ich kürzlich ln engem Kreise gemacht. Präsident Sokolow hat die dabei Anwesenden beschworen, ihn zur Ausführung zu bringen und damit auch der ganzen Weltorganisation ein Beispiel zu geben. Ich möchte ihn aber nicht nur einen Vorschlag nennen, sondern vielmehr eine Fo rd e r u n g der Stunde, einen kategorischen Imperativ. Der nächste Landesparteitag hat keine wichtigere Aufgabe, als sich diese Forderung zu eigen zu machen. Ich glaube nicht, daß ein Zionist die Verantwortung auf sich nehmen kann, gegen diesen Vorschlag zu stimmen, oder dagegen, zumindest einen Versuch mit jenem Arbeitskomitee zu machen. Die Zeit ist 2U ernst, als daß wir uns den Luxus erlauben könnten, unsere beste Kraft in inneren Kämpfen aufzureiben. Die Bedeutung der innerzionistischen Differenzen wird übrigens vielfach überschätzt; oft handelt es sich nur um Nuancen der Auffassung, ja oft wohl nur um persönliche Differenzen. Wenn wir die Einheit des Judentums und seine moralische Renaissance herbeiführen wollen, so müssen wir bei uns selbst anfangen. Ich übergebe hiemlt meinen Vorschlag der zionistischen Oeffentlichkeit. Sollte seine Durchführung scheitern, so wird wenigstens festgestellt werden können, wer die Verantwortung dafür vor dem Geist und dem Gewissen des Zionismus trägt. Ich möchte nicht an seiner Stelle sein. Das Beate am billigsten! n kt Gaststätte für jedermann!„ Kärntnerstraße Nr. Öl Wiener Rathauskeller Unter persönl. Leitung: Otto Kaserer mein aanw ttauisehianfls ~ lir die ~ im. MUlnoe London. Professor Albert Einstein, der sich soeben nach Princetown ffl dlÄ Vereinigten Staaten begeben hat, utl) Sich an dem dortigen Institut fflf mathematische Wissenschaften, das seiner Leitung unterstehen wird, sechs Monate lang Miller Arbeit ZU Widmen (im Frühjahr 1934 geht Einstein für zwei Monate nach Paris, um am College de Fnance zu doziereh), sprach sich unmittelbar vor seiner Abreise gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur über heutige jüdische Fragen aus. «Wir hoffen,» Mgte Einstein, «daß Palästina größere Massen deutscher Juden wird aufnehnten können. Letiten Endes Aller ist der Wiederaufbau Palästinas die wichtigste Sache für die gesamte Juden heit. El ist darum erstens notwendig, so viele Juden als nur Irgend möglich nach Palästina zu bringen, sofern diese für den Wiederaufbau des Landes von Nutzen sein können; zweitens aber muß die Einwanderung sehr sorgfältig überwacht werden, damit nicht ein allzu breiter und allzu plötzlicher Strom von Einwanderern eine Wirtschaftskrise herbelführt, wie sie sich anläßlich der Erzwungenen Wanderung polnischer Juden nach Palästina vor einigen Jahrtn eingestellt hatte. Unter den gegebenen Umständen ist es absolut notwendig, neben Palästina noch andere Gebiete bl den Bereich der jüdischen Kotonisation6tätigkeit zu ziehen, und zwar Gebiete, cjle Sine genügende Basis für landwirtschaftliche Betätigung bieten und einer beträchtlichen Zahl Einwanderer Lebensraum gewähren. Ich denke in erster Reihe an Palästina benachbarte Gebiete, wie Syrien und die übrigen nördlichen ehemals türkischen Distrikts.» «Wir sind,» fuhr Einstein fort, «Deutschlands Nachbarländern dankbar dafür, daß sie einer großen Zahl jüdischer Flüchtlinge Zuflucht, wenn auch mir provisorisch, gegeben haben; ebenso danken wir diesen Ländern für die beträchtlichen Opfer, die sie zur Linderung von Not und Leid der Flüchtlinge gebracht haben. Ich erwähne bloß di« großmütige Hilfe Frankreichs, vergesse aber auch nicht, was England für die ihres bisherigen Wirkungskreises beraubten jüdischen Intellektuellen g£tan hat. Wir erwarten von der Welt eine würdige Lösung der Bürgerschaftsprobleme der Flüchtlinge. Die Hauptprobleme aber werden mit Hilfe der Juden selbst einer Lösung zugeführt werden müssen. Wir dürfen hoffen, daß, wenn einmal die aus der jetzigen Weltwirtschaftskrise resultierende Arbeitslosigkeit überwunden sein wird, große Massen von Flüchtlingen von außereuropäischen Ländern aufgenommen und in ihren bisherigen Berufes beschäftigt werden.» « «Die Hebrfllsche Universität In Jerusalem,» schloß Professor Einstein, «hat gegenwärtig eine andere und weit bedeutendere Aufgabe als zur Zeit Ihrer Gründung. Sie soll nicht nur danach streben, eine „ausgewachsene“ akademische Institution, die den steigenden Forderungen Palästinas Genüge tut, sowie ein erzieherisches Zentrum für den benachbarten Orient werden, sondern sie muß auch ein Zentrum jüdischer geistiger Arbeit und Forschung werden, die uns die Forschungszentren, deren wir in Europa beraubt worden sind, ersetzt. Hierzu ist eine vollkommene Neubildung der Universität erforderlich. Die große Zahl jetzt freigewordener akademischer Arbeiter und Forscher bietet eine nie wiederkehrende Gelegenheit. Die schnelle und gründliche Lösung dieses Problems ist äußerst wichtig nicht allein für die zahlreichen Gelehrten, deren Werk und Existenz jetzt bedroht sind, sondern auch für die gesamte Judenheit und für das jüdische Ansehen In der Welt.» ■AVI Die JuMriH mit MtliniM lor DeMMs Austritt an dem UHIKerMM G e n f. In den Kreisen des Völkerbundes nimmt man an, daß der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund nicht allein mit seinen Mißerfolgen in der Abrüstungsfrage, sondern auch, und dies n 1 cht zuletzt, mit seiner Isolierungin der Frage der Behandlung der Juden als Minderheit begründe t ist. Sogar 11 a 11 e n, Deutschlands engster Verbündeter, hat sich der deutschen Mlnderheiten-These nicht anschließen können und für Punkt 2 der Minderheiten-Resolulion, in der den deutschen Juden Minderheitenrechte zuerkannt werden, gestimmt. Die Presse aller Länder nannte Deutschlands Haltung ln dieser Frage unverständlich und wies darauf Mn, daß In allen bisher abgeschlosse neh Minderheiten vertragen die Juden ausdrücklich aU^thnlsche und religiöse Minde rh.eit genannt werden. Um so mehr sollten sie hv Deutschland, wo Sie'offiziell dfsslmllHert und aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen sind, als Minderheit anerkannt; werden. - In den Völkerbundskreisen weist man darauf hin, daß schon während der Behandlung der Judenfrage in Gent die der deutschen Regierung nahestehenden Blätter mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund gedroht haben, falls der Versuch gemacht werden würde, die Anerkennung der deutschen Juden als Minder'leit zu erzwingen. Einige dieser Blätter, wie zum BeispieS die «Berliner Börsenzeitung», versuchten, aut das Ausland dadurch Eindruck zu machen, daß sie eine Innerdeutsche Lösung der Judenfrage ankündigten, die sogar den einer Assimilation sich widersetzenden Juden annehmbar erscheinen würde. Auch der «Völkische Beobachter» machte ln den letzten Wochen und Tagen Andeutungen darüber, daß gerade die Art der Behandlung der Judenfrage in der VÖlkerbundsversammtung und In den Ausschüssen für Deutschland unerträglich ist. Er versah seine Genfer Berichte mit Ueberschriften wie «Der Völkerbund als oberster jüdischer Gerichtshof», «Die falschen Apostel der Minderheiten», «Der Gipfelpunkt der Heuchelei» u. ä. m. und stellte bei Zusammentritt der Abrüstungskonferenz fest, daß die Atmosphäre durch die Judendebatten so sehr gereizt sei, daß die Aussichten der Konferenz von vornherein sehr schlechte sind. Ein Ausschuß jüdischer Journalisten gebildet Berlin. ‘ Da das neue Schriftleitergesetz, welches festsetzt, daß nur Personen arischer Abstammung das Amt eines Schriftleiters bekleiden dürfen, die Schriftleiter jüdischer Zeitungen nicht ausdrücklich von dieser Bestimmung ausnimmt, befürchtet man, daß das neue Gesetz zu einer Gefahr für die Existenz der jüdischen Zeitungen werden könnte. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, haben sich die Schriftleiter der jüdischen Zeitungen in Deutschland zu einer Organisation zusammengeschlossen und einen Ausschuß gewählt, der die Aufgabe übernommen hat, die maßgebenden Stellen der Regierung über die jüdische Presse aufzuklären und ein Amendement vorzuschlagen, demgemäß für jüdische Zeitungen, die doch nur jüdische Schriftleiter haben können, eine Ausnahme gemacht werden soll. Der Ausschuß besteht aus Dr. Robert Weltsch ■ Jüdische Rundschau»), Dr. Alfred Hirschberg («Central- 'srein3-Zeitung») und Leo Kreindler («Israelitisches Famicr.blatt»). sten der verfolgten deutschen Juden durchzuführen. mKA/3ERSTR.?e3 X ÄLSSRSTR. 6 S 16 - SIS - S20.- Akfion der polnischen Judenheit für die deutschen Juden Warschau. Im Hause der polnisch-palästinensischen Handelskammer hielt das Komitee zur Rettung der jüdischen Opfer des neuen Regimes in Deutschland eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, nach den Sukkoth-Feiertagen *n ganz Polen eine großangelegte Aktion zugun- Pamstiira-AMcIlinra JOSEF POPPER Internationale Transporte, Wien, II., Taborstr. 22. Telephon R 48-5-10, R <r9-5-70 Serie. In Palästina: The Levant Bonded Warenhoases Co. Ltd., wvd rarm nvnron mnnn Haifa, Telephon 343^HDV1 Ja^a* Telephon 36 Spezial^arenlransporte, Uebersiediungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und ReUegepäckverslcherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. m m - 4 Dunam Boden kosiei In Haifa 2000 Pfund! Mflfll nUTKff AMT «*i*f K®mh KaietneUi-Boden iühvUch 2*i* Pfund!