Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 304 (12.10.1933)
- Date
- 1933-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.304—12. Oktober 1935 DIE STIMME - ... «£ife f, ia‘————■ ——————..IM i i —l ———————WM— P3l0J7~ tJj&Hffk&jß- I sssT" Der Wolinungs- und Baumarkt in Haita Von Dr. Ing. Hans jacobowitz (Haifa) Vergleicht man die Entwicklung der beiden seit langem konkurrierenden Städte Haifa und Tel-Awiw, so wird man stets erstaunt sein, wie erheblich schneller Tel-Awiw gewachsen ist. Erst In letzter Zeit, durch die Vollendung des Hafens, der im Oktober dem Verkehr übergeben wird, durch die Mündung der Oelleltung von Mossul und die durchgearbeitete Projektierung der Bahnstrecke nach Bairuth, durch die Palästina an das ottomanische und europäische Bahnnetz angeschlossen wird, beginnt die Bedeutung dieser Stadt erkannt zu werden. War bisher lediglich die palästinensische Großindustrie in und bei Haifa angesiedelt (es sei an die Nescher-Zementfabrik, Schemen-Oel und Seife, Nur-Zündholz, Allit-Salz, Mühlen usw. erinnert), so planen nunmehr auch mittlere und kleinere Fabrikationszweige, insbesondere solche, die sich für den Export nach den Nachbarländern (Syrien, Aegypten, Irak) Interessieren, Haifa vorzuziehen. Auch die klimatischen Verhältnisse sind für den aus Europa Eingewanderten durch die Einwirkung des Karmelgebirges in Haifa günstiger als in Tel-Awiw. In diesem Zusammenhang Interessiert das Wachstum der Jüdischen Bevölkerung ln Haifa. Oesamtbevölkerung Haifa 1922: 26.500, 1931: 50.000, hievon 16.000 Juden, 20.000 Mohammedaner, 14.000 Christen. Die jüdische Bevölkerung wohnt vor allem im Viertel Hadar-Hacarmel. Hier betrug die Einwohnerzahl ln den Jahren 1929: 3.800, 1930: 5000, 1931: 6500, 1932: 8500 Einwohner. Weitere jüdische Besiedlungen finden sich in Bath-Gallm, sehr schön am Meer gelegen, meist Einzelhäuser, etwa 600 Juden; Nava-Schaanan, östlich von Haifa auf einem Hügel gelegen, Handwerker- und Arbeitersiedlung, etwa 1000 Seelen; auf dem Karmel, ln sehr schönen Villen, leben etwa 500 Juden. Ferner ln der H a 1 f a b a i finden sich 200 bis 300 Häuser, meist Arbeitersiedlungen. Im Stadtkern selbst wohnen noch 5000 bla 6000 Juden, meist in arabischen Häusern, ln schlechten hygienischen Verhältnissen.; Obwohl die Mieten dort erheblich billiger sind, ist ein dauernder Fortzug aus diesem Gebiet festzustellen. Aus Vorgesagtem geht hervor, daß zurzeit eine große Bautätigkeit in Haifa eingesetzt hat. Sie entwickel sich in drei Richtungen: 1. Wohnhäuser, 2. Geschäftshäuser und 3. Industriebauten. Bel den Wohnhäusern sind die Mlethäuser und die Einzelhäuser (Villen) zu unterscheiden. Im jüdischen Stadtkern Hadar Hakarmel findet sich fast ausschließlich das Miethaus, das, wie die folgende Rechnung zeigen Söll, eine Kapitalsverzinsung von 11 bis 14 Prozent ergibt und eine beliebte und häufige Anlage darstellt. Führung: Ing. Seiden ab WIEN 24. Oktober 1933 Saloniki Volo Piräus Alexandrien Port Said Jaffa Haifa Beyrouth Tripolis Cypetn Rhodos Piräus Volo Saloniki D-Zug / Speisewagen / Hofei / Auto / Gepäcktränsport / 2- bis 4bettige Außenbord-Kabinen / gute Verpflegung Tagsüber Aufenthalt ln d. Mittelmeer - Hafenstädten Zusammen ab Wien bei v *» Rückfahrt kann in Palästina wöchentlich innerhalb von 90 Tagen angetreten werden! Die bequemste, genußreichste und billigste Palästina-Reise; Prospekte durch > „PAG" regitlr. a«n. m. b. H. Wien vi.. capistranhasse 2 Sprechstunden nur Dienstag bis Freitag von halb 1J bis 12 Uhr Tel. B 25-3-81 m Schriftlichen Anfragen lat Intern. Rückportoachtln tofatlegea Kosten und Rentabilität eines derartigen Hauses: Geländekosten: Pfund Erforderlich zirka 1000 Pick8 (rund 600 ms), Kosten zirka. 1000.—.— bebaubar zirka 200 m8 (die Ende Juli 1933 in Kraft getretene Bauordnung schränkt Geländeausnutzung ein) Baukosten: Bel günstigster Ausnutzung können etwa errichtet werden: 8 Zweizimmer-, 3 Dreizimmerwohnungen — Baukosten etwa. 3600.—.— Insgesamt: Gelände und Baukosten rund . . 4600.—.— Mlctelnnahmen: 2- Zimmerwohnung Pf. 55.—.— 440.—.— 3- Zimmerwohnung Pf. 80.—.— 240.—.— rund Pf. 680.—.— davon ab für Steuer, Reparaturen, Verwaltung insgesamt 15% Pf. 100.—.— jährliche Einnahme Pf. 580.—.— entspricht einer I2.6pr02entlgfen Kapitalsverzinsung. Die Annahme, daß Wohnungen leerstehen oder die Mietpreise sinken, ist für die nächste Zeit durch die dauernde Neueinwanderung und den Zuzug aus der Altstadt unbegründet. Eine weiter Kapitalsinvestierung besteht in der Hergabe von Hypotheken auf 3 bis 6 Jahre mit einer Verzinsung von 6 bis 9 Prozent. Schließlich findet sich hier eine in Deutschland nicht übliche Form der Investierung von Geldern in Grundstückbesitz, indem man die Wohnungen verkauft. Die Bezahlung erfolgt in monatlichen Raten auf die Dauer von etwa zehn Jahren. Die künftigen Hausbesitzer müssen den Bauplatz erworben haben. Der Geldgeber errichtet das Gebäude und sichert sich hypothekarisch für die Miet- und Tilgungszahlungen, die ihm außerdem durch die Einwohner gegenseitig garantiert werden. Er hat hiebei etwa eine 8- bis lOprozentige Kapitalsverzinsung, ohne die Mühen und Risiken des eigenen Hausbesitzes. Die Preise für Eigenheime und Villen schwanken je nach dem persönlichen Geschmack des Bauherrn. Man findet sie in den vornehmen Vierteln, wie Cejitral-Karmel, Bath-Ballm und Mispach. Der Besitz von Geschäfts-, Wohn- und Industriehfiusern ist im allgemeinen rentabler als der eines Miethauses, wenn auch keine so schematische Berechnung wegen der besonderen Eigenart eines jeden solchen Gebäudes gegeben werden kann. Es soll aber erwähnt werden, daß im Haifer Geschäftszentrum Bureauräume kaum zu haben sind und Läden weder ln der Stadt noch auf dem Hadar Hakarmel leerstehen. Meist werden sie schon vor Fertigstellung zu hohen Preisen vermietet. Durch die Vergrößerung des Qeschäftsvlertels nach Inbetriebnahme des Hafens sind hier noch große Bau- und Finanzierungsmöglichkeiten gegeben, wie überhaupt die Entwicklung Haifas sowohl auf dem Wohnungswie Industriemarkt aus den eingangs erwähnten Oründen erst Im Werden Ist. Oesterreichs Handel mit Palästina Der Export im ersten Halbjahr 1933 so groß wie der Gesamtexport Im Jahre 1932 Laut der amtlichen Statistik des österreichischen Handelsministeriums exportierte Oesterreich in den Monaten Jänner bis Ende Juni dieses Jahres für 1,968.000 Schilling, während der Gesamtejcport im Jahre 1932 1,986.000 Schilling betragen hat Dagegen fiel der Import Oesterreichs beträchtlich. Während im Jahre 1932 noch für 232.000 Schilling Waren aus Palästina importierte, wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur für 53.000 Schilling Waren eingeführt. In großem Maßstab exportiert Oesterreich nach dem Nahen Orient nur einige Artikel. Da vor allem Papier und Papierwaren. Oesterreich liefert bisher 50 bis 60 Prozent des palästinensischen Importes an: Druckpapier usw., und zwar im Jahre 1032 für 495.000 Schilling, im ersten Halbjahr 1933 für 343.000 Schilling, Aber auch nach Aegypten und Syrien ist die Papierausfuhr Oesterreichs von großer Bedeutung. Von großer Bedeutung ist ferner Oesterreich als Bezugsland für H o 1 z w a r e n. Der Möbelimport nach Aegypten ist dauernd im Steigen begriffen, ln der Bierlieferung; hat Oesterreich bereits den Anteil Deutschlands übertroffen. Weitere Artikel, die für den palästinensischen Markt in Betracht kommen, werden aus Oesterreich die folgenden exportiert; Textilwaren, Ledererzeugnisse, Glaswaren, Eisenwaren, Maschinen aller Art, Werkzeuge, Elektrobedarf. Palästina weist 218 Warengattungen ln seiner Einfuhrstatistik auf, bei welchem Oesterreich als Herkunftsland genannt ist. Unter anderem: Hefe, Prangenkosuenhokt, Nägel, Oefen, Drahtwaren, Silberwaren und Kautschukwaren und viele andere Gebrauchsartikel. Einige Zahlen zum Vergleich: Baumwollwaren im Jahre 1932 141.000 Schilling, im ersten Halbjahr 1933 104.000 Schilling. Wirkwaren im Jahre 1932 50.000 Schilling, fm ersten Halbjahr 1933 42.000 Schilling. Damenkonfektion im Jahre 1032 38.000 Schilling, im ersten Halbjahr 1933 33.000 Schilling. Also überall fast Verdoppelung des Exportes. Der Anteil Oesterreichs am Gesamtimport Palästinas ist jedoch ein sehr geringer. Er bewegt sich durchschnittlich nur zwischen 1.7 und 1.8 Prozent. Eine erhebliche Vergrößerung des österreichischen Exports nach Palästina und den Nachbarländern ist sehr leicht möglich, was ja die Zahlen des Jahres 1933 schon andeuten. Oie Vorarbeiten für die Levante^ Messe Die Vorarbeiten für die Levante-Messe 1934 vollziehen sich weiterhin in einer Atmosphäre außerordentlichen internationalen Wohlwollens und Interesses. Jüdische produktive Initiative hat in Tel-Aviv eine neue Welthandelsbrücke zwischen Ost undWest errichtet, der man maßgebenden Kreisen praktische Bedeutung beimißt. Bereits heute haben zwölf Verkehrsverwaltungen aus elf Staaten dreier Erdteile namhafte Reise -und Transportrabatte für Aussteller und Einkäufer bewilligt. Aegypten: Die «Khedivial Mail-Line» auf der Rückreise: 25% Rabatt. Belgien: Die Antwerpner Reederei «Armement Deppe» für Messegüter hin und zurück: 25 %. Dänemark: Die dänischen Staatsbahnen Gesellschaftsreisen 30% hin und zurück. Deutschland: Die «Deutsche Levante Linie» für Messegüter 50% hin und zurück. Estland: Für Messegüter frei zurück und für Messebesucher auf der Rückreise 50%. Griechenland: Für Messebesucher für die Rückreise halber Preis, für Messegut freier Rücktransport. Großbritannien: Die «Ejlerman-Line» für Messegüter hin und zurück 25%. Oesterreich: Die Bundesbahnen für die Messebesucher 25% hin und zurück. Polen: Die «Polish Atlantic Shippoing Co.» auf der Konstanza-Palä6tina-Linie je 30% für hin und zurück, für Messebesucher und für Messegüter je 33%% für hin und zurück. Schweden: Die Svenska Orient-Line räumen Ausstellern Spezialraten und für Messegüter je 25% für hin und zurück ein. Syrien: Die syrischen Eisenbahnen gewähren Messest besuchern 40% auf die Hin- und Rückfahrt Rabatt. Tel-Awiw. Der Schatzkanzler W. J. Johnson empfing eine Abordnung, bestehend aus dem Vizebürgermeister von Tel-Awiw J. Rokach, dem Generaldirektor von Barclay» Bank in Palästina A. P. S. Clark und dem Mitglied des Direktoriums der Levante-Messe Idelson und Informierte sie über die Pläne der Regierung hinsichtlich ihrer aktiven Teilnahme an der kommenden Messe. Eine Gruppe ln Palästina weilender deutsch-jüdischer Gelehrter und Industrieller hat in diesen Tagen das Messegebäude besucht. Die feierliche Einweihung des 1 Halfaer Hafen® Nach einer offiziellen Ankündigung findet die feierliche Eröffnung des Hafens von Haifa nun endgültig am 31, Oktober um 12 Uhr mittags statt Etwa 500 Oäste aus Palästina und den Nachbarländern sind eingeladen. Ein Sonderzug wird aus Jerusalem die dortigen Gäste nach Haifa bringen. Der Oberkommissär wird sich im Flugzeug von Jerusalem nach Haifa begeben. Sodann wird er sich auf dem im Hafen liegenden Dampfer «lancastrlan Prince» begeben und an Bord desselben wird er dann in das Hafenbecken erfahren. Alsdann wird er den Hafen als eröffnet erklären, Der englische Thronfolger wird der Eröffnung nicht beiwohnen, doch wird sein Besuch in Haifa Ende des Jahres erwartet. Die Schulkinder von Haifa haben auf Wunsch des Oberkommissäre am Tage der Eröffnung des Hafens schulfrei. Beh. konz. RealbUro ING. M. MUHLBAUER Kaut und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., 11. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: Franz Josefs-Kai 11 Tel. R-25-IM4 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 180, Tel. R-41-8-88